Spiegelslustturm

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Der Spiegelslustturm von stadtzugewandter Seite (2009)
Der Turm von stadtferner Seite (2009)
Der Turm im Winter (2005)

Der Kaiser-Wilhelm-Turm (im Volksmund Spiegelslustturm genannt) ist ein Aussichtsturm auf den Lahnbergen bei Marburg an der Lahn in Hessen.

Schon lange vor der Erbauung des Turms war die nahe Gaststätte „Spiegelslust“ ein beliebtes und vielbesuchtes Ausflugsziel, das besonders wegen des Panoramablicks über die Stadt und zum Schloss geschätzt wurde. Lange Zeit wurde die Spiegelslust und auch der Turm von ein und demselben Inhaber betrieben; das trug zur Vermischung der Namen der beiden Ausflugsziele bei.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Der 36 m hohe Aussichtsturm mit 167 Stufen im Inneren steht östlich des im Tal liegenden Marburgs auf 371,7 m Höhe, rund 900 m west-südwestlich des „Gipfels“ des Ortenbergs (380 m ü. NN), etwa 1000 m westlich der Marburger Universitätsklinik, zirka 250 m nördlich des historischen Spiegelslusts und rund 250 m südlich der Spitze des Klambergs. In direkter nördlicher Nachbarschaft befindet sich der Sender Marburg des hr. Zu erreichen ist der Turm – an der Uniklinik abzweigend – über die Achse „Baldinger Straße“–„Hermann-Bauer-Weg“.

Geschichte [Bearbeiten]

Im frühen 19. Jahrhundert war Marburg ein Zentrum der Romantik, und seine mittelalterliche Architektur war vielfach Projektionsfläche des Zeitgeistes. Ein Kanzleibeamter namens Köhler entdeckte einen Ort im Wald auf den Lahnbergen, der eine besonders schöne Aussicht zum Schloss, zur Elisabethkirche und über die Stadt bot. Er wurde bald unter dem Namen „Köhlersruhe“ als Ausflugsziel populär.

Der Student Werner Friedrich Julius Stephan von Spiegel zum Desenberg übernahm nach Köhlers Tod 1821 die Pflege dieses Ausflugsortes, den er in den Folgejahren mit einigen Ausbauten versehen ließ – einem eisernen Musikpavillon, einer Steingrotte und einem Getränkekeller, was den Besucherandrang erheblich steigerte. Im Volksmund wurde die Bezeichnung „Spiegelslust“ in dieser Zeit gebräuchlich. Als Spiegel Marburg verließ, übertrug er das Grundstück der Stadt, die in den 1860ern eine Gaststätte errichten ließ. Seitdem ist die Spiegelslust ein Café-Restaurant mit gutbürgerlicher Küche, selbstgebackenem Kuchen und großem Biergarten. Angegliedert ist heutzutage ein Spielplatz.

Ab 1874 errichtete ein Bürgerverein mit Spenden den ersten, ab 1863 geplanten Turm, um an die Reichsgründung und den deutsch-französischen Krieg zu erinnern. Für den Turm waren 34,5 m Höhe geplant. Die Konstruktion stürzte jedoch wegen mangelhafter Statik in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1876 in einem Orkan ein, bevor die Bauarbeiten abgeschlossen waren. Architekt Carl Schäfer und Bauunternehmer Gutmann wurden zu Geldstrafen verurteilt.

Daraufhin wurde ab 1887 der zweite, etwas höhere Turm gebaut, der mit Strebepfeilern verstärkt wurde und noch heute auf den Lahnbergen steht. Am 2. September 1890, dem Jahrestag der Schlacht von Sedan, wurde der neue Turm nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht und nach dem „Sieger“ dieser Schlacht, Wilhelm I., „Kaiser-Wilhelm-Turm“ benannt.

1994 wurde die Turmstube eröffnet, in der Getränke an Besucher ausgeschenkt werden und Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Konzerte stattfinden. Der Turm kann außerdem durch die Turmstube hindurch bestiegen werden. Seit 2005 wird der Turm und das dazugehörige Turmcafé von einem gemeinnützigen Verein betrieben.

Am 1. Dezember 2006 wurde am Spiegelslustturm eine Lichtinstallation der Marburger Künstlerin Helmi Ohlhagen angebracht. Sie zeigt ein stilisiertes Herz und wurde anlässlich des Elisabethjahres am 1. Januar 2007 in Betrieb genommen. Durch einen Anruf bei der kostenpflichtigen Telefonnummer 09005-771207 wird das Lichtbild aktiviert. Die Nettoeinahmen durch die Gebühren (99 Cent pro Minute) kommen zu 100 Prozent gemeinnützigen Einrichtungen zugute.

Bedeutung für Studenten [Bearbeiten]

Unter Marburger Studenten diverser Fakultäten geht der Aberglaube um, dass derjenige, der den Turm vor Bestehen des Physikums (Mediziner), Vordiploms oder sonstiger Zwischenprüfungen besteigt, diese Prüfung niemals bestehen wird.

Literatur [Bearbeiten]

  • Das Marburger Lichtkunstwerk Siebensiebenzwölfnullsieben von Helmi Ohlhagen. Jonas Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-89445-392-3.
  • Gabriele Holthuis: Der Kaiser-Wilhelm-Turm in Marburg. Zur Sozialgeschichte und politischen Funktion von Aussichtstürmen im 19. Jahrhundert. Hessische Heimat, 1988, Heft 2/3, S. 59–66

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Spiegelslustturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.8150416666678.7889861111111372Koordinaten: 50° 48′ 54,2″ N, 8° 47′ 20,4″ O