Spielbudenplatz

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Der Spielbudenplatz mit den namengebenden Holzbuden um 1800
Spielbudenplatz ca. 1900

Der Spielbudenplatz ist ein Platz an der Reeperbahn in Hamburg-Sankt Pauli. An ihm liegen u.a. das Panoptikum, das St. Pauli Theater, das Schmidt Theater, das Operettenhaus, das Molotow, das Docks (auch D-Club), die „Kieztanke“ und die Davidwache.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Vor dem Millerntor, einem der Hamburger Stadttore, ließen sich ab 1795 Künstler und Gaukler nieder. 1840 wurden ihre Holzbuden abgebrochen und durch feste Häuser ersetzt. Dort entstand dann beispielsweise die von Hein Köllisch 1894 eröffnete Köllischs Lachbühne, das Ernst-Drucker-Theater, heute St. Pauli Theater und das Operettenhaus Hamburg. 1863 eröffnete Carl Hagenbeck sen. hier eine Menagerie, aus der später der Tierpark Hagenbeck in Stellingen entstand. Eines der ersten Kinos in Deutschland war Knopfs Lichtspielhaus am Spielbudenplatz. Eberhard Knopf kaufte 1900 für sein „Konzert- und Automatenhaus“ einen Vorführapparat.

[Bearbeiten] Tiefbunker

Unter dem Spielbudenplatz entstand zwischen Ende 1940 und Mitte 1942 ein zweigeschossiger Tiefbunker für 5.000 Menschen. In den Bombennächten des zweiten Weltkriegs sollen sich in der Anlage jedoch bis zu 20.000 Menschen aufgehalten haben. Während der Bauzeit wurde die Anlage so ausgestaltet, dass sie in Friedenszeiten als Tiefgarage genutzt werden kann. In der Nachkriegszeit erfolgte der Umbau als Tiefgarage für etwa 430 Personenwagen.[1]

[Bearbeiten] Esso-Station Reeperbahn

1949 entstand parallel zu dem Umbau des Bunkers als Tiefgarage eine oberirdische Tankstelle, die später an die Ecke Taubenstraße verlegt wurde. Die sogenannte "Kieztanke" am Spielbudenplatz ist gegenwärtig ein beliebter Treffpunkt im Hamburger Nachtleben.

Die Tankstelle ist täglich 24 Stunden geöffnet und umfasst u. a. ein Parkhaus mit 400 Stellplätzen sowie einen Supermarkt mit dem angeblich längsten Getränke-Kühlregal Hamburgs. Die Tankstelle beschäftigt ca. 50 Mitarbeiter. Sie wird als "umsatzstärkste und bekannteste Tankstelle Deutschlands" bezeichnet, wobei sich diese Angabe auf den Umsatz des gesamten Komplexes beziehen soll, es aber keine verlässlichen Zahlen gibt, die diese Aussage bestätigen.

[Bearbeiten] 1960er Jahre

In den sechziger Jahren wurde der Platz mit modernistischen Glaspavillons bebaut.

Zwanzig Jahre später hatte sich die Bebauung in eine unübersichtliche Situation verwandelt, ein Labyrinth aus Kaschemmen und improvisierten Subkulturkneipen, das allen Arten von Deals, dunklen Geschäften und halblegalen Vergnügungen Platz bot. Nicht erhaltenswerte Aktivitäten in den Augen der Stadtoberen, die den Abriss beschlossen. Danach blieb die 300 m lange Fläche leer und oftmals ungenutzt.

[Bearbeiten] Ansätze zur Umgestaltung

Schon seit den sechziger Jahren wurde über eine Umgestaltung des zentralen Spielbudenplatzes diskutiert, um diesen Platz auf dem Kiez wiederzubeleben. Diverse kontrovers diskutierte Vorschläge scheiterten. Der aus einem Wettbewerb Mitte der Neunziger Jahre siegreich hervorgegangene Entwurf von Niki de Saint-Phalle konnte wegen des Todes der Künstlerin nicht vollendet werden, die Installation von zwei Kränen von Jeff Koons scheiterte ebenfalls)[2].

[Bearbeiten] Umgestaltung 2006

Eine der beiden Freilichtbühnen

Im Dezember 2004 ein Internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Nahezu 300 Architekten, Künstler und Designer nahmen teil. Schließlich wurde der drittplatzierte Entwurf des Landschaftsarchitektur-Büros Lützow 7 umgesetzt. Der Entwurf besteht aus zwei einander gegenüber liegenden beweglichen Bühnen, auf denen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden sollen, durch die Stadt Hamburg beschlossen und umgesetzt.

Am 2. Juni 2006 wurde der 9,7 Millionen Euro teure Umbau von Spielbudenplatz und Reeperbahn offiziell eingeweiht. Auffällig ist die Abwesenheit von fest installierten Sitzgelegenheiten. Zwei Restaurationsterrassen, überstanden von Bäumen, bieten der Planung nach Aufenthaltsmöglichkeiten an den „Kopfseiten“ des langgestreckten Platzes.

Quellenangaben
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Die Architektur der Bühnen markiert, nach Ansicht einiger Kritiker, den Umbau der Stadt zur Event-Stadt, Kritiker sprechen von einer Architektur des Ausschlusses und der Verdrängung. Befürworter hingegen sehen in den variablen Nutzungsoptionen der gesamten Platzfläche eine Chance zur Bespielung des öffentlichen Raumes in Sinn der „Public Private Partnership“, dieses im Besonderen vor dem Hintergrund der seit Jahren jährlich stattfindenden Events wie „Schlagermove“, Public Viewing etwa des „Eurovision Song Contest“ u.a. Umstritten ist weiter, ob Hamburgs zweitgrößter Platz nicht mehr wirklich ein öffentlicher Raum sein sollte, stattdessen aber zum Teil unter privater Verwaltung und Unterhaltung steht. Während in Reden zur Eröffnung des neugestalteten Platzes von der „Wiederentdeckung des Öffentlichen“ die Rede war, fühlte sich die ehemalige Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff an eine „Autobahnauffahrt“ erinnert.

[Bearbeiten] Nutzung seit 2006

  • von April bis Ende September Biergartengastronomie Sommergärten mit täglicher Live-Musik auf Kleinkunstbühnen
  • In der Vorweihnachtszeit ist der Spielbudenplatz Schauplatz von Santa Pauli - Hamburgs geilstem Weihnachtsmarkt.
  • Seit März 2007 findet jeden Mittwoch zwischen 16 und 23 Uhr der St. Pauli Nachtmarkt, ein Wochenmarkt, statt.
  • Public Viewing Aufstieg FC St. Pauli Mai 2007
  • Public Viewing WM 2006 und EM 2008

[Bearbeiten] Kulturdenkmal

Außer der Davidwache, dem St. Pauli Theater und Schmidts Tivoli steht auch die Fassade des ehemaligen St. Pauli-Bades unter Denkmalschutz.

[Bearbeiten] Bilder

[Bearbeiten] Literatur

  • Ulrich Alexis Christiansen: Hamburgs dunkle Welten. Der geheimnisvolle Untergrund der Hansestadt. Ch.Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 3-8615-3473-8

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Ulrich Alexis Christiansen: Hamburgs dunkle Welten. Der geheimnisvolle Untergrund der Hansestadt.', Seite 137-142
  2. kunst-fuer-den-spielbudenplatz.de

53.5495638773179.9647498130798Koordinaten: 53° 32′ 58″ N, 9° 57′ 53″ O

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