Sozialismus chinesischer Prägung

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Sozialismus chinesischer Prägung[1] (Zhōngguó tèsè shèhuìzhǔyì 中国特色社会主义) ist ein Begriff, der von der Kommunistischen Partei Chinas geschaffen wurde.

Definition[Bearbeiten]

Der Aufbau des „Sozialismus chinesischer Prägung“ geht davon aus, dass sich China noch im „Anfangsstadium des Sozialismus“ befinde, wie auf den Parteitagen 1987 und nochmals 1997 erklärt wurde.[2] Seine „grundlegende Aufgabe“ sei die „Befreiung der Produktivkräfte“ (d.h. deren forcierte Entwicklung) unter der Prämisse der „Zwei grundlegenden Punkte“: einerseits der „Vier Grundprinzipien“ – Festhalten am sozialistischen Weg, an der Führung durch die Kommunistische Partei, an der „demokratischen Diktatur des Volkes“ sowie am Marxismus-Leninismus und den Mao-Zedong-Ideen – und andererseits der „Reform und Öffnung“, die auf der 3. Plenartagung des XI. Zentralkomitees im Dezember 1978 verkündet wurde.[3]

Geschichte und Bedeutung[Bearbeiten]

Deng Xiaoping gebrauchte den Begriff auf dem XII. Parteitag im Jahr 1982, doch er brachte keine Definition der Phrase,[4] sie spielte auch eine untergeordnete Rolle und kam im wichtigsten Dokument des Parteitags, dem Bericht von Hu Yaobang, nicht vor. Im Jahr 1984 erschien eine Sammlung von Aufsätzen von Deng Xiaoping unter dem Titel Einen Sozialismus chinesischer Prägung aufbauen (Jiànshè yǒu Zhōngguó tèsè shèhuìzhǔyì 《建设有中国特色社会主义》).[5]

Am XIII. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas im Oktober 1987 wurde der Aufbau eines „Sozialismus chinesischer Prägung“ von Zhao Ziyang etwas ausformuliert, [6] zu einer „Theorie“ erklärt und zur Staatsideologie erhoben,[7] obwohl es sich eher um eine schwammige[8] Ansammlung verschiedener Konzepte handelte,[9], welche die Abweichungen von der politischen Linie unter Mao Zedong[10] oder gar die Entwicklung in Richtung Kapitalismus unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas rechtfertigen sollte.[11]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. So die offizielle deutsche Übersetzung; manchmal in Anlehnung an das Englische auch „Sozialismus mit chinesischen Charakteristika“, z.B. bei Kay Möller: Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949-2004. Eine Einführung. VS Verlag, 2006, S. 128; Thomas Schwinn: Die Vielfalt und Einheit der Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analyse. VS-Verlag. 2006, S. 161; Vanessa Hochrein: Chinas Weg in die Moderne. GRIN Verlag, 2007, S. 14.
  2. Sebastian Heilmann: Das politische System der Volksrepublik China. VS-Verlag, Wiesbaden ²2004, S. 70.
  3. Martin Kittlaus: Ideologie und sozialistische Marktwirtschaft in der VR China. Beitrag zur strukturfunktionalistischen Systemforschung mit einer Politikfeldanalyse des städtischen Immobilienwesens der neunziger Jahre. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/Münster 2002, S. 118f.; Zhāng Sùyún 张素云: Zhōngguó tèsè shèhuìzhǔyì dàolù de tèzhēng 中国特色社会主义道路的特征 Liáoníng rìbào 辽宁日报 / Zhōngguó gòngchǎndǎng xīnwén wǎng 中国共产党新闻网, 7. November 2007.
  4. H. Lyman Miller: Science and Dissent in Post-Mao China. The Politics of Knowledge. University of Washington Press, 1996, S. 47f.
  5. Alan R. Kluver: Legitimating the Chinese Economic Reforms. A Rhetoric of Myth and Orthodoxy. State University of New York Press, 1996, S. 63.
  6. H. Lyman Miller: Science and Dissent in Post-Mao China. The Politics of Knowledge. University of Washington Press, 1996, S. 46f.
  7. Joe C. B. Leung, Richard C. Nann: Authority and Benevolence. Social Welfare in China. Chinese University Press, Hongkong 1995, S. 28; Alan R. Kluver: Legitimating the Chinese Economic Reforms. A Rhetoric of Myth and Orthodoxy. State University of New York Press, 1996, S. 63, 106f.
  8. Mobo C. F. Gao: Gao Village. A Portrait of Rural Life in Modern China. Hong Kong University Press, 1999, S. 3.
  9. Alan R. Kluver: Legitimating the Chinese Economic Reforms. A Rhetoric of Myth and Orthodoxy. State University of New York Press, 1996, S. 110.
  10. H. Lyman Miller: Science and Dissent in Post-Mao China. The Politics of Knowledge. University of Washington Press, 1996, S. 47.
  11. Satyananda J. Gabriel: Chinese capitalism and the modernist vision. Routledge, 2006, S. 155.

Siehe auch[Bearbeiten]