Spın̈al Tap

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Spın̈al Tap
Logo von Spın̈al Tap
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Allgemeine Informationen
Genre(s) Heavy Metal, Rock
Gründung 1964
Auflösung 1982
Neugründung 1992
Website www.spinaltap.com/[1]
Aktuelle Besetzung
Nigel Tufnel (Christopher Guest)
Gesang, Gitarre
David St. Hubbins (Michael McKean)
Derek Smalls (Harry Shearer)

Spın̈al Tap ist eine halb-fiktive Heavy-Metal-Rockband, die durch den Spielfilm This is Spinal Tap von 1984 bekannt wurde.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Die Band wird im Film This Is Spinal Tap von Rob Reiner als britisch dargestellt, obwohl alle Bandmitglieder von US-Amerikanern gespielt werden. Der Film stellt das persönliche Verhalten und die musikalischen Wandlungen einer eher zweitklassigen Rockband auf satirische Weise dar. So begegnet man der Gruppe im Film als einer Heavy-Metal-Band auf dem absteigenden Ast, der laufend Auftritte mangels Nachfrage abgesagt werden, und die diesem Trend mal mit mehr Mystik (Stonehenge), mal mit einem neuen Namen („The new Spinal Tap – Mark 2“) entgegenzuwirken versucht. Ein altbewährtes Vorgehen, wie mehrere Rückblenden und (gleichfalls fiktive) Interviews zeigen: Die Band startete als Beatles-Verschnitt, sang Hippie-Pop von Liebe und Frieden (Listen to the Flower People), bevor sie beim derzeitigen Status Nieten-Leder-Sex ankam (Sex Farm, Big Bottom).

Hohen Unterhaltungswert gewinnt der Film vor allem für Musiker und Musikfans. In den internen Streitigkeiten wird auf Bandbiografien bekannter Gruppen wie Led Zeppelin, The Who, Queen, Black Sabbath, Judas Priest und der Beatles angespielt, und auch die Anpassungsschwierigkeiten alternder Musiker an moderne Trends (zum Beispiel des Hard Rocks der 1980er an die Grungewelle) sind in der Realität immer wieder zu beobachten. Gleichzeitig werden in dem Film bekannte Rock-Klischees parodiert.

Die Musik zum Film stammt sowohl in Komposition als auch Interpretation von den Schauspielern – was der Band reale (satirisch gemeinte) Auftritte ermöglichte. Sie tritt nach wie vor bei besonderen Anlässen (etwa bei Live Earth) auf.

Die Band Spinal Tap wurde ursprünglich 1978 durch die Schauspieler und Komödianten Michael McKean (als David St. Hubbins), Christopher Guest (als Nigel Tufnel) und Harry Shearer (als Derek Smalls) für ein Comedy-Special des Networks ABC mit dem Titel The TV Show gebildet. Kurze Zeit später schloss sich das Team mit Rob Reiner zusammen, die Band in einen Film zu bringen. Ein großer Teil des Films wurde improvisiert, und viele Stunden Filmmaterial mussten gedreht werden, bevor Rob Reiner den Film schneiden und veröffentlichen konnte. Eine 4½ Stunden lange Bootleg-Version des Films ist im Umlauf und wird seit Jahren unter Fans und Sammlern getauscht. Laut Gerüchten existiert ebenfalls eine Zehn-Stunden-Fassung des Films. Die neueste DVD-Edition des Films enthält eine Stunde Filmmaterial als Extra.

Zusätzlich zu den drei Mitgliedern von Spinal Tap und Rob Reiner, der als Marty DiBergi, der Macher der Dokumentation, auftaucht, spielen außerdem Paul Shaffer, Fred Willard, Patrick Macnee, Fran Drescher, Bruno Kirby, Howard Hesseman, Ed Begley  junior und Anjelica Huston Rollen im Film. Dana Carvey und Billy Crystal besetzen Nebenrollen.

Der Name[Bearbeiten]

Spinal tap bedeutet im Englischen „Lumbalpunktion“.

Der Bandname schreibt sich offiziell als „Spıal Tap“, mit einem Trema (zwei Punkten) über dem Buchstaben n, im satirischen Bezug auf den Heavy-Metal-Umlaut, also die häufige Nutzung von Umlauten in Bandnamen wie Motörhead und später Mötley Crüe. Dem i in „Spinal Tap“ fehlt der Punkt, wodurch es wie das türkische punktlose ı aussieht.

Das „Umlaut-n“ existiert in der wenig verbreiteten Sprache Jacalteco, die in Guatemala gesprochen wird, sowie im Malagasy, eine der Amtssprachen auf Madagaskar. In beiden Sprachen kennzeichnet der Buchstabe einen velaren Nasal ([ŋ]), wie er auch im gesprochenen Deutsch in Wörtern wie „trinken“, „singen“, etc. (hier: jeweils das inlautende „n“) zu finden ist.

Das Begleitheft des Films behauptet, dass sich die Band – davon ausgehend, dass sich das Wort tatsächlich spynal schreiben würde – entschied, sich Spinal Tap zu nennen, um den Stil der absichtlich falschen Rechtschreibung im Namen der Band Stryper zu imitieren.

Resonanz[Bearbeiten]

This Is Spinal Tap erreichte mit der ersten Veröffentlichung eher mäßigen Erfolg, was unter anderem daran lag, dass nicht jedem Zuschauer klar war, dass es sich nicht um eine echte Dokumentation handelte. Umfragen bei frühen Filmvorstellungen ergaben mitunter Kommentare wie „Zu verwackelt. Besorgt euch einen neuen Kameramann“. Zum echten Erfolg und Kult wurde der Film erst, als er auf Videokassette erschien. Viele Musiker und Musikfans können ganze Szenen des Films auswendig rezitieren.

Der Filmkritiker Roger Ebert bezeichnete This is Spinal Tap als „einen der lustigsten Filme, die je gemacht wurden“.[2]

In Flugzeugen der Fluggesellschaft „USA 3000 Airlines“ liegt ein Handzettel für das Bordradio aus. Die Beschreibung des Kanals „Playback“ lautet wie folgt:

Kurbel deinen Luftgitarren-Verstärker auf Elf!

Dies ist eine Anspielung auf This is Spinal Tap, in dem Nigel einen Verstärker in seinem Gitarrenraum stehen hat, dessen Regler elf Abstufungen hat anstatt der üblichen zehn. Seine Begründung: „Wenn du deinen Verstärker bis zehn aufgedreht hast, fragst du dich: Was kann danach noch kommen?“

Auch im Videospiel „Guitar Hero“ lautet einer der Sätze, die während des Ladens angezeigt werden: „Eleven IS louder than ten!“

Die Ärzte nehmen in dem Stück Gute Zeit auf dem Album Das ist nicht die ganze Wahrheit… mit den Textzeilen „Heute kann euch keiner helfen/unsere Marshalls geh’n bis elf“ und „heute werd’n wir alles geben/wir woll’n ja nicht ewig leben“ Bezug auf Spinal Tap. Außerdem wird im Video zu „Elke“ ein Verstärker auf „11“ gedreht.

In der Folge „Schluckauf“ der Stop-Motion Fernsehserie „Shaun das Schaf“ dreht der Titel-Held einen Gitarrenverstärker ebenfalls auf elf.

In der US-Serie „Die Simpsons“ besuchen Bart und Milhouse in Folge 22 der dritten Staffel ein Live-Konzert der Band. Dabei nimmt Harry Shearer, der in der Serie zahlreichen Charakteren seine Stimme leiht, seine Rolle als Spinal-Tap-Bassist Derek Smalls wieder auf.

Laut der Website imdb.com lautet die Wertung des Films 8 von 11 Punkten, obwohl die Höchstwertung normalerweise bei zehn Punkten liegt.[3]

In dem Buch „Divine Misfortune“ von A. Lee Martinez heißt es aus dem Mund des Glücksgottes Lucky: „The path to enlightenment is found in the Lyrics of Spinal Tap.“ (zu Deutsch etwa „Der Pfad zur Erleuchtung kann in den Texten von Spinal Tap gefunden werden.“)[4]

In der Doctor Who-Folge „Der Preis der Jugend“ („The Lazarus Experiment“) stellt der 10. Doktor mithilfe seines Schallschraubendreher den Verstärker einer Kathedralenorgel auf 11, um den mutierten Wissenschaftler Lazarus mittels eines Schallangriffs aus dem Glockenturm fallen zu lassen.

Wiedervereinigungen[Bearbeiten]

Spinal Tap kam 1992 für ein Album mit neuem Material, teilweise produziert von T-Bone Burnett und für eine Konzert-Tour, wieder zusammen.

Am 20. April 1992 spielten sie live auf dem „Freddie Mercury Tribute Concert“ im Wembley-Stadion. Das dargebotene Lied war The Majesty of Rock vom Album Break Like the Wind.

Bei einem Gastauftritt bei den Simpsons, wo Harry Shearer einer der Synchronsprecher ist, bricht die Band ein katastrophales Konzert ab, nachdem eine aufgeblasene Dark-Lord-Bühnendekoration über ihren Köpfen Luft verliert und sich auf den Schlagzeuger herabsenkt („Wir begrüßen dich, unser halb-aufgepumpter Fürst der Dunkelheit!“) und eines der Bandmitglieder durch die Laser-Lichtshow erblindet. Später in der Episode rammt Ottos Schulbus den Bus der Band von der Straße, woraufhin sich der gerammte Bus überschlägt und Feuer fängt – eine offensichtliche Anspielung auf die bizarren frühen Tode, die die Schlagzeuger von Spinal Tap erleiden.

1994 wurde The Return of Spinal Tap als Videokassette veröffentlicht; hauptsächlich gefüllt mit Live-Mitschnitten von einem Auftritt 1992 in der Royal Albert Hall. Außerdem enthielt das Video einige Interviews der Bandmitglieder. In Werbespots für das IT-Unternehmen IBM erschien Spın̈al Tap 1996 als deren fiktiver Kunde für ihre dritte Comeback-Tour.[5]

Im Jahre 2000 wurde ein neuer Song mit dem Titel Back from the Dead auf der Website von Spın̈al Tap veröffentlicht.

2001 kam die Band für die Neun-Städte-Back-from-the-Dead-Tournee erneut zusammen, die am 1. Juni im Greek Theater in Los Angeles begann und Mitte Juli in Montreal beim „Just-for-Laughs“-Festival endete. Die Tournee beinhaltete auch einen Auftritt in der Carnegie Hall in New York.

2007 trat Spın̈al Tap im Rahmen des Live-Earth-Konzerts am 7. Juli im Londoner Wembley-Stadion auf. Im Rahmen dieses Auftritts sollte auch eine neue 15-Minuten-Dokumentation entstehen.

Am 27. Juni 2009 trat Spın̈al Tap beim Glastonbury Festival auf.[6]

Am 28. Juli 2009 war die Band zu Gast in Jon Stewarts Daily Show.[7]

Verwandte Werke[Bearbeiten]

This is Spinal Tap: The Official Companion wurde 2000 veröffentlicht. (ISBN 0-7475-4218-X) Es enthielt eine Tap’istory, den vollen Mitschnitt des Films (mit Outtakes), eine Diskografie, Songtexte und ein A-Z der Band.

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben
Back from the Dead
  US 52 04.07.2009 (… Wo.)
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/vorläufige Chartplatzierung

Alben[Bearbeiten]

  • This Is Spinal Tap (1984)
  • Break Like the Wind (1992)
  • Back from the Dead (2009)

Singles[Bearbeiten]

  • Christmas with the Devil (1984)
  • The Majesty of Rock (The Pageantry of Roll) (1992)
  • Bitch School (1992)
  • Back from the Dead (2000)
  • Warmer Than Hell (2007)

Fiktive Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • Spinal Tap Sings Listen to the Flower People & Other Favorites (1967)
  • We Are All Flower People (1968)
  • Silent But Deadly (1969)
  • Brainhammer (1970)
  • Nerve Damage (1971)
  • Blood to Let (1972)
  • Intravenus De Milo (1974)
  • The Sun Never Sweats (1975)
  • Jap Habit (1975)
  • Bent for the Rent (1976)
  • Tap Dancing (1976)
  • Rock ’n’ Roll Creation (1977)
  • Shark Sandwich (1980)
  • Smell the Glove (1982)

Singles[Bearbeiten]

  • Listen to the Flower People (1967)
  • We Are All Flower People (1968)
  • Breakfast of Evil (1969)
  • Silent But Deadly (1969)
  • Big Bottom (1970)
  • Swallow My Love (1970)
  • Nerve Damage (1971)
  • Blood to Let (1972)
  • Tonight I’m Gonna Rock You Tonight (1974)
  • Stonehenge (1975)
  • Nice ’n’ Sticky (1975)
  • Heavy Duty (1976)
  • Bent for the Rent (1976)
  • Tap Dancing (1976)
  • Rock ’n’ Roll Creation (1977)
  • Hell Hole (1980)
  • No Place Like Nowhere (1980)
  • Sex Farm (1982)

Zusammenstellungen[Bearbeiten]

  • Heavy Metal Memories (1983)

Unveröffentlichtes[Bearbeiten]

  • Here’s More Tap
  • Flak Packet
  • Lusty Lorry
  • SEXX! (Original Motion Picture Soundtrack)
  • Hernia
  • Break Like the Wind II

Solo-Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Derek Solo
  • It’s a Small World (1978)
Nigel Solo
  • Nigel Tufnel’s Clam Caravan (1979)
  • Pyramid Blue (unbekanntes Datum)
Ross Solo
  • Doesn’t Anybody Here Speak English? (unbekanntes Datum)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. spinaltap.com Spinal Tap Official Home Page (Version vom 7. Januar 2011 im Internet Archive)
  2. This is Spinal Tap Movie Review (1985) – Roger Ebert und This is Spinal Tap Movie Review (1985) | Roger Ebert
  3. Seite zum Film This is Spinal Tap in der Internet Movie Database.
  4. A. Lee Martinez: Divine Misfortune. Orbit, S. 129 (2011), ISBN 978-0-316-04992-4.
  5. Stuart Elliott: I.B.M. Taps Spinal Tap Actors to Sing Its Olympic Praises. In: New York Times. 28. Mai 1996, abgerufen am 7. Juni 2013 (englisch).
  6. guardian.co.uk
  7. thedailyshow.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spın̈al Tap – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien