Spittelmarkt

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Spittelmarkt
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Spittelmarkt
Blick über den Platz im Jahr 2004; rechts die Fischerinsel, im Hintergrund der Fernsehturm
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 18. Jahrhundert
Neugestaltet um 1950, ab 2005
Einmündende Straßen Lage und Erschließung
Bauwerke Hotel Motel One seit 2010; Spindlerbrunnen
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Auto (eingeschränkt)
Technische Daten
Platzfläche ca. 13.800 m²
unregelmäßig geformt

Der Spittelmarkt ist ein historischer Platz im Berliner Ortsteil Mitte am östlichen Ende der Leipziger Straße, am westlichen Ufer des Spreekanals.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Marktes[Bearbeiten]

Die Fläche, auf der nach dem Schleifen der Festungsanlagen im Bereich der früheren Bastion IV am Westufer der Spree im 18. Jahrhundert ein Marktplatz zwischen Fischerinsel und Leipziger Straße entstand, war noch im 14. Jahrhundert ein ruhiger namenloser Ort vor dem Gertraudentor.[1] Um 1400 baute das St.-Gertrauden-Stift ebenda ein Haus und 1411 eine Kapelle für adlige Jungfrauen. Später entwickelte es sich aus einem Quarantäne-Quartier für Wanderer und Handwerksburschen zu einem Siechenhaus für mittellose, gebrechliche und kranke Bürger aus Cölln und Alt-Berlin. Der freie Platz war ein Verkehrsknoten und man nutzte ihn zu Marktgeschäften. Er hieß in den Stadtakten ab etwa 1750 Spittelmarkt, was vom Gertraudenhospital abgeleitet ist: Hospital → Spital → Spittel. 1641 brannte das Spital ab, die benachbarte Kirche blieb erhalten. Zuvor trug der Bereich die Bezeichnungen Am Gertraudtenkirchhof (um 1405 bis 1750) bzw. An der Gertraudtenbrücke (Mittelalter bis 1750). Noch nach der Namensfestlegung hieß er auch Spittelmarktstraße (1750–1862).

Der Platz zwischen dem 18. Jahrhundert und 1945[Bearbeiten]

Spittelmarkt mit Gertraudenkirche, 1783 (Johann Georg Rosenberg)

Rund um den Markt war im 18. Jahrhundert das Altpreußische Infanterieregiment No. 26 zu Fuß einquartiert. Aus der Kapelle ging die Spittelkirche hervor. Der schnelle Straßenausbau Berlins in der Gründerzeit ließ dem Stift keinen Raum, sodass das im 17. Jahrhundert wieder aufgebaute Gertraudenhospital samt seiner Kapelle 1872 in die heutige Kreuzberger Wartenburgstraße verlegt wurde. Die wertvollsten Ausstattungsstücke der Spittelkirche, die 1881 abgerissen wurde, kamen in die neue Kreuzberger Hospital-Kapelle. Nun entstand eine komplexe Randbebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern. Von dem Markt gingen zu dieser Zeit die Niederwallstraße, die Wallstraße, die Gertraudenstraße, die Seydelstraße und die Beuthstraße ab.[2]

Spittelmarkt, um 1896
Spittelmarkt, 1912 (Paul Hoeniger)
U-Bahn-Eingang, 2011

Diese Bauten wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt oder total zerstört.

Totalumbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Ab dem Sommer 1945 begann die Enttrümmerung. In den 1960er bis 1970er Jahren erfolgten Neuplanungen des gesamten Viertels. Stadtplaner der DDR hatten die Aufgabe übernommen, ein komplettes Neubaugebiet um den historischen Platz herum zu errichten. Die ursprünglich auf dem Platz endenden Straßen wurden bis auf die Schneise der Leipziger Straße ihrer Funktion beraubt. Die jeweils von Süden kommende Lindenstraße (seit 1996 Axel-Springer-Straße) und Beuthstraße wurden durch den Flachbau einer zu DDR-Zeiten errichteten Exquisit-Boutique abgeriegelt. Als Kunstobjekt kam der Spindlerbrunnen wieder auf seinen ursprünglichen Standort.[3]

Spittelmarkt nach 1990[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde die Boutique an das Modehaus Ebbinghaus verkauft. Das Gebäude wurde 2009 abgerissen, weil das Bekleidungshaus mit neuem Konzept einen neuen Standort bezogen hat.[4] Nur geringfügig versetzt errichtete die Gesellschaft für Beteiligungen und Immobilien-Projektentwicklung mbH (GBI) in den Jahren 2009/2010 für rund 20 Millionen Euro einen neungeschossiges Bauwerk, der als preiswertes Hotel dient.[5] Dieses Haus dominiert den Spittelmarkt und zergliedert ihn gleichermaßen.

Die weitläufig umgebende Neubebauung besteht zum größten Teil aus Wohnhochhäusern, wie den westlich anschließenden Hochbauten an der Leipziger Straße oder das Spitteleck aus dem Jahr 1980. Der Platz ist im Wesentlichen eine nordwärts gerichtete Ausbuchtung des Straßenzuges Leipziger Straße–Gertraudenstraße. Der Spindlerbrunnen wurde bei der Neubebauung in den späten 1990er Jahren entfernt.

Lage und Erschließung[Bearbeiten]

Im Adressbuch des Jahres 1799 ist eine Lageskizze mit den umgebenden oder einmündenden Straßen zu sehen, diese waren: an der Spittel-Brücke, Nieder-Wallstraße, Kur-Straße, Spittelmarkt-Straße und Wall-Straße.[6]

Anno 1860 lautete die Lagebeschreibung wie folgt: „Spittelmarkt in Neu-Kölln, geht von der Kur-Straße mit Nr. 1 an, über die Nieder-Wallstraße mit Nr. 7 bis an die Spittelbrücke und zurück an der Wall-Straße vorbey bis Nr. 16. Seine Länge ist 165 Schritte. Nummer 8 ist das Hospital zu der hier stehenden Gertrauten-Kirche und zwischen 15 und 16 ist die Spittelmarkt-Wache. Die Markttage, die hier Mittwochs und Sonnabends gehalten werden, sind von grünen Küchenwaaren sehr ansehnlich. Abends vorher ist Abend-Markt. Auch hier sind ein Fisch-Markt und mehrere Krambuden. [...]“[7]

Seit dem Wiederaufbau des Gebietes nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Platz dominiert von den beiden Hauptverkehrsstraßen

die abknickend am Spittelmarkt ineinander übergehen.

Die folgenden Straßen beginnen am Spittelmarkt oder begrenzen ihn:

Die U-Bahnlinie 2 hält unter dem Platz am U-Bahnhof Spittelmarkt, der zur Spree hin durch Rundbogenöffnungen mit Tageslicht erhellt wird.

Umbaupläne[Bearbeiten]

Einweihung des Spittelmarktes, Mai 2012

Das Planwerk Innenstadt sieht einen Rückbau der Straßenbreite und eine neue Randbebauung mit deutlich höheren Traufhöhen vor, um die Straßen wieder an den Platz anzubinden und das ehemalige historische Raumgefüge wiederherzustellen. Der Spittelmarkt soll in seinen annähernd ursprünglichen Abmessungen als Stadtplatz an historischem Ort wieder neu entstehen. Die Ost-West-Achse der Leipziger Straße soll wieder sichtbar werden, wozu die Stahlbeton-Schnellstraßenbrücke abzubrechen wäre. Die alte Gertraudenbrücke müsste verbreitert und für den Kraftfahrzeugverkehr wieder nutzbar werden.[8] In einem ersten Schritt gestalteten Stadtgärtner den Platz in Richtung Wallstraße neu. Neben einem neuen Bodenbelag sowie einer Rasenfläche wurden insgesamt 33 Bänke und der Spindlerbrunnen (wieder) aufgestellt. Die Kosten beliefen sich auf 211.000 Euro. Am 25. Mai 2012 weihte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die neu gestaltete Fläche ein.[9] Das Planwerk ist inzwischen fast 20 Jahre alt und Stadtplaner und Politiker bezweifeln inzwischen, dass die hier dargelegten Umbaupläne in absehbarer Zeit verwirklicht werden könnten.[10]

In den Medien[Bearbeiten]

Der Schriftsteller Bernward Schneider verfasste einen Kriminalroman, der am und um den alten Spittelmarkt herum spielt, der den Titel Spittelmarkt trägt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Steffi Kühnel: Civitas Berolinensis: Geschichtstouren zu den Anfängen der Hauptstadt., 2010, Alexander Schug
  • Vom Planwerk zum Bauwerk: Spittelmarkt-Gertraudenstrasse, Kulturbuchverlag, 2001, ISBN 3889611397.
  • Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR, Berlin, I; Hrsg. Institut für Denkmalpflege im Henschelverlag, S. 130–131; Berlin 1984.
  • Zur Eröffnung der Erweiterungslinie vom Spittelmarkt über den Alexanderplatz zur Schönhauser Allee Juli 1913, Hochbahngesellschaft Berlin, 1913

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spittelmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Spittelmarkt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inge Kiessig: Der Spitalmarkt – ein abgelegener Ort. Tribüne-Serie Berliner Straßengeschichten (2), 6. Oktober 1983
  2. Karte von 1875 auf Alt-Berlin.info
  3.  Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-I. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 130.
  4. Einfach nicht aufgeben. In: Der Tagesspiegel, 4. September 2009.
  5. Am Spittelmarkt entsteht ein neues Hotel. In: Berliner Morgenpost, 2. Juli 2009.
  6. Spittelmarkt. In: Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen, 1799, I, S. 171.
  7. Johann Christian Gaedicke: Spittelmarkt in Lexicon von Berlin, S. 580f
  8. Berlins historische Mitte wird umgebaut. In: Berliner Morgenpost, 10. Juni 2008.
  9. Spittelmarkt aufpoliert. In: B.Z., 26. Mai 2012, abgerufen am 29. Mai 2012.
  10. Stefan Hirtz: Grenzen und Stadttore von Berlin. Positionen der Toranlagen im Grundriß und ihr Einfluß auf das Stadtbild., S. 105ff
  11. Kriminalroman Spittelmarkt auf books.google.de; 2010, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-3560-7.

52.51194444444413.401388888889Koordinaten: 52° 30′ 43″ N, 13° 24′ 5″ O