Spittelmarkt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Spittelmarkt
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Spittelmarkt
Blick über den Platz im Jahr 2004; rechts die Fischerinsel, im Hintergrund der Fernsehturm
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 18. Jahrhundert
Neugestaltet um 1950, ab 2005
Bauwerke Hotel Motel One seit 2010
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Auto
Technische Daten
Platzfläche ca. 13.800 m²
unregelmäßig geformt

Der Spittelmarkt ist ein historischer Platz im Berliner Ortsteil Mitte am östlichen Ende der Leipziger Straße, am westlichen Ufer des Spreekanals.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Marktes[Bearbeiten]

Die Fläche, auf der nach dem Schleifen der Festungsanlagen im Bereich der früheren Bastion IV am Westufer der Spree im 18. Jahrhundert ein Marktplatz zwischen Fischerinsel und Leipziger Straße entstand, war noch im 14. Jahrhundert ein ruhiger namenloser Ort vor dem Gertraudentor.[1] Um 1400 baute das St.-Gertrauden-Stift ebenda ein Haus und 1411 eine Kapelle für adlige Jungfrauen. Später entwickelte es sich aus einem Quarantäne-Quartier für Wanderer und Handwerksburschen zu einem Siechenhaus für mittellose, gebrechliche und kranke Bürger aus Cölln und Alt-Berlin. Der freie Platz war ein Verkehrsknoten und man nutzte ihn zu Marktgeschäften. Er hieß in den Stadtakten ab etwa 1750 Spittelmarkt, was vom Gertraudenhospital abgeleitet ist: Hospital → Spital → Spittel. 1641 brannten die Einwohner das Spital ab, nur die Kirche blieb erhalten. Zuvor trug der Bereich die Bezeichnungen Am Gertraudtenkirchhof (um 1405 bis 1750) bzw. An der Gertraudtenbrücke (Mittelalter bis 1750). Noch nach der Namensfestlegung hieß er auch Spittelmarktstraße (1750–1862).

Der Platz zwischen dem 18. Jahrhundert und 1945[Bearbeiten]

Spittelmarkt mit Gertraudenkirche, 1783 (Johann Georg Rosenberg)

Rund um den Markt war im 18. Jahrhundert das Altpreußische Infanterieregiment No. 26 zu Fuß einquartiert. Aus der Kapelle ging die Spittelkirche hervor. Der schnelle Straßenausbau Berlins in der Gründerzeit ließ dem Stift keinen Raum, sodass das im 17. Jahrhundert wieder aufgebaute Gertraudenhospital samt seiner Kapelle 1872 in die heutige Kreuzberger Wartenburgstraße verlegt wurde. Die wertvollsten Ausstattungsstücke der Spittelkirche, die 1881 abgerissen wurde, kamen in die neue Kreuzberger Hospital-Kapelle. Nun entstand eine komplexe Randbebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern. Von dem Markt gingen zu dieser Zeit die Niederwallstraße, die Wallstraße, die Gertraudenstraße, die Seydelstraße und die Beuthstraße ab.[2]

Spittelmarkt, um 1896
Spittelmarkt, 1912 (Paul Hoeniger)
U-Bahn-Eingang, 2011

Diese Bauten wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt oder total zerstört.

Totalumbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Ab dem Sommer 1945 begann die Enttrümmerung. In den 1960er bis 1970er Jahren erfolgten Neuplanungen des gesamten Viertels. Stadtplaner der DDR hatten die Aufgabe übernommen, ein komplettes Neubaugebiet hier zu errichten. Die ursprünglich auf dem Platz endenden Straßen wurden bis auf die Schneise der Leipziger Straße ihrer Funktion beraubt. Die jeweils von Süden kommende Lindenstraße (heute: Axel-Springer-Straße) und Beuthstraße wurden durch den Flachbau einer zu DDR-Zeiten errichteten Exquisit-Boutique abgeriegelt.

Spittelmarkt nach 1990[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde die Boutique an das Modehaus Ebbinghaus verkauft. Das Gebäude wurde 2009 abgerissen, weil das Bekleidungshaus mit neuem Konzept einen neuen Standort bezogen hat.[3] Nur geringfügig versetzt wurde in den Jahren 2009/2010 durch die Gesellschaft für Beteiligungen und Immobilien-Projektentwicklung mbH (GBI) für rund 20 Millionen Euro ein neungeschossiger Neubau errichtet, der als preiswertes Hotel dient.[4]

Als einziges Gebäude, das den Zweiten Weltkrieg überstanden hat, steht heute noch das Juwel-Palais am nördlichen Ende hinter der Gertraudenbrücke. Die weitläufig umgebende Neubebauung besteht zum größten Teil aus Wohnhochhäusern, wie beispielsweise den westlich anschließenden Hochbauten an der Leipziger Straße oder das Spitteleck aus dem Jahr 1980. Der Platz ist im Wesentlichen eine nordwärts gerichtete Ausbuchtung des Straßenzuges Leipziger Straße – Gertraudenstraße.

Lage und Erschließung[Bearbeiten]

Seit dem Wiederaufbau des Gebietes nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Platz dominiert von den beiden Hauptverkehrsstraßen

die abknickend am Spittelmarkt ineinander übergehen.

Die folgenden Straßen beginnen am Spittelmarkt oder begrenzen ihn:

Die U-Bahnlinie 2 hält unter dem Platz am U-Bahnhof Spittelmarkt, der zur Spree hin durch Rundbogenöffnungen mit Tageslicht erhellt wird.

Umbaupläne[Bearbeiten]

Einweihung des Spittelmarktes, Mai 2012

Das Planwerk Innenstadt sieht einen Rückbau der Straßenbreite und eine neue Randbebauung allerdings mit deutlich höheren Traufhöhen vor, um die Straßen wieder an den Platz anzubinden und das ehemalige historische Raumgefüge wiederherzustellen. Der Spittelmarkt entsteht in seinen annähernd ursprünglichen Abmessungen als Stadtplatz an historischem Ort wieder neu. Die Ost-West-Achse der Leipziger Straße soll wieder sichtbar werden, wozu die Stahlbeton-Schnellstraßenbrücke abgebrochen und die alte Gertraudenbrücke verbreitert und wieder genutzt werden.[5] In einem ersten Schritt wurde der Platz in Richtung Wallstraße neu gestaltet. Neben einem neuen Bodenbelag sowie einer Rasenfläche wurden insgesamt 33 Bänke aufgestellt. Die Kosten beliefen sich auf 211.000 Euro. Am 25. Mai 2012 wurde die neu gestaltete Fläche von der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eingeweiht.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR, Berlin, I; Hrsg. Institut für Denkmalpflege im Henschelverlag, S. 130–131; Berlin 1984

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spittelmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Spittelmarkt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inge Kiessig: Der Spitalmarkt – ein abgelegener Ort. Tribüne-Serie Berliner Straßengeschichten (2) vom 6. Oktober 1983
  2. Karte von 1875 auf Alt-Berlin.info
  3. Einfach nicht aufgeben. In: Der Tagesspiegel, 4. September 2009
  4. Am Spittelmarkt entsteht ein neues Hotel. In: Berliner Morgenpost, 2. Juli 2009
  5. Berlins historische Mitte wird umgebaut. In: Berliner Morgenpost, 10. Juni 2008.
  6. Spittelmarkt aufpoliert. In: B.Z., 26. Mai 2012, abgerufen am 29. Mai 2012.

52.51194444444413.401388888889Koordinaten: 52° 30′ 43″ N, 13° 24′ 5″ O