Späth-Arboretum

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Späth-Arboretum

Das Späth-Arboretum ist ein 3,5 Hektar großes Arboretum mit über 4.000 Sippen in Berlin-Baumschulenweg, das der Humboldt-Universität zu Berlin rund 200 Studenten für Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit dient. Es ist in den Sommermonaten an einigen Wochentagen für die Allgemeinheit geöffnet.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Herrenhaus Späth im Arboretumsgelände

Der Baumschulbesitzer Franz Späth ließ, beginnend in den 1870er Jahren, bis 1879 den Garten seines Hauses durch den Berliner Stadtgartendirektor Johann Heinrich Gustav Meyer zu einem Arboretum im englischen Gartenstil vergrößern. Das Gelände wurde nach und nach ausgebaut. Um 1900 galt es als die zur damaligen Zeit weltweit größte Baumschule.[2][3][4] 1928 entstand in einem Tiefgarten ein Steingarten. Den Baumbestand erfasste erstmals 1930 eine Übersicht, die 4.500 unterschiedliche Arten und Formen umfasste. Das Arboretum wurde zum Anlaufpunkt einer Vielzahl namhafter Dendrologen, wie beispielsweise Gerd Krüssmann. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände stark beschädigt. Zwei Jahre nach dem Tod Späth’s, im Jahr 1947 wurde das Arboretum in Volkseigentum überführt und 1961 dem 1960 gegründeten Institut für Spezielle Botanik der Humboldt-Universität angegliedert. Seinerzeit hatte man festgestellt, dass man nach dem Bau der Berliner Mauer im Ostteil der Stadt keinen botanischen Garten besaß. Das Institut nutzte dabei das Herrenhaus von Späth für Forschung und Lehre. 1963 wurde erstmals das Index Seminum, ein Samenkatalog für den internationalen Tausch von Saatgut herausgegeben. Das Verzeichnis erschien jährlich und wurde an über 600 Botanische Gärten und verwandte Institute verschickt. Drei Jahre später eröffnete das Arboretum für die Öffentlichkeit. Seit dieser Zeit werden vier Mal pro Jahr Führungen mit einem Konzert angeboten. 1976 erfolgte eine umfangreiche Instandsetzung des großen Teichs; ein Jahr später übernahm der Magistrat von Berlin das gesamte Ensemble in die Landesdenkmalliste. Zum 100-jährigen Bestehen des Arboretums im Jahr 1979 fand eine Jubiläumstagung mit rund 200 internationalen Gästen statt. Das Institut erhielt als Geschenk des Rates des Bezirks Treptow eine Skulptur von Jan Skuin mit dem Titel „Megasporophyll von Cycas“, das ein Sporophyll darstellt und sich seit 1980 vor dem Gebäude befindet. 1981 erschien eine Briefmarkenserie „Seltene Gehölze“. 1995 erfolgte die Eingliederung das Institut für Biologie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät I der Universität. Zum 115-jährigen Jubiläum enthüllt man eine Berliner Gedenktafel am Gebäude. Außerdem stellt man eine weitere Skulptur Skuins mit dem Titel Urpflanze auf. Drei Jahre später zeichnet die International Dendrology Society das Späth-Arboretum als einziges seiner Art in Deutschland mit einer Ehrenplakette aus. Sie befindet sich auf einem Findling im Park.[5] 1999 erscheint eine Festschrift zum 120-jährigen Jubiläum.

Aufbau[Bearbeiten]

Das Arboretum liegt in dem ehemaligen Sumpf- und Heideland der Königsheide, die ein Relikt der früher ausgedehnten Waldgebiete der Köllnischen Heide südlich der Spree bildet. Ein Teich im Arboretum zeugt von dem alten Wasserlauf des Heidekampgrabens.

Westlich des Herrenhauses zwischen dem Heidekampgraben und der Späthstraße befindet sich das Arboretum, das in insgesamt 32 Sektionen unterteilt ist. Im östlichen Teil liegt der Teich, südöstlich davon der Steingarten. Unmittelbar hinter dem Herrenhaus dient ein Gewächshaus zur Zucht neuer Pflanzen. Westlich des Hauses, von einer Zufahrtsstraße zu den dahinter liegenden Gewerbeflächen getrennt, liegt die Abteilung System sowie der Arznei- und Gewürzpflanzgarten.

Der Gehölzpark umfasst rund 1200 Wildarten sowie gärtnerische Sorten von Bäumen und Sträuchern. Entgegen der ansonsten für botanische Gärten üblichen Sortierung nach geographischen oder verwandtschaftlichen Ordnungen sind die Gewächse weitgehend frei aufgestellt und entsprechen der Absicht Meyers, den Park weitläufiger erscheinen zu lassen, als er in Wirklichkeit ist. Außerdem legte Späth darauf Wert, dass Bäume und Sträucher so ihre Wirkungen entfalten sollten, dass „daraus ihre Eignung in Bezug auf eine kommerzielle Verwertung zu Tage treten“[4] solle. Ein zentrales Element des Parks ist der Teich, der aus einem Tiefbrunnen und durch Regenwasser gespeist wird. An den Rändern gedeihen das Schilfrohr, Seggen sowie der Rohrkolben. Der Steingarten beherbergt typische Gebirgspflanzen, Farne und andere Gewächse der Gemäßigten Zone. Von hier aus besteht ein fließender Übergang zur Mooranlage, die ein nährstoffarmes und saures Hochmoor umfasst. Im zweiten Geländeabschnitt befinden sich die systematische Abteilung, die auf rund 0,5 Hektar die Vielfalt der Pflanzenwelt zeigt und dem Besucher einen direkten Vergleich der Pflanzen innerhalb ihrer Gattung, Familie und Ordnung ermöglicht. Der Abteilung schließen sich Arznei- und Gewürzmittelbeete an. 2014 ist dort beispielsweise das Maiglöckchen als Giftpflanze des Jahres zu sehen. Ein Schaukasten mit einem Artikel aus der Wikipedia beschreibt die Eigenschaften der Pflanze. Auf dem Gelände befinden sich weiterhin mehrere Skulpturen, beispielsweise das „Junge Mädchen“ von Robert Metzkes, aber auch zwei Reliefs aus rotem Sandstein mit den Porträts von Carl Friedrich Späth und Johann Carl Ludwig Späth.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Paul Brückner: 120 Jahre Späth-Arboretum: vom Späth'schen Hauspark zum Arboretum der Humboldt-Universität zu Berlin in Baumschulenweg ; 1879–1999. Institut für Biologie (Berlin, Humboldt-Universität) Arboretum, Arbeitsgruppe „Traditionsfest in Baumschulenweg“, 1999, S. 47.
  •  Institut für Biologie (Hrsg.): Das Arboretum der Humboldt-Universität zu Berlin (Flyer). S. 4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Späth-Arboretum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Öffnungszeiten bei hu-berlin.de
  2. Institut für Biologie (Hrsg.): Das Arboretum der Humboldt-Universität zu Berlin (Flyer)
  3. Späth-Arboretum der Humboldt-Universität zu Berlin, Webseite von berlin.de, abgerufen am 17. Mai 2014.
  4. a b  Kulturbund Treptow (Hrsg.): Hier können Familien Kaffee kochen: Treptow im Wandel der Geschichte. 1. Auflage. be.bra, Berlin 1996, ISBN 3-930863-14-6, S. 184.
  5. Ehrenplakette für Späth-Arboretum der Humboldt-Universität, Webseite des idw, abgerufen am 17. Mai 2014.

52.454913.4748Koordinaten: 52° 27′ 18″ N, 13° 28′ 29″ O