Spitzel

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Dieser Artikel beschreibt den Begriff Spitzel. Zum Theologen dieses Namens (1631–1691), siehe Gottlieb Spitzel.
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"Löwenmaul" am Dogenpalast, dort konnte man anonyme Denunziationen einwerfen. Der italienische Text lautet übersetzt: „Geheime Denunziationen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen oder sich im Geheimen absprechen, um deren wahren Gewinn zu verbergen“

Der Spitzel ist ein – in der Regel negativ belegter – Ausdruck für eine Art von Spion auf niederer gesellschaftlicher Ebene bzw. nicht in Ausübung einer amtlichen Funktion.

Spitzel und andere Agenten[Bearbeiten]

Als Spitzel werden gewöhnlich Zuträger bezeichnet, die aus eigenem Antrieb oder auf Nachfrage, meist gegen irgendeine Form von Belohnung, einem Nachrichtendienst oder der Polizei oder einem privaten Ermittler Informationen über solche Personen, Gruppen oder Organisationen liefern, zu denen der Empfänger der Information selbst keinen Zugang hat.

Zitat: »Auch wenn ein Spitzel denunziert, so ist er doch von der Figur des Denunzianten zu unterscheiden: Ein Spitzel nutzt nicht nur Gelegenheiten aus, er hat den Auftrag, sie aktiv herzustellen. Und so steht selbst der Verräter noch über ihm. Zwar verrät auch ein Spitzel, doch im Unterschied zum Verräter hat er nie die Sache oder politischen Ziele und Träume geteilt, für die Menschen sich einsetzen (…). Ein Spitzel besitzt auch nicht den Hauch einer Souveränität, wie sie vielleicht ein Agent oder Spion im Sold einer ausländischen Staatsmacht beanspruchen kann.«[1]

Spitzel unterscheiden sich von verdeckten Ermittlern. Diese dringen in der Regel als Angehörige einer staatlichen Dienststelle (z. B. Polizei oder Zoll) in deren Auftrag mit falscher Identität in Gruppen oder Organisationen ein, die diese Dienststelle illegaler, meist strafbarer Handlungen verdächtigt, welche sie aus offenen Quellen nicht nachweisen kann.

Ebenso von Spitzeln zu unterscheiden sind V-Mann oder V-Frau („V“ für Vertrauen oder Verbindung). So werden Personen bezeichnet, die in einer festen Beziehung zu einem Nachrichtendienst (meist einem staatlichen, aber auch dem einer politischen Organisation, wie z. B. im vergangenen Jahrhundert der SA, SS, dem AM-Apparat der KPD) stehen und in dessen Auftrag und nach dessen Weisungen mit einiger Regelmäßigkeit Nachrichten aus ihnen (oft dank Mitgliedschaft oder Sympathisantenstatus) zugänglichen Gruppen, Kreisen, Organisationen beschaffen.

Für die Tätigkeit von Spitzeln gibt es nach der Natur der Sache keine Regeln und Vorschriften. Verdeckten Ermittlern und V-Personen staatlicher Dienststellen ist es grundsätzlich, wie jedermann, verboten, Straftaten zu begehen, auch wenn sie sich in Kreisen organisierter Kriminalität oder terroristischen Gruppen bewegen. Für den Einsatz von V-Leuten durch staatliche Dienststellen zur Beobachtung extremistischer Parteien hat das Bundesverfassungsgericht im ersten NPD-Verbotsverfahren Beschränkungen festgelegt.

In der DDR gab es ein weit verzweigtes Netz von Spitzeln, die zumeist für das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen – bis hinein in Familien – tätig waren, um Informationen über tatsächliche oder auch potenzielle staatsfeindliche Äußerungen oder Aktivitäten zu sammeln und diese an das Ministerium weiterzuleiten. IM wurden zum Teil auch zu Tätigkeiten in der Bundesrepublik Deutschland und im Ausland herangezogen, um verdeckt Informationen zu sammeln, die dem System der DDR nützten.

In der Bundesrepublik Deutschland sind V-Leute oft tätig für den Verfassungsschutz und / oder die Polizei, verdeckte Ermittler für die Polizei oder private Ermittlungsbüros. Spitzel finden sich vom Rotlichtmilieu über die Drogenszene und in anderen Milieus aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität bis hin zu politischen Gruppen und Organisationen, die womöglich verfassungsfeindliche Ziele verfolgen, insbesondere aus dem rechtsextremen oder linksextremen Spektrum aber auch dort, wo sich sicherheitsgefährdende Bestrebungen von Ausländern andeuten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schafranek: V-Leute und "Verräter". Die Unterwanderung kommunistischer Widerstandsgruppen durch Konfidenten der Wiener Gestapo. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Nr.3/2000, S. 300–349
  • Hans Schafranek: Unternehmen "Nordpol". Das "Englandspiel" der deutschen militärischen Abwehr in den Niederlanden 1942-1944. In: Hans Schafranek, Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand und Spionage im Zweiten Weltkrieg. Wien 2004, S. 247–291
  • Klaus-Michael Mallmann: Die V-Leute der Gestapo. Umrisse einer kollektiven Biographie. In: Gerhard Paul, Klaus-Michael Mallmann: Die Gestapo. Mythos und Realität. Darmstadt 1995
  • Wilhelm Mensing: Gestapo V-Leute kommunistischer Herkunft - auch ein Strukturproblem der KPD? In: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 34/2005, S. 77ff
  • Wilhelm Mensing: Vertrauensleute kommunistischer Herkunft bei der Gestapo und den NS-Nachrichtendiensten. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2004, S. 111ff
  • Wilhelm Mensing: Bekämpft, gesucht, benutzt. Zur Geschichte der Gestapo-V-Leute und "Gestapo-Agenten". In: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 167/2005, S. 111ff
  • Spitzel. Eine kleine Sozialgeschichte. Hrsg. Markus Mohr, Klaus Viehmann. Berlin 2004. ISBN 3-935936-27-3
  • Walter Otto Weyrauch: Gestapo V-Leute. Tatsachen und Theorie des Geheimdienstes. Untersuchungen zur Geheimen Staatspolizei während der nationalsozialistischen Herrschaft, Fischer, Frankfurt am Main 1992. ISBN 3-596-11255-9
  • Alexander Sperk: V-Leute der Politischen Polizei zu Beginn des Nationalsozialismus In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 21. Jahrgang 2012, S. 163-182

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus: Spitzel. Eine kleine Sozialgeschichte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Spitzel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Informant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien