Spiloxene

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Spiloxene
Spiloxene aquatica

Spiloxene aquatica

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Hypoxidaceae
Gattung: Spiloxene
Wissenschaftlicher Name
Spiloxene
Salisb.

Spiloxene ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hypoxidaceae. Die 19 bis 25 Arten sind im Südlichen Afrika beheimatet.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Erscheinungsbild, Wurzeln und Laubblätter[Bearbeiten]

Die Spiloxene-Arten wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen, die meist relativ niedrig sind und nur selten Wuchshöhen von 50 cm erreichen. Sie bilden unterirdische, verdickte Sprossachsen, als Überdauerungsorgane, die jährlich in jeder Wachstumssaison neu gebildet werden und meist bleiben die Sprossachsenstücke der letzten oder mehrerer Wachstumsperioden übereinander erhalten. Nur bei Spiloxene alba und Spiloxene aquatica ist es anders, ihre Sprossachsen wachsen in weitgehend horizontaler Richtung. Da die Hüllen der unterirdischen Sprossachsen sehr unterschiedlich sind, dienen sie zur Gruppierung der Arten; sie können dünn und häutig oder faserig sein, diese Fasern können verzweigt sein und ein feinmaschiges Netz um die Sprossachse bilden oder sie können hart sowie gerade sein und Zähne auf der Sprossachse ähneln.[1]

Alle Spiloxene-Arten besitzen einige Zeit ihrer Entwicklung kontraktiele Wurzeln mit denen sie die Höhe im Erdboden für ein optimales Wachstum regeln können. Eine Besonderheit gibt es bei Spiloxene ovata und Spiloxene gracilipes, bei ihnen winden sich die Wurzeln um die unterirdischen Sprossachsen, bleiben über ein Jahr erhalten und bilden so einen „gewickelten Wurzelstock“; dieses nicht geotropische Wachstum wurde selten bei Geophyten berichtet und scheint nur bei Spiloxene vorzukommen.[1]

Es handelt sich um Geophyten, bei denen während Trockenzeit die Blätter vertrocknen und frische Blätter in der Regenzeit wieder austreiben, die oft auch während der Blütezeit vorhanden sind. Spiloxene-Arten sind im südafrikanischen Winter grün. Im späten südafrikanischen Herbst beginnen neue Blätter auszutreiben. Mehrere (bis zu zwölf) Laubblätter sind nur grundständig mehr oder weniger dreizeilig angeordnet. Es sind Blattscheiden ausgebildet. Die einfachen Blattspreiten sind lanzettförmig bis zylindrisch oder linealisch. Anders als bei ihren nächsten Verwandten der Gattungen Hypoxis und Rhodohypoxis sind Blattflächen kahl; nur bei wenigen Arten besitzt der glatte Blattrand unauffällige, kurz-verzweigte Haare (Trichome). Es liegt Parallelnervigkeit vor.[2][1] Eine Besonderheit kommt bei der in periodischen Stillgewässern gedeihenden Spiloxene aquatica vor, ihre hohlen Blätter sind weitgehend mit Lufträumen gefüllt.[1]

Blütenstände, Blüten und Bestäubung[Bearbeiten]

Es ist ein unbeblätterter, schlanker, kurzer bis langer Blütenstandsschaft vorhanden, der bei einigen Arten unterirdisch sein kann. Je nach Art stehen meist ein oder zwei, selten bis zu sieben Blüten in einem doldigen Blütenstand zusammen. Die Blüten stehen über jeweils ein oder zwei, linealischen oder laubblattähnlichen, oft unauffälligen Tragblättern. Die dünnen Blütenstiele sind meist lang, selten reduziert.[1][2]

Die zwittrigen Blüten sind meist radiärsymmetrisch und dreizählig. Die meist sechs gleichgeformten Blütenhüllblätter sind frei, schmal eiförmig und immer sternförmig (daher auch ihre Trivialnamen in den Heimatgegieten cape star, golden star (englisch), sterretjie (afrikaans)) und ausgebreitet bis zurückgebogen angeordnet. Selten sind nur fünf oder vier Blütenhüllblätter vorhanden. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist auf der Innenfläche meist golbgelb bis hellgelb, einige Arten sind weiß oder rosafarben. Bei einigen Arten (Spiloxene capensis, Spiloxene canaliculata) besitzen die Blütenhüllblätter außen rote oder grüne Streifen oder am häufigsten sind sie außen unifarben rötlich-rosafarben oder grün. Einige Arten besitzen an der Basis der Blütenhüllblätter dunkle Flecken (Honigmale); bei Spiloxene capensis sind die Flecken meist schwärzlich oder selten irisierend blau-grün und bei Spiloxene canaliculata sind sie tief matt purpurfarben. Es sind zwei Kreise mit je drei gleichen Staubblättern vorhanden. Selten sind nur fünf, vier oder zwei Staubblätter vorhanden. Die kurzen Staubfäden sind fast aufrecht und untereinander frei. Die Staubbeutel ragen aus der Blütenhülle heraus. Drei Fruchtblätter sind zu einem meist dreikammerigen, selten ein- oder zweikammerigen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält viele Samenanlagen. Der kurze Griffel endet mit einer dreilappigen Narbe, die innen und am Rand papillös ist.[1][2]

Die Blütezeit liegt hauptsächlich im südafrikanischen Frühling. Da die Blüten sich nicht alle gleichzeitig öffnen, dauert die Blütezeit einen Monat oder länger. Wenn das Wetter kalt und feucht ist, bleiben die Blüten oft auch für einige Tage geschlossen bis es wieder sonnig ist. Auch an warmen Tagen öffnen sich die Blüten nur für einige Stunden, meist zwischen 11 und 16 Uhr. Wie bei allen Hypoxidaceae enthalten die Blüten bei Spiloxene keine Nektarien, deshalb ist die einzige Belohnung für Blütenbesucher Pollen. Die offenen Blüten mit ihren weit herausragenden Staubbeuteln locken pollensammelnde Insekten an, die keine spezialisierte Vorratshaltung aufweisen. Die Hauptbestäuber sind Bienen-Arten. Die dunklen Honigmale von Spiloxene capensis und Spiloxene canaliculata locken pollenfressende Käfer (Hopliini, Melolonthinae, Scarabaeidae) an, die nicht wesentlich zur Bestäubung beitragen. Da aber nur Pollen als Belohnung vorhanden ist, kann es sein, dass die nur bei gutem Wetter geöffneten Blüten dafür sorgen, dass der nicht erneuerbare Pollen länger für die Bestäuber erhalten bleibt. [1][2]

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die Kapselfrüchte öffnen sich, wenn sie vom verwelkten Blütenstand herunterfallen. Wenn sie geschüttelt werden, entlassen sie ihre Samen direkt auf dem Boden und von dort können die Samen von Wasser an andere Stellen gespült werden. Die mit einer Länge von 0,4 bis 1,0 mm meist relativ kleinen, fast kugeligen, selten J-förmigen Samen besitzen eine deutlich winzig warzig skulptierte, spröde, dunkelbraune bis schwarze, glänzende Samenschale und auffällige Raphe sowie Hilum.[1][2]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Gattung Spiloxene ist im Südlichen Afrika weitverbreitet. Etwa 16 Arten sind Elemente der Capensis. Etwa acht Arten kommen im Westkap, etwa acht Arten im Nordkap und drei Arten im Ostkap vor. Nur eine Art ist in Namibia beheimatet.[1]

Die meisten Arten gedeihen in Gebieten mit Winterregen oder ganzjährigen Niederschlag im Südlichen Afrika. Ihre Vorkommen reichen von küstennahen Bereichen bis in größere Höhenlagen des Kap-Faltengebirges. Habitate sind meist perennierende Feuchtgebiete an Still- und Fließgewässern oder feuchten Felsbändern.[1]

Einige Spiloxene-Arten stehen in der „Red List of South African Plants“ = „Rote Liste der südafrikanischen Pflanzen“[3].

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Spiloxene wurde 1866 durch Richard Anthony Salisbury in The Genera of Plants, S. 44 aufgestellt. Typusart ist Spiloxene stellata Salisb..[4] Der Gattungsname Spiloxene leitet sich von den griechischen Wörtern spilos für Fleck, Tupfen oder Punkt und xenos für Wirt oder Fremder ab; dies bezieht sich auf die dunklen Flecken (Honigmale) im Zentrum der Blüten der weitverbreiteten und bekannten Art Spiloxene capensis.

Aus der Gattung Hypoxis wurden durch Gert Cornelius Nel im Artikel Die afrikanischen Arten der Amaryllidaceae-Hypoxideae in Botanische Jahrbücher, Band 51, S. 287-340 einige Arten in eine neue Gattung Ianthe Salisb. oder Janthe Nel orth. var. gestellt. Ianthe war aber schon als Gattungsname in der Familie Scrophulariaceae verwendet worden und so ist dieser später veröffentlichte Name unzulässig. Sidney Garside ersetzte 1936 in Journal of Botany, British and Foreign, Volume 74, S. 268 Ianthe durch Spiloxene. Ob auch vier australische Arten in die Gattung Spiloxene gehören wird kontrovers diskutiert.[2]

Spiloxene ist eine Gattung innerhalb der Familie der Hypoxidaceae. Früher wurde sie auch in die Familie der Liliaceae eingeordnet.[5]

Blütenstand von Spiloxene aquatica.
Blüte der weißen Form von Spiloxene capensis.
Blüte der gelben Form von Spiloxene capensis.

Es gibt 19[6] bis 25[2][1] Spiloxene-Arten:

  • Spiloxene acida (Nel) Garside: Sie kommt im Westkap vor.
  • Spiloxene aemulans (Nel) Garside
  • Spiloxene alba (Thunb.) Fourc.: Sie kommt im Westkap vor. Ihre Bestände nehmen durch Verstädterung ab. Sie wird als „vulnerable“ = „gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene aquatica (L.f.) Fourc.: Sie gedeiht in perennierenden Stillgewässern. Ihre Bestände im Ostkap, Nordkap und Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene canaliculata Garside: Sie kommt im Westkap von Cape Town vor Darling vor. Sie wird 2009 als „endangered“ = „stark gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene capensis (L.) Garside: Ihre Bestände im Ostkap, Nordkap und Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene curculigoides (Bolus) Garside: Ihre Bestände im Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene dielsiana (Nel) Garside: Ihre Bestände im Nordkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene etesionamibensis U.Müll.-Doblies, Mark.Ackermann, Weigend &. D.Müll.-Doblies: Es ist die einzige Art, die in Namibia vorkommt.[7]
  • Spiloxene flaccida (Nel) Garside: Ihre Bestände im Ostkap und Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene linearis (Andrews) Garside: Sie kommt von Jacobsbaai bis Mamre im Westkat. Ihre restlichen zehn Fundorte sind durch viele Faktoren bedroht. Sie wird als „vulnerable“ = „gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene maximiliani (Schltr.) Garside: Sie kommt nur an zwei Fundorten im Olifants River Valley im Westkap vor. Sie wird 2009 als „endangered“ = „stark gefährdet“ eingestuft. Ihre Bestände sind durch Zitrusplantagen gefährdet.[3]
  • Spiloxene minuta (L.) Fourc.: Sie kommt nur noch an drei vier Fundorten vom Pakhuis Pass bis Cape Peninsula und Strand vor. Viele der historischen Fundorte gingen durch Verstädterung im Raum Kapstadt und Stellenbosch verloren. Die kleinen Restbestände sind durch Verstädterung und Ausweitung von Weizenfeldern sowie Weingärten gefährdet. Sie wurde 2009 als „endangered“ = „stark gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene monophylla (Schltr. ex Baker) Garside: Ihre Bestände im Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene namaquana U.Müll.-Doblies, Mark.Ackermann, Weigend & D.Müll.-Doblies: Sie kommt nur im Nordkap vor.[7]
  • Spiloxene nana Snijman: Diese seltene Art kommt nur an zehn Fundorten im Bokkeveld Escarpment im Nordkap vor.[3]
  • Spiloxene ovata (L.f.) Garside: Ihre Bestände im Nordkap und Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene pusilla Snijman: Diese seltene Art kommt nur in speziellen Habitaten im Sandstein-Massiv des nördlichen Cederberg und Matsikamma-Gifberg-Komplex vor. Sie kommt im Westkap nur in Gifberg, Matsikamma Mountain und Pakhuis Pass vor.
  • Spiloxene schlechteri (Bolus) Garside: Ihre Bestände im Nordkap und Westkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene scullyi (Baker) Garside: Sie kommt im Nordkap vor. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene serrata (Thunb.) Garside: Zwei Varietäten werden als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene trifurcillata (Nel) Fourc.: Ihre Bestände im Ostkap gelten als stabil. Sie wird als „least concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]
  • Spiloxene umbraticola (Schltr.) Garside: Sie wurde seit 1964 nicht wieder gefunden, die Fundortangaben im Olifants River Valley im Westkap waren zu ungenau. Wie stark diese Art gefährdet ist, etwa durch die Landwirtschaft, kann deshalb nicht eingeschätzt werden.[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Über eine heutige Nutzung, beispielsweise als Zierpflanze, ist von keiner Spiloxene-Art etwas bekannt.[1]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Dee Snijman, September 2007: Spiloxene Salisb. bei PlantZAfrica vom South African National Biodiversity Institute = SANBI. zuletzt abgerufen am 1. Februar 2013
  2. a b c d e f g John C. Manning, Peter Goldblatt & Deirdré A. Snijman: The Color Encyclopedia of Cape Bulbs, 2002, Timber Press, Portland. ISBN 0-88192-547-0: Spiloxene auf S. 361-367
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s D. A. Snijman & J. E. Victor, 2004: Spiloxene in National Assessment: Red List of South African Plants. zuletzt abgerufen am 1. Februar 2013
  4. Spiloxene bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  5. Spiloxene im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  6. Spiloxene in Suchmaske eingeben bei World Checklist of Selected Plant Families von Royal Botanic Gardens, Kew - Daten von 2003. zuletzt abgerufen am 1. Februar 2013
  7. a b Ute Müller-Doblies, Markus Ackermann, Maximilian Weigend & Dietrich Müller-Doblies: De Liliifloris Notulae 9. The only hitherto known Spiloxene species (Hypoxidaceae) from Namibia is a new species, Spiloxene etesionamibensis, and a new Spiloxene species from Namaqualand (Northern Cape), S. namaquana, In: Feddes Repertorium, Volume 122, Issue 3-4, 2012, S. 319–334.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spiloxene – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien