Spielzeugwaffe

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Knabe mit Spielzeugpistole und Hund, 18. Jahrhundert

Spielzeugwaffen sind fast immer Abbilder und Kopien echter Waffen. Sie gehören zum Kriegsspielzeug.

Echt aussehende Spielzeugpistolen
Kinder mit Papp- und Holzschwertern spielen Krieg

Arten[Bearbeiten]

Folgende Waffen sind als Spielzeug verbreitet:

Beschaffenheit[Bearbeiten]

Kinder verwenden einfache Stöcke als „Schwert“, „Dolch“ oder „Speer“, oder einen gekrümmten Ast als „Pistole“. Sie bauen sich ihren eigenen Bogen aus Haselnussstöcken und einer Schnur, schnitzen sich kunstvoll verzierte spitze und scharfe Schwerter, Dolche und Speere. Auch Steinschleuder und Bumerang werden selbst gebaut und geschnitzt.

Auch Erwachsene benutzen Spielzeugwaffen; beispielsweise in Indianer-, Western- oder Mittelaltervereinen oder einfach als Sammler von Replikaten.

Die Spielzeugindustrie hat eine sehr große Vielfalt an Spielzeugwaffen im Angebot, von vereinfachten und verkleinerten Nachbildungen aus Kunststoff, über originalgetreue Replikate, bis zu voll funktionsfähigen Waffen. In verschiedenen Ländern gibt es gesetzliche Vorschriften, nach denen die Spielzeuge, beispielsweise durch Signalfarben, als solche kenntlich zu machen sind.

Viele Pistolen und Gewehre wirken durch Schussgeräusche noch realistischer. Hierzu gibt es relativ ungefährliche Munition für Spielzeugwaffen. Diese Zündplättchen sind in verschiedenen Ausführungsformen und Größen erhältlich. Wasserpistolen und Softguns („Erbsenpistolen“) bis zu einer Schussenergie von 0,08 Joule sind frei für Kinder ab drei Jahren. Ab 14 Jahren sind Softair-Waffen erhältlich mit einer Geschossenergie von unter 0,5 Joule.

Pädagogik[Bearbeiten]

Jungen werden seit Jahrhunderten und kulturübergreifend spielerisch an den Gebrauch von Waffen und das Erlernen kämpferischer Fertigkeiten herangeführt. Militärisches Blech-, Blei- und Zinnspielzeug lässt sich anhand von Warenkatalogen seit dem frühen 19. Jh. nachvollziehen.[1] Welch kleiner Mann möchte nicht gern ein großer Mann sein? Die uralte Leidenschaft der Nachahmung findet nur beim Kind eine vollkommene Erfüllung. Der Knabe mit Helm, Trommel, Trompete, Säbel und Gewehr glaubt wirklich ein echter Soldat zu sein.... schreibt Bernhard Kroner in einer Abhandlung zur Geschichte des Kriegsspielzeugs. [2] In Jungenspielzeug seien Männlichkeitsideale enthalten, die von den spielenden Jungen nachempfunden und durchlebt werden. Dabei werden sie.....in der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität beeinflusst.[3] In einem Aufruf der Spielzeugbranche von 1933 heißt es Jeder Deutsche Junge muss zu Weihnachten wieder Bleisoldaten erhalten zur Pflege des deutschen Wehrgedankens.[4]

Szenarien wie „Cowboy und Indianer“, „Räuber und Gendarm“, „Ritter“, „Drachentöter“ werden genauso eingesetzt wie „Kampf gegen befeindete Gruppen“ oder „Selbstverteidigung“. Durch Pädagogen und seit den 1960er-Jahren auch durch Vertreter der Friedensbewegung wird der Sinn solcher Spiele infrage gestellt. Die Diskussion wurde nach Berichten über jugendliche Amok-Schützen verschärft.

Verbot[Bearbeiten]

Mit der Verschärfung des Waffengesetzes im Jahre 2009 wurden in Deutschland, zumindest bei Erfüllung bestimmter Kriterien, Spielzeugpistolen als sogenannte Anscheinswaffen eingestuft. Damit ist das offene Tragen von „Waffen“, die auf den ersten Blick nicht von scharfen Waffen zu unterscheiden sind, verboten. Darunter fällt auch das Mitsichführen jeglicher Softairwaffen. Geregelt wird dies durch den § 42a (WaffG).[5] Es könne zu kritischen Verwechslungen kommen, wenn Polizeibeamte nicht erkennen können, ob es sich bei einem Einsatz gegen einen vermeintlichen Täter um eine Spielzeugwaffe oder eine echte Schusswaffe handelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berichtsjahr 2004, Oldenbourg Verlag, ISBN 3486578340, Seite 115
  2. Bernhard Kroner: Kurze Geschichte der politischen Funktionen von Kriegsspielzeug in Deutschland, in: Kriegsspielzeug. Ist das noch Spielzeug? Berlin, 2. Auflage 1982, Seite 38-66
  3. Susan Dörfler: Spielzeugwaffen im Kindergarten - Eine kritische Bestandsaufnahme von Meinungen und Theorien, GRIN Verlag, 2006, ISBN 3638562719, Seite 26
  4. Das Neue Tage-Buch, Band 1Verlag Nederlandscher Uitgeverij, 1933
  5. http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Waffenrecht-Anscheinswaffen;art122,2480913
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