Polnisch-sowjetischer Nichtangriffspakt

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Polnisch-sowjetischer Nichtangriffspakt von 1932

Der Polnisch-sowjetischer Nichtangriffspakt (polnisch Polsko-radziecki pakt o nieagresji, russisch Польско-советский договор о ненападении) war ein internationaler Vertrag zwischen der Sowjetunion und Polen, der im Jahre 1932 zwischen Vertretern beider Staaten unterzeichnet wurde. Er sah den Verzicht auf einen Angriff vor und wurde durch die Sowjetunion einseitig am 17. September 1939 durch die sowjetische Invasion in Ostpolen gebrochen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919-1921), betrieb die polnische Regierung eine Politik der gleichen Distanz zur Sowjetunion und dem Deutschen Reich. Die meisten polnischen Politiker setzten auf eine Allianz mit Frankreich und darauf weder Deutschland noch die UdSSR zu unterstützen. Bereits 1926 wurden Verhandlungen mit der UdSSR aufgenommen, um einen Pakt über den Nichtangriff zu schließen. Der Friede von Riga sollte gefestigt werden und auch mit dem Deutschen Reich sollte ein Abkommen angestrebt werden. Im Juni 1927 wurden die Verhandlungen unterbrochen, als Großbritannien die diplomatischen Beziehungen abbrach und der sowjetische Generalbevollmächtigte Pjotr Woikow in Warschau ermordet worden war. 1931 wurden die Verhandlungen in Moskau wieder aufgenommen und der Pakt am 25. Juli 1932 unterzeichnet. Er galt zunächst für eine Dauer von drei Jahren. Am 23. Dezember 1932 wurde der Pakt ratifiziert. Am 9. Januar 1933 wurde er bei der League of Nations Treaty Series hinterlegt.[1] Am 5. Mai 1934 wurde der Pakt bis zum 31. Dezember 1945 verlängert. Beide Seiten sicherten sich auch zu keine Allianzen einzugehen, die sich gegen die andere Partei richtete.

Am 23. September 1938 teilte die Sowjetunion Polen mit, dass der Pakt für null und nichtig angesehen würde, falls Polen völkerrechtswidrig Teile der Tschechoslowakei besetzen werde.[2] Als Polen dies missachtete und illegal Teile des Nachbarlandes annektierte (Olsagebiet und Arwa-Zips Gebietsstreifen), reagierte die Sowjetunion nicht.[3] Der Pakt wurde als zwischenzeitlicher Triumph der polnischen Diplomatie angesehen. Vor allem, da sich die Beziehungen zu Frankreich nicht verbessert hatten und es die Verhandlungsposition mit Berlin stärkte. Achtzehn Monate nach dem Pakt wurde der Deutsch-polnische Nichtangriffspakt geschlossen.

Literatur[Bearbeiten]

  1. Oleg Ken: Moskva i pakt o nenapadenii s Pol’shey ('Moscow and the Non-Aggression Treaty with Poland'). PIAF of Russian Academy of Sciences, Sankt Petersburg 2003, ISBN 5-86763-136-2.
  2. Oleg Ken: Collective security or isolation? Soviet foreign policy and Poland, 1930–1935. Evropeyski Dom, St. Petersburg 1996, ISBN 5-85733-057-2.
  3. Jan Tomasz Gross: Revolution from Abroad. Princeton University Press, Princeton 2003, ISBN 0-691-09603-1.
  4. Edmund Jan Osmańczyk: Encyclopedia of the United Nations and International Agreements. Routledge (UK), 2002, ISBN 0-415-93923-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. League of Nations Treaty Series, vol. 136, S. 42–53.
  2. [1]
  3. [2]