St-Ouen (Rouen)

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Ansicht der Abteikirche von Nordwesten
Grundriss der Abteikirche
Ansicht der Abteikirche von Osten

Die Abteikirche Saint-Ouen ist eine bedeutende gotische Kirche in Rouen. Sie ist für ihre Architektur und die Cavaillé-Coll-Orgel berühmt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Benediktinerkloster wurde von dem Heiligen Audoenus (Saint Ouen) im 7. Jahrhundert gegründet. Er war ein wichtiger Mann am Hof der Merowinger und Rat des Königs Dagobert. Zur gleichen Zeit gründeten der Heilige Wandregisel (Saint Wandrille) und der Heilige Philibert (Saint Philibert) die beiden Klöster Fontenelle und Jumièges. Die Reliquien des heiligen Audoenus wurden aus Paris, wo er starb, in die Abteikirche zurückgebracht. Im 9. Jahrhundert zerstörten die Wikinger diese drei Abteien. Die normannischen Herzöge, selbst Nachkommen der Wikinger, wollten nach ihrer Hinwendung zum Katholizismus die Klöster wieder aufbauen.

Architektur[Bearbeiten]

Die heutige Kirche wurde ab 1318, unterbrochen durch den hundertjährigen Krieg, erbaut und erst im 16. Jahrhundert im Flamboyant-Stil fertiggestellt.

Die Westfassade wurde erst im 19. Jahrhundert mit einer anderen Kalksteinsorte aufgebaut, weil die Stadt nur wenig Geld zur Verfügung hatte. Sie wählte das billigste Projekt des Architekten Henry Grégoire unter den Bewerbern aus. Er hatte sich bemüht, etwas "Richtiges" zu machen und nahm die Fassade des Kölner Doms als Vorbild. Die beiden Türme, die drei Portale und die Figuren stammen aus dieser Zeit, aber nicht die schöne Rosette, die ein Original aus dem 16. Jahrhundert ist.

Glasfenster[Bearbeiten]

Saint Ouen beherbergt die größte Sammlung von Glasfenstern aus dem 14. Jahrhundert in Frankreich, die sich in den Chorkapellen befinden. An anderer Stelle im Chor und im Hauptschiff haben die oberen und unteren Fenster Verglasungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Wie überall in der Stadt Rouen, wurden die alten Glasfenster schon im Jahre 1939 ausgelagert, um ihre Zerstörung durch den Krieg zu vermeiden. Es fehlen nur zwei historische Glasfenster in dieser Kirche: im Zentraloberfenster des Chores ist die Verglasung ein modernes Werk des Glasmeisters Max Ingrand mit einer Darstellung der Kreuzigung, weil die ehemalige Arbeit zur Zeit der französischen Revolution durch einen Geschäftsmann zerstört wurde. In der Rosette ist das blaue abstrakte Glasfenster ebenfalls eine moderne Arbeit.

Glocken[Bearbeiten]

Im Vierungsturm hängen fünf Glocken, von denen die beiden kleineren in verkürzter Rippe als Schlagglocken für den Uhrschlag dienten. Die drei großen Glocken bilden das liturgische Geläut, das in der Disposition a0–h0–cis1 (ut–re–mi) erklingt. Es hängt in einem monumentalen mittelalterlichen Holzglockenstuhl mit mehrgeschossigem Unterbau. Zum Angelusläuten wird die kleinste Glocke geläutet.

Orgel[Bearbeiten]

Cavaillé-Coll-Orgel von 1890 im Hauptschiff des 15./16. Jh.

Die Kirche beherbergt eine große viermanualige Orgel[1], gebaut im Jahr 1890 durch Aristide Cavaillé-Coll. Sie zählt zu den bedeutendsten Orgeln der Welt und ist das letzte große Werk Cavaillé-Colls. Charles-Marie Widor, Schöpfer großer Orgelsymphonien, der sie 1890 bei ihrer Einweihung spielte, bezeichnete sie bewundernd als „un orgue à Michel-Ange“.

I Positif
Montre 8′
Bourdon 8′
Gambe 8′
Unda maris 8′
Flûte douce 4′
Dulciane 4′
Doublette 2′
Plein-jeu V 1′
Cor anglais 16′
Trompette 8′
Cromorne 8′
Clairon 4′
II Grand-Orgue
Montre 16′
Violonbasse 16′
Bourdon 16′
Montre 8′
Diapason 8′
Bourdon 8′
Salicional 8′
Flûte harmonique 8′
Prestant 4′
Trompette-en-cham. 8′
Clairon-en-cham. 4′
III Récit expressif
Quintaton 16′
Corno dolce 16′
Diapason 8′
Flûte traversière 8′
Cor de nuit 8′
Voix éolienne 8′
Viole de gambe 8′
Voix céleste 8′
Flûte octaviante 4′
Viole d’amour 4′
Quinte 22/3
Octavin 2′
Carillon I-III 1′
Cornet V 8′
Tuba magna 16′
Trompette harm. 8′
Basson-Hautbois 8′
Clarinette 8′
Voix humaine 8′
Clairon harmonique 4′
Tremolo
IV Bombarde
Flûte 8′
Flûte 4′
Doublette 2′
Cornet V (III ?) 16′
Fourniture V 22/3
Bombarde 16′
Basson 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
Pédale
Soubasse 32′
Contrebasse 16′
Soubasse 16′
Basse 8′
Violoncelle 8′
Bourdon 8′
Flûte 4′
Contre Bombarde 32′
Bombarde 16′
Basson 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: Anches Pos., Rec./Pos., Appel G.O., Appel Chamades, Octaves graves du G.O., Pos./G.O., Rec./G.O., Bomb./G.O., Anches Bomb., Appel des jeux de combinaison Rec., Octave aigue Rec., Bomb./Rec., Tirasse G.O., Tirasse Pos., Tirasse Rec., Anches Ped.,

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Seyfried: Die ehemalige Abteikirche Saint-Ouen in Rouen. VDG, 2002, ISBN 978-3897392700.
  •  René Verwer: Die Cavaillé-Coll-Orgel der Abteikirche St. Ouen in Rouen. 2. Auflage. Edition Lade, 1995 (übersetzt von Günter Lade), ISBN 3-9500017-1-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Cavaillé-Coll-Orgel der Abteikirche St. Ouen in Rouen von Günter Lade

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St-Ouen (Rouen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.4425555555561.0997222222222Koordinaten: 49° 26′ 33,2″ N, 1° 5′ 59″ O