Sperrwert

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Ausweis zum Bezug von Sammlermarken

Sperrwert ist ein Begriff des Kalten Krieges. Der Ausdruck Sperrwert konnte in der DDR nur sehr vorsichtig verwendet werden, denn er entstammt nicht den offiziellen Sprachgebrauch der DDR. Für die DDR, besonders von den im Kulturbund der DDR organisierten Philatelisten, sollte der Ausdruck "Wert mit verminderter Auflage" verwendet werden. Im Alltag allerdings war – nicht nur aus sprachökonomischern Gründen – der Ausdruck "Sperrwert" weit verbreitet, auch in Kreisen der Post-Mitarbeiter.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Ein Sperrwert war in der Deutschen Demokratischen Republik eine Briefmarke höheren Nennwertes, die zwar allgemein gültig war, aber im Inland nur selten ausgegeben wurde. In sehr vielen Briefmarkensätzen erschien ab 1955 ein Sperrwert, die Auflage der Sperrwerte war geringer als die der anderen Marken eines Satzes (auch innerhalb eines Satzes war die Auflage nicht einheitlich). Die Anzahl kompletter Sätze im begrifflichen Verständnis der DDR war damit von der Auflage der Sperrwerte bestimmt. Auf diese Weise wurde eine künstliche Verknappung geschaffen, ein probates Mittel marktwirtschaftlicher Wertsteigerung, die sich natürlich auch in den Notierungen des Michel-Kataloges für komplette Sätze niederschlug (Opportunismus). Diese politisch gewollte Verknappung wurde vom staatlichen Außenhandel der DDR, Bereich (Kommerzielle Koordinierung) der DDR ausgenutzt, um komplette Sätze gegen Devisen an ausländische Sammler, meist der BRD oder Berlin (West) zu verkaufen (Opportunismus). Gelegentlich sollen auch ganze Briefmarkenausgaben auf diese Weise vom Handel innerhalb der DDR ausgenommen worden sein.

Zu beachten ist die folgende Ausnahme: Dauerserien wurden dem Bedarf verschiedener Frankaturstufen entsprechend natürlich auch in unterschiedlicher Auflage je Nennwert herausgegeben. Es ist also unlogisch, bei bedarfsgerechten Editionen mit etlichen Nachdrucken wie sie Dauerserien darstellen, von Sperrwerten zu reden.

An den Postschaltern der DDR wurden diese Werte nur an Inhaber eines gültigen Sammlerausweises abgegeben. Dieser Ausweis konnte bei der Post für 2 Mark erworben werden, merkwürdigerweise nicht zwingend nur von Mitgliedern des Philatelistenverbandes im Kulturbund der DDR und berechtigte zum Bezug von bis zu 10 (!!) kompletten Sätzen. Logischerweise konnten also weitaus mehr komplette Sätze von der DDR-Bevölkerung beansprucht werden, als überhaupt Sperrwerte gedruckt wurden – was an Erstausgabetagen zu großem Gedränge in den Postämtern führte und natürlich mit erhöhter psychischer Belastung (Kundenfrust!) der Mitarbeiter verbunden war. Es gilt der künstlichen Verknappung wegen als glücklicher Zufall für die anderen Bürger, wenn sie auch einen kompletten Satz kaufen konnten. Für private wirtschaftliche Beziehungen in die BRD und Berlin West NSW hatten damit manche DDR-Bürger etwas Eigenes am staatlich regulierten Handel vorbei zu bieten.

Die künstliche Verknappung der Marken, die einer Regelverletzung des Internationalen Dachverbandes der Philatelisten mit Sitz in der Schweiz entsprach, galten auch ansonsten komplette Sätze ohne den Sperrwert als vollständig. Teilweise wurde sogar vor internationalen Briefmarkenausstellungen die entsprechend ausgestellten Marken umgedreht (das Markenbild wurde auf den Kopf gestellt).[1] Dieses Regelwerk war durchaus nicht allen Mitgliedern des Philatelistenverbandes der DDR und dann auch noch vollinhaltlich bekannt.

Ab 1984 wurden vom DDR-Postministerium keine Sätze mit Sperrwerten mehr herausgegeben, möglicherweise Beleg für die sehr langsam und punktuell veränderte Außenpolitik der DDR nach der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki 1974. Aus diesen politischen Gründen sind Mischfrankaturen mit Sperrwerten auf echt gelaufenen Belegen sehr selten und heute überaus gefragt: Sie stellen ganz besondere Abbildungen (oder „Ausschnitte“) des tatsächlichen Postwesens in der DDR dar.

[Bearbeiten] Beispiele

Bild Beschreibung Werte in
Pfennig
Ausgabe-
datum
Auflage Entwurf Mi.-Nr. Gesamte Ausgabe
150. Todestag des Dichters Friedrich von Schiller 5 30. April 1955 750.000 Eigler 464A 464A – 466A
Bedeutende Bauten
  • Sanssouci, Potsdam
30 25. Juni 1968 1.600.000 Dorfstecher 1382 1379 – 1382
Stamps of Germany (DDR) 1969, MiNr 1437.jpg Bedeutende Bauwerke (III)
  • Bürgerhaus, Luckau (erbaut 1699)
25 15. Januar 1969 1.700.000 Dorfstecher 1437 1434 – 1439
Neujahr 1984
  • Klee, Taube, Glückwünsche
10, 20, 25, 35 22. Dezember 1983  ?  ? Block 75 2844 – 2847,
gesamte Ausgabe

[Bearbeiten] Literatur

  • DNK Deutschland Briefmarkenkatalog 2007, Leuchtturm Albenverlag, 2006

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Die künstliche Verknappung eines Produkts ist ein probates Mittel, um seine Begehrlichkeit zu steigern – und den Preis. (PDF-Datei; 107 kB)

[Bearbeiten] Weblinks

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