Spontanremission

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Als Spontanremission, auch Spontanregression genannt, wird im Bereich der Onkologie (also bei Krebs) eine unerwartet eintretende Besserung oder Genesung (Heilung) bezeichnet. Für Spontanremissionen nannten Everson und Cole in ihrem Buch von 1966 folgende Definition: Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Im Falle von Krebsen des blutbildenden Systems spricht man von Spontanremission, bei soliden Tumoren von Spontanregression; diese beiden Begriffe werden jedoch häufig synonym benutzt.[1] Beides sind Formen der Spontanheilung bei Krebs.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Man nahm lange an, dass Spontanremissionen bei Krebs ein seltenes Phänomen sind und dass sie sich bei bestimmten Krebsformen häufen und bei anderen Krebsformen selten sind (häufiger bei malignen Melanomen, Nierenzellkarzinomen, malignen Lymphomen und kindlichen Neuroblastomen auf, seltener bei Bronchial- und Mammakarzinomen, kolorektalen Karzinomen, invasiven Zervixkarzinomen, Magen- oder Ovarialkarzinomen und akuten Leukämien).[2] In einem Übersichtsartikel wurde eine Häufigkeit von 1/100.000 Krebserkrankungen geschätzt,[3] wobei dieser Wert in der Realität deutlich nach oben oder unten abweichen kann. Denn zum einen werden nicht alle Spontanremissionen erfasst, entweder weil der Fall nicht gut dokumentiert wurde, weil die behandelnden Ärzte den Fall nicht publizierten oder weil der betreffende Patient sich schlicht nicht wieder in der Klinik einfand. Auf der anderen Seite ist seit 100 Jahren kaum ein Krebspatient unbehandelt, so dass der Einfluss der jeweiligen Behandlung unklar ist.

Möglicherweise ist jedoch die Häufigkeit von Spontanregressionen zumindest bei kleinen Tumoren sehr viel höher, als bislang angenommen wurde. In einer sorgfältig durchgeführten Mammographiestudie von 2008 wurde eine Spontanheilungsquote von 22 % bei Brustkrebs gefunden.[4]

Ursachen[Bearbeiten]

In medizinischen Kreisen wird als Ursache von Spontanremissionen bei Krebs häufig der programmierte Zelltod (Apoptose) oder die Inhibition der Angiogenese (Gefäßneubildung) in Tumoren angegeben.[2] Doch weder Apoptose noch Angiogenese sind Ursachen, sondern biologische Mechanismen auf zellulärer Ebene, die ihrerseits einen Auslöser benötigen. In vielen Krebszellen ist die Apoptose durch Mutationen ausgeschaltet, die Angiogenese durch Mutationen angeschaltet; Krebs existiert, weil gerade diese beiden Mechanismen nicht mehr korrekt funktionieren.[5] Eine Vielzahl, wenn nicht eine Mehrzahl von Spontanregressionen bei Krebs scheinen in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit heftigen fiebrigen Infekten zu stehen.[3][6] Wenn es sich bei dieser zeitlichen Koinzidenz um einen ursächlichen Zusammenhang handeln sollte, sollten sich fiebrige Infekte auch vorbeugend (prophylaktisch) bemerkbar machen, d.h. das Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. Das wurde in der Tat gefunden.[7]

Übersichtsartikel[Bearbeiten]

Rohdenburg beschreibt im Jahre 1918 185 beobachtete Spontanremissionen,[8] Fauvet berichtet über 202 Fälle zwischen 1960–1964,[9] Boyd berichtet 1966 über 98 Fälle,[10] Cole und Everson berichten von 176 Fällen im Zeitraum von 1900–1960,[11][12][13] Challis berichtet von 489 Fällen in den Jahren 1900–1987,[14] Brendon O'Regan und Caryle Hirschberg (Hirshberg) berichten hingegen 1993 von 1385 Spontanremissionen bei Krebs im gleichen Zeitraum zwischen 1900 und 1987.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Uwe Hobohm: Heilende Hitze, 2009, ISBN 9783837014174
  • Herbert Kappauf: Wunder sind möglich - Spontanheilung bei Krebs. Herder Verlag, Freiburg 2003, ISBN 3-451-28108-2
  • Manfred E. Heim, Reinhold Schwarz (Hrsg.): Spontanremissionen in der Onkologie. Schattauer, Stuttgart 1998, ISBN 3-7945-1813-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cole WH, Everson TC: Spontaneous Regression of Cancer. WB Saunders, Philadelphia, PA. 1966 (Buch)
  2. a b Hoc, Siegfried: Spontanremissionen: Ein reales, aber seltenes Phänomen. In: Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 46 vom 18. November 2005, Seite A-3162 / B-2671 / C-2501
  3. a b Hobohm, U.: Fever and cancer in perspective (PDF; 86 kB), In: Cancer Immunol Immunother (2001) 50: 391-396 doi:10.1007/s002620100216
  4. Per-Henrik Zahl; Jan Mæhlen; H. Gilbert Welch: The Natural History of Invasive Breast Cancers Detected by Screening Mammography, In: Arch Intern Med, Vol 168 (NO. 21), Nov 24, 2008
  5. Robert A.Weinberg: The Biology of Cancer, Garland Science 2007
  6. Hobohm, U.: Fever therapy revisited (PDF; 90 kB), In: British Journal of Cancer (2005) 92, 421 – 425
  7. Hobohm, U.,Grange,J., Stanford,J.: Pathogen associated molecular pattern in cancer immunotherapy (PDF; 3,7 MB), In: Critical Reviews Immunology (2008) Vol 28, 95-107
  8. Rohdenburg: Fluctuations in the growth energy of tumors in man, with esspecial reference to spontaneous recession. In: J Cancer Res 1918;3:193-225
  9. Fauvet J: Spontaneous cancer cures and regressions. In: Rev Prat. 1964 Jun 11;14:2177–2180
  10. Boyd W: The spontaneous regression of cancer. Charles Thomas, Publ., Springfield Ill. 1966 (Buch)
  11. Cole WH: Spontaneous regression of cancer and the importance of finding its cause. In: Natl Cancer Inst Monogr. 1976 Nov;44:5–9 PMID 799760
  12. Cole WH, Everson TC: Spontaneous Regression of Cancer. WB Saunders, Philadelphia, PA. 1966 (Buch)
  13. Everson, Cole: Spontaneous Regression of Cancer: Preliminary Report. In: Ann Surg. 1956 September; 144(3):366–380. PMID 13363274, PMC 1465423 (freier Volltext)
  14. Challis GB, Stam HJ: The spontaneous regression of cancer. A review of cases from 1900 to 1987. In: Acta Oncol. 1990;29(5):545–550. PMID 2206563
  15. O'Regan Brendan & Carlyle Hirschberg: Spontaneous Remission. An Annotated Bibliography. Institute of Noetic Sciences. 1993, Sausalito, California (Buch)
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