Spanische Armada

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Dieser Artikel beschreibt die spanische Flotte, die 1588 von König Philipp II. zum Angriff auf England ausgeschickt wurde. Zur spanischen Kriegsmarine siehe Armada Española.
Die Niederlage der Spanischen Armada 1588
Die Schlacht zwischen der Spanischen Armada und der englischen Flotte (Gemälde der Englischen Schule, 16. Jahrhundert)

Als Spanische Armada oder verkürzt Armada wird die spanische Kriegsflotte bezeichnet, die von König Philipp II. 1588 für den Krieg gegen England gerüstet wurde.

Die Armada segelte 1588 unter dem Herzog von Medina Sidonia zum Sturz Elisabeths I. gegen England. Ihr gegenüber stand die englische Flotte unter Charles Howard und den Vizeadmiralen Francis Drake, John Hawkins und Martin Frobisher, bekannten Kaperkapitänen.

Die Spanische Armada wurde im Kampf gegen die Engländer vor allem durch Stürme und ungünstige Winde geschwächt, konnte die geplante Invasion Englands nicht ausführen und unterlag letztlich der moderneren englischen Flotte mit ihren manövrierfähigeren Schiffen und ihrer weiter reichenden Bewaffnung. Spanien blieb zwar vorerst noch eine starke Seemacht, bis die Armada am 25. April 1607 während des Achtzigjährigen Krieges bei einem Überraschungsangriff der Niederländer in der Bucht von Gibraltar vernichtend geschlagen wurde und Spanien seine Vormachtstellung auf See verlor.

Die Bezeichnung „Spanische Armada“ stammt vom Wort Armada (ursprünglich lat. armata, die Bewaffnete), das zunächst allgemein „Streitmacht“ bedeutete. Im späten 16. Jahrhundert entwickelte es sich im Deutschen und vielen anderen Sprachen zum Begriff für die genannte spanische Kriegsflotte. Im Spanischen bedeutet „Armada“ hingegen allgemein eine Kriegsmarine; die Kriegsflotte von 1588 wird Grande y Felicísima Armada (etwa „Große und größtes Glück habende Kriegsflotte“; von Philipp II. gewählte Bezeichnung) oder Armada Invencible („Unbesiegbare Kriegsflotte“) genannt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Auseinandersetzung zwischen England und Spanien hatte verschiedene Ursachen. In der sich im Laufe des 16. Jh. abzeichnenden Auseinandersetzung ging es in erster Linie um den Kampf des alten, feudalen, absolutistischen und religiös intoleranten Spanien mit den vom aufstrebenden Bürgertum mit ersten demokratischen Ansätzen regierten Staaten. Der in England und den Niederlanden sich entwickelnde Kapitalismus ging einher mit größeren Rechten für das Bürgertum. Spanien und mit ihm der Feudalismus stand auf der Höhe seiner Macht. Der sich entwickelnde Kapitalismus in England jedoch sollte zeigen, dass er die leistungsfähigere Wirtschaftsform ist. Hinzu kamen insbesondere auf spanischer Seite auch religiöse Erwägungen mit dem Anspruch der allein selig machenden katholischen Kirche, aber auch persönliche Abneigungen der Herrscherhäuser. Insbesondere England hatte sich von der katholischen Kirche und Teilen ihrer Lehre losgesagt und man praktizierte erstmals Ansätze einer Religionsfreiheit, wie sie im katholischen Spanien undenkbar war.

In Spanien und Portugal hatten sich Ende des 15. Jahrhunderts starke Königreiche herausgebildet, die leistungsfähige Flotten unterhalten konnten. Das östliche Mittelmeer kontrollierten die erstarkten Türken, welche die Erben des byzantinischen Reiches wurden. Die alten Handelsrouten in den Osten kamen unter ihre Kontrolle und weitgehend zum Erliegen. Die sich in Nordafrika herausbildenden Barbareskenstaaten gefährdeten zusätzlich die alten Handelsrouten in den Osten nachhaltig, so dass die neuen Reiche des Westens sich andere Wege suchen mussten. Portugal suchte und fand den Weg nach China und Indien im Osten um Afrika herum, Spanien suchte den Weg nach Westen und fand so Amerika wieder. Frankreich war innerlich zerstritten und konnte so keine Gelder für eine größere Flotte zur Sicherung eigener Interessen mobilisieren, jedoch kam es immer wieder zur Ausrüstung von Schiffen für lukrative Piratenunternehmen. Dem Deutschen Reich waren trotz seiner Größe durch die Kleinstaaterei die Hände gebunden. Die einzelnen Fürsten konnten sich keine Flotte leisten; auch lagen die größeren Fürstentümer nicht am Meer. Den halbherzigen ersten Versuchen Brandenburgs, des späteren Preußens, war kein Erfolg beschieden, da sich die wenigen Kriegsschiffe Brandenburgs nicht mit den Flotten anderer Staaten messen konnten. Sie dienten eher als Begleitschiffe zum Schutz kleinerer Konvois oder von Walfängerflotten oder zum Schutz vor moslemischen Korsaren und französischen Kaperern. Der deutsche Kaiser Karl V., der Vater Phillips II von Spanien, war als Karl I. auch König von Spanien. Er unterhielt zwar eine schlagkräftige Galeerenflotte im eher ruhigen Mittelmeer, meinte aber auch keine deutsche Hochseeflotte aufbauen zu müssen, da ihm die spanische und niederländische Flotte (die Niederlande war da noch eine spanische Kolonie) ebenfalls zu Diensten stand. Mit der Trennung der Königshäuser von Spanien und dem Deutschen Reich verlor Karl V. alle Atlantik-tauglichen Schiffe, er besaß aber auch keinen Hafen mehr, in dem er welche stationieren konnte. Andererseits hatte er genug mit den aufstrebenden Osmanen zu tun und auch mit innerdeutschen Konflikten, wie der Reformation. In England gab es neben Bürgerkriegen auch noch Kriege mit Schottland. Die Großmacht Schweden suchte ihre Ziele im Osten und Norddeutschland.

Die Welt außerhalb Europas hatte Papst Alexander VI. 1493 mit einer päpstlichen Bulle in zwei katholische Hälften geteilt. Der westliche Teil sollte Spanien, der östliche Portugal gehören. Andere Länder waren von ihm nicht berücksichtigt worden. Die Trennlinie verlief zweihundert Meilen westlich der Azoren und Kapverden vom Nord- zum Südpol. Nachdem die Entdecker die Erde umrundet hatten, wurde die Linie auf die pazifische Seite erweitert. Da die Ostausdehnung Südamerikas damals noch nicht bekannt war, verlief die Trennlinie durch Südamerika, was es Portugal erlaubte, dort Siedlungen zu gründen. Aus ihnen entstand später der einzige portugiesisch sprechende Staat Lateinamerikas: Brasilien.

Das englische Bürgertum war jedoch im Aufstreben, und England erstarkte nach der Überwindung innerer und äußerer Zwistigkeiten im Laufe des 16. Jh. zunehmend. Mitte des 16. Jh. entdeckten die Engländer den Fischreichtum Neufundlands und wilderten somit in vom Papst Spanien und auch Portugal zugeschriebenen Gewässern. Der Papst war den Briten jedoch egal, da der eigene regierende König und nicht mehr der Papst Oberhaupt ihrer anglikanischen Kirche war. Spanien protestierte, hatte aber keine Schiffe frei, welche die Engländer im für Spanien wirtschaftlich unwichtigen Norden Amerikas in die Schranken hätte weisen können. Die spanische Flotte wurde zur Bewachung der wichtigen Gold- und Silbertransporte gebraucht, die Piraten verschiedener Länder gezielt und recht erfolgreich überfielen.

Als Engländer 1568 im Hafen von San Juan de Ulúa im Golf von Mexiko ihre Schiffe reparierten, wurden sie von einer starken spanischen Flotte überfallen, nur wenige entkamen nach England (Hauptartikel: San Juan de Ulúa). Das wird als Wendepunkt der bis dahin neutralen Beziehung zwischen England und Spanien angesehen, deren Annäherung sogar in der Heirat von Philipp II. mit Maria Tudor (die Blutige) gipfelte. Aus dieser Verbindung ergab sich aber kein rechtmäßiger Nachwuchs und auch kein Einfluss Philipps II. auf die englische Politik. Die von ihm gewünschte Restauration der katholischen Kirche in England kam nicht zustande. Zwischen 1569 und 1580 kam es zu inoffiziellen Feindseligkeiten zwischen England und Spanien im Karibischen Meer. Nach dem Tod von Maria Tudor im November 1558 bestieg ihre Halbschwester Elisabeth am 15. Januar 1559 den Thron. Sie unterstützte die gegen Spanien gerichtete Piraterie, wollte aber den offenen Krieg vermeiden. Die Rivalität im Handel entwickelte sich durch die religiösen Zwistigkeiten und das Bekanntwerden von Misshandlungen britischer Gefangener bis hin zu deren Verbrennung als Ketzer durch die Spanier zur offenen Feindschaft.

1580 starb das portugiesische Königshaus aus und Portugal fiel an Spanien, wodurch Philipp II. als Philipp I. auch König von Portugal wurde. Er war mit der portugiesischen Erbprinzessin Maria von Portugal verheiratet gewesen, bis diese 1545 im Alter von 17 Jahren kurz nach der Geburt ihres Sohnes Don Carlos im Kindbett verstarb. Somit fiel ihm nun auch der portugiesische Teil der vom Papst geteilten Welt zu, welche er nun uneingeschränkt kolonisieren durfte und entsprechend der päpstlichen Bulle missionieren sollte. Frankreich war innenpolitisch weiterhin sehr zerstritten, jedoch erstarkte das Bürgertum in den Niederlanden und England. Die von Frankreich, England und den Niederlanden aus operierenden Piraten wurden zunehmend für Spanien zum Problem. Im Interesse dieser Staaten lag es, Spanien zu schwächen, um sich einen größeren Anteil an den Eroberungen, aber auch beim lukrativen Sklavenhandel zu sichern. Deshalb unterstützte England die Hugenotten in Frankreich und die Protestanten in den Niederlanden, welche sich aus der spanischen Abhängigkeit zu befreien versuchten.

Auf den Weltmeeren herrschte wirtschaftliche Konkurrenz. Die Angriffe und der Schmuggel englischer Freibeuter wie Drake und Hawkins in der Karibik oder die Weltumsegelung des Francis Drake (1577–1580) forderten die Spanier in ihren Kolonien heraus und brachten den Silberfluss aus dem bolivianischen Potosí nach Spanien ins Stocken. Am 4. April 1581 erhob Königin Elisabeth Drake an Bord seines Schiffes in den Ritterstand. Sie ließ ihn vor sich niederknien und übergab einem französischen Diplomaten das Schwert, mit dem dieser ihn zum Ritter schlug. Wahrscheinlich war das als Affront gegen den König von Spanien gedacht und sollte dazu beitragen, Spanien in einen Konflikt mit Frankreich zu verwickeln. Es war eine Herausforderung an Philipp II., Drake zu adeln, statt ihn, wie von ihm in einer Protestnote gefordert, auszuliefern.

Ein weiterer Aspekt war die religiöse Komponente, die dem streng katholischen Philipp schwer am Herzen lag: Die protestantische Elisabeth unterstützte die Protestanten in Frankreich und den Niederlanden. So stand sie hinter Heinrich von Navarra, dem „König ohne Krone, der ohne Geld Krieg führt“ und stützte ihn gegen die katholische Gegenpartei des Herzogs von Guise, der wiederum von Spanien unterstützt wurde. In den Niederlanden unterstützte sie die Aufständischen (Geusen) bzw. Wilhelm von Oranien gegen die spanische Besatzung.

Auf spanischer Seite stand z. B. Don Juan de Austria, Philipps Halbbruder und Sieger von Lepanto. Dieser beabsichtigte, mit einem Truppenverband den Kanal zu überqueren, in England zu landen, Elisabeth zu entthronen und die Katholikin Maria Stuart zu heiraten. Aber Philipps vorläufiger Einspruch hinderte ihn an diesem Unternehmen bis zu seinem Tod 1578. Weiterhin war Philipp II. von Spanien selbst mit Maria Tudor (die Blutige) verheiratet gewesen, auch wenn ihm als englischem König kaum Rechte zugestanden wurden. Danach machte er Elisabeth Heiratsanträge, welche jedoch von ihr als „unschicklich“ abgelehnt wurden.

Vorbereitungen[Bearbeiten]

Ausgangssituation und Spionage[Bearbeiten]

Bereits in den 1570er Jahren riet der spanische Admiral Alvaro de Bazán, Marqués de Santa Cruz, Philipp II. zu einer Invasion Englands. Er hatte einen Plan erarbeitet, nach dem eine Flotte von 150 Kriegs- und 360 Transportschiffen ein Heer von 30.000 Mann von den spanischen Niederlanden nach England bringen sollte. Philipp II. bewilligte großzügige Mittel für diese Aktion.[1]

Zugute kam den Spaniern bei diesem militärischen Vorhaben die Tatsache, dass die englische Küste größtenteils schwach gesichert war. Der englische König Heinrich VIII. hatte zwar während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Errichtung mehrerer Küstenfestungen veranlasst, doch waren diese bereits damals veraltet. Zudem wurde die spanische Kriegsflotte durch die Eroberung und Angliederung Portugals im Jahre 1580 vergrößert.

Allerdings war die englische Spionage trotz großen Geldmangels nicht untätig. Der Begründer des britischen Geheimdienstes Francis Walsingham vertrat den Standpunkt, dass Elisabeth I. niemals ihres Lebens und Throns sicher sein könne, solange die Katholiken mit Philipp II. an der Spitze Maria Stuart gegen sie einsetzen könnten. Walsingham gelang es erstmals ein Netz von Agenten in Europa aufzuziehen, er perfektionierte auch die Konspiration und ließ kryptografische Verfahren für die Kommunikation mit den Agenten entwickeln, welche diesen eine Sicherheit bot, wie sie es vorher nicht gab. Seine Suche nach den Beweisen für ein Verfahren gegen die schottische Ex-Königin verlief parallel zu den ersten Informationen über die Bildung der Armada. Im Juli 1586 schrieb z. B. der englische Botschafter (und Doppelspion) E. Stafford aus Paris: „Die spanischen Kreise prahlen hier, dass das Reich ihrer Majestät innerhalb von drei Monaten angegriffen würde und eine große Armee sich bereits darauf vorbereite.“

Anfang des Jahres 1587 gelang es Walsingham, einen Mitarbeiter beim damaligen spanischen Großadmiral Alvaro de Bazán, Marqués Santa Cruz, dem Vorgänger von Medina Sidonia als Spion zu gewinnen, der ihm weitere Details mitteilte. So beschäftige sich Santa Cruz mit dem Verlauf der Themse und ob sie für eine große Flotte befahrbar sei. Auch der weitere Umfang der spanischen Planungen ist überliefert: Ein Agent „B“ sollte erforschen, welche Parteien (Puritaner, Protestanten usw.) es im englischen Regierungsrat gab, welche Führer sie hatten und ob sie einem Friedensvertrag mit Spanien zustimmen würden, ob die Engländer die bevorstehende Invasion eventuell bezweifeln würden und wo man sie konkret erwartete. Weiterhin ging es um die Verteidigungseinheiten, ihre Reserven, Befehlshaber, eventuell neugebaute Befestigungen und nicht zuletzt neu anzuwerbende Spione.

Ein interessantes Detail dieser Zeit ist, dass zwischen den Spaniern und den Engländern mitunter sich widersprechende Datumsangaben gemacht werden. Diese sind darin begründet, dass in Spanien, dem papsttreuem Land, die von Papst Gregor XIII. durchgeführte Kalenderreform umgesetzt wurde, das protestantische England aber noch nach dem julianischen Kalender datierte.

Erste englische Erfolge[Bearbeiten]

Galeasse der Armada

England ging in die Offensive und es gelang, ein Mordkomplott gegen Elisabeth, die „Babington-Verschwörung“, aufzudecken. Auch wenn man in Betracht zieht, dass Walsingham die Vorbereitungen seiner Feinde durch sein vorgespieltes Übersehen ihrer Aktivitäten gefördert hatte, so war es doch Maria Stuart, die unterschrieben und ihre weiteren Verschwörer, die das Attentat eingefädelt hatten. Walsingham hatte jedoch nur scheinbar weggesehen und nichts gemerkt, in Wahrheit aber die Verschwörer nur in Sicherheit gewogen, bis diese glaubten, tatsächlich losschlagen und Elisabeth töten zu können. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass der Invasion die Ermordung Elisabeths vorausgehen sollte. Hatte Elisabeth bisher gezögert Maria Stuarts königliches Blut zu vergießen, unterschrieb sie nun das schon lange vorher von den Richtern gefällte Todesurteil. Maria Stuart wurde im Februar 1587 hingerichtet.

Gerüchte über die bevorstehenden Operationen verbreiteten sich in ganz Europa und bis 1587 versuchten die Engländer, die Invasion im Keim zu ersticken. Eine englische Flotte überwachte nun ständig die flämische Küste.

Francis Drake erhielt in der königlichen Kanzlei folgende Anweisung: „Er soll den Angriffsabsichten der spanischen Flotte zuvorkommen und verhindern, dass sich im Raum von Lissabon spanische Seestreitkräfte ansammeln!“[2] Der inzwischen zum Admiral ernannte Drake rüstete innerhalb von zwei Wochen eine Flotte von 23 Schiffen aus, in die sich auch rein private Unternehmer einreihten, welche auf den inzwischen bei Drakes Unternehmungen üblichen hohen Profit spekulierten. Da es aber noch keine Kriegserklärung gab und man mit dem Herzog von Parma in geheimen Friedensverhandlungen stand, versuchte die Königin den Schein zu wahren und schickte Drake einen neuen Befehl: „... Halten Sie sich davor zurück, in irgendeinen Hafen des genannten Königs [Philipp II.] mit Gewalt einzudringen, irgendeine Stadt, irgendein vor Anker liegendes Schiff oder irgendeine feindliche Handlung auf dem Festland gegen ihn durchzuführen ...“.[3] Bedauerlicherweise erreichte dieser Befehl Drake nicht mehr rechtzeitig vor seinem Auslaufen, was aber wohl auch daran lag, dass die Königin Elisabeth ihn eine Woche danach überhaupt erst unterzeichnete. Sie wollte damit nur ihre Hände in Unschuld waschen, was ihr auch gelang. Drakes Flotte segelte zum größten spanischen Kriegshafen Cadiz.

Im Hafen von Cádiz stellte Drake 80 (nach anderen Quellen 60) verschiedene Schiffe fest, die gerade ausgerüstet wurden. Unter Ausnutzung des Überraschungsmoments fuhr Drake mit seinen Schiffen in den Hafen. Hier mussten die spanischen Seeleute erstmals die überlegene Feuerkraft der englischen Bronzekanonen gegenüber ihren Eisenrohren schmerzlich erkennen. Außerhalb der Reichweite der spanischen Kanonen beschoss die englische Flotte die spanischen Schiffe mit verheerender Wirkung. Auch die spanischen Küstenbatterien erreichten die Engländer nicht. Einzelne spanische Schiffe versuchten, den Kampf aufzunehmen, hatten gegen die englischen Schnellsegler und deren überlegene Kanonen aber keine Chance, da diese sie aus der Distanz angriffen. Im Laufe des Gefechts zerstörte oder beschädigte die Flotte unter Drake alle im Hafen vorhandenen Schiffe. Die Spanier verloren 30 Schiffe (nach Drakes Angaben 37[4]). Anderthalb Tage lang tobte die Schlacht, was einer am Abend eingetretenen zwölfstündigen Windstille geschuldet war. Drakes Flotte hatte damit ausreichend Zeit, ihre weittragenden Kanonen einzusetzen, da die Spanier nicht auslaufen und ein Entsatz auf See nicht herbeieilen konnte. Durch die Windstille erhöhte sich die Treffsicherheit der Engländer. Die spanischen Galeeren konnten nicht erfolgreich eingreifen, da sie als erste Opfer der Engländer wurden. Vier von ihnen wurden erobert und als Beute nach England gebracht, der Rest versenkt. Die hastig vom Statthalter von Andalusien, dem Herzog von Medina-Sidonia, herbeigerufenen spanischen Landtruppen konnten eine Anlandung der Engländer letztlich verhindern, was noch größere spanische Verluste verhinderte. Das gelang aber nur, weil die Engländer auf Grund der Flaute nicht schnell genug in den Hafen eindringen konnten und die Spanier so Zeit fanden, die Truppen zu sammeln. Drake verlor kein einziges Schiff.[5]

Drake unternahm nun weitere Streifzüge entlang der portugiesischen und spanischen Küste und erzielte weitere Erfolge. Einer davon war, dass er an der Küste 1.700 Tonnen bereits fertiger und getrockneter Fassdauben vorfand und verbrennen konnte. Aus diesen Dauben hätte man Fässer für 25.000 bis 30.000 Tonnen Lebensmittel oder Pulver herstellen können.[6] Drake handelte bei diesen Aktionen erstmals rein militärisch und legte es nicht darauf an, nur wertvolle Beute zu machen. Das verärgerte die privaten Kapitäne, welche sich zum Teil seinem Oberkommando entzogen und vorzeitig nach England zurückfuhren. Als Drake aber erfuhr, dass die „San Felipe“, ein großes spanisches Handelsschiff von den nun spanischen und nicht mehr portugiesischen Gewürzinseln kommend sich entlang der Küste Afrikas näherte, verlegte er dem Schiff bei den Azoren mit seiner Flotte den Weg und machte reiche Beute, insbesondere Elfenbein, Gold, Silber, Pfeffer, Zimt, Seide und andere Schätze. So wurde das Unternehmen einmal mehr auch wirtschaftlich ein Erfolg.

Vor dieser Aktion eroberte Drake den Küstenort Sagres mit seinem Schloss. Hier nahm er nur vier Kanonen als Beute mit und ließ das Schloss anzünden. Das Gebäude war in schlechtem Zustand und kaum etwas erinnerte noch daran, dass hier das wissenschaftliche Institut Heinrich des Seefahrers untergebracht war, in welchem alle Entdeckungen und Karten der Portugiesen aufbewahrt wurden. Diese Schätze der Bibliothek wurden ein Opfer der Flammen. Drake wusste ganz sicher nicht, was er mit der Niederbrennung dieses Gebäudes anrichtete.[7]

Die britische Flotte blieb noch einige Zeit vor der spanischen Küste, wurde aber letztlich durch Krankheit und Mangel an Nachschub gezwungen, nach England zurückzukehren. Drakes Angriff verzögerte das Auslaufen der Armada um mehrere Monate.

Drakes Äußerung nach seiner Rückkehr war jedoch zutreffend: „Ich habe dem König den Bart versengt“.

Unterschiede in den Flotten[Bearbeiten]

Die Spanier setzten auf ihre Erfahrung und ihre Traditionen. Ihre Schiffe hatten hohe, burgartige und ihrer Meinung nach furchteinflößende Heckaufbauten, Kastelle genannt. Diese hohen Aufbauten sorgten für einen hohen Schwerpunkt der Schiffe, der durch größeren Tiefgang kompensiert werden musste. Dieser Tiefgang wiederum machte die Schiffe jedoch langsam und schwerfällig. Die hohen Aufbauten waren auch windanfällig und boten große Ziele. Bei der Bewaffnung setzten die Spanier auf großkalibrige, schwere Eisenkanonen mit eingeschränkter Reichweite. Die schwersten Kaliber konnten wegen ihres Gewichts aber nur in geringer Stückzahl mitgeführt werden und befanden sich im unteren Batteriedeck, welches bei schwerer See nicht benutzt werden konnte. Die Erfahrungen aus den Schlachten im eher ruhigen Mittelmeer taugten nichts für die Gefechte im häufig stürmischen Nordatlantik. Zudem mobilisierten die Spanier alles, was ihnen zur Verfügung stand, was zu einem breit gefächerten Sammelsurium an verschiedenen Typen bis hin zu Galeeren führte. Das erschwerte es, die Schiffe in Verbänden einzusetzen, da sich ein Verband immer an den langsamsten und trägsten Schiffen orientieren musste. Die Armada verfügte über 2.431 Kanonen, davon waren die schweren Kaliber (934 Stück) aus Eisen. Weiter an Bord waren etwa 7.000 Arkebusen, rund 1.000 Musketen und 123.790 Kugeln für die Kanonen (etwa 50 je Geschütz) sowie der zum Abschuss der Kugeln nötige Pulvervorrat.[8]

Die Engländer verzichteten bei ihren Schiffen auf hohe Aufbauten und konnten somit auch den Tiefgang der Schiffe gering halten, ohne dass ihre Stabilität darunter litt. Das machte die Schiffe schnell und wendig. Die eher kleinkalibrigen leichteren englischen Bronzekanonen hatten einen im Gegensatz zu den schweren spanischen Eisenkanonen längeren Lauf, was die Reichweite der Geschosse deutlich erhöhte, die Kanonen aber nur wenig schwerer machte. Generell waren die englischen Kanonen leichter und kleiner als die spanischen, was sich wiederum günstig auf Tiefgang und Balance auswirkte. Der längere Lauf machte sie aber weittragender und treffsicherer.[9] Auch die Engländer hatten verschiedene Schiffstypen in ihrer Flotte, jedoch waren sie von ihren Leistungsdaten recht ähnlich, zudem gelang es auch, sie zu homogenen Gruppen zusammenzufassen, um die Vorteile der Schiffstypen gezielter einsetzen zu können.

Die Armada[Bearbeiten]

Die Armada läuft aus[Bearbeiten]

Alexander Farnese, Der Herzog von Parma
Alonso Pérez de Guzmán, Herzog von Medina-Sidonia

Der sonst eher bedächtige Philipp II setzte den Großadmiral der spanischen Galeeren Alvaro de Bazán, Marqués de Santa Cruz, den Helden von Lepanto, gewaltig unter Druck und setzte ihm immer wieder unrealistische Zeitvorgaben. Alvaro de Bazán strengte sich an, die Wünsche des Königs zu erfüllen, jedoch brach er am 9. Februar 1588 im Alter von 72 Jahren durch die Überlastung seiner Kräfte zusammen und verstarb. Der König erkor als Nachfolger den Herzog von Medina Sidonia, der ein erfahrener Logistiker war, aber kein Seemann. Der Herzog war sich seiner Untauglichkeit für diese Aufgabe bewusst und er bat wiederholt um seine Ablösung, da er vom Seekrieg keine Ahnung hatte und auch noch leicht seekrank wurde. Als Statthalter von Andalusien war er ein vortrefflicher Verwaltungsfachmann, aber seine militärischen Verdienste beschränkten sich darauf, dass er beim Überfall Drakes auf Cádiz mit schnell gesammelten Festlandstruppen eine Anlandung der Engländer verhinderte. Der König lehnte eine Ablösung ab. Fehlentscheidungen wurden seitens des Herzog von Medina Sidonia aber nicht getroffen, da er immer auf seine erfahrenen Offiziere hörte.[10]

Aus einem Brief des Herzogs an den König: „... Schon mein Gesundheitszustand macht mich untauglich für so eine Reise. Ich habe kaum Seeerfahrung, weiß nur, dass ich auf dem Rücken der Wellen ständig seekrank werde und mich von den Meereswinden schwer erkälte. ... Da ich weder etwas von der Schifffahrt noch von der Kriegsführung verstehe, darin überhaupt nicht bewandert bin, habe ich kein Recht darauf, das Amt des Oberkommandierenden eines so riesigen Unternehmens anzunehmen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was der Marquis von Santa Cruz bis jetzt erledigt hat, welche Informationen er über England hatte ...“. Der Herzog, ein vornehmer und in zivilen Verwaltungsfragen äußerst gewandter Grande von feiner Lebensart, erkannte nur zu genau, dass er für dieses Unternehmen der falsche Mann war. Der König gestattete jedoch nicht mal eine Debatte über seine Entscheidung.[11]

Der König hatte als letzten Termin für das Auslaufen der Armada den 15. Februar festgesetzt. Der Termin war unrealistisch, versetzte vor Ort aber alle ins Chaos. Im Bestreben, den Termin zu halten, wurden Schiffe mit gerade verfügbaren, für sie aber viel zu großen Kanonen ausgerüstet. Deren Munition befand sich jedoch auf Schiffen, welche diese Kaliber gar nicht an Bord hatten. Es gab jede Menge weiterer Pannen. Der Sekretär des verstorbenen Marquis hatte die Kriegspläne, das Flottenverzeichnis, alle vertrauliche Post und die Aufklärungsunterlagen als persönlichen Nachlass des Marquis verpackt und wollte es dessen Familie zusenden. Erst auf direkten Befehl des Königs erhielt der Herzog diese für ihn überlebenswichtigen Papiere.[12] Bei so viel Chaos konnte der Termin für das Auslaufen der Flotte nicht gehalten werden.

Die ersten Schiffe der Armada liefen am 28. Mai 1588 aus Lissabon aus. Der Aufbruch der Flotte mit 130 Schiffen zog sich bis zum 30. Mai hin. Die Schiffe waren mit etwa 27.000 Soldaten bemannt und mit 2.431 Kanonen bestückt. Die Armada sollte in den Niederlanden eine spanische Invasionsarmee unter Alexander Farnese, dem Herzog von Parma, schützen und ihre Überfahrt in unbewaffneten Transportschiffen nach England ermöglichen. Konkret lauteten Philipps Anweisungen an den Herzog von Medina Sidonia, datiert auf den 1. April 1588: „Wenn ihr meine Befehle erhaltet, werdet Ihr mit der ganzen Armada auslaufen und gerade nach dem englischen Kanal segeln, durch diesen werdet ihr weiter bis zum Kap Marget fahren, um dort dem Herzog von Parma, meinem Neffen, die Hand zu reichen und ihm den Weg für seine Überfahrt freizumachen und zu sichern…“

Die Flotte bestand im Kern aus 64 Galeonen, mehrdeckige Segelschiffe mit drei Masten, hohen Aufbauten, acht bis zehn großkalibrigen Eisenkanonen je Seite, zwei nach hinten gerichteten Kanonen im Heck. Diese Schiffe hatten je nach Schiffsgröße 100 bis 500 Mann an Bord. Hinzu kamen vier veraltete Galeassen mit zwei Decks für 300 Mann Besatzung, einigen Geschützen auf dem Oberdeck und 300 Ruderern auf dem Unterdeck (Sklaven, Sträflinge und Kriegsgefangene). Den ältesten Teil der Flotte stellten vier Galeeren mit 200 bis 300 Mann Besatzung und 100 bis 150 Soldaten für den Enterkampf dar. Die Armada wurde zudem von Versorgungsschiffen begleitet.[13]

Kaum dass der damals unter spanischer Herrschaft befindliche Hafen Lissabon verlassen worden war, meldeten die Schiffe, dass die Lebensmittel und das Trinkwasser verdorben seien. Hier rächte sich, dass nach Drakes Verbrennung von Fassdauben frisches Holz für die Fässer verwendet werden musste, und die Fässer nun undicht wurden.[14] Da die Flotte sich der Geschwindigkeit der langsamsten Schiffen anpassen musste, wurde das nur 160 Seemeilen entfernte Kap Finistere erst nach 13 Tagen erreicht. Jedoch konnten so weitere Schiffe zur Armada aufschließen. In der Biskaya kam ein Sturm auf und zerstreute die Flotte. Vier Schiffe sanken.[15] Am 19. Juni entschied der Kriegsrat, La Coruna anzulaufen, um frische Lebensmittel zu bunkern und die Flotte wieder zu sammeln. Der Herzog von Medina Sidonia versuchte ein letztes Mal, den Oberbefehl loszuwerden, für den er sich für völlig ungeeignet hielt, aber der König lehnte ab. Die von einem Sturm zerstreute Flotte sammelte sich innerhalb eines Monats in La Coruna, wurde dort neu verproviantiert, die Sturmschäden wurden ausgebessert, die Kranken geheilt oder ausgetauscht und die Fahrt ging am 21. Juli weiter.

Die beiden Seekriegsstrategien[Bearbeiten]

Die Armada an der englischen Küste, Gemälde von Cornelis Claesz. van Wieringen, um 1620–1625
Die Armada in der Straße von Dover, Gemälde von Frans Hogenberg
"Die mächtige Armada", Gemälde von Jan Luyken, 1679
Schlacht im August 1588, Gemälde von 1796

Am 31. Juli 1588 (21. Juli nach dem damals noch in England gültigen julianischen Kalender) erschien die vermeintlich unüberwindliche Armada im Ärmelkanal und es kam zu Gefechten zwischen Engländern und Spaniern. Der englische Oberbefehlshaber, der Lord High Admiral Charles Howard of Effingham, vertraute den erfahrenen Staatspiraten, die seine Geschwader kommandierten. Diese waren John Hawkins, Richard Grenville und Martin Frobisher – alle drei wurden für ihre ausgezeichneten Leistungen im Kampf gegen die Armada geadelt – ferner Lord Henry Seymour, Sir William Winter und Sir Francis Drake. Die Spanier hatten eine halbmondförmige Schlachtordnung eingenommen, in der große, schwerfällige Schiffe das Zentrum bildeten. Sie waren hauptsächlich auf das Entern der gegnerischen Schiffe mit ihren an Bord befindlichen Soldaten ausgerichtet. Zur spanischen Flotte zählten sogar noch Galeeren, wie sie im Mittelmeer verwendet wurden. Das war einer Seekriegsführung genüge getan, wie sie im Wesentlichen auch in der Seeschlacht von Lepanto 1571 umgesetzt worden war, nur dass der dort gebräuchliche Schiffstyp ein anderer war.

Die Engländer ließen es nicht auf den Enterkampf ankommen, da sie den Spaniern dabei nach ihrer Einschätzung unterlegen gewesen wären. Die spanischen Fußsoldaten galten als die besten und diszipliniertesten jener Zeit. Die Engländer nutzten die größere Reichweite ihrer Artillerie und die Schnelligkeit ihrer Schiffe und hielten die Spanier auf Distanz. Die größten Schiffe auf jeder Seite waren Fahrzeuge mit einer Wasserverdrängung von etwa 1.000 Tonnen. Die Bestückung und damit auch die Gefechtstaktik der beiden Flotten unterschieden sich wesentlich voneinander. Die Spanier wollten den Gegner auf sehr kurze Entfernung beschießen, die Takelage seiner Schiffe und deren Besatzung treffen und dann die feindlichen Schiffe im Nahkampf nehmen. Jedes ihrer schweren Schiffe war deshalb mit bis zu 40 schweren, für diese Entfernung konzipierten Geschützen (Cannon-perriers) bestückt. Die Engländer bevorzugten zwar sonst ebenfalls den Enterkampf, hatten aber großen Respekt vor den spanischen Entermannschaften und wollten diesen Gegner erst durch die Kanonen dezimieren. Die Engländer nutzten ihre bessere Artillerie, um den Gegnern vorher größeren Schaden zuzufügen. Deshalb bestückten sie ihre Galeonen eher mit weitertragenden Feldschlangen.

Besonders wegen der hervorragenden spanischen Disziplin, die die Formation der Armada trotz täglicher Angriffe fast immer geschlossen hielt, richteten die englischen Angriffe auf Distanz aber kaum Schaden an.

Das Ziel der Engländer war, eine Vereinigung der Armada mit dem Invasionsheer um jeden Preis zu verhindern. Es galt, die Armada in eine Situation zu bringen, in der sie weder die in den Niederlanden fest sitzenden Invasionstruppen bei einer Überfahrt ausreichend würde schützen können, noch selber einen erfolgreiche Anlandung in England würde schaffen können.

Der taktische Nachteil mit der Artillerie war den spanischen Seeleuten und zumindest einem Teil ihrer Führung durchaus bewusst: „Es ist allgemein bekannt, dass wir Gottes Sache vertreten. Wenn wir also auf die Engländer treffen, wird Gott die Dinge so lenken, dass wir in den Nahkampf gehen und entern können. […] Doch wenn uns Gott nicht durch ein Wunder hilft, werden die Engländer, die schnellere und wendigere Schiffe als wir und mehr weittragende Geschütze haben und sich dieses Vorteils wohl bewusst sind, uns nie aufschließen lassen, sondern Abstand halten und uns mit ihren Geschützen zu Stücken schlagen, ohne dass wir sie in nennenswerter Weise beschädigen können. So segeln wir nach England in festem Vertrauen auf ein Wunder.“

Die Schlacht beginnt[Bearbeiten]

Am Abend des 30. Juli sahen die Spanier erstmals bei Plymouth die Segel der englischen Flotte. Eine Eroberung von Plymouth wurde von Seiten Spaniens erwogen, wegen der engen Zufahrt zum Hafen und der starken Küstengeschütze ließ man den Plan aber wieder fallen.[16] Im Morgengrauen wurde ein spanischer Schnellsegler unter dem Kommando des erfahrenen Juan Martínez de Recalde zur Aufklärung losgeschickt. Dieser fand die englische Flotte und berichtete sorgenvoll, mit welcher Leichtigkeit die englischen Schiffe ein gemeinhin als schwer angesehenes Wendemanöver geschlossen ausführten. Als die Flotten sich näherten, bewunderten die spanischen Offiziere einmal mehr die Leichtigkeit, mit der die englischen Schiffe sich bewegten, jedoch mussten auch die Engländer ihren Feinden Respekt zollen, als sie die perfekte Aufstellung der Armada zum Halbmond analysierten. Die spanische Flotte griff auf ihre bewährte Taktik der Halbmondformation zurück, die dank der großen Disziplin in deren Flotte eine äußerst gefährliche und effektive war.

Die erste neuzeitliche Seeschlacht begann am 31. Juli 1588 mit mittelalterlichen Zeremonien. Der Herzog von Medina Sidonia ließ die „Heilige Flagge“ hissen, sein Gegner, der Lordadmiral Howard, schickte ihm eine persönliche Kurierschrift, mit der er ihn zum Kampf aufforderte. Die Engländer ließen die Armada passieren und machten sich auf zur Verfolgung. Das schnitt den Spaniern den Rückzugsweg, aber auch eine Versorgung mit Nachschub aus Spanien, ab.

Es kam zu ersten Schusswechseln, die im Laufe des Tages zunahmen. Die Engländer preschten heran und beschossen die Spanier aus großer Distanz, um sich dann schnell wieder zurückzuziehen. Die Spanier antworteten mit ihren Kanonen. Letztlich nahm keine der beiden Seiten nennenswerten Schaden und die Armada bewegte sich weiter den Kanal entlang. Der Munitionsverbrauch auf beiden Seiten war hoch, die Schäden jedoch gering.

Die Spanier schadeten sich selbst mehr als der Gegner. Als sich die Armada nach einem Angriff neu formierte, stieß die Leitgaleere des andalusischen Geschwaders, die Nuestra Senora del Rosario, mit einem anderen Schiff zusammen und wurde schwer beschädigt. Minuten später explodierte aus ungeklärten Umständen die Pulverkammer der San Salvador50.641577777778-1.9233027777778. Nur wenige Seeleute konnten gerettet werden.

Francis Drake erkannte die Probleme der Nuestra Senora del Rosario und löschte nach Mitternacht die Positionslichter seines Schiffes Revenge, was schon etwas seltsam ist, war er in dieser Nacht doch der Oberkommandierende und sein Schiff das verantwortliche Leitschiff für die gesamte englische Flotte. Howard, der mit seinem Flaggschiff das Leitsignal zeitweise aus den Augen verlor, da Drake es löschte, meinte dieses später wiederzuerkennen und erschrak, als er irgendwann als das Leitsignal tragende Schiff nicht die Revenge, sondern das gegnerisches Flaggschiff San Martin identifizieren musste. Nur eine segeltechnische Meisterleistung ermöglichte die Flucht zurück in die eigenen Reihen und verhinderte eine Auseinandersetzung und mögliche Gefangennahme.

Zusammen mit zwei Schnellseglern und dem Kampfschiff Roebuck unternahm Drake ein persönliches Abenteuer. Im Morgengrauen tauchte er vor der Nuestra Senora del Rosario unter der Führung von Pedro de Valdés, dem Befehlshaber des andalusischen Geschwaders, auf. Als dieser erfuhr, dass El Draque der Angreifer ist, ergab er sich, obwohl das mit 46 Kanonen, 180 Matrosen und 300 Soldaten bewaffnete Schiff ohne Zweifel lange genug Widerstand hätte leisten können, um von der Armada Hilfe zu bekommen. Jedoch wurden weder der spanische Befehlshaber noch Drake zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil, Drake, der seinen verantwortungsvollen Posten verlassen und so die eigene Flotte und hier insbesondere seinen Oberbefehlshaber gefährdet hatte, wurde beneidet, da an Bord seiner Prise sich ein Teil der Kriegskasse mit 55.000 Golddukaten befand und er so gewaltige Prisengelder erzielte. Auch Pedro de Valdés wurden in Spanien keine Vorwürfe gemacht.[17]

Am Vormittag des 1. August entfaltete sich eine merkwürdige Schlacht, welche von den Geschichtsschreibern häufig als Meeresballett bezeichnet wird. Die feindlichen Schiffe umkreisten sich einzeln oder in Gruppen, feuerten ihre Kanonen ab (das Nachladen dauerte ca. 30 Minuten), gerieten mitunter in die Reichweite der Musketen, aber die Engländer vermieden jeden Enterversuch oder Nahkampf durch rasche Flucht. Die Munitionsverschwendung auf beiden Seiten war enorm, die Schäden auf beiden Seiten aber eher gering. Die Engländer mussten erkennen, dass sie die Formation ihres diszipliniert vorgehenden Gegners nicht so einfach würden brechen können, dieser ihnen aber auch nicht einen Nahkampf aufzwingen konnte, in dem die spanischen Entermannschaften ihnen überlegen gewesen wären.

Der Kampf um den Kanal[Bearbeiten]

In den ersten Augusttagen kam es täglich zu eher kleineren Kämpfen, welche alle zwar jede Menge Munition verbrauchten, aber nicht zu nennenswerten Erfolgen führten. Die Spanier fuhren weiter, ohne dass es den Engländern gelang, ihnen nennenswerte Verluste beizubringen. Jedoch waren die Spanier bald besorgt über den hohen Munitionsverbrauch, da sie über keinen Nachschub verfügten. Doch auch die Engländer hatten Nachschubprobleme. Die Verluste beliefen sich nach Schätzungen von Zeitgenossen auf 170 tote und 250 verletzte Spanier, zu denen etwa 150 Opfer der Explosion der „San Salvador“ und die Gefangenen der „Nuestra Senora del Rosario“ zu rechnen sind. Die englischen Verluste werden auf die Hälfte der spanischen geschätzt. Genaue Angaben sind aber nicht mehr zu ermitteln, da die Kapitäne Verluste gerne verschwiegen um die Heuer oder den Sold der toten Seeleute und Soldaten für sich einzubehalten.

Vor der Straße von Dover stieß der Verband von Lord Seymours zu der englischen Flotte. Er hatte mit 35 Schiffen bisher die Invasionsflotte des Herzogs von Parma in Schach gehalten. Nachdem diese aber keine Anstalten machte auszulaufen, verstärkten seine ausgeruhten und noch voll bewaffneten Schiffe die englische Flotte.

Der Herzog von Parma hatte die Invasion, von der er nie viel gehalten hatte, inzwischen aber schon abgeschrieben. Weder war es ihm gelungen, ausreichende Truppen zu rekrutieren, noch war er dazu in der Lage, geeigneten Schiffsraum für deren Transport zu organisieren. Im Gegenteil, er, der erwartete, dass die Armada ihm Schutz bot, wurde jetzt von der Armada dazu aufgefordert, ihr mit Kanonenbooten beizustehen. Genau diese Kanonenboote hatte er aber nur in geringer Anzahl zur Verfügung. Zudem hatte er das Problem, dass die spanischen Schiffe einen zu großen Tiefgang hatten, um in den flachen niederländischen Gewässern zu operieren, ganz im Gegensatz zu den englischen. Seine Invasionsflotte wäre somit der englischen Flotte ausgeliefert gewesen und selbst eine möglicherweise auf hoher See erfolgreiche spanische Flotte konnte ihm in den flachen holländischen Küstengewässern nicht beistehen.

Sein gesamtes Invasionsheer war in schlechtem Zustand. Er hatte mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen und konnte mitunter monatelang keinen Sold zahlen. Die Soldaten murrten und plünderten die Bevölkerung aus. Auch hatte er sein Heer aus vornehmlich italienischen und südländischen Söldnern zu früh im September 1587 einsatzbereit. In der folgenden kalten Jahreszeit erkrankten viele der Südländer, das kalte Wetter und die Inaktivität demoralisierten das Heer. Viele Soldaten starben oder desertierten. Im Frühjahr 1588 blieben von den 30.000 einsatzfähigen Männern vom Vorjahr nur 17.000 übrig.[18]

Die Armada in den Niederlanden[Bearbeiten]

Trotzdem erreichte die Armada die Niederlande, wo allerdings die Koordination mit der Invasionsarmee Alexander Farneses, des Herzogs von Parma, nicht funktionierte. Die beiden spanischen Befehlshaber wechselten Depeschen, aber der Herzog konnte seine Leute wegen der feindlichen Blockade noch nicht einschiffen lassen und schon gar nicht dem Wunsch der Armada nachkommen, Munition[19] zu liefern oder gar Kanonenboote zur Unterstützung der Armada abzustellen.

Die spanischen Schiffe hatten nach tagelangen Schusswechseln mit der englischen Flotte inzwischen massiven Munitionsmangel. Zwar war es bei den Plänkeleien nicht zu ernsthaften Beschädigungen auf beiden Seiten gekommen und die disziplinierte spanische Flotte konnte ihre Formation halten, aber der Verbrauch an Pulver und Kanonenkugeln war groß.

So wurde der Hafen von Calais erreicht, in dem sich der Herzog von Medina Sidonia Nachschub erhoffte, war doch das innenpolitisch zerrissene Frankreich Spanien damals offiziell freundlich gesinnt. Die Frage war, ob der Gouverneur eher dem protestantischen König Heinrich IV. zugeneigt war oder seinem von Spanien unterstützten katholischen Gegenspieler, dem sich auf dem Höhepunkt seiner Macht befindlichen Herzog von Guise, welcher kurz vorher den König aus Paris verjagt hatte. Die Franzosen schickten ihm nur einen Früchtekorb als Antwort auf seine Bitte um Munition und Versorgungsgüter, behaupteten aber später, einem Lebensmitteleinkauf zugestimmt zu haben.[20]

Admiral Howard hielt noch vor Erreichen der Meerenge einen Kriegsrat ab. Die bisherigen Aktionen der englischen Flotte hatten sich als nicht erfolgversprechend herausgestellt. Zwar gelangen Treffer auf den feindlichen Schiffen, aber nennenswerte Wirkung konnte nicht erzielt werden. Die Armada fuhr diszipliniert weiter in Formation ihren Kurs. Deshalb strukturierte der Admiral seine gegenüber den Spaniern deutlich kleinere Flotte aus etwa 100 Schiffen um. Er verteilte die Schiffe auf vier recht selbstständige Kampfgruppen. Die Verbände wurden von ihm, Drake, Frobisher und John Hawkins befehligt. Die Verbände wurden so noch beweglicher und konnten besser auf spanische Aktivitäten reagieren. Währenddessen schickte Howard auch nachdrückliche Forderungen an seine Heimatbasen. Der Flotte ging, genau wie der spanischen Armada, die Munition aus.[21]

Als die Armada im Hafen von Calais ankerte, griff die englische Flotte in der Nacht zum 7. August mit Brandern (brennende, führerlose Schiffe) an. Die dafür eingesetzten Höllenmaschinen hatte der italienische Ingenieur Federigo Giambelli entwickelt. Diese schon in Antwerpen erfolgreich gegen die Spanier eingesetzten Brander waren nicht mehr durch Enterung oder Schüsse gegen die Masten aus Nahdistanz zu bekämpfen, da ständige Explosionen und weitreichender Eisenregen eine Annäherung unmöglich machte.

Die Spanier kappten die Ankertaue und mussten den Hafen überstürzt und fluchtartig verlassen. In der anschließenden Seeschlacht von Gravelines kämpften sie deshalb erstmals ohne Schlachtordnung. Die nunmehr in schlagkräftigen Geschwadern agierenden Engländer konnten sich so zu mehreren auf je ein spanisches Schiff konzentrieren, versenkten aber dennoch nicht mehr als eine Handvoll und hatten zudem inzwischen auch nicht mehr genug Munition. Die Taktik der kleineren selbstständigeren Geschwader bewährte sich aber völlig. So konnten die Engländer schnell auf sich ändernde Kräfteverhältnisse reagieren und einzelne spanische Schiffe oder Gruppen isolieren und erfolgreich bekämpfen. Nur ein aufkommender Sturm beendete die Schlacht und rettete viele angeschlagene spanische Schiffe, da die Engländer sich auf Grund des schweren Wetters zurückziehen mussten.

„Sie müssen dafür sorgen“, hatte König Philipp seinem Oberbefehlshaber Alonso Pérez de Guzmán, Herzog von Medina-Sidonia, eingeschärft, „dass Ihre Geschwader nicht aus der Schlachtformation ausscheren und dass keine Kapitäne, von Habgier getrieben, den fliehenden Feind verfolgen und Prisen machen.“ Der Herzog hatte sich eisern an diesen Befehl gehalten, doch die Brander zerstörten vorerst seine Formation.

Etwa 2000 Spanier und einige hundert Engländer verloren in diesem Kampf ihr Leben. Im Großen und Ganzen endete die Schlacht unentschieden, zwar hatten die Spanier die größeren Verluste, aber der aufziehende Sturm bewahrte sie vor der völligen Vernichtung. Die Engländer hatten letztlich ihr Ziel erreicht und eine Vereinigung der Armada mit dem Heer des Herzogs von Parma sowie deren Invasion Englands verhindert. Allen war auch klar, dass ohne den aufziehenden Sturm die Engländer die Schlacht gewonnen hätten und den Spaniern größere Verluste hätten beibringen können.

Den Spaniern gelang es letztlich nach dem Sturm, ihre Flotte wieder zu sammeln und zu formieren, jedoch war ihre Moral zerstört. Zudem war ihnen auch klar, dass ihr Unternehmen gescheitert war. An ein Einlaufen in die Themsemündung war nicht mehr zu denken. Das sich in ohnehin schlechtem Zustand befindliche Invasionsheer in den Niederlanden konnte nicht mehr eingreifen.

Die Stürme und die Umsegelung Englands[Bearbeiten]

Beide Kontrahenten gerieten während der Seeschlacht von Gravelines in einen Sturm, der den Spaniern größere Verluste ersparte. Die anschließende Wiederherstellung der Schlachtordnung der Spanier war nur noch zweitrangig. In der Formation der Armada gab es kaum noch unbeschädigte Schiffe, jedoch auf den Schiffen viele Verletzte. Die in selbstständigen Gruppen operierenden englischen Verbände hatte die spanischen Schiffe dieses mal sehr wirkungsvoll angreifen können und nur der Sturm hatte verhindert, dass die Engländer ihr Vernichtungswerk vollenden konnten. Die Truppen waren demoralisiert und die Aussichten schlecht, denn Spanien war unendlich weit weg. Durch die Schäden an den spanischen Schiffen, den gewaltigen Munitionsmangel und widrige Winde, die es der Armada nicht erlaubten, wieder in den Kanal zurück zu segeln, musste die Invasion nun abgebrochen werden. Die Engländer trieben die Spanier nach Nordosten in Richtung der norwegischen Küste in die stürmische Nordsee. Zudem trat jetzt ein weiterer Gegner auf den Plan. Holländische Schnellsegler, die Kanonenboote von Justinus von Nassau, überfielen spanische Nachzügler, die zumeist kaum noch über Munition für eine Gegenwehr verfügten.[22]

Am Abend des 9. August hielt man auf den Flaggschiffen beider Flotten Kriegsrat. Howard hatte in erster Linie Nachschubprobleme, auch beorderte er das Geschwader Lord Seymours zurück zur holländischen Küste, für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Herzog von Parma doch noch seine Invasionsflotte in Marsch setzen würde. Der Kriegsrat der Spanier hatte größere Probleme. Fast alle der noch übrigen ca. 100 Schiffe waren mehr oder weniger beschädigt, viele kaum mehr manövrierfähig. Es gab fast keine Munition und Verpflegung mehr und es gab so weit entfernt von den eigenen Stützpunkten keine Möglichkeit, das zu ändern. Die Truppen und Offiziere waren demoralisiert. Es gab viele Verletzte und Kranke auf den Schiffen. Trotz dieser Umstände entschloss man sich, wenn binnen vier Tagen sich günstiger Wind einstellen sollte, den Versuch zu unternehmen, einen englischen Hafen zu erobern oder die nachfolgende Flotte Howards anzugreifen, um durch den Kanal flüchten zu können. Wie man das faktisch ohne Munition schaffen wollte, bleibt ein Geheimnis des Kriegsrates. Jedoch wurde das Wetter nur schlechter und so blieb nur der riskante Weg nach Norden um Schottland herum. Wie viele der angeschlagenen Schiffe die Fahrt durch die nördlichen Stürme würden überstehen können, war unklar, aber die Spanier vertrauten mangels einer Alternative einmal mehr auf Gott.[23]

Die Engländer brachen die Verfolgung auf der Höhe des Firth of Forth ab. Howard erkannte, dass die Spanier keine Gefahr mehr darstellten. Zudem hatte die englische Flotte größere Probleme mit dem Gesundheitszustand ihrer Besatzungen und gleichfalls nicht mehr genug Munition für größere Angriffe. Den Engländern fehlten noch die Erfahrungen bezüglich der nötigen Hygiene und der Zusammensetzung der Verpflegung auf Schiffen, die über längere Zeit auf See waren.

Am Sonnabend dem 13. August sah der spanische Admiral Herzog von Medina Sidonia erstmals keine gegnerischen Segel mehr. Der Zustand seiner Flotte war kläglich. Sieben der größten Linienschiffe waren gesunken, die restlichen arg zerschossen und nicht wenige hatten große Mühe, sich überhaupt noch über Wasser zu halten. Ein Fünftel der Besatzungen war tot oder zumindest kampfunfähig. Die Disziplin war verloren gegangen, und als es am 9. August zum letzten großen Aufeinandertreffen der Flotten kam, hatte ein großer Teil der Schiffe die übermittelten Befehle des Admirals ignoriert und ihre Positionen in der Schlachtordnung nicht eingenommen. Zwanzig pflichtvergessene Kapitäne (immerhin fast jeden vierten der überhaupt noch vorhandenen Kapitäne) verurteilte ein Schnellgericht des Admirals zum Tode, und eines der Urteile wurde zur Abschreckung auch vollstreckt, die anderen Kapitäne gefesselt in den Kielraum des Flaggschiffes verbracht.[24]

Jedoch gab es genug weitere Probleme. Es mangelte an Trinkwasser und auch an Nahrung auf den Schiffen der Armada. Die für die Anlandung an Bord genommenen Pferde und Esel wurden entweder geschlachtet und verzehrt oder ins Meer gestoßen. Die Nahrung wurde rationiert und Offiziere und Soldaten bekamen pro Tag nur noch ca. zweihundert Gramm Zwieback, einen halben Liter zumeist verdorbenes Wasser und einen viertel Liter Wein. Unter diesen Bedingungen starben viele durch Entkräftung oder an Krankheiten, welche die sich verschlechternde Hygiene hervorrief.

Die Armada wurde auf dem Weg zurück nach Spanien um die britischen Inseln herum in den nördlichen Stürmen schwer getroffen, einzelne Schiffe bis vor die Felsen Norwegens geworfen.[25] Allein beim Untergang der Galeasse Girona vor Lacada Point (County Antrim, Nordirland) starben etwa 1300 Menschen, eine annähernd gleiche Opferzahl gab es bei der Strandung der drei Schiffe Juliana, Lavia und Santa Maria de Vison vor Streedagh Strand (County Sligo, Irland). Etwa 3000 Spanier strandeten an der schottischen und vor allem irischen Küste[26]. Weit über 1000 Schiffbrüchige wurden von Strandräubern und den in Irland stationierten englischen Soldaten ermordet. Einigen gelang es aber auch, bei der katholischen und englandfeindlichen irischen Landbevölkerung unterzutauchen. Der Gesamtverlust der Spanier durch die Naturgewalten des Nordatlantiks im Juli und August 1588 belief sich auf 64 Schiffe und mindestens 12.000 Mann. Zwei Wochen tobte ein Sturm. Als er sich legte, befand sich die angeschlagene Armada immer noch jenseits des 58. Breitengrades, auf der Höhe Nordenglands. Anderthalb Monate dauerte die Heimreise der geschlagenen Armada. Am 22. September traf das Flaggschiff „San Martin“ im spanischen Hafen Santander ein, gefolgt von 66 mehr oder weniger schwer beschädigten Schiffen. Später lief noch ein weiteres Schiff ein. Diese 68 Wracks waren alles, was von den 130 als unbesiegbare Armada aufgebrochenen Schiffen übrig blieb.[27]

Philipp II. kommentierte das wie folgt: „Ich habe meine Flotte nicht gegen Sturm und Wellen ausgesandt, sondern gegen Menschen.“[28] Gegenüber dem Herzog von Medina Sidonia, dem Admiral wider Willen, der sich gegen seine Ernennung gesträubt hatte, blieb der König fair. Er machte ihn zu Recht nicht für die Niederlage verantwortlich. Der Herzog diente dem König noch weitere 10 Jahre lang treu bis zu dessen Tod und darüber hinaus weitere 12 Jahre der spanischen Krone in höheren Ämtern.[29]

Auch die Engländer erlitten schwere Verluste, denn in der englischen Flotte starben 6000–8000 Seeleute, allerdings hauptsächlich an Krankheiten wie Ruhr und Flecktyphus.

Der andauernde Krieg[Bearbeiten]

Das Armada-Portrait von George Gower zeigt Elizabeth I. und im Hintergrund links die englische Flotte, rechts die versinkende spanische Armada

Die Auswirkungen der spanischen Niederlage waren jedoch nicht so entscheidend, wie häufig behauptet wird. Die Spanier waren in der Lage, viele ihrer hochseetauglichen Schiffe wieder in spanische Häfen zu bugsieren.

Philipp II. erkannte die Fehler der unbesiegbaren Armada. Für die neue Flotte wollte er moderne Artillerie und wendigere Schiffe. Er ging unter gänzlich anderen Gesichtspunkten an den weiteren Aufbau der Flotte heran. In Spanien wurden moderne Werften und Waffenschmieden gegründet, für die Philipp II. aus ganz Europa die entsprechenden Meister anwarb.[30] Jedoch war er selber durch die Gicht inzwischen auf einen Rollstuhl angewiesen und verließ seinen Palast nicht mehr. Die letzten Jahre seines Lebens regierte er sein weltumspannendes Reich nur noch vom Schreibtisch aus.[31]

1589 versuchten die Engländer mit der Englischen Armada im Gegenzug die Spanier anzugreifen, was jedoch vollständig misslang. Der ursprüngliche englische Plan war es, die spanische Flotte in Santander und San Sebastián zu attackieren, sie griffen jedoch La Coruña an, wo sie mit schweren Verlusten wieder abziehen mussten.[32] Auch waren sie nicht in der Lage, die spanische Silberflotte abzufangen, wie ebenso der Versuch misslang, mit Hilfe der portugiesischen Aufständischen die Spanier aus Portugal zu vertreiben.

Die spanische Flottenrüstung ging unverändert weiter und in den Jahren darauf war die spanische Flotte wesentlich stärker als vor der Niederlage. Die Spanier verdreifachten ihre Silberausfuhren aus den Überseekolonien und besiegten die Engländer auf See 1591, 1595 und 1597. Es waren nicht die materiellen Verluste, diese wurde ebenso schnell ersetzt wie zuvor durch die Türkei (Seeschlacht von Lepanto), aber das Selbstvertrauen war verloren.

Fazit[Bearbeiten]

Die schwere Niederlage der Armada leitete entgegen der üblichen Auffassung nicht den Übergang der Vormacht zu See von Spanien auf England ein. Im Gegenteil, die Spanier begannen erst nach 1588 verstärkt, systematisch eine Kriegsmarine für den Atlantik aufzubauen.

Dass die spanische Seemacht noch intakt war, wurde 1589 bewiesen, als ein englischer Gegenangriff erfolgreich abgewiesen wurde.[33] Was Philipp II. 1588 wirklich verlor, war die auf das Unternehmen folgende Propagandaschlacht. Elisabeth I. gewann diese so nachhaltig, dass bis in die jüngste Zeit selbst Historiker davon ausgingen, die spanische Vorherrschaft zur See sei damals nachhaltig geschwächt worden.[34]

Die eigentliche Vernichtung der Armada fand am 25. April 1607 in der Bucht von Gibraltar statt. Dort wurden in einem Überraschungsangriff eines Flottenverbandes aus den aufständischen Provinzen Holland und Seeland unter der Führung von Jacob van Heemskerk die dort ankernden spanischen Schiffe zerstört. Die Holländer hatten selbst nur geringe Verluste; darunter ihren Befehlshaber. Das war das tatsächliche Ende der Vormachtstellung der Spanier. Der Plan der Holländer ging auf: Diese Niederlage machte die Spanier reif für Verhandlungen, die 1609 in den zwölfjährigen Waffenstillstand zwischen Spanien und der jungen Republik der 7 Provinzen mündeten. Damit begann die kurze Zeit der niederländischen Vormachtstellung.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts konnte England durch die drei englisch-niederländischen Seekriege und im 18. Jahrhundert durch die Auseinandersetzungen mit Frankreich, seine Seemachtposition immer weiter ausbauen, bis es 1805 durch die Schlacht von Trafalgar für ein Jahrhundert zur vorherrschenden Seemacht aufstieg. Die Vormachtstellung Spaniens als stärkste Landmacht Europas ging nach der Unterzeichnung des Pyrenäenfriedens im Jahre 1659 endgültig an Frankreich über.

Flottenliste[Bearbeiten]

Bereits während der Zusammenstellung erschienen gedruckte Listen über die Größe und Ausstattung der einzelnen Schiffe und der gesamten Flotte.[35] Das Konzept der Zusammenstellung der einzelnen Geschwader wurde bereits 1586 geschrieben und 1588 ins Deutsche übersetzt publiziert. Da auch englische Übersetzungen vorhanden waren, kann man davon ausgehen, dass es erstens ein spanischer Propagandazug gegen alle Nicht-Katholiken war, und zweitens die englische Seite sehr gut über den erwarteten Angriff informiert gewesen sein muss.[36]

Literatur[Bearbeiten]

  • Colin Martin, Geoffrey Parker: The Spanish Armada. London u. a. 1988, ISBN 0-241-12125-6.
  • Garrett Mattingly: Die Armada. Sieben Tage machen Weltgeschichte. Piper, München 1959. (1960 Pulitzer-Preis) (ab 1988: ISBN 3-492-10533-5)
  • Garrett Mattingly: The Defeat of the Spanish Armada. Folio Society, London 2002.
  • Peter Padfield: Armada. Braunschweig 1988, ISBN 3-07-508985-0.
  • Neil Hanson: The Confident Hope Of A Miracle. The True Story Of The Spanish Armada. Corgi Books, 2004, ISBN 0-552-14975-6.
  • Bryce Walker: Die Armada. Amsterdam 1982, ISBN 90-6182-418-4. (Time-Life Bücher "Die Seefahrer")
  • Heinrich Stettner: Der Armadazug von 1588. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. 10 (1987), S. 153–180.
  • János Erdödy: Wachablösung auf dem Ozean. Druckerei Zrínyí, Budapest 1979, ISBN 963-13-1568-1.
  • János Erdödy: Kampf um die Meere. Corvina Verlag, Budapest 1977 (ungarische Erstausgabe 1964)
  • Helmut Schnitter: Von Salamis bis Dien Bien Phu. Verlag Neues Leben, Berlin 1987, ISBN 3-355-00490-1

Die Armada als Thema der Belletristik

  • Johannes K. Soyener, Wolfram zu Mondfeld: Der Meister des Siebten Siegels. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1994, ISBN 3-404-14406-6 (literarische Darstellung der Vorgeschichte anhand eines Geschützgießers, der mit seinen Erfindungen der englischen Flotte zum Sieg verholfen haben soll)
  • Janusz Meissner: Trilogie Die schwarze Flagge; Die roten Kreuze; Das Grüne Tor, antiquarisch.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spanische Armada – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen/Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Von Salamis bis Dien Bhien Phu, S. 105.
  2. Kampf um die Meere, S. 152.
  3. Kampf um die Meere, S. 152.
  4. Wachablösung auf dem Ozean, S. 139.
  5. Kampf um die Meere, S. 154.
  6. Wachablösung auf dem Ozean, S. 141.
  7. Kampf um die Meere, S. 154.
  8. Rudolf Muschalla: Zur Vorgeschichte der technischen Normung. Beuth Verlag 1992, ISBN 3-410-12565-5, S. 156.
  9. Wachablösung auf dem Ozean, S. 160.
  10. Wachablösung auf dem Ozean, S. 162f.
  11. Wachablösung auf dem Ozean, S. 163.
  12. Wachablösung auf dem Ozean, S. 164.
  13. Von Salamis bis Dien Bien Phu, S. 105–107.
  14. Wachablösung auf dem Ozean, S. 195.
  15. Von Salamis bis Dien Bien Phu, S. 109.
  16. Wachablösung auf dem Ozean, S. 201.
  17. Wachablösung auf dem Ozean, S. 209 f.
  18. Wachablösung auf dem Ozean, S. 177.
  19. Von Salamis bis Dien Bien Phu, S. 111.
  20. Wachablösung auf dem Ozean, S. 222.
  21. Wachablösung auf dem Ozean, S. 212f.
  22. Wachablösung auf dem Ozean, S. 219.
  23. Wachablösung auf dem Ozean, S. 219f.
  24. Wachablösung auf dem Ozean, S. 224f.
  25. Von Salamis bis Dien Bien Phu, S. 113.
  26. Die britische Schauspielerin Keira Knightley ist mütterlicherseits eine Nachfahrin eines an der schottischen Küste gestrandeten Überlebenden der Armada. (Quelle: IMDb/Keira Knightley/Trivia)
  27. Wachablösung auf dem Ozean, S. 225f.
  28. Wachablösung auf dem Ozean, S. 227.
  29. Wachablösung auf dem Ozean, S. 228.
  30. Wachablösung auf dem Ozean, S. 228.
  31. Wachablösung auf dem Ozean, S. 229.
  32. Wachablösung auf dem Ozean, S. 240.
  33. Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, S. 86, von Alfred Kohler, Oldenburger Wissenschaftsverlage GmbH 2011, ISBN 978-3-486-59803-2
  34. Univ.-Prof. Mag. Dr. Friedrich Edelmayer
  35. http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00008606/images/
  36. Stettner, Armadazug, S. 156, 159.