Spessartbahn

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Dieser Artikel befasst sich mit der ehemaligen Bahngesellschaft. Für die Nebenbahn in Bayern, siehe Bahnstrecke Obernburg-Elsenfeld–Heimbuchenthal.
Spessartbahn
Streckenlänge: 21,2 km
Spurweite: 900 mm (Schmalspur)
Maximale Neigung: 2,5 
Minimaler Radius: 50 m
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
   
0,0 Gelnhausen Kreisbahnhof 130 m
   
Straße Gelnhausen – Altenhaßlau
   
B 43
   
4,4 Höchst (Kr. Gelnhausen) 133 m
   
B 40
   
7,0 Wirtheim (Kr. Gelnhausen) Kreisbahnhof 135 m
   
Biebertalstraße
   
Biebertalstraße
   
8,9 Kassel (Kr. Gelnhausen) 145 m
   
11,0 Anschluss Ladegleis Forstverwaltung (1933–1936)
   
12,4 Lanzingen 191 m
   
Biebertalstraße
   
14,4 Roßbach (Kr. Gelnhausen) 191 m
   
Biebertalstraße
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15,9
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Bieber (Fluss)
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17,0 Anschluss Gruben Webersfeld
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Anschluss Kohlehandlung Wolf
   
17,8 Bieber (Kr. Gelnhausen) 230 m
   
Anschluss Eisenschmelze
   
20,0 Lochmühle 300 m
   
20,5 Anschluss Burgbergrevier
   
21,2 Lochborn 350 m

Die Spessartbahn war eine Schmalspurbahn im hessischen Nordspessart, auch Biebertalbahn genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem 1. Juli 1882 pachtete der Bonner Unternehmer Dr. Heinrich Pfahl die Gewerkschaft Bieberer Gruben in Bieber. Er drängte sofort auf die Errichtung einer Grubenbahn, um das Abbaufeld zeitgemäß zu erschließen. 1883 erfolgte die Trassierung, im Juli 1884 wurde die Bahn auf 99 Jahre als Grubenbahn nach Bergrecht konzessioniert. Als Spurweite wurde 900 mm gewählt. Die Bahn konnte am 4. August 1885 eröffnet werden. Die Baukosten betrugen 600.000 Goldmark.

Bereits 1888 kam es zu Überlegungen, die Bahn von Flörsbach über Kempfenbrunn und Frammersbach nach Partenstein an der Ludwigs-West-Bahn zu verlängern. Und wenig später wurde von bayerischer Seite Interesse geäußert, die Bahn – bei einer Umspurung auf Normalspur über den oberen Kahlgrund, die Ludwigs-West-Bahn bei Hösbach kreuzend durch das Bessenbachtal und das Elsavatal nach Kreuzwertheim zu führen (ca. 80 km). Beide Projekte sollten vor allem Verkehr vom Forst ziehen. Doch trug das wohl eine Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht. Die Projekte kamen nicht zu Stande.

1889 waren Eigentümer der Grubenbahn Dr. Heinrich Pfahl, Erlanger & Söhne Metallgesellschaft Frankfurt und M. Cahn, Brüssel. Krankheitsbedingt trat Dr. Heinrich Pfahl zum 27. November 1893 – rückwirkend zum 1. Juli 1893 – seine Rechte an Grube und Bahn an die Gustav Menne & Co. aus Siegen ab. Die neue Eigentümerin begann nun mit dem Landkreis und den Anwohnergemeinden Verhandlungen, auch den Personenverkehr auf der Bahn aufzunehmen. Dazu wurde die Spessartbahn AG am 28. August 1895 mit verschiedenen Großaktionären gegründet, darunter, Gustav Menne & Co. – die auch den Betrieb führte – und dem Bankhaus Stern in Köln. Mit der Umwandlung in eine Eisenbahn des öffentlichen Verkehrs begann am 15. Dezember 1895 auch der Personenverkehr bis Bieber, heute ein Ortsteil von Biebergemünd. In der Anfangszeit wurde die zweite und dritte Wagenklasse angeboten.

Ab 1907 war die Friedrich Krupp AG aus Essen in die Aktiengesellschaft eingestiegen, die im Jahre 1909 sämtliche Aktien besaß. Der Sitz der Bahnverwaltung befand sich erst in Köln, dann in Bieber und wurde Anfang 1909 nach Weilburg verlegt. Ende Mai 1925 wurde die Förderung von Eisenerz eingestellt. Die Friedrich Krupp AG hatte daraufhin kein Interesse mehr an der Bahn. Zum 5. Oktober 1928 wurde zunächst der 3 km lange, besonders unrentable Streckenabschnitt Bieber – Lochborn aufgegeben und die Gleise teilweise abgebaut. Der Landkreis Gelnhausen, auf den die Aktien am 29. Mai 1929 übergegangen waren, ergänzte jedoch 1932 die fehlenden Gleise wieder bis Lochmühle und dehnte – zeitweise als Privatanschlussbahn der Forstverwaltung – den Betrieb bis zu diesem Endpunkt wieder aus.

Gemeinsam mit ihren drei anderen Bahnen verwalteten die Kreiswerke Gelnhausen nun auch die Spessartbahn. Erst am 1. April 1937 wurden sie formell in dem kommunalen Eigenbetrieb „Gelnhäuser Kreisbahnen“ vereinigt, der schon die Strecken

betrieb. Das Verkehrsaufkommen blieb auf der Spessartbahn hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit aber zu gering. Nur das Fehlen anderer Verkehrsmittel in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach garantierte das Überleben der Spessartbahn. Ihr Ende kam, sobald sich die Verhältnisse gebessert hatten, am 23. Juli 1951. Die Omnibusse der Kreiswerke Gelnhausen übernahmen die Personenbeförderung im Biebertal. Die Bahnanlagen wurden an die Klöckner-Werke AG in Duisburg auf Abbruch für 300.000 DM verkauft.

Verlauf[Bearbeiten]

Die 21 km lange eingleisige Strecke begann in Gelnhausen im Kinzigtal, wo Anschluss an die Kinzigtalbahn, auch „Frankfurt-Bebraer Eisenbahn“ genannt, die Hauptstrecke Frankfurt am MainFulda, bestand. Hier befand sich ein Ladegleis mit Sturzbühne für die Erzverladung. Der 1929 in Betrieb genommene Kreisbahnhof hatte einen gemeinsamen Bahnsteig mit der dort ebenfalls endenden normalspurigen Freigerichter Kleinbahn.

Von dort folgte die Spessartbahn in einigem Abstand am linken Ufer der Kinzig talaufwärts der heutigen B 40, aber auf eigenem Gleiskörper, über Höchst, heute ein Stadtteil von Gelnhausen. Fahrkarten gab es dort im Gasthaus „Zum Hirschen“. Es folgte Wirtheim (heute zu Biebergemünd), das als Umsteigebahnhof zur Staatsbahn galt, obwohl deren Bahnhof etwa 500 Meter entfernt lag. Das erklärt, warum einige Züge aus dem Biebertal nur bis Wirtheim verkehrten. Dann bog die Bahn in südöstlicher Richtung in den Spessart ab, wo sie im Biebertal aufwärts fuhr. Dort wurde seit dem Ende des 15. Jahrhunderts Bergbau betrieben. Die Strecke führte weiter über die heutigen Ortsteile von Biebergemünd (Besen-)Kassel, Roßbach und Bieber und von dort weiter über Lochmühle nach Lochborn. Der Bahnhof Lochborn war als Spitzkehre für das Anschlussgleis zum Burgbergrevier angelegt.

Die Fahrzeit für Züge zwischen Bieber und Gelnhausen betrug – je nachdem, ob es reine Personenzüge oder gemischte Züge (GmP) waren – zwischen einer und anderthalb Stunden.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Biebertalbahn wird für zwei ganz unterschiedliche Bahnstrecken in Hessen verwendet, nämlich die

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lochmühle ist erhalten und diente als "Wilhelm-Schäfer-Haus" seit 1969 für viele Jahre als Außenstelle für die "Forschungsstation für Mittelgebirge" des Forschungsinstituts Senckenberg.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst-Ludwig Hofmann u. Friedrich Zundel: Die Spessart-Bahn. Biebergemünd-Bieber 1986. Reprint 2000.
  • Reichsbahndirektion Frankfurt (Main): Führer über die Linien des Bezirks der Reichsbahndirektion Frankfurt (Main). Frankfurt 1926, 138f.
  • Volker Rödel, Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss Verlag Stuttgart, 2005, 3 Bände im Schuber, 1.448 S., ISBN 3-8062-1917-6, Bd. 2.2, S. 759f (Strecke 064).
  • Gerd Wolff und Andreas Christopher: Deutsche Klein- und Privatbahnen - Band 8: Hessen. Freiburg 2004, S. 126ff. ISBN 3-88255-667-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abbildung: [1]; in Rödel/Schomann wurde das Gebäude – wohl versehentlich – nicht erfasst, vgl.: Reinhard Dietrich: Buchbesprechung: Eisenbahn in Hessen. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2006, S. 205 (207).