Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken

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Basisdaten
Gründungsdatum: 1904
Gründungsort: Berlin, Mannheim
Vorsitzende: Josephin Tischner & Immanuel Benz
stellvertretende
Vorsitzende:
Jana Herrmann (SJ-Ring),
Alma Kleen (Falken-Ring)
Bundesgeschäftsführer: Haymo Dorn
Gliederung 27 Bezirks- und Landesverbände
in allen 16 deutschen Ländern
Website: www.wir-falken.de

Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken (SJD – Die Falken) ist ein eigenständiger deutscher Kinder- und Jugendverband, der aus der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung hervorgegangen ist.

Die Falken sind wie die Jusos Mitglied in der Sozialistischen Jugendinternationale, bei den Europäischen JungsozialistInnen und als einziger deutscher Verband in der Internationalen Falkenbewegung.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

Die SJD – Die Falken ist ein politischer Kinder- und Jugendverband. Proklamiertes Ziel ist es, Kinder und Jugendliche auf sozialistischer Grundlage zu selbstbewussten und kritischen Persönlichkeiten aufwachsen zu lassen. Die Kinder sollen ihre eigenen Interessen erkennen und formulieren können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die politische Vertretung der Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen im politischen Raum. Die Falken waren Mitglied der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, bis diese aufgrund des Wegfalls des Zivildienstes infolge der Aussetzung der Wehrpflicht sich in der Mitgliederversammlung vom 15. Mai 2011 selbst auflöste.

Standpunkte[Bearbeiten]

  • „Wir unterstützen die Gewerkschaften bei ihrem Kampf gegen Arbeitslosigkeit, für eine zukunftsweisende Berufsausbildung und für Arbeitsverkürzungen mit vollem Lohnausgleich.“
  • „Wir bekämpfen Rassismus und Rechtsextremismus und Neonazis.“
  • „Wir engagieren uns gegen Umweltzerstörung und Vernichtung der Lebensgrundlagen.“
  • „Wir fordern mehr Demokratie und Mitbestimmung in allen Bereichen, auch in Schulen und Betrieben.“
  • „Wir sind für Gesamtschulen mit kleineren Klassen, ohne Noten und Hausaufgaben.“
  • „Wir treten für die wirkliche Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen ein.“
  • „Wir bekämpfen das ungerechte Weltwirtschaftssystem und den Krieg als Mittel der Politik.“
  • „Wir fordern genügend nicht-kommerzielle Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.“[1]

Heute können die Falken als progressiv links und gewerkschaftsnah bezeichnet werden. Die praktische Arbeit findet zumeist vor Ort in Gruppen oder Jugendzentren (Falkenhäusern) statt. Jährliche Höhepunkte sind unter anderem Ferienfahrten, v.a. Zeltlager im In- und Ausland. Den Falken stehen eine Vielzahl eigener Häuser und Zeltplätze zur Verfügung. Jugendleiter bei den Falken nennen sich selber HelferInnen, um zu verdeutlichen, dass sie da sind, um die Kindern und Jugendlichen bei der Selbstorganisation zu unterstützen, und nicht nur ein Programm anbieten, das konsumiert werden kann. Die dreimal im Jahr erscheinende Zeitschrift des Bundesverbandes für Jugendliche heißt AJ – Die andere Jugendzeitschrift (Zurückgehend auf die 1909 erstmals erschienene AJ – Arbeitende Jugend) und für die Kinder gibt es die Freundschaft.

Die SJD – Die Falken sind parteiunabhängig, eine Mitgliedschaft in einer anderen Partei als der SPD war allerdings aufgrund eines Beschlusses von 1971 bis zum Bundesausschuss 2011 in Leipzig mit einer aktiven Mitgliedschaft bei den Falken unvereinbar. Vor dem Bundesausschuss in Leipzig wurde der Antrag, den Unvereinbarkeitsbeschluss aufzuheben, auf der Bundeskonferenz im Mai 2007 in Bielefeld mit einer Mehrheit von knapp zwei Dritteln der Stimmen abgelehnt. Aufgrund dieses Beschlusses wurden die Falken häufig als SPD-nahe und -treue Organisation bezeichnet, auch wenn dies verbandsintern strittig war. Seit 2011 ist wieder offiziell eine Mitgliedschaft in einer anderen Partei als der SPD möglich.[2]

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Die Falken stehen allen offen. Kinder können ab dem Alter von sechs Jahren Mitglied werden und besitzen bereits das aktive Wahlrecht. Das passive Wahlrecht erhält man mit 14 Jahren.

Aufbau[Bearbeiten]

Die Arbeit der Kinder- und Jugendgruppen findet in den Ortsverbänden statt. Diese sind zu Kreisverbänden oder Unterbezirken zusammengefasst. Auf Landesebene bestehen Bezirke und Landesverbände.

Um die Kinder- und Jugendarbeit strukturell zu trennen, bestehen zwei Ringe. Die Kinderarbeit finden im F-Ring (Falken-Ring, 6–15 Jahre) statt. Die Jugendarbeit findet im SJ-Ring (Sozialistischen Jugend-Ring, 15 Jahre und älter) statt.

In einigen Kreis- oder Bezirksverbänden gibt es zusätzlich einen RF-Ring (Rote-Falken-Ring), welcher den Übergang zwischen F- und SJ-Ring darstellt.

Symbole[Bearbeiten]

Die Falken haben mit blauem Falkenhemd und rotem Tuch eine eigene Kluft, die jedoch nicht von allen Mitgliedern getragen wird. Das blaue Hemd soll auf die Verwurzelung des Verbandes in der Arbeiterbewegung, das rote Tuch auf die Verbindung zum Sozialismus und zu den Gewerkschaften hinweisen. Oft wird statt des Rottuches auch eine rote Kordel getragen. Symbol des Verbandes (oft auf den Hemden oder den Fahnen zu sehen) ist der rote Falke.

Der Gruß der Falken innerverbandlich wie nach außen lautet Freundschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab 1904[Bearbeiten]

Bereits 1904 wurden in Berlin und Mannheim erste Jugendvereine der Arbeiterbewegung gegründet. Direkte Vorläufer der Falken waren in der Zeit der Weimarer Republik die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) (ab 29. Oktober 1922) und die Kinderfreunde Deutschlands (ab 13. November 1923). Die Bezeichnung Falken kam gegen Ende der 20er Jahre in den Gruppen der älteren Kinderfreunde auf. Aber auch die Jüngeren in der SAJ bezeichneten sich selbst als Rote Falken. Der Anstoß dazu kam aus Österreich. Die Falken waren damals eine der ersten Gruppen, die sich mit Kinder- und Jugendrechten auseinandersetzten und alternative Erziehungskonzepte (Kurt Löwenstein) diskutierten. Bekannt wurden die Falken damals unter anderem über die ersten Kinderrepubliken. Die erste Kinderrepublik fand 1927 auf Gut Seekamp in Kiel mit mehreren tausend Kindern statt.

Bereits 1930 wurden die Bezirksorganisationen der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde in Bayern faktisch verboten. Die Gründe lagen z.B. in der gemeinsamen Erziehung von Jungen und Mädchen, in ihrer kritischen Haltung gegenüber schulischen Lehrmethoden. 1933 wurden die Falken reichsweit wie viele andere sozialdemokratische und antifaschistische Gruppen verboten. Viele Falken wurden ab 1933 von den Nationalsozialisten inhaftiert. Vereinzelt waren Kinderfreunde und SAJler im Widerstand tätig. Andere konnten ins Ausland flüchten.

Nach 1945 wurden die Falken als Organisation für Kinder und Jugendliche in Deutschland neu gegründet. Die erste Verbandskonferenz der Falken, Sozialistische Jugendbewegung Deutschlands fand am 6.–7. April 1947 in Bad Homburg statt. Der von Erich Ollenhauer aus dem Exil zurückgeholte ehemalige SAJ-Funktionär Erich Lindstaedt und der frühere Kinderfreunde-Funktionär Hans Weinberger wurden zu gleichberechtigten Vorsitzenden des Verbandes gewählt.

Verfolgung in der SBZ/DDR[Bearbeiten]

Anders als für das Gebiet von Groß-Berlin – für das die Alliierte Kommandantur 1947 den Falken und der FDJ Lizenzen erteilte – erhielten die Falken für die SBZ von der SMAD keine Zulassung als Kinder- und Jugendverband. Sympathisanten des Verbandes wurden durch die Behörden der DDR immer härter verfolgt. Dies gipfelte in Verschleppungen von Berliner Falken und der Erschießung des 15-jährigen Falken-Gruppenleiters Wolfgang Scheunemann am 9. September 1948 durch die Volkspolizei. Am 17. Juni 1953 wurde der 19-jährige Gerhard Santura von VoPos auf West-Berliner Gebiet am Potsdamer Platz erschossen.[3] Weitere Mitglieder der Falken verloren in der Haft ihr Leben (Dietrich Medenwald, Hans Leuendorf, Karl-Heinz Sperling), 60 Falken erhielten bis zu 25-jährige Haftstrafen.[3] Unter ihnen die Lehrlinge Günther Schlierf, Horst Glanck, Lothar Otter und Gerhard Sperling.[4]

1951–1960 hielt unter Leitung von Jürgen Gerull das Referat Mitteldeutschland, das sich gemäß einem Grundsatz der Falken gegen die Wiederaufrüstung in Ost und West engagierte, mit 4.000 Jugendlichen in der DDR Kontakt.[3] Ost-Berliner Falkengruppen trafen sich noch bis zum Mauerbau in West-Berlin. 1990 wurden die fünf ostdeutschen Landesverbände neu gegründet.

Verhältnis zur SPD[Bearbeiten]

Standen die Falken zu Beginn der Bundesrepublik relativ treu an der Seite der SPD, entwickelte sich in den 1960er Jahren im Zuge der Studentenbewegung ein kritischeres Verhältnis, wobei die Falken teilweise dem SDS nahestanden. Die endgültige Wende zu einem linken, inhaltlich unabhängigeren Jugendverband vollzog sich mit der Wahl des späteren Kölner Bundestagsabgeordneten Konrad Gilges auf der Bundeskonferenz 1973 in Gelsenkirchen.

Konflikte mit der SPD entstanden meist in Fällen, in denen die Falken klassische sozialdemokratische Positionen durch die SPD nicht mehr vertreten sahen. Beispiele sind die Notstandsgesetze, der Radikalenerlass, der Asylkompromiss von 1992 und die Politik der rot-grünen Regierung 1998–2005 mit den Kriegen im Kosovo und in Afghanistan sowie den Hartz-Reformen. Die Falken berufen sich auf den demokratischen Sozialismus.

Bei der Bundestagswahl 1969 beteiligten sich einzelne Falken am Wahlbündnis Aktion Demokratischer Fortschritt.

Der Unvereinbarkeitsbeschluss, wonach eine Falken-Mitgliedschaft mit der in einer anderen Partei als der SPD untersagt war, wurde im Oktober 2011 vom Bundesausschuss aufgehoben.[2]

2012 schloss sich die SJD - Die Falken dem Bündnis Umfairteilen an.[5]

Öffentliches Aufsehen[Bearbeiten]

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Bekannt wurden die Falken aus West-Berlin und auch anderen Bundesländern in den Jahren von 1967 bis 1975, als sie (in der Regel im Verlauf von Kinder- und Jugenderholungsreisen in den Sommerschulferien nach Schweden) dort Sexualaufklärung betrieben, Mädchen und Jungen in gemeinschaftlichen Zelten übernachten ließen und entsprechend saunierten. Die Boulevardpresse nahm sich dieses Themas an und wetterte monatelang gegen die "Sex-Kommunisten".

2013 wurde bei Focus Online kritisch über eine Passage zur Sexualpädagogik in der Selbstdarstellung der bayerischen Falken berichtet.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Eppe und Roland Gröschel: Kleine Chronik der Arbeiterjugendverbände 1945–1985. Schriftenreihe des Archiv des Arbeiterjugendbewegung Nr. 13. ISBN 3-926734-01-9. 96
  • Archiv der Arbeiterjugendbewegung: Erziehungskonzeptionen der SJD – Die Falken in den 50er Jahren. Bericht einer Tagung. ISBN 3-926734-60-4
  • Thomas Eberhardt-Köster: Der Einfluss der Studentenbewegung auf die Entwicklung der „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“ in den Jahren 1966 bis 1973, Resonanzen in Zeitschriften des Verbandes, ISBN 3-926734-54-X
  • Reinhold Lengkeit: Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt. 80 Jahre Arbeiterjugendbewegung in Duisburg. Schriftenreihe des Archivs Nr. 14, ISBN 3-926734-06-X
  • Roland Gröschel: Zwischen Tradition und Neubeginn. Sozialistische Jugend im Nachkriegsdeutschland. Entstehung, Aufbau und historische Wurzeln der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken, mit einer Einführung von Arno Klönne. Ergebnisse Verlag Hamburg 1986; ISBN 3-925622-17-9
  • Dieter Vassmers: „FDJ – Die Falken“? Die Kindergruppenarbeit der FDJ in der sowjetisch besetzten Zone bis 1948 und die sozialdemokratische Kinderfreundebewegung. Text- und Dokumentenband ISBN 3-926734-36-1
  • Hermann Echtermeyer: Einmal Falke – Immer Falke; Erinnerungen aus 70 Jahren ehrenamtlicher Jugendarbeit im sozialistischen Jugendverband SJD – Die Falken. ISBN 3-926734-32-9
  • Heidi und Wolfgang Beutin, Bodo Brücher (Hrg.): Nach Rückschlagen vorwärts. Lorenz Knorr – im Streit für eine humane Welt. Festschrift für Lorenz Knorr zum 70. Geburtstag VSA Verlag,
  • Birgit Retzlaff: Nachkriegsjugendliche zwischen den Fronten 1945–1949. Bewusste politische Opposition und Verfolgung von Mitgliedern und Freunden der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken von 1945–1949. Rostock: Ingo Koch Verlag 2003, 232 Seiten. ISBN 3-935319-68-1.
  • Norbert Kozicki und Stefan Krämer: Erziehung und Bildung für die Zukunft. Erfolgreiches Lernen in der Jugendarbeit der Falken, Essen, 2007, ISBN 978-3-89861-834-2.
  • Christa Becker-Lettow und Norbert Kozicki: Erziehung für die Zukunft. Projekte in der Jugendarbeit, Essen, 1995, ISBN 3-88474-240-X.
  • Bodo Brücher: Die Sozialistische Jugendbewegung Deutschlands - Politisch-pädagogisches Konzept und Realität sozialistischer Jugend- und Erziehungsarbeit in den Nachkriegsjahren . Paegelit Verlag Werther , September 1995. ISBN 3-928313-04-5

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Kalender für das Schuljahr 2007/08 der SJD – Die Falken
  2. a b Beschluss zum Bundesausschuss in Leipzig am 2. Oktober 2011: Aufhebung des Unvereinbarkeitsbeschlusses
  3. a b c Falco Werkentin: Jugendopposition in den frühen Nachkriegsjahren Berlins. Die „Sozialistische Jugend Deutschlands – die FALKEN“. In: Horch und Guck, 18. Jg. Nr. 36 (1/2009), S. 62–65. Werkentin: Jugendopposition
  4. Widerstand der Berliner Falken
  5. Christian Weßling (Redaktion): Wir, Unterseite auf umverteilen.de, zuletzt abgerufen am 30. September 2012
  6. Jugendorganisation warb mit kritischer Passage zu Sex in Focus, abgerufen am 27.Juli 2013