Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland existieren insgesamt 760.000 Gräber von Kriegstoten aus der Sowjetunion. Dies sind Einzelgräber auf Gemeindefriedhöfen bis hin zu großen Kriegsgräberstätten mit Zehntausenden von Toten. Die Mehrzahl stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, den Jahren von 1940 bis 1945. Es handelt sich um Soldaten der Roten Armee, um sowjetische Kriegsgefangene oder um Opfer der NS-Zwangsarbeit. Es existieren aber auch Gräber von Kriegsgefangenen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und 17.000 Gräber von Mitgliedern der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte und deren Familienangehörigen in der DDR aus der Zeit nach 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von den Alliierten in vielen Orten Deutschlands Kriegsgräberstätten angelegt, auf die zum Teil die verstreut bestatteten Kriegsopfer und umgekommene Zwangsarbeiter umgebettet wurden.

Im Rahmen dieser Umbettungsaktionen entstanden im Osten Deutschlands, auf dem Gebiet der DDR bzw. der vorherigen sowjetischen Besatzungszone eine Reihe sowjetischer Friedhöfe. Diese Friedhöfe wurden neben ihrem eigentlichem Sinn, dem Gedenken an die Opfer des Krieges, auch als Orte politischer Demonstrationen in der DDR, zum Beispiel anlässlich des jährlichen Tages der Befreiung am 8. Mai, genutzt.

Pflege der Friedhöfe[Bearbeiten]

Sowjetischer Soldatenfriedhof in Ahlbeck (Usedom)
Sowjetischer Friedhof in Hagenow

In einem bilateralen Vertrag mit der Russischen Föderation (Abkommen vom 16. Dezember 1992 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über Kriegsgräberfürsorge) hat die Bundesrepublik im Jahr 1992 eindeutige Zusagen zum Erhalt und zur Pflege dieser Grabstellen abgegeben:

(1) Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und die Regierung der Russischen Föderation gewährleisten den Schutz der Kriegsgräber und das dauernde Ruherecht für die Kriegstoten der jeweils anderen Seite in ihrem Hoheitsgebiet und bemühen sich, die Umgebung der Kriegsgräberstätten von allen Anlagen freizuhalten, die mit der Würde dieser Stätten nicht vereinbar sind.
. ..
(3) Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet auf ihre Kosten die Erhaltung und Pflege russischer Kriegsgräber im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland.

Eine gleichlautende Vereinbarung existiert seit 1997 auch mit der Ukraine[1].

Die Erhaltung der Gräber ist auch durch das Gräbergesetz gewährleistet.

Standorte[Bearbeiten]

Kriegsgräber für Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter[Bearbeiten]

Sowjetischer Kriegsgräberfriedhof Belsen/Hörsten
Sowjetischer Friedhof in Jüterbog, Brandenburg

In Ostdeutschland sind etwa 420.000 Tote an 850 Standorten begraben, darunter

  • mehr als 400.000 sowjetische Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg
  • ca. 2.100 russische Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg
  • ca. 17.000 sowjetische Soldaten der Westgruppe und Familienangehörige

Im Westen, wo die Rote Armee nie in Kampfhandlungen verwickelt war, handelt es sich bei den 340.000 Toten an 2.750 Standorten ausschließlich um Kriegsgefangene (beider Weltkriege) und um Zwangsarbeiter.

Bekannte sowjetische Kriegsgräber und Kriegsgräberstätten[Bearbeiten]

(alphabetisch nach Ort)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Portal: Imperialismus und Weltkriege/Zweiter Weltkrieg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Imperialismus und Weltkriege/Zweiter Weltkrieg

Einzelbelege und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Das Abkommen zwischen Deutschland und der Ukraine über die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräber wurde im BGBl 1997 veröffentlicht.
  2. http://www.denkfried.de/wp/?page_id=5873
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 315, ISBN 3-88864-343-0
  4. Angaben des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum „Russenfriedhof“ in Bergen/Hörsten
  5. Die einfache Rasen-Anlage ohne Skulpturen befindet sich im westlichen Bereich des katholischen St.-Pius-Friedhofs in der Konrad-Wolf-Straße. Ein großer Granitfindling, geschmückt mit einem russisch-orthodoxen Kreuz, verweist auf dieses Massengrab. Zusätzlich gibt es an einem der Hauptwege ein Hinweisschild 'Kriegsgräberstätte.
  6. http://www.postmortal.de/Duesseldorf/Ehrenfriedhof_am_Gallberg/ehrenfriedhof_am_gallberg.html
  7. http://www.lokalkompass.de/duesseldorf/kultur/spurensuche-kriegsgraeberstaette-am-gallberg-d29989.html