Soufflenheim

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Soufflenheim
Wappen von Soufflenheim
Soufflenheim (Frankreich)
Soufflenheim
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau
Kanton Bischwiller
Koordinaten 48° 50′ N, 7° 58′ O48.8297222222227.9633333333333126Koordinaten: 48° 50′ N, 7° 58′ O
Höhe 116–138 m
Fläche 13,24 km²
Einwohner 4.966 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 375 Einw./km²
Postleitzahl 67620
INSEE-Code
Website http://www.mairie-soufflenheim.fr/

Rathaus Soufflenheim

Soufflenheim (deutsch Sufflenheim; früher auch Suffelheim) ist eine französische Gemeinde mit 4966 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass. Sie ist bekannt für ihre Töpferei und wird daher auch Cité des Potiers genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Soufflenheim liegt inmitten einer hügeligen Wald-, Feld- und Wiesenlandschaft in der Rheinaue ca. 15 km östlich von Haguenau, 30 km nordöstlich von Straßburg und 35 km südwestlich von Karlsruhe. 5 km östlich verläuft der Rhein, unmittelbar westlich und nördlich des Gemeindegebiets erstreckt sich der Fôret de Haguenau; dieser grenzt an das Hanauerland und den Naturpark Nord-Vogesen, der zusammen mit dem Pfälzerwald das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord bildet.

Südlich von Straßburg beginnt bei Marlenheim die Elsässer Weinstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen der Töpferzunft (an der Außenwand eines Gebäudes)

Die Töpferei in den Waldgebieten des heutigen Nordelsass ist Bodenfunden zufolge seit der Bronzezeit bekannt. Voraussetzung für die Entwicklung dieses Handwerk waren die mehrere Meter dicken Lehmschichten unterhalb des sandigen Bodens der Umgebung.

Ob und inwieweit die Gallier und Römer die Lehmgruben nutzten, ist quellenkritisch nicht belegt. Es wurden Tonwaren aus der Antike in dem Gebiet gefunden, doch eine Siedlung ist nicht dokumentiert.

Michaelskirche (1825)

Im 9. Jahrhundert ist ein von irischen Mönchen erbautes, dem Heiligen Michael geweihtes Gotteshaus auf dem Kirchberg belegt. Zur heutigen Michaelskirche besteht keine durchgängige Verbindung. Es ist auch unklar, ob die Ebene unterhalb des Hügels schon bebaut war.

Soufflenheims Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit fällt mit derjenigen von Haguenau und seinem Forst zusammen. 1147 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Damals bewilligte Friedrich I. Barbarossa den lokalen Töpfern die Ausbeutungsrechte an den Lehmgruben innerhalb des kaiserlichen Jagdreviers. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Geschichten - mutmaßlich Legenden - überliefert, wie die wundersame Rettung des Kaisers durch einen Töpfer vor einem wütenden Eber sowie Schenkungen von Krippenfiguren aus Ton an den Kaiser und sein Gefolge.

In der späten Neuzeit erfuhr die Töpferei einen Niedergang. Während im 19. Jahrhundert noch 30 Gemeinden in der Region von diesem Handwerk lebten, sind es heute nur noch zwei - nämlich neben Soufflenheim nur noch Betschdorf. 1837 waren in Soufflenheim noch 55 Töpferbetriebe, die ca. 600 Personen beschäftigten, registriert; per 2006 gibt es nur noch ein Drittel davon.

Eine der Ursachen sind der Weinbau und der Tourismus im Elsass, die als Hauptwirtschaftszweige die Töpferei überflügelt haben und sich auf den Süden der Region konzentrieren. Ferner ist der Freizeitwert der Gemeinde beeinträchtigt durch die hohe Verkehrsfrequenz auf der Durchgangsstraße und die mangelhafte Infrastruktur, insbesondere das Fehlen verkehrsberuhigter Flaniermeilen, die geringe Zahl von Unterkünften, Gastronomiebetrieben und Geschäften sowie informativen Dokumentationen über die historischen Sehenswürdigkeiten vor Ort.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fachwerkhaus in der Grand' Rue von 1775 mit Residenznachweis "Johanes Stiefel Meyer - Maria Anna Stiefel-Meyerin"
  • Die Pfarrkirche St. Michel, die kein unmittelbarer Nachfolgebau der frühmittelalterlichen Michaelskapelle ist, stammt von 1825. Die Deckenfresken des Saalbaus mit neoromanischen Formelementen und quadratischem Turm wurden bei Bombardierungen am 8. Februar 1945 zerstört. Erhalten sind einige Holzskulpturen, u.a. ein Hl. Joseph, auf dessen Sockel die Wappen der lokalen Zünfte abgebildet sind, u.a. das Töpferwappen mit drei zum Dreieck angeordneten Kannen, das sich an einigen Außenwänden in der Stadt wiederfindet. Einen Keramik-Kreuzweg an der linken Seitenwand gestaltete Léon Elchinger, der Vater des gleichnamigen Bischofs von Straßburg.
  • In die heterogene Bausubstanz des Ortes mischen sich einige restaurierte Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert.
  • Hauptattraktion sind die Töpfereien entlang der Grand' Rue und in einigen Seitenstraßen, die häufig im Rahmen von Gruppenführungen angefahren, aber auch individuell besucht werden können.

Das Töpferhandwerk heute[Bearbeiten]

Typisches Soufflenheimer Tier-Keramikdekor (an der Außenwand eines Gebäudes)

Die noch ca. 20 vor Ort tätigen Töpferbetriebe fertigen Dekorations- und Gebrauchsgeschirr. Landestypisch sind insbesondere Gugelhupf- , Baeckeoffe- und andere Auflauf-Formen, ferner sind Vasen, Kannen, Schüsseln, Weinkühler und komplette Service im Angebot.

Die traditionelle Farbe der Soufflenheimer Keramik war Rostbraun, die Farbe des Tons, mit weißem Margaritendekor. Heute wird mit Rücksicht auf den diversifizierten touristischen Geschmack auch Ware in Blau, Grün, Beige und Rot in den unterschiedlichsten Dekoren hergestellt, entweder abstrakt mit geometrischen Mustern oder bildlich mit Weinreben, Pflanzen und Blüten sowie Tieren (insbesondere Storch, Ente, Hühnchen oder Fisch).

Derartige Dekore werden heute an zahlreichen Orten im Elsass teilweise als Fabrikware hergestellt; die Zugehörigkeit eines Betriebes zur Confrérie des Artisans Potiers de Soufflenheim garantiert die tatsächliche Herkunft der Waren aus der Gemeinde. Diese Zugehörigkeit sagt aber nichts über Ausgestaltung und Größe des Betriebs aus (allein arbeitender Handwerker, Familien-Werkstatt oder mittlerer Betrieb mit Angestellten). Nur 8 der Soufflenheimer Betriebe gehören zur Confrérie, doch auch unter den nicht-organisierten Töpfern gibt es solche, die ausschließlich ihre eigenen vor Ort erzeugten Waren verkaufen. Einige verstehen sich als Künstler und signieren ihre Waren namentlich.

Die Form wird an der Drehscheibe hergestellt und in der Regel zwei Tage später verfeinert und mit den Dekoren versehen. Gebrannt wird etwa 14 Stunden bei 1000 °C.

Sprache[Bearbeiten]

Neben dem Französischen als offizielle Amtssprache wird das Elsässerdeutsch in Soufflenheim noch regelmäßig gesprochen und auch kulturell (Theater, Kabarett) gepflegt.

Sport[Bearbeiten]

6. Abschlag des Meisterschaftsplatzes

Die Rheinaue mit ihren Dörfern bei Soufflenheim ist bei Radfahrern sehr beliebt. Eine Etappe des Rhein-Radwegs führt hier vorbei.

Golfer finden an der Peripherie der Gemeinde einen 18-Loch-Meisterschaftsplatz und einen 9-Loch-Platz mit weiträumigen Appartementanlagen, Gastronomie, Übungsgelände mit Driving Range und 6-Loch Kurzplatz. Den in einer Parklandschaft gestalteten Platz mit 18 Seen konzipierte 1994 Bernhard Langer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Literatur / Quellen[Bearbeiten]

  • Soufflenheim - Terre de Potiers Mémoire de vies, hrsg. vom Tourismusverband Soufflenheim 2006
  • Emile Decker, Olivier Haegel, Jean-Pierre Legendre, Jean Maire (Collectif): La Céramique de Soufflenheim, 150 ans de production en Alsace 1800-1950. Lieux Dits 2003, ISBN 2-914528-05-1
  • SWR-TV-Sendung "Kaffee oder Tee" vom 19. Mai 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Soufflenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien