Sperrwert

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Ausweis zum Bezug von DDR-Sonderbriefmarken (3 Sätze)

Ein Sperrwert war in der Deutschen Demokratischen Republik ab 1955 eine Sondermarke, die allgemein postgültig war, deren vergleichsweise geringe Auflagenhöhe aber nicht unter dem Gesichtspunkt des postalischen Bedarfs, sondern nach außenhandelspolitischen Erfordernissen festgelegt wurde. Postkunden konnten diese Sondermarken weitestgehend nur unter besonderen Bezugsbedingungen, überwiegend mit einem Sammlerausweis, erwerben. Die Bezeichnung Sperrwert wurde im umgangssprachlichen Gebrauch, auch im postalischen Schalterverkehr verwendet, zumeist nicht jedoch im offiziellen postamtlichen und philatelistischen Sprachgebrauch. Man sprach hier zunächst von Sätzen mit sogenannten „gebundenen Werten“, später von „Werten in geringer Auflage“.

Werte in geringer Auflage im Rahmen der DDR-Handelspolitik[Bearbeiten]

Die Einführung der Werte in geringer Auflage muss vor folgendem Hintergrund gesehen werden: Die DDR sah sich ihrer Partei- und Staatsdoktrin zufolge als sozialistischer Staat, dessen Wirtschaft und Binnenmarkt nicht auf eine Gewinnmaximierung der beteiligten Wirtschaftsunternehmen ausgerichtet war, sondern letztlich allein der Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung dienen sollte. Dies verbot auch jegliches spekulatives Moment des Handels mit Briefmarken von vornherein. Das Briefmarkensammeln selbst wurde staatlicherseits als kulturelle Aktivität der Philatelisten gesehen; die Wertentwicklung der gesammelten Briefmarken sollte dabei keinesfalls im Vordergrund stehen. Weiter war bis zum 13. August 1961 eine offene innerdeutsche Grenze in Berlin und damit mittelbar auch zur alten Bundesrepublik gegeben, wo die kapitalistische Wirtschaftsordnung aber gerade keine Einschränkungen der Spekulation mit der Wertentwicklung von Wirtschaftsgütern und damit auch Briefmarken kannte - das Briefmarkensammeln wurde und wird hier auch als Teil der Vermögensanlage betrachtet. Nun blieb entsprechend der Preispolitik der DDR, die ein System von Preissubventionen (Mieten, Lebensmittel, Dienstleistungen) und Preisüberhöhungen zur Kaufkraftabschöpfung (Pkw, Unterhaltungstechnik) umfasste, auch das Porto für die Dienstleistungen der Deutschen Post der DDR vom Beginn der DDR bis zu ihrem Ende, sieht man einmal von den Portosenkungen Mitte der 1950er Jahre ab, weitestgehend konstant. Somit waren auch die Postpreise für Sonderbriefmarken keinen größeren Veränderungen unterworfen. Das Preissystem der DDR bedingte auch eine Ausgestaltung der DDR-Mark als reine Binnenwährung, so dass sie zur Deutschen Mark nicht frei konvertierbar war. Der durch die unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen in beiden deutschen Staaten schrittweise wachsende technologische Abstand der DDR zur alten Bundesrepublik führte bekanntermaßen dazu, dass sich durch von den DDR-Behörden nicht verhinderbare Abflüsse von DDR-Markbeständen im westlichen Ausland ein inoffizielles Umtauschverhältnis zwischen der DDR-Mark und der DM herausbildete, das weit unter dem offiziell von der DDR propagierten Verhältnis 1:1 lag. Dadurch war es für Briefmarkenhändler und auch Sammler aus der Bundesrepublik wirtschaftlich attraktiv, mehr oder weniger unter Inanspruchnahme des inoffiziellen Umtauschverhältnisses die zunächst frei verkäuflichen Sondermarken direkt auf den Postämtern in der DDR zu erwerben oder von Postkunden aus der DDR erwerben und sodann in die Bundesrepublik transferieren zu lassen. Dieser unkontrollierte Sondermarkenabfluss hatte einen starken Preisverfall bei Sonderbriefmarken im Rahmen des offiziellen Handels der DDR mit der Bundesrepublik und anderen kapitalistischen Staaten zur Folge, dem die DDR handelspolitisch letztlich nur dadurch begegnen konnte, dass der freie Verkauf der Sonderpostwertzeichen durch die Deutsche Post beschränkt wird. Dieser Schritt war gekoppelt an ein Ausfuhrverbot postfrischer Briefmarken aus der DDR. Nur unter den Bedingungen einer Limitierung der Auflagenhöhe, eines beschränkten Inlandsverkaufs und eines Ausfuhrverbots für Nichtautorisierte ab 1955 ließ sich durch den DDR-Außenhandel[1] ein Devisenverkaufserlös für die DDR-Sonderbriefmarken in Höhe des Nominalwertes erzielen, der üblicherweise von den Postverwaltungen bei dem Verkauf von Sondermarken angestrebt wird. Das Ausfuhrverbot, das natürlich auch die Briefmarkensammler in der DDR traf, wurde später dadurch gelockert, dass zumindest die im Kulturbund der DDR organisierte Sammlerschaft in einem bestimmten Wert- und Mengenumfang über staatlich kontrollierte Tauschkontrollstellen postfrische DDR-Briefmarken zum Tausch mit Briefmarkensammlern in die Bundesrepublik und andere kapitalistischen Staaten ausführen durfte. Allerdings konnte eine solche Genehmigungspraxis naturgemäß nicht frei von Elementen obrigkeitsstaatlicher Bevormundung der Sammlerschaft bleiben.

Einführung und postamtlicher Verkauf[Bearbeiten]

Die regelmäßige Ausgabe von Werten in geringer Auflage begann ab dem Markenjahr 1955. Zuvor waren zwar auch die Gedenkblocks der DDR-Post bereits in recht niedriger Auflage gedruckt worden, aber diese wurden weitestgehend frei an den Postschaltern verkauft. Durch ihre hohen Verkaufspreise aufgrund der in ihnen enthaltenen Postwertzeichen mit insgesamt hohen Nominalen wurde von vornherein der nicht gewünschte Aufkauf größerer Mengen durch die Postkunden gedämpft.

Üblicherweise wurden von den Postverwaltungen vor allem die Sonderpostwertzeichen der höheren Wertstufen, mit denen in der Regel postalische Zusatzleistungen (Eilsendung, Einschreiben, Wertbrief u.ä.) bezahlt wurden, in deutlich geringeren Auflagen gedruckt als die für das normale Postkarten- oder Briefporto bestimmten Nominale, bei denen eine weitaus häufigere Verwendung anfiel. Die Auflagenhöhe der Werte in geringer Auflage wurden von der Deutschen Post der DDR dagegen primär unter Berücksichtigung der vorgenannten handelspolitischen Erwägungen und damit völlig unabhängig vom jeweiligen postalischen Bedarf für diese Wertstufe festgelegt. Mit Einführung dieser Werte wurden so die Auflagen der davon betroffenen hohen Wertstufen nochmals deutlich abgesenkt. Besonders augenscheinlich wird das Auseinanderfallen von postalischem Bedarf und Auflagenhöhe aber, wenn Wertstufen mit niedrigen Nominalen zum Sperrwert bestimmt wurden. Dies geschah 1955 bereits mit dem 5 Pf.-Wert zum 150. Todestag Friedrich Schillers, der nur in einer Auflage von 750 000 Stück gedruckt wurde, obwohl der Bedarf der Postkunden für diese als Drucksachenporto bestimmte Wertstufe erheblich höher gewesen sein dürfte. Allerdings erreichte die DDR-Post durch einen Wechsel bei den zum Sperrwert bestimmten Wertstufen, dass in einem Ausgabejahr für jede Wertstufe Sondermarken frei an den Postschaltern erhältlich waren. Durch die Auflagenhöhe des Werts in geringer Auflage wurde letztlich die Anzahl der möglichen vollständigen Sondermarkensätze bestimmt.

Die Sperrwerte wurden nur an Postkunden für den regelmäßigen Bezug (Dauerbezieher) und nur in begrenzten Stückzahlen gegen Vorlage eines sog. Sammlerausweises innerhalb einer zumeist 14tägigen Abholfrist abgegeben. Zunächst konnten 5 Sätze bezogen werden, später reduzierte sich die Anzahl auf 3. Der Sammlerausweis wurde auf schriftlichen Antrag von der DDR-Post gegen eine Jahresgebühr von 1 oder 2 Mark, die in Briefmarken zu entrichten war, ausgestellt. Zusätzlich zu diesem Kontingent konnte noch ein Zusatzbezug von Ausgaben über die in Berlin ansässige Zentrale Versandstelle der Deutschen Post beantragt werden; hierzu gab es während der Existenz der Sperrwerte unterschiedliche Regularien.

Im übrigen gelangten Postkunden im freien Schalterverkauf nur in sehr begrenztem Umfang, zumeist 2 Stück, am Morgen des ersten Ausgabetages und am Tag nach dem Ablauf der Abholfrist für Dauerbezieher in den Besitz dieser Sondermarken.

Sperrwerte im Postverkehr[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer geringen Auflage standen die Sperrwerte, die von den Philatelisten zumeist postfrisch gesammelt wurden, dem allgemeinen Postverkehr kaum zur Verfügung. Tatsächliche Bedarfsverwendungen sind äußerst selten zu finden. Lediglich auf den von der DDR-Post schon frankiert und mit Ersttagssonderstempel an die Briefmarkensammler gelieferten Ersttagsbriefen liegen die Sperrwerte ausreichend in gestempelter Erhaltung vor. Erst in der Spätzeit der DDR, als die Auflagenhöhen deutlich angestiegen waren, wurden Sperrwerte häufiger zu Frankaturzwecken benutzt. Aber auch diese Einzel- oder Mischfrankaturen mit anderen Sondermarken auf postalisch beförderten Belegen ("echt gelaufen") war regelmäßig philatelistisch initiiert. Gleichwohl sind Ganzstücke mit Sperrwerten nicht häufig, bei vielen älteren Ausgaben sogar ausgesprochen selten, und deshalb heute überaus gefragt. Sie widerspiegeln besonders bei einer belegten postalischen Verwendung eine ganz besondere Facette des Postwesens der DDR und der Teilung der Welt in politische Blöcke.

Entwicklung der Auflagenhöhe[Bearbeiten]

Beginnend mit 750.000 Stück im Jahr 1955 erhöhte sich die Auflage der Werte in geringer Auflage schrittweise bis zu durchschnittlich 2.100.000 ab 1976. Von 1979 bis 1980 kam es zu einer zwischenzeitlichen Absenkung der Auflagenhöhe um 100.000 Stück, um danach wieder auf den bis zum 30. Juni 1990 geltenden Wert von 2.100.000 anzusteigen.

Blocks und Kleinbogen wurden häufig in Mengen gedruckt, die von der jeweils aktuellen Auflagenhöhe der Werte in geringer Auflage bei den Einzelmarken abwich; zumeist in einer etwas höheren Stückzahl, wohl weil die Nachfrage nach diesen im Briefmarkenexportgeschäft generell höher war. Ihre Auflagenzahlen verharrten dann jedoch zumeist auf dem Wert von ca. 2.100.000 Stück, nachdem dieser Wert auch von den Einzelmarken erreicht worden war. Die nachfolgende Tabelle zeigt deshalb die zeitliche Abfolge der Auflagenentwicklung nur bei den Einzelmarken. Es wurde jeweils der erste Wert der erhöhten oder reduzierten Auflagenzahl angegeben, die bis zur nächsten Änderung galt. Dies schließt nicht aus, dass es bei dazwischen liegenden einzelnen Ausgaben zu geringfügig erhöhten oder abgesenkten Auflagenzahlen des Werts in geringer Auflage kam. Dies war aber die Ausnahme.

Bild Beschreibung Werte in
Pfennig
Ausgabe-
datum
Auflage Entwurf Mi.-Nr. Gesamte Ausgabe
Stamps of Germany (DDR) 1955, MiNr 0464.jpg 150. Todestag des Dichters Friedrich von Schiller 5 30. April 1955 750.000 Kurt Eigler 464A 464A – 466A
Stamps of Germany (DDR) 1956, MiNr 0526.jpg 750 Jahre Dresden[2]
40 1. Juni 1956 1.000.000 Helmuth Götze 526 524 - 526
Stamps of Germany (DDR) 1957, MiNr 0561.jpg Naturschutzwoche im April 1957
5 12. April 1957 1.100.000 Engelbert Schoner 561 561 - 563
Stamps of Germany (DDR) 1961, MiNr 0820.jpg Hochseefischerei
40 10. April 1961 1.000.000 Gerhard Stauf 820 817 - 820
Stamps of Germany (DDR) 1962, MiNr 0880.jpg 6 Jahre Nationale Volksarmee
  • Panzerfahrer vor einem Panzer
40 1. März 1962 1.100.000 Gerhard Stauf 880 876 - 880
Stamps of Germany (DDR) 1963, MiNr 0987.jpg Erhaltung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten: Sportler, KZ-Opfer (II)
Diese Marke wurde als Zusammendruck mit einem rechts anliegenden Zierfeld ausgegeben:
40+20 24. September 1963 1.200.000 Gerhard Stauf 987 983 - 987
Stamps of Germany (DDR) 1965, MiNr 1095.jpg 10 Jahre Tierpark Berlin
30 24. März 1965 1.300.000 Axel Bengs 1095 1093 - 1095
Stamps of Germany (DDR) 1965, MiNr 1143.jpg 200 Jahre Bergakademie Freiberg
15 11. November 1965 1.400.000 Werner Klemke 1143 1142 - 1145
Stamps of Germany (DDR) 1966, MiNr 1218.jpg Volkstrachten (II)[3]
25 25. Oktober 1966 1.500.000 Ingeborg Friebel 1218 1214 - 1218
Stamps of Germany (DDR) 1968, MiNr 1352.jpg 100. Geburtstag von Maxim Gorki
  • Das Lied vom Sturmvogel (bildliche Darstellung)
25 14. März 1968 1.600.000 Preuß 1352 1351 - 1352
Stamps of Germany (DDR) 1969, MiNr 1437.jpg Bedeutende Bauwerke (III)
  • Bürgerhaus, Luckau (erbaut 1699)
25 15. Januar 1969 1.700.000 Dietrich Dorfstecher 1437 1434 – 1439
Stamps of Germany (DDR) 1970, MiNr 1629.jpg Kakteen (I)
25 2. Dezember 1970 1.800.000 Manfred Gottschall 1629 1625 - 1630
Stamps of Germany (DDR) 1972, MiNr 1735.jpg Berühmte Persönlichkeiten (VII)
50 25. Januar 1972 1.900.000 Gerhard Stauf 1735 1731 - 1735
Stamps of Germany (DDR) 1974, MiNr 1924.jpg Kakteen (II)
15 12. Februar 1974 2.000.000 Manfred Gottschall 1924 1922 - 1927
Stamps of Germany (DDR) 1976, MiNr 2168.jpg Brücken
50 21. September 1976 2.100.000 Reißmüller 2168 2163 - 2168
Stamps of Germany (DDR) 1979, MiNr 2393.jpg Heimische Singvögel
50 9. Januar 1979 2.000.000 Manfred Gottschall 2393 2388 - 2393
Stamps of Germany (DDR) 1981, MiNr 2615.jpg Landschaftsparks
25 9. Juni 1981 2.100.000 Dietrich Dorfstecher 2615 2611 - 2616
Stamps of Germany (DDR) 1990, MiNr 3343.jpg Kostbarkeiten in Bibliotheken der DDR

(letzter Wert in geringer Auflage der DDR)

110 19. Juni 1990 2.100.000 Lehmann 3343 3340 - 3343

Position der FIP[Bearbeiten]

Da die künstliche Verknappung von Marken eine Verletzung der Statuten des Internationalen Dachverbandes der Philatelisten (FIP) mit Sitz in der Schweiz darstellte, galten bei FIP-patronierten internationalen Briefmarkenausstellungen auch ansonsten komplette Sätze ohne den Sperrwert als vollständig. Teilweise mussten auf diesen Ausstellungen die ausgestellten Sperrwerte umgedreht werden, d.h., das Markenbild wurde auf den Kopf gestellt. (Das FIP-Regelwerk war durchaus nicht allen Mitgliedern des Philatelistenverbandes der DDR bekannt und wenn, zumindest nicht vollinhaltlich.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Michel-Katalog Deutschland-Spezial 1999, München, Schwaneberger Verlag 1999, ISBN 3-87858-132-7
  • Peter Fischer, Frithjof Skupin und Wolfgang Gudenschwager (Hrsg.): DDR-Universalkatalog, Transpress, Verlag für Verkehrswesen, Berlin, ISBN 3-344-00001-2
  • DNK Deutschland Briefmarkenkatalog 2007, Leuchtturm Albenverlag, 2006
  • DDR-Außenhandel forderte Einführung der Sperrwerte. (Fortsetzungsartikel) In: Deutsche Briefmarken-Revue ab Ausgabe Nr. 7/2005, S. 36 ff

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Export von Briefmarken wurde in den 1950er Jahren durch das Staatsunternehmen "Deutscher Buch-Export und Import GmbH" mit Sitz in Leipzig abgewickelt (vgl. sammler-express. Fachzeitung für Philatelie und andere Sammelgebiete. Berlin 1957, Heft 2, S. 29, mit einem entsprechenden Inserat). Später wurde auch die Kunst und Antiquitäten GmbH, die dem Bereich Kommerzielle Koordinierung unterstand, in den Briefmarkenhandel einbezogen.
  2. Siehe ergänzend auch die Seite Dresdner Bauwerke auf deutschen Briefmarken.
  3. Eine erste Ausgabe in ähnlicher Zeichnung war 1964 (I) erschienen; eine weitere folgte 1968 (III). Es erschienen 1971 noch sorbische Mädchentrachten im Großformat in Schalterbögen und im Kleinformat in Markenheftchen.

Weblinks[Bearbeiten]