Störung der Geschlechtsentwicklung durch 5-Alpha-Reduktase 2-Mangel

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Dihydrotestosteron

5-Alpha-Reduktase 2-Mangel ist eine autosomal rezessive Erbkrankheit des Menschen, die zu einer Störung der Geschlechtsentwicklung führen kann. Zugrunde liegt ein Defizit der Enzyme Steroid-5α-Reduktase 2. Betroffene genetisch männliche Patienten weisen einen intersexuellen Phänotyp auf. Genetisch weibliche Betroffene bilden keine Symptome aus (geschlechtslimitierte Phänotyp-Ausprägung).

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Die 5α-Reduktase (SRD5) wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um. DHT gehört zu den Androgenen und ist unter anderem für die Bildung der äußeren männlichen Geschlechtsteile während der Fötalentwicklung im Mutterleib zuständig. Seine Wirkung am Androgenrezeptor ist stärker als diejenige von Testosteron. Unterbleibt durch einen Mangel der Steroid-5α-Reduktase (insbesondere des zweiten Isozyms SRD5A2) die Umwandlung von Testosteron zu DHT, so kann es während der Schwangerschaft bei männlichen Ungeborenen zur Bildung eines Pseudohermaphroditismus mit einer Hypospadie des Penis kommen, bei dem die äußere Öffnung der Harnröhre im Dammbereich liegt.[1] Bei weiblichen Ungeborenen hat der Enzymmangel keinen Einfluss auf die Entwicklung des Körpers.

Biochemisch ist die Testosteron-Konzentration bei Betroffenen niedrig bis normal. Der DHT-Spiegel ist sehr niedrig. Das Verhältnis von Testosteron zu DHT ist somit höher als normal.

Symptome[Bearbeiten]

Betroffene Jungen werden zwar mit Hoden geboren, diese sind allerdings in den ersten Jahren verborgen (Kryptorchismus). Überwiegend finden weibliche äußere Genitalien mit vergrößerter Klitoris oder nur ein kleiner Penis, der mit einer Hypospadie unterschiedlichen Ausmasses vergesellschaftet ist. Kinder werden in der Mehrzahl wie Mädchen aufgezogen und entwickeln so zunächst eine weibliche Geschlechtsidentität.[2] Beim Einsetzen der Pubertät kommt es dann zur vermehrten Entwicklung des Sexualhormons Testosteron. Die vermeintlichen Mädchen durchleben eine männliche Pubertät. Die Hoden treten nach außen und die Klitoris vergrößert sich oder wächst zu einem Penis aus.

Genetik[Bearbeiten]

Zugrunde liegende Mutationen des SRD5A2-Gens sind vielfältig, betreffen aber gehäuft Exon 2 und Exon 4. Neben homozygoten Mutationen, treten auch unterschiedliche Mutationen in beiden Allelen (Compound-Heterozygotie) auf.[3]

Soziales[Bearbeiten]

Über 85% der Betroffenen leben nach der Pubertät mit männlicher Geschlechtsidentität, was als Beleg für die überragende Rolle des Testosterons für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität gewertet wurde.[4]

In dem abgelegenen Dorf Salinas in der Dominikanischen Republik wurde 1974 ein Auftreten in 12 von 13 Familien belegt. Einer von 90 Männern war betroffen. Alle diese Fälle ließen sich auf einen gemeinsamen direkten Vorfahren zurückverfolgen, weswegen ein Founder-Effekt diskutiert wurde.[5] Aus dem Dorf Salinas stammt auch der Begriff Guevedoche oder Guevedoces, was im Spanischen so viel wie „Eier mit 12“ bedeutet. (guevas ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für Hoden, doce beutet zwölf). Manchmal wird sowohl im Englischen als auch auf Deutsch die Erklärung „Penis mit Zwölf“ verwendet. Auch der Begriff Machihembras (buchstäblich „männlich-weiblich“) ist gebräuchlich.[6]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. PSEUDOVAGINAL PERINEOSCROTAL HYPOSPADIAS. Online Mendelian Inheritance in Man, abgerufen am 16. April 2010.
  2. L. Maimoun, P. Philibert, B. Cammas, F. Audran, P. Bouchard, P. Fenichel, M. Cartigny, C. Pienkowski, M. Polak, N. Skordis, I. Mazen, G. Ocal, M. Berberoglu, R. Reynaud, C. Baumann, S. Cabrol, D. Simon, K. Kayemba-Kay's, M. De Kerdanet, F. Kurtz, B. Leheup, C. Heinrichs, S. Tenoutasse, G. Van Vliet, A. Grüters, M. Eunice, A. C. Ammini, M. Hafez, Z. Hochberg, S. Einaudi, H. Al Mawlawi, C. J. Nuñez, N. Servant, S. Lumbroso, F. Paris, C. Sultan: Phenotypical, biological, and molecular heterogeneity of 5alpha-reductase deficiency: an extensive international experience of 55 patients. In: The Journal of clinical endocrinology and metabolism. Band 96, Nummer 2, Februar 2011, S. 296–307, ISSN 1945-7197. doi:10.1210/jc.2010-1024. PMID 21147889.
  3. L. Maimoun, P. Philibert, B. Cammas, F. Audran, P. Bouchard, P. Fenichel, M. Cartigny, C. Pienkowski, M. Polak, N. Skordis, I. Mazen, G. Ocal, M. Berberoglu, R. Reynaud, C. Baumann, S. Cabrol, D. Simon, K. Kayemba-Kay's, M. De Kerdanet, F. Kurtz, B. Leheup, C. Heinrichs, S. Tenoutasse, G. Van Vliet, A. Grüters, M. Eunice, A. C. Ammini, M. Hafez, Z. Hochberg, S. Einaudi, H. Al Mawlawi, C. J. Nuñez, N. Servant, S. Lumbroso, F. Paris, C. Sultan: Phenotypical, biological, and molecular heterogeneity of 5alpha-reductase deficiency: an extensive international experience of 55 patients. In: The Journal of clinical endocrinology and metabolism. Band 96, Nummer 2, Februar 2011, S. 296–307, ISSN 1945-7197. doi:10.1210/jc.2010-1024. PMID 21147889.
  4. J. Imperato-McGinley, R. E. Peterson, T. Gautier, E. Sturla: Androgens and the evolution of male-gender identity among male pseudohermaphrodites with 5alpha-reductase deficiency. In: The New England journal of medicine. Band 300, Nummer 22, Mai 1979, S. 1233–1237, ISSN 0028-4793. doi:10.1056/NEJM197905313002201. PMID 431680.
  5. J. Imperato-McGinley, L. Guerrero, T. Gautier, R. E. Peterson: Steroid 5alpha-reductase deficiency in man: an inherited form of male pseudohermaphroditism. In: Science (New York, N.Y.). Band 186, Nummer 4170, Dezember 1974, S. 1213–1215, ISSN 0036-8075. PMID 4432067.
  6. The 'Guevedoces' of the Dominican Republic. Urological Sciences Research Foundation. abgerufen am 22. Februar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

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