Space Pen

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„Bullet Pen“
Astronaut bei Benutzung eines Space Pens

Der Space Pen oder Astronautenstift ist ein Kugelschreiber, welcher von der Firma Fisher Space Pen Co. für Astronautenmissionen entwickelt wurde und deshalb auch im Weltall unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zuverlässig funktioniert.

Notwendigkeit[Bearbeiten]

Ein Bleistift aus Holz und Graphit stellt in der sehr viel Sauerstoff enthaltenden Atemluft eines Raumschiffes ein zu großes Brandrisiko dar. Außerdem können Bleistiftminen leicht abbrechen und so eine Gefahr für die Astronauten darstellen, denn abgebrochene Teile schweben schwerelos im Raum herum und können so leicht eingeatmet werden, ins Auge gelangen oder sogar durch das elektrisch leitfähige Graphit zu Kurzschlüssen führen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Space Pen wurde bereits 1965 entwickelt. Der Amerikaner Paul C. Fisher, der das Rezept für die thixotope Spezialtinte laut einem Zeitungsinterview im Traum von seinem Vater erhielt, entwickelte den Space Pen in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Erfinder Friedrich Schächter, von dem das Gesamtkonzept für den Weltraumkugelschreiber stammt und dem Mechaniker Erwin Rath, der bei der technischen Umsetzung half.[1]

Die Fisher Space Pen Co. wurde von dem Industriellen Paul C. Fisher gegründet und ist in Boulder City, Nevada, USA ansässig.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Kugelschreibermine besteht bis auf die Tinte komplett aus Metall und hält problemlos Temperaturen von −45 °C bis +120 °C aus, ohne Schaden zu nehmen. Die Mine ist eine unter Druck stehende Gaspatrone, in deren Inneren ein kleiner Metallzylinder auf die Spezialtinte drückt, die mit nach oben gerichteter Schreibspitze, auf glatten Oberflächen – wie Kunststoff oder Glas, unter Wasser und auf Fett schreiben kann.

NASA[Bearbeiten]

Trotz der möglichen Probleme verwendete die NASA auf ihren ersten Missionen Bleistifte. So wurde 1965 mit Tycam Engineering Manufacturing, Inc. für das Gemini-Programm ein Festpreis-Vertrag über die Lieferung von 34 mechanischen Bleistiften zum Gesamtpreis von 4382,50 US-Dollar (128,89 US-Dollar je Stück) unterzeichnet. Dies löste Kritik aus, da ein solcher Preis von vielen als überzogen empfunden wurde. Als Konsequenz davon machte die NASA den Vertrag rückgängig und suchte nach preiswerterem Ersatz.

Noch im selben Jahr bot Fisher der NASA den Space Pen an. Die NASA zögerte jedoch zunächst, nicht zuletzt aufgrund der großen Kritik beim Tycam-Kontrakt. Erst nach ausgiebigen Tests entschied man sich 1967 den Stift für die Apollo-Mission einzusetzen. Sie kaufte zunächst 400 Stifte zu einem Stückpreis von 6 US-Dollar[2].

Im Februar 1969 kaufte auch die Sowjetunion 100 Space Pens und 1000 Tintenpatronen für ihre Sojus-Raumschiffe, nachdem man dort zuvor Fettstifte verwendet hatte.[2]

Seit 1968 setzt die NASA ihn bei jeder bemannten Mission in den Weltraum ein. In den Souvenir-Shops der NASA wird dieser Stift gern als Andenken erstanden.

Als eine moderne Sage gilt, dass die NASA den Space Pen für eine Million Dollar entwickeln ließ, während die sowjetischen Kosmonauten der Einfachheit halber einen Bleistift benutzten.[3] Tatsächlich geschah die Entwicklung des Stiftes nicht im Auftrag und auch ohne finanzielle Unterstützung der NASA. In Deutschland wurde dieses Gerücht unter anderem durch die fehlerhafte Berichterstattung der ARD zur Mondlandung geschürt, da einer der Moderatoren im Studio die Geschichte erzählte. Nach 2006 verschaffte ein Werbespot der Zeitung Handelsblatt der Sage neue Verbreitung.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Space Pen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Müller "Österreich innovativ", Jugend und Volk, Wien-München, 1979, S. 75
  2. a b Steve Garber: The Fisher Space Pen (Englisch) (abgerufen am 11. Juli 2013); auf: NASA History Program Office.
  3. The billion-dollar space pen, von Dwayne A. Day (engl.)
  4. BBDO Germany „Space Pen“ Spot des Jahres (Version vom 27. September 2007 via archive.org)