Spielgruppe

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Eine Spielgruppe bietet Kindern im Vorschulalter die Möglichkeit zum Spiel in einer Gruppe von etwa 4 bis 12 Kindern an. Damit können soziale und sprachliche Kompetenzen frühzeitig gefördert werden. Das Angebot versteht sich meist als sozio-kulturelle Animation, und nicht etwa als Betreuungsform.

Abgrenzung gegenüber Kindertagesstätten[Bearbeiten]

Die Begegnungsintervalle sind im Gegensatz zu Kindertagesstätten deutlich kürzer: Meist treffen sich die Gruppen ein oder zweimal pro Woche während zwei bis maximal vier Stunden. Der SSLV empfiehlt maximal drei wöchentliche Besuche von ein bis drei Stunden Dauer, und zwar für Kinder von drei bis fünf Jahren.

Das Mittagessen ist meist nicht Teil der angebotenen Aktivitäten. Auch dadurch unterscheidet sich die Spielgruppe vom Angebot der Kindertagesstätten. Allerdings gibt es in neuerer Zeit vermehrt so genannte Waldspielgruppen und Naturspielgruppen, die sich meist ausschließlich im Freien aufhalten, oft das Zubereiten einer einfachen Mahlzeit zur Mittagszeit mit einschließen und Betreuungsintervalle von bis zu fünf Stunden umfassen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Spielgruppen haben innerhalb des deutschen Sprachraums in der Schweiz mit Abstand die größte Bedeutung. Dies hängt mit der späten Einschulung (Kindergarten/Schule) zusammen. Außerdem ist das Spielgruppenkonzept im angelsächsischen Sprachraum wichtig (Play Groups).

In der Schweiz sind Spielgruppen im Gegensatz zu Kindertagesstätten nicht bewilligungspflichtig, solange sie eine Wochenaktivitätszeit von ca. 15 bis 20 Stunden nicht überschreiten und solange nicht mehr als ca. zehn Kinder daran teilnehmen. Die genauen rechtlichen Rahmenbedingungen sind kantonal und kommunal verschieden.

Innerhalb der Schweiz am stärksten ist die Reglementierung im Kanton Freiburg, der auch eine relativ hohe Spielgruppendichte aufweist (166 Spielgruppen, Stand Feb. 2006). Spielgruppen unterstehen den Gemeinden und müssen mindestens zehn Lektionen zu 50 Minuten anbieten. In der offiziellen Terminologie des zweisprachigen Kantons wird die französische Übersetzung écoles maternelles anstelle der sonst üblicheren Lehnübersetzung groupes de jeu verwendet, was auf konzeptionelle Unterschiede hindeutet, zumal école maternelle auch die Übersetzung des Wortes Kindergarten ist.

Funktionen[Bearbeiten]

Die Spielgruppenbewegung definiert ihre Tätigkeit im Allgemeinen mit dem Begriff der sozio-kulturellen Animation und grenzt sich gegen die Betreuungsfunktion von Kindertagesstätten ab.

In ländlichen Gegenden übernehmen Spielgruppen häufig trotz der an sich unterschiedlichen Konzeption die soziale Funktion einer Kindertagesstätte, wenn eine solche aufgrund der geringen Kinderzahlen nicht realisierbar ist. Die Abgrenzung zwischen Spielgruppen und Kindertagesstätten aufgrund der Begriffe der sozio-kulturellen Animation und der Betreuungsfunktion relativiert sich gerade hier zu einem eher quantitativen denn qualitativen Unterschied, zumal ja zum Beispiel auch Kindertagesstätten im Allgemeinen eine sozio-kulturelle Funktion wahrnehmen.

Im Übergangsbereich der Wald- und Naturspielgruppen mit relativ langen Aktivitätsintervallen und dem Einschluss einer im Freien eingenommenen Mahlzeit entsteht oft automatisch auch eine kita-ähnliche Betreuungssituation, die eine Erwerbstätigkeit beider Eltern zulässt und damit im Kontext der Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht.

In Basel-Stadt sind Bestrebungen im Gange, Spielgruppen in der sprachlichen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund zu nutzen.[1][2] Das von Juni bis Oktober 08 in Vernehmlassung befindliche Projekt trägt die Bezeichnung Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten und strebt die verpflichtende Zuweisung von Kindern an Spielgruppen an, wenn ungenügende Kenntnisse der deutschen Sprache vorhanden sind.[3]

Vernetzung[Bearbeiten]

In der deutschsprachigen Schweiz sind die Spielgruppen über mehrere regionale Fach- und Kontaktstellen (FKS) miteinander verknüpft. Diese Stellen nehmen eine Vernetzungs- und Professionalisierungsfunktion wahr. Eine ähnliche Funktion nimmt seit 1991 auch die Interessengemeinschaft (IG) Spielgruppen wahr[4]. Als dritter Fachverband fördert der Schweizerische Spielgruppen-Leiterinnen-Verband (SSLV) das Spielgruppenwesen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.grosserrat.bs.ch/dokumente/000000092926.pdf
  2. http://www.netzwerk-kinderbetreuung.ch/files/Leserbriefe%20Übersicht_2008.pdf
  3. http://www.edubs.ch/die_schulen/konsultationen_vernehmlassungen/deutschkindergarten/projektbericht_vernehmlassung240708.pdf
  4. http://www.spielgruppen.ch/
  5. http://www.sslv.ch