Sophia-Universität

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Sophia-Universität
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Motto Lux Veritatis
Gründung 1913
Trägerschaft Katholische Kirche (SJ)
Ort Chiyoda, Tokio
Leitung Toshiaki Koso SJ
Studenten 11.986 (2011)
Mitarbeiter 1.564 (2011)
davon Professoren 1.271 (2011)
Website sophia.ac.jp/
Der Ichigaya-Campus

Sophia-Universität (jap. 上智大学, Jōchi Daigaku; Latein: Universitas Sedes Sapientiae) ist eine japanische Privatuniversität in kirchlicher Trägerschaft. Sie liegt in Kioi-chō, Chiyoda, Tokio (nächster Bahnhof Yotsuya).

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im 16. Jahrhundert bewertete der Jesuitenmissionar Franz Xaver den Charakter der Japaner hoch und schrieb einen Brief nach Rom mit der Hoffnung auf eine Universität in der japanischen Hauptstadt.

Einem Wunsch von Papst Pius X. folgend, wurden von der Ordensleitung drei Jesuiten nach Japan berufen. Am 18. Oktober 1908 kam Joseph Dahlmann SJ mit Henri Boucher, vorheriger Leiter einer Jesuitenakademie in Schanghai, und dem Amerikaner James Rockliff, ein in Österreich ausgebildeter gebürtiger Engländer und ehemaliger Superior in einer Jesuitenprovinz in den Vereinigten Staaten, in Yokohama an.[1] 1911 gründeten sie die rechtsfähige Stiftung und den Schulträger „Jōchi Gakuin“. 1913 erfolgte die offizielle Gründung der Hochschule als Jōchi Daigaku, später Sophia-Hochschule, auf der Grundlage des Fachschulerlasses durch Hermann Hoffmann SJ. 1928 erlangte diese auch die staatliche Anerkennung des Universitätsstatus aufgrund des Universitätserlasses.[1] Im Jahre 2004 überwiegen die Studentinnen, doch fand die Einführung der Koedukation verspätet erst 1957 statt.

Der Name Sophia wurde 1926 aus dem Sedes Sapientiae (Sitz der Weisheit) der Lauretanischen Litanei abgeleitet (die Grundbedeutung von Sophia ist auf griechisch „Gottes Weisheit“). Der erste Rektor war der deutsche Philosoph Hermann Hoffmann SJ.

Die Sophia-Universität brachte Talente hervor, die als Premierminister, bei internationalen Organisationen und im Journalismus glänzten. Bei den japanischen Privatuniversitäten hat sie eine feste Stelle errungen. Bei den Universitätsaufnahmeprüfungen steht sie an dritter Stelle nach Waseda- und Keiō-Universität, v.a. für die „Weisheit in der englischen Sprache“ ist sie wohlbekannt.

Bis 1948 lag die Sophia-Universität in der Verantwortung der Niederdeutschen Provinz des Jesuitenordens, seitdem in der neugegründeten japanischen Vizeprovinz des Ordens. Das Erzbistum Köln unter Joseph Kardinal Frings finanzierte in den 1950er Jahren den weiteren Ausbau der Universität[2], ebenso wie die deutsche Regierung unter Konrad Adenauer sowie Unternehmen wie Volkswagen, Zeiss und Krupp.[1]

Organisation[Bearbeiten]

Etwa 1.500 Hochschuldozenten unterrichten auf vier Campus (Yotsuya, Mejiro Seibo, Ichigaya, Shakujii) über 12.000 Studenten aus über 27 verschiedenen Nationen in Bachelor, Master und PhD-Programmen. Die Hochschule verfügt über einen japanischsprachigen und einen englischsprachigen Campus. Auf dem japanischen Campus machen die Fakultäten für Fremdsprachen den größten Anteil aus. So gibt es allein für Deutsch drei Fakultäten: deutsche Sprache, deutsche Literatur und Germanistik.[3] Mit 148 Partnerinstituten in 35 Nationen ist sie eine besonders international geprägte Universität.

Rektoren waren[1]:

  • 1910-1913: Hermann Hoffmann SJ (1863–1937), deutscher Philosoph
  • 1913-1937: Hermann Hoffmann SJ (1863–1937), deutscher Philosoph
  • 1937-1940: Hermann Heuvers SJ (1890–1977), deutscher Kulturwissenschaftler
  • 1940-1946: Paul Yachita Tsuchihashi SJ (1866-1965), japanischer Geisteswissenschaftler[4]
  • 1946-1953: Naojiroo Murakami, japanischer Geisteswissenschaftler
  • 1953-1968: Takashi Oizumi SJ, japanischer Geisteswissenschaftler
  • 1968-1975: Mikao Moriya, japanischer Ingenieurwissenschaftler
  • 1975-1981: Giuseppe Pittau SJ (*1928), italienischer Rechtswissenschaftler
  • 1981-1984: Mutsuo Yanase SJ, japanischer Ingenieurwissenschaftler
  • 1984-1987: Tomosuke Hashiguchi, japanischer Geisteswissenschaftler
  • 1987-1993: Masao Tsuchida SJ, japanischer Geisteswissenschaftler
  • 1993-1999: Keiji Otani, japanischer Geisteswissenschaftler
  • 1999-2005: William J. Currie SJ (* 1935), US-amerikanischer Kulturwissenschaftler
  • seit 2005: Yoshiaki Ishizawa (* 1937), japanischer Sprachwissenschaftler

Fakultäten[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

Die japanologisch-wissenschaftliche Zeitschrift Monumenta Nipponica wird halbjährlich von der Sophia-Universität herausgegeben.

Graduiertenabteilung[Bearbeiten]

  • Theologische Abteilung
  • Philosophische Abteilung
  • Literarische Abteilung
  • Abteilung der Liberal Arts (2005 gegründet)
  • Juristische Abteilung
  • Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung
  • Abteilung für Fremdsprachen
  • Abteilung für Naturwissenschaften und Technik

Bekannte Hochschullehrer[Bearbeiten]

  • Inoguchi Kuniko: Professorin für Rechtswissenschaften, ständige Vertreterin Japans bei der Abrüstungskonferenz in Genf und Staatsministerin für geschlechtliche Gleichstellung und Staatsministerin für Jugendangelegenheiten und Maßnahmen gegen die sinkende Geburtenrate
  • Klaus Luhmer SJ (1916–2011): Professor für Pädagogik, Rektor der Sophia-Universität
  • Adolfo Nicolás SJ (* 1936), von 1971 bis 2002 Professor für systematische Theologie; seit 2008 Generaloberer der Societas Jesu (Jesuitenorden)
  • Ogata Sadako: ehemalige Professorin für Politikwissenschaften und frühere Flüchtlingskommissarin der Vereinten Nationen
  • Ludvík Armbruster SJ: Professor für Philosophie
  • Klaus Riesenhuber SJ: Professor für Philosophie

Bekannte Absolventen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Bitter (Hersg.): Sophia Universitaet, 1913–1938, Tokio 1938
  • Peter Milward: The History of Sophia, In: Yanase, Musuo (Hg.): The Future Image of Sophia University: Looking Toward the 21st Century. Tokio: Sophia University, 1989, S. 55–75.
  • Theodore Geppert: „The Early Years of Sophia University“, Tokio 1993

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Harald Fuess: „Deutsche Jesuiten in Japan“ (PDF; 99 kB), abgerufen am 3. März 2012
  2. Norbert Trippen: „Josef Kardinal Frings (1887-1978): Sein Wirken für die Weltkirche und seine letzten Bischofsjahre“, F. Schöningh 2005, Kap. 5 Die Förderung der Sophia-Universität
  3. „Die Sophia Universität in Tokio“, TU Berlin, abgerufen am 3. März 2012
  4. „Born A Japanese Samurai, And Truely Lived As A Jesuit“, abgerufen am 4. März 2012