Soundpainting

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Soundpainting ist die Zeichensprache die 1974 vom New Yorker Komponisten Walter Thompson erfunden wurde. Sie wird von Musikern, Tänzern, Schauspielern und andern Künstlern verwendet. Bis heute ist so eine Sammlung von mehr als 1200 Zeichen entstanden, die der Dirigent nutzt, um die Gruppe in ihrer Performance anzuleiten. Die Komposition entsteht durch die Ausführung der Zeichen durch die involvierten Künstler.[1]

Die Geschichte des Soundpaintings[Bearbeiten]

Nachdem Walter Thompson am Berklee College of Music studiert hatte, zog er 1974 nach Woodstock (New York). Dort erhielt er ein Stipendium der National Endowment on the Arts um Komposition bei Anthony Braxton zu studieren. Gleichzeitig studierte er auch Improvisationstanz bei Ruth Ingalls.

Thompson begann mit anderen Studenten Jamsessions zu organisieren. Aus den Musikern dieser Sessions formte Thompson ein Large Ensemble, das sich mit Improvisation in verschiedenster Hinsicht beschäftigte. Mit diesem Ensemble begann er seine Technik des Soundpaintings zu entwickeln. Erste Zeichen waren sehr rudimentär, zum Beispiel stellten sie einen langen Ton dar, oder eine Improvisation mit vielen kurzen Tönen.

1980 zog Thompson nach New York City und gründete 1984 das Walter Thompson Orchestra (später taufte er es in The Walter Thompson BigBand um). Schon bald begann er auch mit dieser Band während Konzerten per Zeichensprache zu kommunizieren und diese auszudehnen. Während den nächsten 10 Jahren entwickelte er eine umfangreiche Zeichensprache für kreative live Performances. In den 1990er Jahren begann er, in seine mit Handzeichen geleiteten Darbietungen auch Künstler anderer Sparten miteinzubeziehen, so zum Beispiel Schauspieler, Tänzer, Dichter und bildende Künstler.

Ende der 1990er Jahre leitete Thompson im Rahmen eines Workshops der IASJ Konferenz in Santiago de Compostela zum ersten mal ein Orchester in Europa. Darauf erhielt er zahlreiche Einladungen an verschieden Musikhochschulen in ganz Europa, um seine mit Zeichen geleiteten Improvisationen im Rahmen der dortigen Hochschulausbildung zu vermitteln.[2][3]

Analyse[Bearbeiten]

Der „Soundpainter“ (der Komponist) steht üblicherweise vor der Gruppe und kommuniziert per Zeichensprache mit den ausführenden Künstlern. Dazu benutzt er Hände, aber auch andere Teile seines Körpers. Die Zeichen können einerseits auf ein ganz bestimmtes Material hinweisen, welches gespielt werden soll, andererseits gibt es auch Zeichen, die eher vage Vorgaben an den Auszuführenden stellen. Der Sountpainter entwickelt so seine Komposition, indem er dem Ensemble mit einem oder mehreren Zeichen seine Idee anzeigt und danach mit weiteren Handzeichen auf die Ausführung der Gruppe reagiert oder zusätzliche Anweisungen gibt. So entwickelt er die Komposition die er aufführen möchte, live auf der Bühne.

Da eine beträchtliche Anzahl der Handzeichen nicht abschließend bestimmen, was der Künstler auszuführen hat, liegt die Umsetzung oftmals in dessen persönlicher Interpretation des Zeichens. So ist Soundpainting immer ein Dialog zwischen der Gruppe und dem Dirigenten, der einerseits die Komposition als ganzes im Überblick haben muss, jedoch stets darauf reagieren muss, was in genau diesem Moment geschieht.

Die Zeichen des Soundpaintings legen innerhalb der Darbietung die Parameter wer, was, wie und wann fest. Es existieren verschiedenste Typen von Zeichen, einigen liegt konkretes Notenmaterial zu Grunde, welches vorher vereinbart wurde, andere beziehen sich auf gewisse Stile, aleatorische Konzepte, Improvisationen, Instrumentation aber auch Position auf der Bühne, Kostüme und weitere.

Die Struktur des Soundpaintings[Bearbeiten]

Soundpainting beinhaltet zwei Kategorien von Zeichen: beschreibende und funktionale Gesten. Formende Gesten legen fest, welches Material verwendet werden soll, und wie dieses ausgeführt werden soll. Funktionale Gesten geben an, wer spielen und wann derjenige beginnen soll. Wer, was, wie und wann sind die grundlegenden Parameter, die mit Soundpainting bestimmt werden, und bilden dessen Syntax.

Eine weitere Unterteilung der Zeichen findet statt, indem sie in folgende Unterkategorien aufgeteilt werden: Personal, Inhalt, Regler, „Go-Gesten“, Modi und Paletten.

  1. ’Personal’ gehört der funktionalen Kategorie an und sind „wer“-Gesten. Einige Beispiele sind: Ganze Gruppe, Rest der Gruppe, Holzbläser, Blechbläser, Schauspieler, Tänzer, Gruppe 1.
  2. ’Inhalt’ gehört der formenden Kategorie an, und sind „was“-Gesten. Beispiele sind: minimalistisches oder pointilistisches Spiel, lange Töne, eine bestimmte Skala.
  3. ’Regler’ gehören zur formenden Kategorie sind „wie“-Gesten. Sie steuern beispielsweise Lautstärke und Tempo.
  4. ’Go-Gesten’ gehören der funktionalen Kategorie an und sind „wann“-Gesten. Sie legen fest, wann jemand beginnen oder stoppen soll.
  5. ’Modi’ gehören der formenden Kategorie an, sind „wie“-Gesten und steuern die Art und weise der Ausführung. Beispiele: Scanning, Point to Point und Intensität.
  6. ’Paletten’ gehören der formenden Kategorie an, und sind „was“-Gesten. Sie weisen auf zuvor einstudiertes Material hin.

Soundpainting im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Sabine Vogel[Bearbeiten]

Sabine Vogel ist eine deutsche Musikerin aus München. In den Jahren 2000 und 2001 wurde Sabine Vogel zu den mehrwöchigen Arbeitsphasen des „Walter Thompson Soundpainting Orchestras“ in die Byrdcliffe Arts Colony nach Woodstock, NY eingeladen um dort u.a. an dem Stück „Pexo“ mitzuarbeiten, das im Februar 2002 in New York aufgeführt wurde. Momentan ist Sabine Vogel die Einzige in Deutschland und eine der wenigen in Europa, die Soundpainting unterrichtet, dirigiert und aufführt.[4]

Sie unterrichtet an der Universität Potsdam.[5]

Fischermanns Orchestra[Bearbeiten]

Das Fischermanns Orchestra aus Luzern, Schweiz arbeitet seit 2007 mit Handzeichen gesteuerter Echtzeitkomposition. Neben Konzerten in ganz Europa veranstaltet das Fischermanns Orchestra auch Workshops mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Soundpainting. Auf der CD „Conducting Sessions“ präsentiert das Orchester verschiedene Bandeigene Soundpainter, die das Ensemble anleiten.[6] Das Fischermanns Orchestra adaptiert die Sprache des Soundpaintings an seine eigene Bedürfnisse und entwickelt zusätzlich zu den Zeichen von Thompson auch eigene.

Ceren Oran[Bearbeiten]

Ceren Oran ist eine türkische Soundpainterin wohnhaft in Salzburg, Österreich. Sie ist ausgebildete Tänzerin und hat bei Walter Thompson Soundpainting studiert. Nach ihrem Studium hat sie mit verschiedenen Soundpaintern und multidisziplinären Sounpainting Ensembles als Tänzerin und Soundpainterin gearbeitet, wie Evan Mazunik, Le SPANG, Matters, Hungarian Soundpainting Orchestra. Musik, Tanz und Schauspiel sind integrale Bestandteile ihrer Soundpaintings. Sie unterrichtet Soundpainting am „Toihaus Theater Salzburg“ und leitet dort die erste professionelle österreichische Soundpainting-Formation "Soundpainting Collective Salzburg".[7]. Das Toihaus Theater Salzburg ist das erste und einzige Theater Österreichs, das Soundpainting für Profis und Laien anbietet. Neben Angeboten für Profis ("Soundpainting Collective") und Laien (unterschiedliche Workshops) gibt es eine intensive Zusammenarbeiten mit Schulen und Kindergärten, um Soundpainting auch im pädagogischen Kontext zu erforschen.

Seit 2013 arbeitet sie intensiv mit der österreichischen Cross-Over Band "No Head on my Shoulders" zusammen. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit Stummfilmvertonungen und multidisziplinären Performances.

Ceren Oran ist die Einzige in Österreich und eine der wenigen in Europa, die Soundpainting unterrichtet, dirigiert und aufführt.

Andere Soundpainting-Ensembles in der Welt[Bearbeiten]

Name Land Stadt Jahr Artistzahl Musik Tanz Theater Leitung
Amalgammes Frankreich Paris 2005 31 ja ja ja Christophe Mangou
Anitya Frankreich Paris 2005 21 ja ja ja Christophe Cagnolari
BalBaZar Frankreich Paris 2003 16 ja nein nein Deniz Fisek
Batik Soundpainting Orchestra Frankreich Clermont-Ferrand 2009 20 ja ja ja Eric Chapelle
CHEMIN FAISANT Frankreich Cannes 2012 10 ja ja Michel Yves-Bonnet
Le CuBe Frankreich Orléans 2011 10 ja ja ja Yann Kaddachi
DELIMELO Frankreich Bordeaux 1989 ja ja Eric Le Louvier
KLANGFARBEN ensemble Frankreich Paris 2010 13-16 ja ja ja François Cotinaud
La LOUVE Frankreich Paris 2007 9 ja ja ja Rafële Arditti
Matters Belgien Saint-Gilles 2009 34 ja nein ja Augustin de Bellefroid
Orchestres à vents de musique contemporaine (Blaseorchester von zeitgenössische Musik) Frankreich Antony 1985 40 ja nein nein Olivier Guion
OSL: orchestre de Soundpainting de Lorraine Frankreich Metz-Nancy 2011 20 ja ja ja Etienne Bouyer
SOS Enigmatic "Soundpainting Orchestra of Sarthe" Frankreich Le Mans 2012 15 ja nein ja Gaëtan Coutable
Le SPANG! Frankreich Lyon 2009 22 ja ja ja Benjamin NID
SPECIES Frankreich Saint-Brieuc 2010 10 ja ja ja Stéphane Dassieu
SPENS Frankreich Cachan 2009 15 ja ja ja Pierre Sarrailh
SPIO Soundpainting Italian Orchestra Italien Milano 2005 11 ja nein nein Carlo Virzi
Le SPOUMJ Frankreich Paris 2005 20 ja ja ja François Jeanneau
SSSPPP Ensemble Soundpainting In Belgium Belgien ja ja ja
Surnatural Orchestra Frankreich Paris 2001 19 ja nein nein kollektiv
TSO Tours Soundpainting Orchestra Frankreich Tours 2006 12-23 ja ja ja Angélique Cormier
U.P! Universal Palette Frankreich Paris 2009 10-30 ja ja ja Sophie Le Roy, Laurent Gehant
WTO Walter Thompson Orchestra USA New York 1984 8-25 ja ja ja Walter Thompson
WIZZ Frankreich Marseille 2010 15 ja ja ja David Carion

Festivals[Bearbeiten]

  • Soundpainting festival  : Dieses Festival, das vom Jazz Bank Verein organisiert wird, findet in Frankreich im Oktober seit 2013 statt (hauptsächlich im Paris).

Aufnahmen und Filme[Bearbeiten]

  • Deconstructing Haydn / Modern Chamber Orchestra mit Gil Selinger (cello) und Walter Thompson (soundpainter) / Concerto in C majeur – CD 2001–2002 Novodisc Recordings Ltd. NY
  • François Cotinaud (soundpainter, Komponist): Klangfarben ensemble Monolog von Schönberg und Variations sur une collection de timbres. Film von Patrick Morel. CD-DVD 2012 Ayler records / Musivi – Frankreich
  • Fischermanns Orchestra: Conducting Sessions (Unit/UTR4367)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Mark Duby: Soundpainting as a system for the collaborative creation of music in performance. 20. Mai 2006. Abgerufen am 4. April 2011.
  2. Bericht über einen Auftritt Thompsons an der IASJ Konferenz 2007 in Freiburg.
  3. Bericht über einen Auftritt Thompsons in Luzern mit einem Hochschul Ensemble.
  4. Sabine Vogel als Kursleitern für Soundpainting.
  5. Profil von Sabine Vogel auf der Homepage der Universität Potsdam.
  6. Bericht des französischen Musikkritikers François Couture.
  7. Profileintrag auf der Website des Toihaus Theaters Salzburg

Weblinks[Bearbeiten]