Spielplan (Sport)

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Ein Spielplan ist im Sport ein vor Beginn einer Saison oder eines Turniers festgelegter Plan, der die Reihenfolge der Spiele der Teilnehmer bzw. der teilnehmenden Mannschaften gegeneinander regelt. Dabei wird grundsätzlich zwischen zwei Typen unterschieden:

  • In Finalrunden oder K.-o.-Runden wird jeder teilnehmenden Mannschaft zunächst ein Gegner zugelost, gegen den das erste Spiel bestritten wird. Der Gewinner dieser Partie qualifiziert sich für die nächste Runde, der Verlierer scheidet aus. In der Regel ist die Anzahl der Teilnehmer eines solchen Turniers eine Potenz der Zahl Zwei, so dass in jeder Runde die Hälfte der Spieler ausscheidet und das Turnier so mit dem Finale der verbliebenen zwei letzten Mannschaften endet. Das Aufstellen eines Spielplans besteht in diesem Fall aus der Auslosung der Partien in der jeweiligen Spielrunde. Zumeist wird dabei eine Setzliste benutzt, um das Aufeinandertreffen starker Mannschaften in frühen Runden zu verhindern.
  • In einer Liga oder einem Rundenturnier treten alle Teilnehmer mindestens einmal gegeneinander an. In diesem Fall wird durch den Spielplan die Reihenfolge der Spieltage festgelegt, also welche Mannschaften wann gegeneinander antreten. Zumeist besteht eine Liga aus einer geraden Anzahl von Teilnehmern, so dass an jedem Spieltag alle Mannschaften ein Spiel bestreiten.

Turniere wie die Fußball-Weltmeisterschaft sind ein Beispiel dafür, dass auch beide Typen im Rahmen eines Wettbewerbs vorkommen können. Dort werden zunächst die teilnehmenden Mannschaften in acht Gruppen a vier Mannschaften gelost, die in einer Liga jeweils einmal gegeneinander antreten. Anschließend rücken die beiden Gruppensieger ins Achtelfinale vor und spielen von dort an im K.-o.-System den Sieger aus.

Beispiel für die Erstellung eines Spielplans anhand der Fußball-Bundesliga[Bearbeiten]

Wir betrachten exemplarisch den Spielplan der Fußball-Bundesliga in der Saison 2005/06, der von Götz Bender unter Zuhilfenahme eines Computerprogramms erstellt wurde.[1] Dabei wird bei der Erstellung des Plans in einem ersten Schritt jeder Mannschaft außer einer (der Joker; hier: Hamburger SV) eine Zahl zwischen 1 und 17 zugeordnet. Die vollständige Liste:

  1. Arminia Bielefeld
  2. 1. FSV Mainz 05
  3. VfB Stuttgart
  4. 1. FC Kaiserslautern
  5. Borussia Dortmund
  6. Borussia Mönchengladbach
  7. Bayer 04 Leverkusen
  8. Hertha BSC
  9. 1. FC Nürnberg
  10. Hannover 96
  11. Eintracht Frankfurt
  12. FC Bayern München
  13. VfL Wolfsburg
  14. FC Schalke 04
  15. MSV Duisburg
  16. 1. FC Köln
  17. Werder Bremen

Um herauszufinden, welche dieser siebzehn Mannschaften wann gegen welchen Gegner antreten muss, wird die folgende Rechenvorschrift benutzt:

Am Spieltag n (hier: 1 ≤ n ≤ 17) tritt der Verein mit der Nummer k gegen genau die gegnerische Mannschaft mit der Nummer l an, so dass der Rest der Summe beider Nummern k + l bei Division durch 17 genau den Rest n ergibt. Der Joker mit der Nummer 18 (in diesem Fall der Hamburger SV) tritt schließlich gegen den Verein an, für den sich nach der obigen Regel an dem betreffenden Spieltag kein Partner findet.

Strategie um den Spielplan der Fußballbundesliga zu erstellen

Verständlich wird das Verfahren, wenn man es grafisch umsetzt. Das Grundschema ist in der Grafik rechts aufgeführt. Zwei Reihen à 8 Plätze und jeweils zwei Plätze links und rechts davon sind für die Vereine vorgesehen. Die Nummern der Vereine werden aufsteigend beginnend mit 1 links oben in die Felder eingetragen, in dem mittleren rechten Feld fortgesetzt und in der unteren Reihe von rechts nach links komplettiert. Der Joker wird in dem rechten mittleren Feld eingetragen. Die beiden Felder in der Mitte links bleiben zunächst leer. Paarungen finden zwischen den Vereinen statt, die in der Grafik durch eine Linie verbunden sind. In der initialen Füllung entspricht dies dem ersten Spieltag. Um den zweiten und alle geraden Spieltage zu ermitteln wird die obere Reihe mit den angrenzenden mittleren Feldern nach links verschoben und der Joker wechselt die Seite von rechts nach links. Damit werden die beiden zunächst freien Felder links belegt; die beiden Felder rechts sind nun frei. Um den dritten und alle ungeraden Spieltag zu ermitteln wird die untere Reihe mit den angrenzenden mittleren Feldern nach rechts verschoben und der Joker wechselt von links nach rechts. Auch hier wechseln die freien Felder. Man kann gut erkennen, dass für die Paarungen der beiden übereinander stehenden Vereine der Divisionsrest von 17 immer dem Spieltag entspricht.

Um zu ermitteln, welche Mannschaft Heimrecht hat, gilt in der Hinrunde folgendes: Ist die Summe der beiden Nummern k + l eine gerade Zahl, hat die Mannschaft mit der höheren Nummer Heimrecht, ist die Summe dagegen eine ungerade Zahl, hat umgekehrt die Mannschaft mit der niedrigeren Nummer Heimrecht. Der Joker mit der Nummer 18 schließlich hat nur Heimrecht gegen die Mannschaften mit den Nummern 8 bis 16, nicht aber 1 bis 7 und 17. An den Spieltagen der Rückrunde werden die Spiele in derselben Reihenfolge wie in der Hinrunde wiederholt, nur dass das Heimrecht dabei getauscht wird.

Als Beispiel betrachten wir den zehnten Spieltag der Bundesliga. Weil der Rest von 27 bei der Teilung durch 17 ebenfalls 10 ergibt, besteht er aus den Partien

  • Nürnberg – Bielefeld (9 + 1 = 10)
  • Berlin – Mainz (8 + 2 = 10)
  • Leverkusen – Stuttgart (7 + 3 = 10)
  • Mönchengladbach – Kaiserslautern (6 + 4 = 10)
  • Hannover – Bremen (10 + 17 = 27)
  • Frankfurt – Köln (11 + 16 = 27)
  • München – Duisburg (12 + 15 = 27)
  • Wolfsburg – Schalke (13 + 14 = 27)
  • Dortmund – Hamburg

Eine leichte Faustregel ergibt sich für den Fall, dass man an einem Spieltag ohne Kenntnis des Spielplans über die Partien des nächsten Spieltags Bescheid wissen möchte. Sofern man sich die Reihenfolge der siebzehn Mannschaften merkt, kann man zu einem beliebigen Verein den Gegner der nächsten Woche dadurch ermitteln, dass man in der Liste einfach vom heutigen Gegner ausgehend eine Nummer weitergeht. Sollte sich der eigene Verein als Gegner ergeben, spielt man gegen den Joker, also den Hamburger SV.

Prinzipiell ließe sich solch ein Spielplan auch zufällig erstellen, in der Praxis jedoch ist dies nur selten und ab bestimmten Mannschaftszahlen gar nicht mehr möglich. Durch zu viele externe Einflüsse wie Konzerte in den Stadien oder Großveranstaltungen in deren Nähe werden mögliche Spielpläne verhindert, so dass letztlich nur ein sehr geringer Prozentsatz der theoretisch möglichen Pläne in die engere Auswahl für den tatsächlichen Spielplan kommt.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christof Kneer: Tausendundeine Kleinigkeit ; Süddeutsche Zeitung, 18. August 2006