Spanisch-Südamerikanischer Krieg

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Spanisch-Südamerikanischer Krieg
Peruanische Batterie in der Schlacht von Callao 1866
Peruanische Batterie in der Schlacht von Callao 1866
Datum 1864 bis 1866
Ort Chincha-Inseln, die Küsten Perus und Chiles
Ausgang Sieg der Koalition
Konfliktparteien
Spanien 1785Spanien Spanien ChileChile Chile
Peru 1825Peru Peru
EcuadorEcuador Ecuador
BolivienBolivien Bolivien
Das spanische Panzerschiff Numancia im Hafen von Callao

Im Spanisch-Südamerikanischen Krieg kämpfte Spanien 1864 bis 1866 gegen Chile und Peru, denen sich Bolivien und Ecuador anschlossen.

In der spanisch-lateinamerikanischen Geschichtsschreibung wurde dieser Krieg zunächst auch als Pazifischer Krieg bezeichnet, ehe dieser Name für den späteren Salpeterkrieg übernommen wurde, und noch später für den Pazifikkrieg im Rahmen des Zweiten Weltkriegs.

Im Deutschen existierte auch die Bezeichnung Guano-Krieg, während es „Spanisch-Südamerikanischer Krieg“ in der früheren Literatur nicht gab.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die spanische Königin Isabella II. sandte Ende 1862 eine wissenschaftliche Expedition unter dem Kommando von Admiral Luis Trasero Hernández Pinzón nach Südamerika. Am 18. April 1863 erreichte sie den Hafen von Valparaíso, wo sie freundlich empfangen wurde bevor sie nach Peru weiterfuhr. Allerdings war die spanische Außenpolitik in dieser Zeit nicht allein von wissenschaftlichen und friedlichen Missionen geprägt, seit 1861 hatte Madrid bereits in Mexiko und Santo Domingo interveniert und war im Schatten des US-Bürgerkrieges wieder als Großmacht aufgetreten.

In der peruanischen Stadt Talambo kam es am 2. August 1863 zu einem tödlichen Zwischenfall zwischen spanischen Einwanderern und der indigenen Bevölkerung, dabei starben vier Einwanderer. Pinzón kehrte daraufhin nach Peru zurück, um den Sachverhalt zu klären. Die Peruaner erklärten den Vorfall jedoch zu einer internen Angelegenheit. Spanien entsandte daraufhin Eusebio de Salazar y Mazaredo zur Klärung mit dem peruanischen Außenminister nach Peru.

Ablauf[Bearbeiten]

Besetzung der Chincha-Inseln[Bearbeiten]

Nachdem die Gespräche ergebnislos geblieben waren, blockierte die spanische Flotte am 14. April 1864 den peruanischen Hafen Callao, gleichzeitig besetzten spanische Truppen die Chincha-Inseln. Der Großteil des peruanischen Guano-Exports brach zusammen und die peruanische Wirtschaft nahm schweren Schaden.

Am 27. Januar 1865 gab es einen formalen Friedensschluss, aber die peruanische Bevölkerung und der Kongress lehnten diesen vehement ab. Darüber stürzte die peruanische Regierung.

Im Hafen von Valparaíso kam es zu Konflikten zwischen Spaniern und Chilenen, da sich Chile mit Peru solidarisierte.

Kriegserklärung Chiles[Bearbeiten]

Am 27. September 1865 erklärte Chile Spanien den Krieg.

Am 8. November 1865 übergab der peruanische Präsident Juan Antonio Pezet sein Amt an den Vizepräsidenten Pedro Diez Canseco. Am 26. November 1865 übernahm General Mariano Ignacio Prado die Amtsgeschäfte; dieser erklärte seine Solidarität mit Chile.

Seegefecht bei Papudo[Bearbeiten]

Am 26. November 1865 kam es zum Seegefecht von Papudo nördlich von Valparaíso. Der chilenische Kapitän Juan Williams Rebolledo konnte das spanische Schiff Virgen de Covadonga erobern und die Mannschaft gefangennehmen. Das beschädigte Schiff wurde in einen chilenischen Hafen gebracht.

Am 5. Dezember 1865 verbündeten sich Peru und Chile. Im Januar 1866 schloss sich Ecuador, im Februar auch Bolivien dem Bündnis zwischen Peru und Chile an.

Seegefecht bei Abtao[Bearbeiten]

Am 7. Februar 1866 kam es zum Seegefecht von Abtao nördlich der Insel Chiloé. Beim zweistündigen Kampf wurden allerdings keine nennenswerten Treffer auf beiden Seiten erzielt.

Beschuss von Valparaíso[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bombardierung von Valparaiso

Im März 1866 näherte sich die spanische Flotte der chilenischen Hafenstadt Valparaiso. Dies war eine bedeutende internationale Handelsstadt, da es die erste größere Stadt war, die Schiffe nach der Umrundung von Kap Hoorn erreichten. Hier lagen auch eine Reihe amerikanischer und britischer Schiffe, die der spanischen Flotte mit einem Seegefecht drohten, sollte sie die unverteidigte Stadt beschießen. Der spanische Admiral Mendez Núñez räumte der Stadt lediglich ein viertägiges Ultimatum ein, um sich zu ergeben. Dieses wurde seitens der Stadt abgelehnt und im Vertrauen auf die englischen und amerikanische Schiffe im Hafen wurden auch keine Verteidigungsanstrengungen unternommen.

Am 31. März 1866 wurde die unbefestigte Stadt Valparaíso von der spanischen Flotte bombardiert. Die Fregatten Numancia, Blanca, Villa Madrid, Resolución und Vencedora beschossen die Stadt rund sechs Stunden lang, wobei etwa 2600 Granaten verschossen wurden. Die Stadt wurde schwer beschädigt. Wegen der Vorwarnzeit kam es nur zu fünf Toten und einigen Verletzten.[1] Die Bombardierung wurde international scharf kritisiert. Im britischen Unterhaus wurde der Beschuss der Stadt beispielsweise ein Verbrechen wider die Menschlichkeit genannt.

Beschuss von Callao[Bearbeiten]

Am 2. Mai 1866 entschloss sich Admiral Mendez Núñez zum Beschuss der peruanischen Hafenstadt Callao. Diese war allerdings mit 96 Kanonen gut bestückt. Die Spanier verloren 200 Mann Tote und Verwundete, die meisten ihrer Schiffe wurden beschädigt. Die peruanischen Verluste betrugen 300 Mann, die meisten davon durch einen Schießunfall.[2] Beim Beschuss starb auch der peruanische Verteidigungsminister.

Nach dem Beschuss von Callao endeten die aktiven Kriegshandlungen und die spanische Flotte zog sich auf die Philippinen zurück.

Friedensverträge[Bearbeiten]

1871 wurden in Washington Friedensverträge unterzeichnet. Chile unterschrieb aber erst im Jahre 1883.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Martin Lemnitzer: Kriegsgreuel auf See im 19. Jahrhundert in Sönke Neitzel & Daniel Hohrath (Hrsg.): Kriegsgreuel: Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76375-4, S. 81
  2. Helmut Pemsel: Seeherrschaft. Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt zu Gegenwart. Bernard & Graef Verlag, Koblenz 1995, ISBN 3-89350-711-6, S. 424.