Sprachpanscher des Jahres
Sprachpanscher des Jahres ist ein Negativpreis, den der Verein Deutsche Sprache e. V. seit 1997 „für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“ verleiht.
Als „Sprachpanscher“ bezeichnet der Verein Menschen, die, sei es bewusst oder aufgrund mangelnder Kenntnis der deutschen Wörter beziehungsweise deren Bedeutungen, ständig neue „trendige“ Wörter verwendeten, auch wenn es schon gebräuchliche deutsche Bezeichnungen dafür gibt. Dies werde von den Benutzern oftmals mit einem „für manche Sachen gibt es kein treffendes deutsches Wort“ gerechtfertigt, während Menschen, die zum vorsichtigen Umgang mahnen, oftmals als „Ewiggestrige“ bezeichnet würden. Der Verein vertritt die Auffassung, zwischen muttersprachlichen und fremdsprachlichen Ausdrücken würden kleine Bedeutungsunterschiede konstruiert, um die Unerlässlichkeit der Lehnwörter zu untermauern.
Inhaltsverzeichnis |
Preisträger [Bearbeiten]
| Jahr | Preisträger | Begründung |
|---|---|---|
| 2012 | Andrew Jennings, Vorstandsvorsitzender der Kaufhauskette Karstadt[1] | Seit der Übernahme des Vorstandssitzes durch Andrew Jennings werbe das Unternehmen noch aggressiver mit Begriffen wie modern and full of life oder Midseason-Sale und kidswear. |
| 2011 | René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom[2] | weil „die Deutsche Telekom […] ihre Kunden über Jahre hinweg mit englischen Sprachimporten verärgert“ hat. Nahezu alle Tarife des Unternehmens hätten englische Namen. Der Besuch der Webseiten der Firma sei eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache. |
| 2010 | Fritz Pleitgen (stellvertretend für RUHR.2010)[3] | aufgrund vieler „denglischer“ Imponiervokabeln rund um die Kulturhauptstadt Essen 2010 (freiwillige Helfer wurden etwa als „volunteers“ bezeichnet, ein Kooperationsprojekt mit den europäischen Partnerstädten heißt „Twins“, Städte des Ruhrgebiets werden im Programm als „Local Heroes“ bezeichnet) |
| 2009 | Deutscher Turner-Bund[4] | für „das gedankenlose Übernehmen“ englischer Begriffe wie Slacklining, Gymmotion, Speedjumping oder Speedminton sowie für Veranstaltungen wie Feel Well Woman oder Sport for Fun |
| 2008 | Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin | für den Werbespruch Be Berlin sowie Werbefahnen am Brandenburger Tor mit Texten wie Power for Peace – Power for unity – Power for understanding |
| 2007 | Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG | Service Point, counter, McClean |
| 2006 | Günther Oettinger, damaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg | für seine Äußerungen in einem SWR-Interview: „Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“ |
| 2005 | Herbert Beck, Direktor des Frankfurter Städel-Museums | Member’s Night, Art Talk for Families, Holbein’s Lounge |
| 2004 | Markus Schächter, ZDF-Intendant | Kiddie contests, Webcam Nights, Sendungen wie History oder Nightscreen |
| 2003 | Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Präsident | Home & Away Shirts, Signature Shirts, Reversible Tops |
| 2002 | Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG | One stop shopping, Global mail, Mailing Factory, Fulfillment, Stampit, Postage point, Freeway, Easytrade, Funcard mailing, Travel service, Speed booking |
| 2001 | Wolfgang H. Zocher, Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Bestatter | funeral master als neues Berufsbild bei Bestattungsunternehmen, eternity als Name für eine jährlich stattfindende Fachmesse sowie peace box anstatt Sarg |
| 2000 | Andreas Heldrich, Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München | unter anderem für Masterstudiengänge und Credit-Point-Systeme sowie den Vorschlag, die Fakultäten und Fachbereiche in departments umzubenennen |
| 1999 | Johannes Ludewig, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG | Service Point, ticket counter, db-lounge |
| 1998 | Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom | Sunshine- und Moonshine-Tarif, Short-Distance-Call, City-Call, German-Call |
| 19971 | Jil Sander, Modeschöpferin | Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils. Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22. März 1996; zitiert im SPIEGEL vom 1. April 1996 |
1 Im Jahr 1997 hieß die Bezeichnung noch „Sprachschuster des Jahres“.
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Die Welt: Karstadt-Chef ist Sprachpanscher des Jahres Abgerufen am 24. August 2012.
- ↑ Die Welt: René Obermann ist der Sprachpanscher des Jahres Ausgabe vom 26. August 2011.
- ↑ Webseite des Verein Deutsche Sprache e. V.: Fritz Pleitgen ist Sprachpanscher 2010 (27. August 2010, Pressemitteilung), zuletzt abgerufen am 16. September 2010.
- ↑ Die Welt: Die schlimmsten Sprachpanscher des Jahres. Ausgabe vom 28. August 2009.