Sorge (Harz)

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51.692510.6975498Koordinaten: 51° 41′ 33″ N, 10° 41′ 51″ O

Sorge
Wappen von Sorge
Höhe: 498 m
Fläche: 5,92 km²
Einwohner: 85 (1. Jan. 2014)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38875
Vorwahl: 039457
Benneckenstein Elbingerode Elend Hasselfelde Königshütte Rübeland Sorge Stiege Tanne Trautenstein Landkreis HarzKarte
Über dieses Bild

Lage von Sorge in Oberharz am Brocken

Sorge ist ein Ortsteil der Stadt Oberharz am Brocken im Harz im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt).

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sorge liegt an der Bundesstraße 242 zwischen Braunlage und Tanne (Harz), unweit der niedersächsischen Grenze. Westlich des Ortes zweigt eine Verbindungsstraße über das Forsthaus Wietfeld nach Elend ab. Ferner führt durch den Ort die Harzquerbahn, die hier über einen Haltepunkt verfügt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Ort auch einen Anschluss an die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne.

Namensentstehung[Bearbeiten]

Wie der Onomastiker Karlheinz Hengst für gleichlautende und ähnliche mitteldeutsche Ortsnamen belegen konnte, signalisiert die Bezeichnung Sorge noch heute die zur Zeit der Gründung des Ortes herrschenden sorgenvollen Verhältnisse.[1] Im Ort selbst ist hingegen die Auffassung verbreitet, dass sich der Name Sorge von dem mittelhochdeutschen Wort Zarge = Grenze ableitet. Im Mittelalter und ab dem 16. Jahrhundert verliefen bei Sorge - wie auch bei anderen Harzorten - die Grenzen verschiedener Herrschaftsbereiche. Nach dem Wiener Kongress verlief bei Sorge die Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Braunschweig. Von 1945 bis 1990 lag Sorge an der innerdeutschen Grenze. [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Haltepunkt der Harzquerbahn

Der Ort ist aus einem Hüttenwerk (Eisenhammer zur Produktion von Eisen) hervorgegangen, das 1224 als Niedervogelsfelde erwähnt wird. Das eigentliche Hüttenwerk Sorge und damit auch der Ortsname entstand erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts. 1506 wird ein Hüttenmeister zu Sorge erwähnt. Die Bewohner sorgten zum größten Teil durch Köhlerei und die Viehwirtschaft für ihren Lebensunterhalt. Der Ort lag früher im Amt Benneckenstein des hannoverschen Anteils der Grafschaft Hohenstein. Zur Zeit der französischen Besetzung des Harzes gehörte Sorge zum Königreich Westfalen und war Teil des Harzdepartements, Distrikt Nordhausen, Kanton Benneckenstein.

Benneckenstein mit Sorge gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg nicht zum Hannoverschen Anteil der Grafschaft Hohnstein, sondern als Exklave zum preußischen Kreis Grafschaft Hohenstein (s. z. B. Karte der Grafschaft Hohenstein, um 1910). Bis ca. 1740 war Benneckenstein schwarzburgisch (teils Sondershausen, teils Rudolstadt) und wurde damals von Preußen erworben.

Von 1945 bis 1990 lag Sorge an der deutsch-deutschen Grenze.

Am 25. Juli 1952 wurde Sorge in den Kreis Wernigerode des neu gebildeten DDR-Bezirks Magdeburg integriert. Seit 1990 gehört es zum Bundesland Sachsen-Anhalt.

Mit Eröffnung der Harzquerbahn erhielt der Ort Sorge im März 1899 Anschluss an das Eisenbahnnetz. Bereits im August des gleichen Jahres folgte mit der Eröffnung der Zweiglinie der Südharzbahn ein weiterer Anschluss. Die Bahnen wurden durch ein Brückenbauwerk übereinander weg geführt. Eine Gleisverbindung gab es aus behördlicher Konkurrenzangst zunächst nicht. Der Bahnsteig der Südharzbahn lag einige Meter über dem der Harzquerbahn auf einem Damm. Das Umsteigen der Fahrgäste in Sorge wurde allgemein durch den Niveauunterschied zwischen den Bahnsteigen stets als lästig empfunden. 1911 baute man eine eiserne Treppe mit Gepäckaufzug und Gleisbrücke, die das Queren der Gleise überflüssig machte.

Erst 1913 wurde ein Verbindungsgleis gebaut, das zunächst nur für Kurswagen im Personenverkehr gedacht war. Später befuhren alle Personenzüge den Bahnhof Sorge der Harzquerbahn an. Züge, die nach Tanne weiterfahren sollten, fuhren dann zurück auf die Südharzbahn-Strecke und von da aus weiter am oberen Haltepunkt vorbei Richtung Tanne.

Durch die deutsche Teilung hielten in Sorge nach 1945 nur noch Züge der Harzquerbahn. Das Empfangsgebäude wurde wegen Schwammbefall und im Zuge von Grenzsicherungsmaßnahmen abgerissen. Zu erkennen ist noch der einstige Standort. Für die Harzquerbahn wurde 1974 ein neuer Haltepunkt in der Ortsmitte errichtet.

Am 1. Januar 2010 schloss sich die Gemeinde Sorge mit den Gemeinden Elend, Stiege und Tanne sowie den Städten Elbingerode (Harz), Hasselfelde und Benneckenstein (Harz) zur Stadt Oberharz am Brocken zusammen.[3]

Politik[Bearbeiten]

Wappen von Sorge

Bürgermeister[Bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Inge Winkel.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein roter Hirschkopf mit zehnendigem Geweih über grünem Dreiberg.“

Sorge führte ein Wappen in Gewohnheitsrecht, das weder heraldisch korrekt dargestellt noch staatlich genehmigt war. Der Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch erhielt 1995 darum den Auftrag, ein Wappen zu entwickeln, das Elemente des bisherigen Wappens aufnimmt. So wurden ein Hirschkopf im Sinne pars pro toto und ein Dreiberg in Bezug zur naturellen Umgebung gewählt.

Die Farben von Sorge sind: Rot – Silber (Weiß).

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Sorge ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts touristisch erschlossen. Die Harzquerbahn und die Nähe zur Bundesstraße 242 sorgen für eine gute Verkehrsanbindung. Der Ort liegt im Naturschutzgebiet Harzer Bachtäler sowie an mehreren Wanderwegen und bietet Einstiege in das Mountainbike- und Skilanglaufnetz. Das Ortsbild wird von einigen Fachwerkhäusern geprägt, die unter Denkmalschutz stehen.

Die Dokumentationsstätte im Landhaus Weichelt, Köhlerberg 4, bietet Informationen zur Ortsgeschichte. Darüber hinaus gibt es Ausstellungen zu verschiedenen Themen, vor einigen Jahren zum Beispiel „Archäologische Funde beim Neubau der Bundesstraße 6n“ oder „Otto der Große – Bayern und Europa“. Etwa zwei Kilometer vom Ortskern in Richtung Westen liegt das Grenzmuseum Sorge mit einem Stück im Originalzustand erhaltener Grenzanlagen aus der Zeit des Kalten Krieges und dem „Ring der Erinnerung“.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Alte Faktorei
  • Rundwanderwege mit Informationstafeln
  • Ausstellung des Grenzmuseums im Bahnhofsgebäude
  • Historisches Hotelgebäude "Sorgenfrei"
  • Beleuchtete Futterstelle zur Wildbeobachtung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karlheinz Hengst: Sorge als Name im Erzgebirge und seinem Vorland. In: Erzgebirgische Heimatblätter 1/2009, S. 4-9.
  2. Emil Vogel: Die Entwickelung des Eisenhüttenwerks Sorge vom 1. Januar 1894 bis 1. Januar 1919: mit einem geschichtlichen Rückblick auf die Vergangenheit und die Beziehungen zur Gemeinde Sorge i. Harz : Jubiläumsschrift 1919
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010