Sonnenzeit

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Anzeige der wahren Ortszeit auf einer Sonnenuhr an einem Kirchturm
Wandsonnenuhr (Standort etwa 8° Ost)
mit Stunden-Linien (WOZ) und -Schleifen (MOZ für 15° Ost = MEZ)

Die Sonnenzeit ist am Tageslauf der Sonne orientiert und vergeht im Gegensatz zur wissenschaftlich und technisch (physikalische Zeit) und im bürgerlichen Leben (bürgerliche Zeit) gebrauchten mechanischen Zeit ungleichmäßig. Vor der Einführung der von zuerst mechanischen Uhren angezeigten gleichmäßig vergehenden Zeit wurde die Tageszeit meistens mit Hilfe der ungleichmäßig vergehenden Sonnenzeit angegeben und mit Hilfe von Sonnenuhren gemessen (siehe nebenstehende Abbildung).

Ursachen des ungleichmäßigen Vergehens der Sonnenzeit beziehungsweise des ungleichmäßigen scheinbaren Laufs der Sonne durch den Himmel sind

  • die Jahresbewegung der Erde auf elliptischer, das heißt nicht-kreisförmiger Bahn um die Sonne,
  • und die nicht senkrecht auf dieser Bahn stehende Erdachse.

Die Sonnenzeit ist je zweimal im Jahr bis maximal etwa eine Viertelstunde gegenüber der gleichmäßig vergehenden Zeit “vor-” beziehungsweise “nachgehend”, was mit Hilfe der sogenannten Zeitgleichung quantitativ dargestellt wird.

Die gleichmäßig vergehende Zeit lässt sich auch als Folge einer gedachten, gleichmäßig durch den Himmel laufenden, sogenannten mittleren Sonne vorstellen. Daraus entstand der Begriff mittlere Sonnenzeit (MSZ) als Gegenstück zur von der wahren Sonne “gemachten” wahren Sonnenzeit (WSZ), die sich auf modernen Sonnenuhren auch anzeigen lässt (siehe nebenstehndede Abbildung).

Die Sonnenzeit ist vom Ort der Beobachtung abhängig. Mittag oder 12 Uhr Sonnenzeit ist, wenn die Sonne den Meridian durchläuft. Da der Meridian an die geografische Länge eines Ortes gebunden ist, haben Orte auf unterschiedlichen Längengraden verschiedene Sonnenzeit. Die Sonnenzeit ist somit eine Ortszeit, wobei anlog zur oben angegebenen Unterscheidung von wahrer Ortszeit (WOZ) und mittlerer Ortszeit (MOZ) gesprochen wird.

Die von den mechanischen Uhren angezeigte mittlere Ortszeit war anfänglich mit der mittleren Sonnenzeit identisch. Mit der Bildung von Zeitzonen wurde das den Kontakt störende Nebeneinander von mittleren Ortszeiten benachbarter Städte zugunsten in breiteren Zonen gültigen Zonenzeiten beseitigt. In Erinnerung an die Zeitverschiebung zwischen Orten auf verschiedenen Längengraden ist die Bezeichnung Ortszeit als Synonym für Zonenzeit noch in Gebrauch, wobei aber aus einem Ort eine relativ breite Zone geworden ist. Die Bindung an die von der Sonne bestimmte Tageszeit ist damit weitgehend verloren gegangen. Es gibt Zeitzonen, durch die der Längengrad, auf dem die mittlere Sonne eine mittlere Ortszeit “macht”, nicht verläuft. Folgerichtig ist, dass bei Verwendung von Ortszeit als Synonym für Zonenzeit die Rolle der Sonne als “Zeitmacher” in der Regel unbeachtet bleibt.