Sonnenwunder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Sonnenwunder ist eine Erscheinung, die von mindestens 30.000 Menschen am 13. Oktober 1917 in der Cova da Iria nahe Fátima in Portugal beobachtet wurde und teilweise als Wunder eingestuft wird. Die Anwesenden hatten sich versammelt, um den gegenüber Jacinta und Francisco Marto sowie Lúcia dos Santos angekündigten letzten Besuch Marias mitzuerleben.[1]

Geschehen[Bearbeiten]

Entsprechend vielen Zeugenaussagen sollen nach einem Regenguss die Wolken aufgebrochen und die Sonne als eine undurchsichtige, sich drehende Scheibe am Himmel erschienen sein. Es wurde berichtet, sie sei erheblich weniger hell als gewöhnlich gewesen und habe bunte Lichter auf Landschaft, Anwesende, Wolken und Schatten geworfen. Die Sonne habe sich dann zur Seite geneigt und in einem Zickzackkurs auf die Erde zubewegt, worüber einige der Anwesenden so erschraken, dass sie dachten, das Ende der Welt stehe bevor. Augenzeugen berichteten, dass der vom Regen nasse Boden und ihre Kleidung binnen der ungefähr zehn Minuten, in denen das Ereignis stattfand, trocken geworden seien.

Schätzungen der Zahl der Augenzeugen reichen zwischen 30.000 bis 40.000 Menschen durch Avelino de Almeida, der für die portugiesische Zeitung O Século schrieb, bis zu 100.000, geschätzt durch Joseph Garrett, einem Professor für Naturwissenschaften an der Universität Coimbra, die beide an diesem Tag anwesend waren.

Das Wunder wurde von den Gläubigen der Nossa Senhora de Fátima (Unsere Liebe Frau von Fátima) zugeschrieben, einer Erscheinung der Jungfrau Maria gegenüber drei jungen Schäferkindern im Jahr 1917, die - wie den drei Kindern vorhergesagt - am 13. Juli, 19. August und 13. September stattfand. Die Kinder berichteten, die Dame habe ihnen versprochen, am Mittag des 13. Oktober im Cova da Iria ihre Identität ihnen gegenüber zu offenbaren und ein Wunder bereitzustellen, „damit alle glauben können.“

Die drei Schäferkinder sollen zusätzlich zu Aktivitäten der Sonne an jenem Tag auch ein Panorama von Visionen über Jesus von Nazaret, die Jungfrau Maria und den Heiligen Josef beim Segnen der anwesenden Menschenmenge gesehen haben.

Beschreibungen[Bearbeiten]

Die am häufigsten zitierten Beschreibungen des Geschehens, die zu Fátima berichtet werden, stammen aus Texten von John De Marchi, einem italienischen katholischen Priester und Forscher. De Marchi verbrachte sieben Jahre in Fátima, von 1943 bis 1950, wo er Ursprungsforschung und Interviews von Hauptpersonen in unbeschränkter Länge durchführte. In The Immaculate Heart, veröffentlicht 1952, berichtet De Marchi, dass „ihr Status (der Anwesenden am 13. Oktober) Gläubige und Ungläubige, fromme alte Damen und spottende junge Männer einschloss. Hunderte, von diesen gemischten Gruppen, haben formal Zeugnis gegeben. Berichte variieren; Eindrücke sind in kleineren Details verworren, aber keiner hat unseres Wissens direkt das sichtbare Sonnenwunder geleugnet.“ Dem widerspricht Kevin McClure und gibt an, dass er noch nie solch eine Ansammlung widersprüchlicher Erzählungen eines Falles in irgendeiner Forschung gesehen habe, die er in den vorhergehenden zehn Jahren gemacht habe.[2]

Kopie einer Seite aus „Ilustração Portuguesa“ vom 29. Oktober 1917. Die Menge betrachtet das Sonnenwunder während der Fátima-Erscheinung

Einige der Zeugenaussagen folgen unten. Sie sind John De Marchis verschiedenen Büchern über diese Angelegenheit entnommen.

  • Vor den Augen der erstaunten Menge, deren Anblick biblisch war, wie sie ohne Kopfbedeckung dastand, den Himmel begierig absuchend, zitterte die Sonne, machte plötzliche unglaubliche Bewegungen außerhalb aller kosmischen Gesetze - die Sonne 'tanzte' übereinstimmend im typischen Ausdruck der Leute. - Avelino de Almeida, schreibend für O Século (Portugals weitverbreitetste und einflussreichste Zeitung, die zu dieser Zeit regierungsfreundlich und antiklerikal war. Almeidas vorhergehende Artikel waren spöttisch zu den zuvor berichteten Fällen bei Fátima gewesen).
  • Die Sonne, in einem Moment umgeben von einer scharlachroten Flamme, in einem anderen umstrahlt in Gelb und Tiefpurpur, schien in einer außerordentlich schnellen und wirbelnden Bewegung zu sein, manchmal schien sie vom Himmel gelöst zu werden und sich der Erde zu nähern, starke Hitze ausstrahlend. - Dr. Domingos Pinto Coelho, schreibend für die Zeitung Ordem.
  • Die silberne Sonne, umhüllt im gleichen florartig grauen Licht, wurde wirbelnd gesehen und drehend sich im Kreis aufgebrochener Wolken ... Das Licht wechselte in ein schönes Blau, als ob es durch die Buntglas-Fenster einer Kathedrale gekommen sei, und verbreitete sich über die Leute, die mit ausgestreckten Händen knieten ... Leute weinten und beteten barhäuptig, in Gegenwart eines Wunders, das sie erwartet hatten. Die Sekunden schienen wie Stunden, so anschaulich waren sie. - Reporter für die Lissabonner Zeitung O Dia.
  • Die Sonnenscheibe blieb nicht unbeweglich. Dies war nicht das Funkeln eines Himmelskörpers, denn sie wirbelte um sich herum in einem wilden Strudel, als plötzlich ein Lärm von allen Leuten gehört wurde. Die Sonne schien sich wirbelnd vom Firmament zu lösen und bedrohlich auf die Erde zuzurücken, als ob sie uns mit ihrem riesigen feurigen Gewicht zerquetschen wolle. Die Empfindung während jener Momente war schrecklich. - Dr. Almeida Garrett, Professor der Naturwissenschaften an der Universität Coimbra.
  • So wie ein Blitz aus heiterem Himmel wurden die Wolken beiseitegerissen und die Sonne erschien am Zenit in all ihrer ganzen Pracht. Sie begann auf ihrer Achse wirbelnd zu rotieren, wie beim großartigsten Feuerrad, das man sich vorstellen könnte, alle Farben des Regenbogens annehmend und mehrfarbige Lichtblitze aussendend, den verblüffendsten Effekt produzierend. Dieses sublime und unvergleichbare Schauspiel, das drei verschiedene Male wiederholt wurde, dauerte ungefähr zehn Minuten. Die ungeheure Menge, überwältigt durch den Beweis von solch einem gewaltigen Wunder, warf sich auf ihre Knie. - Dr. Formigão, ein Professor am Priesterseminar von Santarém und ein Priester.
  • Ich fühle mich unfähig zum Beschreiben, was ich sah. Ich schaute unverwandt zur Sonne, die blass schien und meinen Augen nicht schmerzte. Aussehend wie ein Schneeball, um sich rotierend, schien sie plötzlich in einem Zickzack herunterzukommen, die Erde bedrohend. Erschrocken rannte ich und versteckte mich unter den Leuten, die weinten und das Ende der Welt in jedem Moment erwarteten. - Reverend Joaquim Lourenco, sein Jugenderlebnis in Alburitel beschreibend, achtzehn Kilometer von Fátima entfernt.
  • An diesem Tag, dem 13. Oktober 1917, ohne mich an die Vorhersagen der Kinder erinnernd, wurde ich verzaubert durch ein bemerkenswertes Schauspiel am Himmel in einer Art, die ich nie vorher gesehen hatte. Ich sah es von dieser Veranda. - Afonso Lopes Vieira, portugiesischer Poet.

Kritische Bewertung des Ereignisses[Bearbeiten]

Es existieren keine wissenschaftlichen Darstellungen von irgendeiner ungewöhnlichen Sonnen- oder astronomischen Aktivität während der Zeit, in der die Sonne wie berichtet "getanzt" habe, und es gibt keine Augenzeugenberichte über irgendwelche ungewöhnlichen Sonnenphänomene weiter als vierzig Meilen von der Cova da Iria entfernt.

Die Tatsache, dass ein nicht spezifiziertes Wunder vorausgesagt worden war, plötzlicher Anfang und Ende der außergewöhnlichen Aktivität der Sonne, wie sie für jene bis 18 Kilometer entfernten Menschen sichtbar war, die mannigfaltige Natur der Beobachter – die gleichermaßen Skeptiker wie Gläubige einschloss –, die bloßen Zahlen der anwesenden Personen und der Mangel jeden verursachenden Faktors schließt nach einer Ansicht insgesamt gemessen die Theorie einer Massen- bzw. Kollektivhalluzination, -suggestion oder Massenhysterie.

Visionäre behaupteten, dass die Gottesmutter im Rahmen der sich im Juli, August und September 1917 ereignenden Marienerscheinungen, heute bekannt als Unsere Liebe Frau von Fátima, versprochen hatte, dass ein Wunder am 13. Oktober 1917 geschehen würde, „damit alle glauben könn[t]en“. Pio Scatizzi (S. J.) beschreibt die Ereignisse von Fátima und folgert:

„Die [...] Sonnenphänomene wurden in keiner Sternwarte beobachtet. Unmöglich, dass die Nachricht so vielen Astronomen und natürlich den anderen Einwohnern der Hemisphäre entgehen sollte [...]; es ist unfraglich ein astronomisch oder meteorologisch sich ereignendes Phänomen [...]. Entweder wurden alle Beobachter in Fátima kollektiv getäuscht und irrten in ihrem Zeugnis oder wir müssen eine übernatürliche Intervention annehmen.“

Stewart Campbell, für die 1989er Ausgabe des Journal of Meteorology schreibend, postulierte, dass eine Wolke von stratosphärischem Staub das Aussehen der Sonne am 13. Oktober geändert habe, was es leicht gemacht habe, sie zu betrachten, und verursacht habe, dass sie gelb, blau und violett aussah und sich zu drehen schien. Zur Unterstützung seiner Hypothese verweist Campbell darauf, dass 1983 über eine blaue und gerötete Sonne in China berichtet wurde.[3]

Joe Nickell argumentiert, dass die Position des Phänomens, wie durch die verschiedenen Zeugen beschrieben, am falschen Azimut und falscher Höhe lag, um die Sonne gewesen zu sein.[4] Er deutet an, dass die Ursache eine Nebensonne gewesen sein kann. Gelegentlich als Parhelion oder Pseudo-Sonne bezeichnet, ist eine Nebensonne ein verhältnismäßig gewöhnliches atmosphärisches optisches Phänomen, das mit der Reflexion bzw. Brechung des Tageslichtes durch die zahlreichen kleinen Eiskristalle verbunden ist, die Cirrus- oder Cirrostratus-Wolken bilden. Jedoch ist hiergegen einzuwenden, dass eine Nebensonne ein stationäres Phänomen darstellt und nicht die berichtete Erscheinung der „tanzenden Sonne“ erklären würde. Nickell deutet an, dass eine Erklärung für dieses und andere ähnliche Phänomene in der temporären Netzhautverzerrung, verursacht durch Starren in intensives Licht und/ oder durch den Effekt hin und her schießender Augen, liegen könnte, um vollständig fixiertes Anstarren zu vermeiden – Bild, Nachbild und Bewegung folglich kombinierend. Nickell schlussfolgert ohne jedwede empirische Grundlage, dass es „wahrscheinlich eine Kombination von Faktoren [gab], einschließlich optischer und meteorologischer Phänomene (die Sonne, gesehen durch dünne Wolken, was ihr Erscheinen als silberne Scheibe veranlasse; eine Veränderung in der Dichte der vorüberziehenden Wolken, so dass die Sonne sich wechselweise erhellen und verdunkeln würde und auf diese Weise vorzurücken und zurückzutreten scheine; Staub oder Feuchtigkeitströpfchen in der Atmosphäre, dem Tageslicht eine Vielzahl von Farben gebend).“

Paul Simons gibt in einem Artikel, erschienen in der Times, an, dass einige der optischen Effekte bei Fátima durch Staubwolken aus der Sahara verursacht worden sein könnten, jedoch ohne irgendeinen Nachweis für das Vorhandensein derselben zum Zeitpunkt der Erscheinung zu liefern.[5]

Kevin McClure behauptet, dass die Menge in der Cova da Iria erwartet haben könnte, Zeichen in der Sonne zu sehen, weil ähnliche Phänomene in den bis zum Wunder führenden Wochen berichtet worden waren. Auf dieser Grundlage glaubt er, dass die Menge sah, was sie sehen wollte. Jedoch wurde zurecht eingewandt, dass McClures Darstellung nicht ähnliche Berichte der Meilen entfernten Leute erklären kann, die nach ihren eigenen Aussagen zu dieser Zeit gar nicht an das Ereignis dachten, oder das plötzliche Trocknen der durchweichten regengetränkten Kleidung der Leute.

Leo Madigan glaubt, dass die Berichte der Augenzeugen von einem Wunder subjektiv zutreffend, aber nicht übereinstimmend waren und meint, dass Erstaunen, Furcht, Verherrlichung und Phantasie Wahrnehmung und Berichte geformt haben müssen. Madigan vergleicht die Erfahrungen mit Gebeten und sieht dementsprechend die Erfahrungen als spirituell und daher subjektiv sowie individuell an.[6]

Autorin Lisa Schwebel behauptet, dass das Ereignis ein übernatürliches außersinnliches Phänomen war. Sie merkt an, dass das Sonnenphänomen, das bei Fátima berichtet wird, nicht einzigartig sei, da es einige Berichte über Versammlungen von Gläubigen mit ähnlich hoch gespannten Erwartungen gegeben habe, bei denen ungewöhnliche Lichterscheinungen am Himmel aufgetreten seien.[7]

Es ist argumentiert worden, dass das Fátima-Phänomen und viele UFO-Sichtungen eine gemeinsame Ursache teilen,[8] oder sogar, dass das Phänomen ein Alien-Fahrzeug war.[9]

Protestantische Kommentatoren nehmen im Allgemeinen keine wundersame Natur des Phänomens an; einige nehmen einen übernatürlichen Vorgang an, schreiben ihn aber Satan statt Gott zu.[10]

Viele Jahre nach den fraglichen Ereignissen schlug Stanley L. Jaki, ein benediktinischer Priester und Autor einer Anzahl von Büchern über die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Katholizismus, eine Theorie über das angenommene Wunder vor. Jaki glaubt, dass das Ereignis natürlich und in der Natur meteorologisch war, aber dass es ein Wunder war, da die Tatsache des Ereignisses zur genauen vorausgesagten Zeit auftrat.[11]

Anerkennung[Bearbeiten]

Das Ereignis wurde offiziell als Wunder durch die römisch-katholische Kirche am 13. Oktober 1930 akzeptiert. Am 13. Oktober 1951 erklärte der päpstliche Legat und Kardinal Federico Tedeschini der in Fátima versammelten Menschenmenge, dass am 30. Oktober, 31. Oktober, 1. November und 8. November 1950 Papst Pius XII. selbst das Sonnenwunder von den Vatikanischen Gärten aus sah.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John De Marchi: The True Story of Fátima. Catechetical Guild Entertainment Society , St. Paul Minnesota 1952
  • John De Marchi: The Immaculate Heart. Farrar, Straus and Young , New York 1952
  • John de Marchi: Fatima : From the beginning, 2. Auflage. Ravengate Press 1980, ISBN 0-911218-16-5
  • John M. Haffert: Das Sonnenwunder von Fatima - Begegnung mit Zeugen. Frankfurt am Main, 2008.
  • Kevin McClure: Beweise: Erscheinungen der Jungfrau Maria. Knaur Verlag, München, 1987, ISBN 3-426-03780-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Soweit nicht anders angegeben, stützen sich Angaben und Zitate auf die unter „Literatur“ genannten beiden Bücher von John De Marchi. Der englische Wikipedia-Artikel enthält eine Fülle von Fußnoten hierzu, auf die hingewiesen und auf deren einzelne Wiedergabe hier verzichtet wird.
  2. Kevin McClure (1983) The Evidence for Visions of the Virgin Mary. Aquarian Press, ISBN 0-85030-351-6
  3. Fátima's dusty veil, New Humanist, Vol 104 no. 2, August 1989 und The Miracle of the Sun at Fátima, Journal of Meteorology, UK, vol. 14, no. 142, October 1989.
  4. Joe Nickell (1993) Looking for a Miracle: Weeping Icons, Relics, Stigmata, Visions and Healing Cures. Prometheus, ISBN 0-87975-840-6
  5. Weather Secrets of Miracle at Fátima, Paul Simons, The Times, February 17, 2005.
  6. Leo Madigan (2003), The Children of Fátima Our Sunday Visitor Inc., ISBN 1-931709-57-2
  7. Lisa J. Schwebel (2003) Apparitions, Healings, and Weeping Madonnas: Christianity and the Paranormal Paulist Press, ISBN 0-8091-4223-6.
  8. D Scott Rogo (1982) Miracles Doubleday, ISBN 0-385-27202-2
  9. http://rigorousintuition.blogspot.com/2005/05/sheep-look-up.html
  10. J. D Johnson (1996) Signs of the Saucers: A Revealing Study of the Flying Saucer-UFO Phenomenon's Role in the Final Spiritual Crisis Between Christ and Satan and the Coming New World Order TEACH Services, Inc., ISBN 1-57258-133-6.
  11. Jaki, Stanley L. (1999) God and the Sun at Fátima. Real View Books
  12. Joseph Pelletier. (1983). The Sun Danced at Fátima. Doubleday, New York. p. 147–151.