Sopdet

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Dieser Artikel befasst sich mit der Göttin Sopdet. Für das Sternbild und den Dekan der Göttin Sopdet siehe Sopdet (Sternbild).
Sopdet in Hieroglyphen
Altes Reich
S29 M44 Q3
D46
X1
N14
[1]
Mittleres Reich
S29 M44 D46
X1
N14 B1

oder
S29 p
t
M17 M17 t
H8
C9

Sopdet
Spd.t
Die gefährliche Göttin [2]
Griechisch Σωθις (Sothis) oder Sirius
Sopdet.svg
Sopdet

Sopdet (auch griech. Sothis, Satis) ist als altägyptische Himmels- und Neujahrsgöttin seit der frühdynastischen Zeit belegt. Als Verkörperung des Sterns Sirius und Schutzgöttin des verstorbenen Königs (Pharao) half sie ihm bei seinem anschließenden Himmelsaufstieg. Somit ist Sopdet auch die Göttin der Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und des Ursprungs der Welt.

Darstellung[Bearbeiten]

Von Sopdet gibt es unterschiedliche Darstellungen. Meist ist sie als stehende Frau dargestellt, häufig auch in einem Boot. Einige Abbildungen zeigen sie mit Federschmuck, einer Krone aus Schilfbündeln (wie die Göttin Anuket) oder mit der Hörnerkrone der Hathor.

In Verschmelzung mit Satet, zu Sopdet-Satet, trägt sie die oberägyptische Krone und Antilopenhörner mit einem Stern dazwischen. In ihrer Verbindung zu Satet erhält Sopdet zudem Pfeil und Bogen. In Deir el-Medina erscheint sie in Gestalt einer Kuh mit einem Stern auf der Sonnenscheibe.

Mythologische Verbindungen[Bearbeiten]

Sopdet und die Nilüberschwemmung[Bearbeiten]

Von der frühdynastischen Zeit bis zum Mittleren Reich fungierte Sopdet zunächst als „Verkünderin der Nilüberschwemmung“. Vom Mittleren bis zum Neuen Reich übernahm Sopdet die Rolle als „Mutter der Nilüberschwemmung, die sie alljährlich neu gebiert“. Seit Ende des Neuen Reichs galt die Nilüberschwemmung aufgrund ihres Auftretens im Sommer als „Schweiß des Urozeans“. Erst in der Ptolemäerzeit bekam sie den Beinamen „Bringerin der Nilüberschwemmung“.

Im Buch vom Fayum, das in der Ptolemäerzeit entstand, führte Sopdet im Verbund mit Anukis und Satis als „Bringerin der Nilüberschwemmung“[3] die weiteren Beinamen „Herrin des Nils“ und „Herrin von Elephantine“: Sie (Sopdet) ergießt den Nil in Elephantine, um das Gebiet von Schedet und Neni-nisu zu überschwemmen.[4] Im weiteren Verlauf der griechisch-römischen Zeit geht aus den Inschriften des Tempels von Esna die erneut veränderte Rolle von Sopdet hervor, die nun nicht mehr als „Bringerin der Nilüberschwemmung“ auftrat, sondern erst während des Hochwassers nach Ägypten heimkehrte: Wie schön ist dein Aufgehen inmitten der Flut, der starken Überschwemmung, die auf dem Wasser ist.[5]

Sopdet als Himmelsgöttin[Bearbeiten]

Elfenbeintäfelchen des Djer: Sopdet als Neujahrsgöttin

Als Verkörperung von Hathor, manchmal auch als Isis, übernimmt Sopdet am Nachthimmel zusammen mit Osiris und dessen Sternbild Sah eine zentrale Rolle. Von ihr wird gesagt, dass sie beim Schöpfungsakt anwesend war; der Stand der Himmelskörper zur Zeit des heliakischen Aufgangs des Sirius wird mit dem ersten Tag der Welt gleichgesetzt. Aufgrund dieser Bedeutung war das „Hervorkommen der Sopdet“ seit jeher ein großes und vielumjubeltes Neujahrsfest. Noch im zweiten Jahrhundert v. Chr. symbolisierte das „Hervorkommen“ die Geburt der Sopdet nach ihrer Rückkehr aus der Unterwelt.[6]

Sirius ist der hellste Stern am Himmel und steht in direktem Zusammenhang mit dem ägyptischen Sothis-Kalender. Als Verkörperung von Sirius erhielt Sopdet auch die Bezeichnungen Geburtsgöttin der Sterne sowie Begleiterin der sterbenden Sterne, da ihr Sternbild einerseits am Morgen bei ihrer Geburt und andererseits am Abend bei ihrem Gang in die Unterwelt in den Dämmerungsphasen vor allen anderen Sternen über dem Horizont zuerst sichtbar ist. In den mythologischen Texten wird ihre besondere Rolle beim heliakischen Aufgang beschrieben:

„Was getan wird am 1. Achet I angesichts des Hervorkommens von Sopdet: Alle Sterne entstehen durch das Hervorkommen der Sopdet. Es ist doch so, dass Sopdet gemeinsam mit Re beim Aufgang erscheint und den Weg der Sterne zieht, der beschrieben ist im Buch der Auflösung.“

Nutbuch[7]

Kult und Kultorte[Bearbeiten]

Es entwickelte sich schon früh ein ausgeprägter Kult in Verbindung mit der Nilüberschwemmung, die für das Leben der Ägypter lebensnotwendig war. Sopdet war daher unter anderem zuständig für die Fruchtbarkeit des Landes. In Elephantine übte die dort ansässige Göttin Satet eine ähnliche Funktion aus, zumal der dortige 1. Katarakt in prädynastischer Zeit als Nilquelle angesehen wurde. Zusammen mit Sah und Sopdu bildete Sopdet eine Triade. Weitere Gleichsetzungen erfolgten mit Tefnut und Sachmet. Sopdet fand Verehrung in: Elephantine, Philae, Dendera, Memphis und dem Fayum.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6.
  • Heinrich Brugsch: Thesaurus inscriptionum Aegyptiacarum - Altägyptische Inschriften - (Reprint 1883). Akademie-Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1968.
  • Christian Leitz u.a.: Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen (LGG) - Bd. 6: H̱ - s (= Schriftenreihe: Orientalia Lovaniensia analecta. (OLA) 115). Peeters, Leuven 2002, ISBN 90-429-1151-4.
  • Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne – Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5.
  • Alexandra von Lieven: Der Himmel über Esna – Eine Fallstudie zur religiösen Astronomie in Ägypten am Beispiel der kosmologischen Decken- und Architravinschriften im Tempel von Esna. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-4470-4324-5.
  • Alexandra von Lieven: Wein, Weib und Gesang - Rituale für die Gefährliche Göttin. In: Carola Metzner-Nebelsick: Rituale in der Vorgeschichte, Antike und Gegenwart - Studien zur Vorderasiatischen, Prähistorischen und Klassischen Archäologie, Ägyptologie, Alten Geschichte, Theologie und Religionswissenschaft. Interdisziplinäre Tagung vom 1.-2. Februar 2002 an der Freien Universität Berlin. Leidorf, Rahden 2003, S. 47-55.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sopdet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pyramidentext 151b.
  2. Alexandra von Lieven: Wein, Weib und Gesang - Rituale für die Gefährliche Göttin. S. 47.
  3. Horst Beinlich: Das Buch vom Fayum: Zum religiösen Eigenverständnis einer ägyptischen Landschaft. Harrassowitz, Wiesbaden 1991, ISBN 3-4470-3117-4, S. 15 und 77–78.
  4. Christian Leitz: LGG. S. 293.
  5. Alexandra von Lieven: Der Himmel über Esna. S. 76.
  6. Alexandra von Lieven: Von Sternen und Schweinen. Religiöse Astronomie im Alten Ägypten. Archäologie online: 12. Oktober 2007, S. 5.
  7. Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. S. 61.