Kreis- und Stadtsparkasse Speyer

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Logo der Sparkassen  Kreis- und Stadtsparkasse Speyer
Staat Deutschland
Sitz Speyer,
Wormserstr. 39
Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts
Bankleitzahl 547 500 10[1]
BIC MALA DE51 SPY[1]
Gründung 1829
Auflösung 1. Juli 2013
Verband Sparkassenverband Rheinland-Pfalz
Website http://www.sparkasse-speyer.de
Leitung
Verwaltungsrat Oberbürgermeister
Hansjörg Eger (Vors.)
Vorstand Uwe Geske (Vors.)
Klaus Steckmann
Liste der Sparkassen in Deutschland
BW

Die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer war eine öffentlich-rechtliche Sparkasse mit Sitz in Speyer in Rheinland-Pfalz. Zum 1. Juli 2013 fusionierte sie mit der Kreissparkasse Rhein-Pfalz und Sparkasse Vorderpfalz Ludwigshafen a. Rh. - Schifferstadt zur Sparkasse Vorderpfalz.[2] Das Geschäftsgebiet der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer umfasste neben dem Stadtgebiet auch den südlichen Rhein-Pfalz-Kreis mit den Gemeinden Otterstadt, Waldsee, Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen und Römerberg.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer war eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Rechtsgrundlagen waren das Sparkassengesetz für Rheinland-Pfalz und die durch den Verwaltungsrat der Sparkasse erlassene Satzung. Organe der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer waren der Vorstand und der Verwaltungsrat.

Die Marktbereiche sind eingeteilt in Privatkunden, Firmenkunden, Immobilien, Versicherungen und Private Banking.

Geschäftsausrichtung[Bearbeiten]

Die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer betrieb als Sparkasse das Universalbankgeschäft. Sie war Marktführer in ihrem Geschäftsgebiet.

Sparkassen-Finanzgruppe[Bearbeiten]

Die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer ist Teil der Sparkassen-Finanzgruppe und gehört damit auch ihrem Haftungsverbund an. Er sichert den Bestand der Institute und sorgt dafür, dass sie auch im Fall der Insolvenz einzelner Sparkassen alle Verbindlichkeiten erfüllen können. Die Sparkasse vermittelt Bausparverträge der regionalen Landesbausparkasse, offene Investmentfonds der Deka und Versicherungen der Versicherungskammer Bayern. Im Bereich des Leasing arbeitet die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer mit der Deutschen Leasing zusammen. Die Funktion der Sparkassenzentralbank nimmt die Landesbank Baden-Württemberg wahr.

Die Geschichte der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Idee der Sparkassen wurde bereits im 16. Jahrhundert vertreten, fand zu dieser Zeit allerdings nur wenig Beachtung. Das änderte sich mit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Damals gründete zum Beispiel der Abt des Klosters Salem, Anselm II., eine Sparkasse, „um die wirtschaftlich unerfahrenen Waisen vor einer missbräuchlichen Verwendung ihres Waisengeldes zu bewahren“.

1823 machte sich der damalige Regierungspräsident Josef von Stichaner mit einem Brief an den Landkommissär Karl Friedrich Koch für die Gründung einer Sparkasse zu Speyer stark. 1824 beschloss das Bürgermeisteramt der Stadt Speyer einstimmig „dass zur Förderung bürgerlicher Tugenden, Arbeitsamkeit und Sparsamkeit eine Sparkasse in hiesiger Stadt errichtet werden soll“.

1829–1879: Erfolge und Krisen[Bearbeiten]

Am 4. Januar 1829 nahm nachmittags um 15.00 Uhr die Sparkasse Speyer im Rathaus ihre Geschäfte auf. Die Bearbeitung der Ein- und Auszahlungen erledigten ehrenamtliche Mitarbeiter und das Büro wurde im Rathaus kostengünstig eingerichtet. Als die Geschäftsräume eröffnet wurden, erlebt die Sparkasse einen gewaltigen Kundenansturm und eine große Überraschung: Nicht nur Dienstboten, Tagelöhner und andere weniger verdienende Bürger wollten ihr Geld anlegen, sondern auch Geschäftsleute, Handwerker und Gewerbetreibende. Das ursprüngliche Konzept der Armen-Sparkasse wurde somit bereits nach einigen Wochen von den Bürgern abgewandelt. In den zehn Tagen nach Eröffnung der Sparkasse Speyer wurden, wie das noch vorliegende Sitzungsprotokoll vom 16. Januar 1829 feststellte, 1.672 Gulden und 34 Kreuzer deponiert. Dies war für die damaligen Verhältnisse ein außerordentlich erfolgreiches Ergebnis. Am Ende des ersten Geschäftsjahres verzeichnete die Sparkasse eine Gesamteinlage von 4.089 Gulden und 32 Kreuzer. Nur 18 Jahre später wurde die Grenze von 100.000 Gulden überschritten. Die Verzinsung war je nach Höhe der Einlagen gestaffelt. Die geringste Einlage betrug 30 Kreuzer, die bis zu 24 Gulden mit 3 1/3 % verzinst wurden. Ab 25 Gulden betrug der Zinssatz 4 %. Anfängliche Beschränkungen auf Privatkunden und die Einlagenhöhe mussten bald gelockert werden.

Das Geschäft wuchs, auch wenn es in Krisenzeiten immer wieder zu umfangreichen Geldabhebungen kam. Im Jahr 1844 wurde die Satzung geändert, so dass auch die Gemeinden des Landkreises ihre Einlagen bei der Sparkasse deponieren durften. Das Geschäftsvolumen wuchs dadurch innerhalb kürzester Zeit von 4.089 Gulden auf über 150.000 Gulden an. Die Entwicklung der Sparkasse verlangte schließlich auch die räumliche Trennung von anderen Dienststellen der Stadtverwaltung. Nach dem Sitzungsprotokoll vom 10. Oktober 1877 wurde der Sparkasse ein eigener Raum neben dem Polizeibüro zur Verfügung gestellt. Auch die ehrenamtliche Führung der Geschäfte konnte wegen der wesentlich größeren Verantwortung nicht mehr ausgeübt werden.

1880–1944: Inflation, Schwarzer Freitag und Kriegswirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 1898 trat die Sparkasse Speyer dem Pfälzischen Sparkassenverband bei. Der Börsencrash 1929 und die folgende Deflationspolitik, durch die die Immobilien erheblich an Wert und Hypotheken teils ihre Wertdeckung verloren, erschwerte das Geschäft. Wenn auch zu dieser Zeit Aktien für die Sparkasse Speyer noch keine große Rolle spielten.

Im Jahre 1936 wurde aus der Sparkasse der Stadt Speyer die Bezirks- und Stadtsparkasse Speyer, die bereits im Jahr 1939 mit Bildung eines von der Stadt und dem Landkreis Speyer getragenen Zweckverbandes in Kreis- und Stadtsparkasse Speyer geändert wurde. Ende 1939 hatte die Sparkasse eine Bilanzsumme von rund 15,7 Millionen Reichsmark und 11.970 Sparkassenbücher. Die Kriegswirtschaft während des Zweiten Weltkriegs hatte für die Bürger einschneidende Verbrauchsbeschränkungen zur Folge. Die der Sparkasse in dieser Zeit verstärkt zufließenden Einlagen wurden zum größten Teil in Wertpapieren, insbesondere Reichsanleihen, angelegt. Auch so genannte eiserne Sparkonten wurden damals verstärkt eröffnet.

1945–1957: Währungsreform und Neubeginn[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform 1948 begann sehr bescheiden ein neuer Anfang in der Sparkasse. Die Nachfrage nach Krediten und Darlehen, die dringend für den Aufbau von Betrieben und Wohnungen und für Anschaffungen in den Haushalten gebraucht wurde, war so stark, dass sich das Kreditvolumen innerhalb von drei Jahren vervierfachte. Die ersten Zweigstellen wurden eröffnet: 1955 in Dudenhofen, 1956 in Speyer-Nord und 1957 in Waldsee. Der seit 1927 mit der Sparkassenleitung betraute Direktor Karl Freytag schied am 31. März 1959 wegen Erreichens der Altersgrenze aus. Er übergab seinem Nachfolger, Direktor Jakob Weber, eine Sparkasse mit einer Bilanzsumme von 39,5 Mio. DM und 68 Bediensteten.

1958–1977: Expansion und Führungswechsel[Bearbeiten]

Diese Zeit war für die Sparkasse von herausragender Bedeutung. Zum einen wurde das Zweigstellennetz beträchtlich erweitert, zum anderen entwickelte sich der Giro- und Sparverkehr überaus expansiv. Erneute Wechsel in der Leitung der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer vollzogen sich 1973 und 1974. Die Direktoren Walter Goldbach und Herbert Hack, als Geschäftsleitendes Vorstandsmitglied, übernahmen die Sparkassenleitung von Jakob Weber und Kurt Pflanz. Nahezu gleichzeitig mit dem Wechsel in der Führung der Sparkasse vollzog sich auch eine grundlegende Wandlung des Sparkassenwesens in Rheinland-Pfalz. Die Sparkassen erhielten nicht nur eine neue Satzung, sondern vor allem zugleich auch die eigene Personalhoheit. Ende 1977 führte die Sparkasse über 23.000 Girokonten. Kredite wurden im Zeitraum 1960 bis 1977 um das 7,5-fache ausgeweitet.

1978–1988: Der Weg zum modernen Finanzunternehmen[Bearbeiten]

Mit der im Verlauf der Jahre 1978 bis 1985 wachsenden Unsicherheit der Arbeitsplätze änderten die Kunden ihr Anlageverhalten. Entsprechend modernisierte auch die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer ihr geschäftliches Profil. Als Folge der Hochzinsphase nutzten die Kunden der Sparkasse zunehmend andere Geldanlagen als Sparbuch und Sparkassenbrief. Sie legten nun Geld in Fremdemissionen an. Die Sparkasse reagierte auf die Wünsche ihrer Kunden und brachte eigene börsengängige Wertpapiere heraus. Auch die Darlehenspalette in der Immobilienfinanzierung wurde breiter. Die Gleichstellung der Vermittlung von Lebensversicherungs- und Bausparverträgen mit allen anderen Anlageformen war ein wichtiger Schritt in Richtung des heutigen Produktangebotes. Bei allem wuchs die Sparkasse und benötigte mehr Raum. Deshalb eröffnete sie am 13. September 1985 ihre neue Hauptstelle in der Wormser Straße 39.

In den Jahren 1986 bis 1988 hielt die Technik verstärkt Einzug in die interne Bearbeitung der Kundendispositionen und drang auch in den Umgang der Kunden selbst mit ihrer Sparkasse vor. Kontoauszugsdrucker machten den Anfang, Geldausgabeautomaten folgten wenig später. Die Mitarbeiter an den Tresen wurden von Routinearbeiten entlastet. Für das Back Office entfiel der Versand einer Großzahl von Kontoauszügen. Damit änderte sich auch die Aufgabenstruktur der Beschäftigten. Kundenberatung rückte deutlich in den Vordergrund.

1989 bis heute: Ein neues Leitbild für eine neue Zeit[Bearbeiten]

Die Jahre zwischen 1989 und 1998 brachten auch für die Kreis- und Stadtsparkasse Speyer grundlegende Änderungen: Die Sparkasse war durch die enge Zusammenarbeit mit der Sparkasse Hildburghausen unmittelbar in die Vorgänge der deutschen Währungsunion eingebunden.

Mit dem Ruhestand von Walter Goldbach (1996) und Herbert Hack (1999), in dem die Bilanzsumme der Sparkasse auf über 890 Millionen Euro wuchs, vollzog sich an der Spitze der Sparkasse ein Generationswechsel. Uwe Geske führte seit dem 1. Juli 1999, gemeinsam mit Klaus Steckmann als weiteres Vorstandsmitglied, die Sparkasse.

Chronologie[Bearbeiten]

Sparkassenleiter bzw. Stellvertreter[Bearbeiten]

Sparkassenleiter bzw. Stellvertreter
1829–1831 Adjunkt Heydenreich
1831–1833 Hilgard
1834 Spitzer
1834–1836 Becker
1836–1880 Johann Friedrich Haid
1880–1881 Jakob Rumpf
1881–1888 Heinrich Schulz
1888–1900 Andreas Stein
1900–1910 Sigmund Böhm
1910–1927 Ludwig Egenolf
1927–1959 Karl Freytag
1949–1956 Heinrich Köffler

Vorstandsmitglieder[Bearbeiten]

Vorstandsmitglieder
1959–1973 Jakob Weber Vorstandsvorsitzender
1959–1974 Kurt Pflanz weiteres Vorstandsmitglied
1973–1999 Herbert Hack Vorstandsvorsitzender
1973–1996 Walter Goldbach weiteres Vorstandsmitglied
1996–1999 Uwe Geske weiteres Vorstandsmitglied und seit 1999 Vorstandsvorsitzender
1. Juli 1999–30. April 2012 Uwe Wöhlert weiteres Vorstandsmitglied
seit 1999 Uwe Geske Vorstandsvorsitzender
seit 1. Oktober 2012 Klaus Steckmann weiteres Vorstandsmitglied

Sparkassenstiftung[Bearbeiten]

Die Stiftung der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer ist eine selbständige, gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Speyer. Sie wurde 1995 gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 2 Mio. Euro ausgestattet. Das gesellschaftliche Engagement der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer ist in der Sozial- und Gesellschaftsbilanz zusammengefasst. Die Sparkassenstiftung fördert durch finanzielle, zweckgebundene Zuschüsse Projekte der Jugendpflege, Jugendfürsorge und des Sports. Darüber hinaus werden kulturelle Organisationen, Vorhaben und Maßnahmen in Speyer, den Verbandsgemeinden Römerberg-Dudenhofen und Waldsee unterstützt. Dazu zählen unter anderem:

  • Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen.
  • Soziale Projekte, insbesondere: Hilfe für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, wohltätige und karitative Einrichtungen, Prävention gegen Drogenkonsum.
  • Kunst, Kultur und Denkmalpflege.
  • Darstellende und bildende Kunst, Ausstellungen, Publikationen.
  • Erwerb von Sportgeräten, Verbesserung von Trainingsbedingungen.
  • Neue Projekte, Initiativen, Aktivitäten bei den Trägern der Kinder- und Jugendarbeit.
  • Außerunterrichtliche Projekte in Schulen und Kindertagesstätten.
  • Sportvereine und Jugendarbeit, insbesondere Kinder- und Jugendsport, Breitensport, begabte Nachwuchssportler, Sportstätten und Sporteinrichtungen.
  • Projekte von Vereinen und Einrichtungen, die Jugendlichen und Kindern kreative Entfaltung und Talentförderung bieten sowie wesentliche Werte des Miteinander vermitteln.

Die Stiftung verfügt über zwei Organe. Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte, während das Kuratorium hinsichtlich der Verwendung der Stiftungserträge entscheidet. Das Kuratorium der Sparkassenstiftung besteht aus Oberbürgermeister Hansjörg Eger, Landrat Clemens Körner, Friederike Ebli, Heike Häußler, Otto Reiland, Markus Wintterle sowie dem Vorstandsvorsitzenden der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer Uwe Geske. Der Vorstand der Sparkassenstiftung besteht aus Klaus Steckmann (Vorstandsmitglied der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer) sowie Albert Schlarp und Rosemarie Stamm.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Sparkasse Vorderpfalz, abgerufen am 2. Juli 2013.

49.31998.4331Koordinaten: 49° 19′ 11,6″ N, 8° 25′ 59,2″ O