Sportler des Jahres (DDR)

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Siegerehrung der DDR-Sportlerumfrage 1972 (20. Dezember, Berlin). V. l. n. r.: Helga Seidler, Wolfgang Nordwig, Rita Kühne, Renate Stecher, Klaus Köste, Roland Matthes, Monika Zehrt, Kornelia Ender, Dagmar Luenenschloß-Käsling

In der DDR fand von 1953 bis 1989 eine Sportlerwahl im Rahmen einer Leserumfrage der Tageszeitung Junge Welt statt – im Unterschied zur Bundesrepublik, wo seit 1947 durch Sportjournalisten die Sportler des Jahres gewählt wurden.

1958 fand erstmals eine getrennte Wertung nach DDR-Sportler und DDR-Sportlerin statt, 1959 wurde die Kategorie DDR-Mannschaft des Jahres eingeführt. Bis 1989 wurden insgesamt 100 Titel vergeben, wobei der Großteil an Leichtathleten, Radsportler und Schwimmer ging (26-, 21- bzw. 17-mal). In den Einzelwertungen triumphierten bei den Herren die Radsportler mit 16 Ehrungen am häufigsten, bei den Damen ging die Auszeichnung 13-mal an die Leichtathletinnen. Die Umfrage zur DDR-Mannschaft des Jahres entschieden mit neun Ehrungen die Fußballer am häufigsten für sich.

Zur Ermittlung der Sieger durften bis 1961 beliebige Vorschläge eingereicht werden, was umfangreiche Unterschriftensammlungen von diversen Fan-Gemeinschaften ermöglichte. Ab 1962 gab die Junge Welt pro Kategorie ca. 15 Kandidaten vor, deren Namen gegen Jahresende über mehrere Wochen in einem Tippschein abgedruckt wurden.

Das Konzept der DDR-Sportlerumfrage blieb in den neuen Bundesländern bis in die Gegenwart erhalten, wo Zeitungen von ihren Lesern bis heute die regionalen Sportler des Jahres ermitteln lassen.

Mehrfache Titelträger[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Jahr Sportler Sportlerin Mannschaft
1989 Andreas Wecker
Turnen
Kristin Otto
Schwimmen
Straßenradsport-Vierer: Mario Kummer, Maik Landsmann, Jan Schur, Falk Boden
Radsport
1988 Olaf Ludwig
Radsport
Kristin Otto
Schwimmen
Straßenradsport-Vierer: Uwe Ampler, Mario Kummer, Maik Landsmann, Jan Schur
Radsport
1987 Torsten Voss
Leichtathletik
Silke Möller
Leichtathletik
Nationalmannschaft (Frauen)
Volleyball
1986 Olaf Ludwig
Radsport
Heike Drechsler
Leichtathletik
Junioren-Nationalmannschaft
Fußball
1985 Jens Weißflog
Skispringen
Marita Koch
Leichtathletik
Nationalmannschaft (Frauen)
Leichtathletik
1984 Uwe Hohn
Leichtathletik
Katarina Witt
Eiskunstlauf
Viererbob-Mannschaft: Wolfgang Hoppe, Roland Wetzig, Dietmar Schauerhammer, Andreas Kirchner
Bobsport
1983 Uwe Raab
Radsport
Marita Koch
Leichtathletik
Nationalmannschaft (Frauen)
Volleyball
1982 Bernd Drogan
Radsport
Marita Koch
Leichtathletik
Friedensfahrt-Mannschaft (Thomas Barth, Falk Boden, Jörg Köhler, Lutz Lötzsch, Olaf Ludwig, Andreas Petermann)
Radsport
1981 Lothar Thoms
Radsport
Ute Geweniger
Schwimmen
SC Magdeburg
Hallenhandball
1980 Waldemar Cierpinski
Leichtathletik
Maxi Gnauck
Turnen
Nationalmannschaft
Hallenhandball
1979 Bernd Drogan
Radsport
Marita Koch
Leichtathletik
Straßenrad-Vierer: Bernd Drogan, Hans-Joachim Hartnick, Andreas Petermann, Falk Boden
Radsport
1978 Udo Beyer
Leichtathletik
Marita Koch
Leichtathletik
Ruder-Achter: Bernd Höing, Uwe Dühring, Harald Jährling, Friedrich-Wilhelm Ulrich, Andreas Ebert, Gerd Sredzki, Ulrich Karnatz, Matthias Schumann, Bernd Kaiser
Rudern
1977 Rolf Beilschmidt
Leichtathletik
Rosemarie Ackermann
Leichtathletik
Welt- und Europacup-Mannschaft
Leichtathletik
1976 Waldemar Cierpinski
Leichtathletik
Kornelia Ender
Schwimmen
Olympiamannschaft
Fußball
1975 Roland Matthes
Schwimmen
Kornelia Ender
Schwimmen
Europacup-Mannschaft (Frauen)
Leichtathletik
1974 Hans-Georg Aschenbach
Skispringen
Kornelia Ender
Schwimmen
1. FC Magdeburg
Fußball
1973 Roland Matthes
Schwimmen
Kornelia Ender
Schwimmen
Dynamo Dresden
Fußball
1972 Wolfgang Nordwig
Leichtathletik
Karin Janz
Turnen
4 × 400-m-Staffel (Frauen): Dagmar Käsling, Rita Kühne, Helga Seidler, Monika Zehrt
Leichtathletik
1971 Roland Matthes
Schwimmen
Karin Balzer
Leichtathletik
4 × 400-m-Staffel (Frauen): Rita Kühne, Ingelore Lohse, Helga Seidler, Monika Zehrt
Leichtathletik
1970 Roland Matthes
Schwimmen
Erika Zuchold
Turnen
Nationalmannschaft (Männer)
Volleyball
1969 Roland Matthes
Schwimmen
Petra Vogt
Leichtathletik
Nationalmannschaft (Männer)
Volleyball
1968 Roland Matthes
Schwimmen
Margitta Gummel
Leichtathletik
Ruder-Vierer ohne Steuermann: Frank Forberger, Dieter Grahn, Frank Rühle, Dieter Schubert
Rudern
1967 Roland Matthes
Schwimmen
Karin Janz
Turnen
Trophy-Motorrad-Team (Klaus Halser, Peter Uhlig, Werner Salevsky, Hans Weber, Klaus Teuchert, Karlheinz Wagner)
Motorsport
1966 Frank Wiegand
Schwimmen
Gabriele Seyfert
Eiskunstlauf
Nationalmannschaft
Fußball
1965 Jürgen May
Leichtathletik
Hannelore Suppe
Leichtathletik
Nationalmannschaft
Fußball
1964 Klaus Urbanczyk
Fußball
Ingrid Krämer-Gulbin
Kunst- und Turmspringen
Olympiamannschaft
Fußball
1963 Klaus Ampler
Radsport
Ingrid Krämer-Gulbin
Kunst- und Turmspringen
Nationalmannschaft
Fußball
1962 Helmut Recknagel
Skispringen
Ingrid Krämer-Gulbin
Kunst- und Turmspringen
4×100-m-Lagenstaffel (Frauen): Ingrid Schmidt, Barbara Göbel, Ute Noack, Heidi Pechstein
Schwimmen
1961 Täve Schur
Radsport
Ute Starke
Turnen
Empor Rostock
Fußball[1]
1960 Täve Schur
Radsport
Ingrid Krämer
Kunst- und Turmspringen
Friedensfahrt-Mannschaft (Täve Schur, Egon Adler, Bernhard Eckstein, Erich Hagen, Manfred Weißleder, Johannes Schober)
Radsport
1959 Täve Schur
Radsport
Gisela Birkemeyer
Leichtathletik
Nationalmannschaft
Feldhandball
1958 Täve Schur
Radsport
Karin Beyer
Schwimmen
1957 Täve Schur
Radsport
1956 Täve Schur
Radsport
1955 Täve Schur
Radsport
1954 Täve Schur
Radsport
1953 Täve Schur
Radsport

Besonderheiten[Bearbeiten]

1964 wurde mit dem Fußballer Klaus Urbanczyk das erste und einzige Mal ein Vertreter einer Mannschaftssportart zum DDR-Sportler des Jahres gekürt.

Im Jahr 1965 wurde der Mittelstreckenläufer Jürgen May zum Sportler des Jahres gewählt. Nachdem er 1967 in die Bundesrepublik geflüchtet war, wurde in späteren DDR-Statistiken der Zweitplatzierte des Jahres 1965, der Fußballer Peter Ducke, als offizieller Sieger ausgewiesen. Nach der politischen Wende von 1989 wurde 1990 eine neue mit Mays Namen eingravierte Siegerschale angefertigt.

Die DDR-Sportlerin Christa Stubnick wurde in der Bundesrepublik unter ihrem Geburtsnamen Seliger Sportlerin des Jahres 1953. Ingrid Krämer-Gulbin, Doppel-Olympiasiegerin 1960 im Wasserspringen, wurde 1960 in beiden deutschen Staaten als Sportlerin des Jahres geehrt. Als DDR-Sportlerin des Jahres 1986 brachte es Heike Drechsler im Jahre 2000 zur nochmaligen Auszeichnung als gesamtdeutsche Sportlerin des Jahres.

Siehe auch[Bearbeiten]

Sportler des Jahres

Quellen[Bearbeiten]

  1. Robert Rosentreter und Günter Simon: Immer hart am Wind. 40 Jahre F.C. Hansa Rostock. Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-504-5, S. 27