Höhenkrankheit

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Klassifikation nach ICD-10
T70.- Schäden durch Luft- und Wasserdruck
T70.2 Sonstige und nicht näher bezeichnete Schäden durch große Höhe, inkl. Höhenkrankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Als Höhenkrankheit bezeichnet man einen Komplex von Symptomen, der bei Menschen auftritt, die sich in große Höhe begeben oder dort leben. Andere Bezeichnungen sind D'Acosta-Krankheit (nach José de Acosta) und im Englischen high-altitude illness oder acute mountain sickness (AMS).

Symptome sind Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Atemnot, Schwindel, Ohrensausen, Schlafschwierigkeiten, Ödeme in Lungen und Gehirn sowie verminderte Wasser- und Salzausscheidung. Die Höhenkrankheit kann unbehandelt bis zum Tod führen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Betroffene

[Bearbeiten] Bergsteiger

Bergsteiger beim Höhenbergsteigen über etwa 2000 Meter[1] können von der Höhenkrankheit betroffen sein.

[Bearbeiten] Bewohner von Höhenlagen

In Lateinamerika, wo zahlreiche große Städte wie La Paz, Cuzco oder Quito in den Anden auf einer Höhe bis über 3000 Meter liegen, ist die Höhenkrankheit, „Soroche“ genannt, ein ständiges Problem für viele Einheimische und auch Reisende. Tibeter haben genetisch bedingt eine erhöhte Atemfrequenz, so dass sie – im Gegensatz zu den Indigenen Völkern Südamerikas – nicht erkranken.[2]

[Bearbeiten] Ursachen und Verlauf

Das Krankheitsbild der (akuten) Höhenkrankheit ist gekennzeichnet durch Erbrechen, Atemnot auch in Ruhe, schwerem Husten mit bräunlichem Auswurf und extrem verringerte bis fehlende Harnproduktion (<0,5 l/24h).

Die Ursache liegt darin, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt und damit auch der Sauerstoff-Partialdruck. Dies führt zur sogenannten hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion (Euler-Liljestrand-Mechanismus). Dadurch verringert sich die Sauerstoffaufnahme in der Lunge weiter. Zusätzlich kommt es stressbedingt zu einer Blutdruckerhöhung (Hypertonus), diese bewirkt, dass vermehrt Flüssigkeit aus dem Blut der Lungengefäße in die Lungenbläschen (Alveolen) abgepresst wird so dass ein Lungenödem auftritt. Es tritt eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) ein. Die körpereigene Atemregulation wirkt dem nicht entgegen, da sie vornehmlich auf den Kohlendioxidgehalt des Blutes reagiert. Dieser steigt bei abnehmendem Luftdruck aber nicht an.

Die Hauptgefahr besteht darin, dass sich durch die Blutdruckerhöhung in der Lunge und anderen Körpergeweben (z. B. dem Gehirn) Flüssigkeit ansammelt und dort Ödeme bildet.

Akute und lebensbedrohliche Formen, die sich aus der Höhenkrankheit ergeben können, sind:

Aufgrund des herrschenden Sauerstoffmangels kommt es zu einer reflektorischen Hyperventilation, die durch vermehrtes Abatmen von CO2 zu einer respiratorischen Alkalose führt (eine Anhebung des pH-Wertes im Blut, das Blut wird entsäuert bzw. alkalischer).

Dies erzeugt Kopfschmerzen, Verwirrung und Sinnestäuschungen. Durch eine gute Akklimatisierung kann die Niere diesen Effekt teilweise kompensieren, aber oberhalb der 7000 Meter ist auch diese Gegenregulation nicht mehr ausreichend. Außerdem kommt es aufgrund der Entwässerung (Dehydration) zu einer akuten Nierenleistungseinschränkung, und die metabolische Kompensation der Alkalose (Stoffwechsel-Ausgleich) fällt weg.

In Lunge und Gehirn verengen sich die Blutgefäße aufgrund der Selbstregulation. Im Gehirn ist der niedrige CO2-Partialdruck, in der Lunge der niedrige O2-Partialdruck für diese Gefäßverengung ausschlaggebend. Als besondere Form einer Atemstörung kann in ausgeprägten Fällen eine Cheyne-Stokes-Atmung bestehen.

Im großen Kreislauf stellt sich aber ein hoher systolischer Blutdruck aufgrund der sympathischen Aktivierung ein, wodurch es vor allem in Lunge und Hirn zum Abpressen von Flüssigkeit kommt und sich lebensgefährliche Ödeme bilden. Hier hilft nur sofortiger Abtransport in niedere Höhen, Sauerstoffbeatmung und eventuell eine Druckkammerbehandlung. Große Expeditionen führen zu diesem Zweck oft einen Gamow-Sack mit sich, der in Grenzen eine mobile Druckkammer-Funktionalität bietet.

[Bearbeiten] Gegenmaßnahmen

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Bemerkt man beim Bergaufstieg akute Symptome der Höhenkrankheit, sollte man sofort absteigen oder sich in schweren Fällen in geringere Höhe bringen lassen, da sich die Symptome auch beim Verweilen auf gleicher Höhe meist noch verstärken und sogar zum Tod führen können.

Als eines der besten Mittel gegen eine schwere Akute Höhenkrankheit (AMS) und bei einem Höhenhirnödem (HACE) gilt derzeit (2007) Dexamethason. Zurzeit wird diskutiert, ob PDE-5-Hemmer, die zur Behandlung der primären pulmonal arteriellen Hypertonie (Dana Point-Klassifikation 1) auch für die sekundäre pulmonal Hypertonie durch Sauerstoffmangel in Höhen (Dana Point Klassifikation 3) indiziert sind.

In den Anden wird als Mittel gegen Höhenkrankheit (auch vorbeugend) ein Tee aus Blättern des Cocastrauchs getrunken oder diese werden mit Kalk gekaut. In Tibet wird von den Einheimischen Yak-Buttertee (gesalzener Tee mit viel Butter) als Vorsorge gelobt; da sie nie erkranken (s. Verbreitung) sind sie von ihrer „Vorsorge“ sehr überzeugt.

Für Präparate, die Ginkgo als Wirkstoff enthalten sind unterschiedliche Ergebnisse belegt. In kleineren Studien wurde eine mildernde Wirkung der Symptome festgestellt [3], andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass diese Präparate keine nachweisbare Wirkung erzielen[4].

[Bearbeiten] Vorbeugung

Der Körper kann sich innerhalb weniger Tage in gewissem Ausmaß an diese Situation anpassen, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert. Diese Anpassung wird als Akklimatisation bezeichnet. Kontrovers wird der prophylaktische Einsatz von Acetazolamid diskutiert, da es viele Nebenwirkungen wie etwa Geschmacksstörungen hat. Die Anwendung von Theophyllin zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme gilt als überholt. Bei Touren in sehr großen Höhen (über 4000 m) empfiehlt es sich, eine mobile Überdruckkammer und Sauerstoff mitzuführen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Auswärtiges Amt, Höhenkrankheit Merkblatt. Abgerufen am 6. Juli 2011.
  2. Michael Lange: Natürliches Gendoping in Tibet – Erbgut der Tibeter hat sich an die sauerstoffarme Luft angepasst. In: WDR 5, Leonardo – Wissenschaft und mehr, Sendung vom 14. Mai 2010. abgerufen am 28. Juli 2010: „Genetiker aus den USA und China haben zwei Genvarianten entdeckt, die den Tibetern das Leben in dünner Höhenluft ermöglichen“
  3. Studie von Dr. Peter Haggett mit 30 Studenten aus Denver in den Rocky Mountains. In: Rätsel der Berge
  4. Infomed: Ginkgo wirkungslos gegen Höhenkrankheit

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

  • John R. Sutton, Norman L. Jones, Charles S. Houston: Hypoxia: Man at Altitude. Thieme-Stratton u.a., New York 1982, ISBN 3-13-622901-0.
  •  Schommer, Kai; Bärtsch, Peter: Basiswissen für die höhenmedizinische Beratung. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 108(49), 2011, S. 839-48 (Übersichtsarbeit).
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