Sperrgebiet

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Dieser Artikel erläutert den Begriff Sperrgebiet allgemein. Zum Sperrgebiet in Namibia siehe Diamantensperrgebiet; siehe auch Militärisches Sperrgebiet

Als Sperrgebiet (englisch: Restricted Area, Synonym: Sperrzone[1][2] [engl.: Exclusion zone]) wird im allgemeinen Sprachgebrauch ein Gelände oder Areal bezeichnet, das für die Zivilbevölkerung überhaupt oder zeitweise nicht zugänglich ist. Dazu zählen beispielsweise ehemalige Munitionsanstalten oder heutige Truppenübungsplätze.

Es gibt auch Sperrgebiete, in denen lediglich bestimmte zoll-technische Vorschriften zu beachten sind, wie im Freihafen oder in Zollgrenzbezirken.

Arten[Bearbeiten]

Tierseuche-„Sperrbezirk“ der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern
Der Truppenübungsplatz Allentsteig ist ein militärisches Sperrgebiet

Die meisten Sperrgebiete sind militärischer Natur (beispielsweise heutige Truppenübungsplätze oder frühere Grenzsicherungsanlagen), sie können aber auch zeitweise eingerichtet werden und dem Schutz von Gipfeltreffen vor Störern dienen. Die größte Akzeptanz in der Bevölkerung finden Sperrgebiete, die dem Natur- und Artenschutz dienen.

Ebenso kann durch militärische (Raubkammer) oder chemische Altlasten (Seveso) wie auch durch atomare Unfälle kontaminiertes Gelände zum Sperrgebiet erklärt werden, wie dies nach der Katastrophe von Tschernobyl geschehen ist.

Sperrgebiete werden auch eingerichtet, wenn größere nicht-militärische Raketen gestartet werden oder Sprengungen durchgeführt werden. Hierbei kann das Sperrgebiet temporärer oder permanenter Natur sein. Permanente Sperrgebiete gibt es zudem im Umkreis von Anlagen der Wasserversorgung, um diese vor Verunreinigungen zu schützen.

Sperrgebiete können ganz oder teilweise umzäunt sein. In diesen Fällen ist nicht immer ein Unterschied zu einem Betriebsgelände, das nur von entsprechenden Mitarbeitern betreten werden darf, erkennbar. Militärische Sperrgebiete, in denen Truppenübungen stattfinden, sind im Unterschied zu anderen militärischen Arealen, wie Kasernen, Flugplätzen oder Depots meist nicht eingezäunt, sondern durch Hinweisschilder wie Militärisches Sperrgebiet gekennzeichnet, auf denen verwiesen wird, dass bei Betreten desselben von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden könne. Erweitert wird das Sperrgebiet durch die so genannte Sperrzone. Dort ist oft das Fotografieren untersagt, und es können unvermittelt Kontrollen durch zuständiges Personal durchgeführt werden. Eines der berühmtesten militärischen Sperrgebiete ist die Area 51 in den USA.

Daneben existieren auch Sperrgebiete auf See. Sie sind z. T. durch Tonnen gekennzeichnet und auf Seekarten verzeichnet. Um die Gebiete der Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee befindet sich eine 500-m-Sicherheitszone, deren Befahrbarkeit durch eine Allgemeinverfügung der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord bzw. Nordwest geregelt ist.

Im Kriegsfalle wird als Sperrgebiet ein Seegebiet bezeichnet, das von einer der kriegsführenden Parteien zum Kriegsgebiet erklärt wurde und in dem Schiffe jeglicher Art ohne Warnung angegriffen und versenkt werden. Dieses ist besonders als Warnung an Nationen gedacht, die versuchen, das Gebiet zu durchqueren, auch wenn sie nicht zu den Kriegsgegnern zählen, um den Feind mit Material zu versorgen.

DDR[Bearbeiten]

Die gesperrte Bundesstraße 62 (1952)

Entlang der innerdeutschen Grenze zwischen der früheren Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland bestand seit 1954 auf dem Gebiet der früheren DDR offiziell ein „Sperrgebiet“. Diese Einrichtung diente der Behinderung der Freizügigkeit, in der früheren DDR als Republikflucht kriminalisiert. Dieses Sperrgebiet setzte sich zusammen aus einem „10-m-Kontrollstreifen unmittelbar entlang der Grenze“, einem 500 m breiten „Schutzstreifen“ sowie einer „5-km-Sperrzone“ (ab 1972: 2 km).

Der zehn Meter breite (gepflügte) Kontrollstreifen wurde auch „Todesstreifen“ genannt. Dieser Bereich war zeitweise vermint, mit Signalanlagen und Personen-Minenanlagen (Selbstschussanlage) ausgerüstet. Der mit Stacheldraht gesicherte „Schutzstreifen“ wurde nach und nach vollständig von Bebauung und Bewuchs geräumt. Das Betreten des „Schutzstreifens“ oder der „Sperrzone“ war von besonderen Voraussetzungen abhängig, für Anwohner etwa durch einen Vermerk im Personalausweis, für Besucher durch einen extra auszustellenden „Passierschein“. Für das Betreten des 500-m-Schutzstreifens galten verschärfte Sicherheitsbestimmungen.

„Unzuverlässige“ Bewohner der Sperrzone wurden 1952 in der „Aktion Ungeziefer“ beziehungsweise 1961 im Zuge der „Aktion Kornblume“ zwangsweise umgesiedelt.[3] In den 1960er Jahren wurden teilweise neue Straßen zwischen grenznahen Ortschaften gebaut, so dass neue Ortsverbindungen außerhalb der Sperrzone entstanden und so grenznahe Orte untereinander wieder erreichbar wurden.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Flugverbotszone und Luftsperrgebiet

Eine Flugverbotszone (englisch no-fly zone, kurz NFZ) ist ein Luftraum, in dem aus militärischen Gründen sämtliche Flugbewegungen von Luftfahrzeugen verboten sind. Ausnahmen können dabei beispielsweise zur Durchsetzung des Flugverbots und für humanitäre Zwecke vorgesehen werden.

Lufträume, die ein Staat über dem eigenen Hoheitsgebiet für Flüge restriktiert (z. B. wegen militärischer Operationen, aus Sicherheitsgründen, bei politischen Anlässen), bezeichnet man dagegen als Luftsperrgebiete bzw. Flugbeschränkungsgebiete. Für den Flugverkehr gesperrte Gebiete (engl.: Prohibited Areas) werden auf Luftfahrtkarten mit P gekennzeichnet, z. B. LI-P243 (Südeuropa – Italien – Sperrgebiet Nr. 243 Roma [Città del Vaticano]). Diese Sperrgebiete sind definiert durch Grenzen in der Karte sowie Unter- und Obergrenze. In Deutschland gibt es derzeit keine solchen Gebiete, dort werden lediglich Flugbeschränkungsgebiete eingerichtet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abkürzung im militärischen Bereich in der Schweiz: Spzo
  2. Lexikonredaktion des VEB Bibliographisches Institut Leipzig. Leitung: Annette Zwahr; Helga Weck (Hrsg.): BI-Elementarlexikon: in 2 Bänden. Band 2 Lane–Z, 2. durchgesehene Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-323-00056-0, OCLC 257190904, OCLC 721523578, OCLC 632661912, S. 430
  3. Ilona Rothe, Lutz Jödicke (Hrsg./Redaktion): Zwangsaussiedlungen in Deutschland – Erlebnisberichte – Dokumente – Aktion „Ungeziefer“ Juni 1952, Aktion „Kornblume“ Oktober 1961. Ein Material des regionalen Arbeitskreises Thüringen des Bundes der in der DDR Zwangsausgesiedelten (GND: 5281969-3). Selbstverlag, Erfurt Oktober 1992