Sprengel Museum Hannover

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Eingang des Sprengel Museum Hannover

Das Sprengel Museum Hannover in Hannover ist ein Museum für moderne Kunst und zählt mit Schwerpunkten wie dem deutschen Expressionismus und der französischen Moderne zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Museum liegt in unmittelbarer Nähe des Maschsees am Nordufer.

Geschichte[Bearbeiten]

Innenansicht Sprengel Museum Hannover

Ausgangspunkt des Museums ist eine Schenkung von Margit und Bernhard Sprengel, die im Jahr 1969 ihre umfangreiche Kunstsammlung der Moderne weitestgehend der Stadt Hannover überließen. Der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel unterstützte den Bau des ersten Museumsabschnitts mit einem Zehntel des veranschlagten Baupreises. Das Museum hat die in Hannover verwahrten Sammlungen der Kunst des 20. Jahrhunderts von Stadt Hannover und Land Niedersachsen in seinen Bestand übernommen. Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen vereinbarten, den Bau und den laufenden Betrieb des Museums je zur Hälfte zu tragen.

Museumsleiter wurde 1975 der Kunsthistoriker Joachim Büchner, der 1989 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.[1]

Aus Anlass des 85. Geburtstages von Bernhard Sprengel am 17. April 1984 entschied die Stadt Hannover, ihr Museum, das bis dahin den Namen "Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel" trug, in "Sprengel Museum Hannover" umzubenennen. Mit diesem Schritt wurde der Sammler Bernhard Sprengel, ohne dessen Sammlung und Geldspende das Museum nicht entstanden wäre, gewürdigt. Von der Entscheidung über den Bau und der Eröffnung an hat Bernhard Sprengel intensiv die Geschicke des Museums mit verfolgt. Die Stiftung „Sammlung Bernhard Sprengel“ wurde 1982 gegründet und bis zum Tod Bernhard Sprengels mit einer Reihe von Werken ausgestattet, von denen er einige bei der Schenkung seiner Sammlung an die Stadt 1969 noch in seinem Eigentum behalten oder die er erst zu einem späteren Zeitpunkt erworben hatte.[2]

Seit 1. Februar 2014 ist Reinhard Spieler Direktor des Museums.[3] Sein Vorgänger Ulrich Krempel leitete das Museum seit 1993.

Bau[Bearbeiten]

Erster Bauabschnitt[Bearbeiten]

Die Architekten des Bauwerks wurden in einem zweistufigen Wettbewerb ermittelt. Der erste Bauabschnitt wurde 1979 eröffnet und von der Architektengruppe Peter und Ursula Trint (Köln) und Dieter Quast (Heidelberg) gestaltet. Vom Maschsee und dem Rudolf-von-Bennigsen-Ufer aus präsentiert sich das Sprengel Museum Hannover ohne Imposanz. Der vorhandene Sockel trägt dabei wenig zur Heraushebung der Architektur bei. Der Bau des Sprengel Museums besticht weniger durch seine baukünstlerische Gestalt, sondern zeichnet sich vielmehr durch die Gesamtidee aus: Eine neue Möglichkeit zur Aktivierung städtischen Lebens und Verstärkung der städtebaulichen Gegebenheiten. Die zurückhaltende Fassade erklärt sich zum Teil durch museumsdidaktische Grundsätze der 1970er-Jahre. Nicht die Beeindruckung, sondern die Einladung der Besucher war das erklärte Ziel.[4]

Zweiter Bauabschnitt und Erweiterungsbau[Bearbeiten]

1992 erfolgte eine Erweiterung durch einen zweiten Bauabschnitt. Zu dieser Zeit hat das Museum sein großes Auditorium erhalten, das heute auch zu vielen externen Veranstaltungen genutzt wird. Auch die Wechselausstellungshalle gehörte zum zweiten Bauabschnitt. Eine Ergänzung um weitere Bauabschnitte war von vornherein eingeplant. 2012 wurde die Erweiterung um einen dritten Bauabschnitt begonnen. Das Museum soll nach einem Entwurf des Zürcher Architektenbüros Meili und Peter um 4.350 m² Nutzfläche erweitert werden. Der Quaderbau soll rund 25 Millionen € kosten.[5] Die Initiative Mehr Museum kümmert sich um die Bereitstellung der Finanzierung von 5 Millionen € dieses Gesamtbetrags durch Spender und Sponsoren. Die Finanzierung des Hauptteils des Erweiterungsbaus erfolgt durch das Land Niedersachsen, darunter EU-Mittel, die Stadt Hannover sowie durch Förderer. Baubeginn war am 27. November 2012, die Fertigstellung ist für 2014 geplant. Der Erweiterungsbau soll die Möglichkeit geben, unter anderem die einzigartigen Schriftstücke der Arbeiten von Kurt Schwitters und Niki de Saint Phalle umfassend zu präsentieren. Daneben bietet der Erweiterungsbau Platz für internationale Sonderausstellungen.

Sprengel Museum Hannover

Sammlung[Bearbeiten]

Malerei und Skulptur[Bearbeiten]

Neben der Sammlung Sprengel umfasst das Museum Werke des 20. Jahrhunderts aus dem Besitz des Landes Niedersachsen und der Stadt Hannover. Mit beiden Beständen ist es eines der bedeutendsten Zentren der Kunst der Moderne in Deutschland. Zur Sammlung gehören beachtliche Werkgruppen unter anderem von Max Ernst, Fernand Léger, Paul Klee, Pablo Picasso und Max Beckmann, Emil Nolde und Kurt Schwitters. Eindrucksvolle Akzente setzen wichtige Künstlergruppierungen wie Die Brücke und Der Blaue Reiter sowie Stilrichtungen wie der Kubismus und der Surrealismus. Seit etwa 1980 ist der Bestand des Museums um wesentliche Strömungen der Kunst nach 1945 erweitert worden, darunter Werke von Andy Warhol, Alexander Calder, Ernst Marow, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Zu den Besonderheiten des Museums gehören die Rekonstruktion des legendären Merzbaus von Kurt Schwitters und die Lichträume von James Turrell.

1979 übernahm das Sprengel Museum das (rekonstruierte) Kabinett der Abstrakten von El Lissitzky und Alexander Dorner.[6]

Niki de Saint Phalle, die durch ihre Nana-Skulpturen bekannt geworden ist, bereichert das Sprengel Museum Hannover durch ihre Schenkung im Jahr 2000. Mit über 400 Werken sind alle wesentlichen Schaffensphasen der Jahrhundertkünstlerin vertreten, darunter Assemblagen, Schießbilder, Skulpturen und Zeichnungen.[7]

Grafik[Bearbeiten]

Die reichen Bestände an Grafik im Sprengel Museum Hannover sind zum großen Teil Bernhard Sprengel zu verdanken, der von einigen Künstlern umfangreiche Konvolute erstellte und dadurch eine umfassende Präsentation und Darstellung deren künstlerischer Tätigkeit ermöglichte. Auch andere Sammler und Künstler wurden durch die überwiegend nach Schwerpunkten gegliederte Grafische Sammlung des Museums dazu angeregt, dem Haus wertvolle neue Konvolute zu schenken und somit den Charakter der Sammlung zu erhalten und zu vertiefen. In der Vergangenheit hat das Sprengel Museum Hannover wiederholt die Sammlungsschwerpunkte der Grafischen Sammlung in Ausstellungen präsentiert und durch Kataloge dokumentiert. So waren die Bestände des Hauses der Künstler Horst Antes, Max Beckmann, Marc Chagall, Max Ernst, Paul Klee, Emil Nolde, Pablo Picasso und Carl Fredrik Reuterswärd sowie der Künstlergruppe „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ bereits in großen und umfangreichen Präsentationen zu sehen. Auch kleinere Konvolute, die einen Überblick über das Schaffen eines Künstlers anhand typischer Werke ermöglichen, wurden bereits vorgestellt. Hierzu gehören Ausstellungen u. a. der Werke von Abraham David Christian, Lyonel Feininger, Joan Miró, T. A. Steinlen, Henri de Toulouse-Lautrec, Käthe Kollwitz und Ernst Barlach.

Fotografie und Medien[Bearbeiten]

1972 gründeten Joachim Giesel, Peter Gauditz und Heinrich Riebesehl die Spectrum Photogalerie, die 1979 in das neu eröffnete Sprengel-Museum integrierte wurde und dort den Grundstock der Sammlung von Fotografie und Medien bildete.[8] Seit 1993 werden regelmäßig Erwerbungen für die Sammlung Fotografie und Medien getätigt. Es wird langfristig an der Bildung von Werkgruppen internationaler Fotografinnen und Fotografen ab Mitte der 1970er Jahre gearbeitet. Die zeitgenössische und historische Fotografie wurde seitdem in zahlreichen Präsentationen gezeigt, darunter Einzelausstellungen zum Werk von u. a. El Lissitzky, Hein Gorny, Gisèle Freund, John Gossage, Nicholas Nixon, Alexander Rodtschenko, Judith Joy Ross, Thomas Ruff, Stephen Shore, Stephan Balkenhol, Max Baumann, Lutz Dammbeck, Luc Delahaye, Hans-Peter Feldmann, Thierry Geoffroy-Colonel, Helga Paris, Boris Mikhailov, Shirana Shahbazi, Heidi Specker und Nomeda und Gediminas Urbonas.

Kurt Schwitters Archiv[Bearbeiten]

Seit 1994 beherbergt das Sprengel Museum Hannover das Archiv des hannoverschen Künstlers Kurt Schwitters und verfügt über die umfangreichste Dokumentation zum Werk und Leben des Künstlers. Im Kurt Schwitters Archiv ist das Werkverzeichnis des künstlerischen Œuvres von Schwitters erarbeitet worden. Darüber hinaus bietet das Sprengel Museum Hannover mit den von Künstlern gestalteten Räumen eine besondere Attraktion.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Sprengel Museum Hannover von außen
Plastik auf dem Museumsgrundstück
How you look at it
  • 2001: Der Lärm der Straße. Italienischer Futurismus 1909–1918
„Der stärkste Ausdruck unserer Tage“. Neue Sachlichkeit in Hannover
Cubisme – Кчбиэм – Kubismus. Ein künstlerischer Aufbruch in Europa 1906–1926
Paul Klee. Tod und Feuer. Die Erfüllung im Spätwerk
Niki & Jean. L’art et l’amour
  • 2006: Sprengel macht Ernst. Die Sammlung Max Ernst
Die Entdeckung einer neuen Welt
Nouveau Réalisme. Revolution des Alltäglichen
Hans-Peter Feldmann. Kunstausstellung
  • 2008: SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen 2008: Helen Levitt
  • 2009: Marc, Macke und Delaunay. Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910–1940)
Nachtblüten
Liebesgeschichten
SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen: Bahman Jalali
Photography Calling! Fotografie und Gegenwart

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Elger, Ulrich Krempel (Hrsg.): Sprengel Museum Hannover. Malerei und Plastik. Band 1: Text, Band 2: Bestandsverzeichnis, Hannover 2003, ISBN 3-89169-185-8.
  • Vanessa-Maria Voigt: Kunsthändler und Sammler der Moderne im Nationalsozialismus. Die Sammlung Sprengel 1934 bis 1945. Reimer, Berlin 2007, ISBN 978-3-496-01369-3
  • Angela Kriesel (Hrsg. für das Sprengel Museum mit Unterstützung des Vereins der Freunde des Sprengel Museum Hannover): Ein Geschenk. Die Sammlung Sprengel, Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0660-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sprengel Museum Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Thielen: Büchner, Joachim, in: Stadtlexikon Hannover, S. 92.
  2. Vgl. Ulrich Krempel: Sammlungsgeschichte des Sprengel Museum Hannover, in: Dietmar Elger, Ulrich Krempel (Hrsg.): Sprengel Museum Hannover. Malerei und Plastik. Band 1, Hannover 2003, S. 11.
  3. monopol Magazin für Kunst und Leben Kunstticker: Reinhard Spieler wird neuer Direktor des Sprengel-Museums (dpa/lrs), abgerufen am 28. Mai 2013
  4. Vgl. Wolfgang Pehnt: Das Sprengel Museum Hannover und die Museumsarchitektur seiner Zeit, in: Dietmar Elger, Ulrich Krempel (Hrsg.): Sprengel Museum Hannover. Malerei und Plastik. Band 1, Hannover 2003, S. 16–17.
  5. Hannover steht zur Erweiterung des Sprengel Museums in HAZ vom 4. August 2010; Conrad von Meding: Kulturdezernentin im Interview / Drevermann: „Museum wird kein Betonklotz“, Kulturdezernentin Marlis Drevermann zum Umbau auf der online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) vom 19. Juni 2012.
  6. Ines Katenhusen: Kabinett der Abstrakten, in: Stadtlexikon Hannover, S. 332.
  7. Vgl. Ulrich Krempel (Hrsg.): La Fête. Die Schenkung Niki de Saint Phalle. Werke aus den Jahren 1952–2001, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2001, ISBN 978-3-89169-158-8.
  8. Sprengel-Museum – Fotografie und Medien, abgerufen am 15. Februar 2014
  9. Magdalena M. Moeller, Christian Grohn (Mitarb.): Die Abstrakten, Hannover. Internationale Avantgarde 1927 - 1935, Begleitschrift zu den Ausstellungen im Sprengel Museum Hannover vom 8.11.1987 - 6.1.1988 und im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein vom 26.6.1988 - 14.8.1988, Hannover: Sprengel-Museum, 1987, ISBN 3-89169-038-X
  10. MADE IN GERMANY ZWEI
  11. http://www.sprengel-museum.de/ausstellungen/vorschau/weisse-federn-schwarzes-fell.htm?snr=1 Homepage Sprengel Museum Ausstellungen Vorschau, abgerufen am 12. August 2012

52.3633333333339.7397222222222Koordinaten: 52° 21′ 48″ N, 9° 44′ 23″ O