Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von St.-Jacobi-Kirche (Hamburg))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage der Hauptkirche Sankt Jacobi in Hamburgs Innenstadt.
St. Jacobi.
Ansicht von 1830

Die Sankt-Jacobi-Kirche ist eine der fünf evangelisch-lutherischen Hauptkirchen Hamburgs. Trotz vieler Veränderungen im Laufe der Geschichte und massiver Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist die Kirche einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bauten in der Stadtmitte. Sie ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Lage[Bearbeiten]

Die Hauptkirche St. Jacobi liegt im Hamburger Zentrum an der Steinstraße. Diese war eine der Hauptstraßen des frühen Hamburg; heute ist sie überwiegend von den Kontorhäusern des 20. Jahrhunderts geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Jacobi ging aus einer Kapelle an einem Jakobsweg hervor. Deshalb wurde die Kirche dem Apostel Jakobus geweiht. Bei der ersten Erwähnung 1255 lag St. Jacobi noch außerhalb der gesicherten Stadt östlich des Heidenwalls. Erst nach der Erweiterung der Stadtmauer 1260 wurde sie in die Hamburger Stadtbefestigung einbezogen.

Der Hauptteil der Kirche geht auf einen Neubau im 14. Jahrhundert zurück: Zwischen 1350 und etwa 1400 baute man eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil, ähnlich der benachbarten Kirche St. Petri. 1438 entstand im Nordosten ein Sakristeianbau, heute Hamburgs einziges Zeugnis gotischer Profanarchitektur. Zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde St. Jacobi um ein viertes Kirchenschiff an der Südseite erweitert. Im Mittelalter bestand der Turm der Kirche aus fünf Stockwerken, besaß allerdings keinen Turmhelm, sondern schloss mit zwei parallelen Satteldächern ab. Erst mit Beginn der frühen Neuzeit wurde in den Jahren zwischen 1587 und 1590 ein Turmhelm geschaffen, der in seiner spätgotischen Gestaltung der nahen St.-Gertruden-Kapelle entlehnt war.

Eine weitere Veränderung des Baus erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts: Statische Probleme am westlichen Ende der Kirche verlangten, die Fundamente zu sichern und das Mauerwerk zu verstärken; hierdurch wurde die Westfront auch in ihrem Aussehen verändert. Die Pläne hierfür lieferte der Architekt Johannes Nicolaus Kuhn († 13. November 1744).

1769 wurde St. Jacobi auf Anregung von Johann Albert Heinrich Reimarus mit dem ersten Blitzableiter in Deutschland versehen, der durch Mathias Andreas Mettlerkamp ausgeführt wurde.[1]

Anfang des 19. Jahrhunderts diente St. Jacobi wie viele Kirchen napoleonischen Truppen als Pferdestall. 1826/27 wurde der spätgotische Turmhelm wegen Baufälligkeit abgerissen und durch einen neuen ersetzt. Umfassende Veränderungen der Kirche erfolgten zwischen 1859 und 1869. So wurde das Kupferdach durch eine Schieferbedeckung ersetzt und eine neogotische Eingangshalle an der Südseite des Kirchenbaus errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Innenraum erneuert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört. Sie brannte aus, und der Turm stürzte durch die Gewölbe in den Innenraum. Die historische Innenausstattung hatte vorher evakuiert werden können. Nach dem Krieg wurde St. Jacobi nach mittelalterlichem Vorbild bis 1963 wiederhergestellt; nur der Turm mit einer Höhe von 125 m wurde nach Entwürfen des Architekturbüros Hopp & Jäger modern gestaltet.

Steinstraße 124[Bearbeiten]

Torbogen Steinstraße 124 um 1880 mit den Evangelisten Matthäus und Markus.

Durch das Haus Steinstraße 124 führte eine Tordurchfahrt in den mit Fachwerkhäusern umbauten Jacobikirchhof. Diese wurde 1678 von Christian Precht (1635?-1695?) mit Schnitzfiguren der vier Evangelisten (jeweils mit einem Buch und ihrem Symbol) und einer Standfigur des Apostels Jakobus geschmückt. Nach dem Abriss des Hauses 1881 befinden sich die Schwibbögen mit den Evangelisten im Museum für Hamburgische Geschichte; die Jacobusstatue ist in der Kirche aufgestellt.[2]

Chorfenster von Charles Crodel mit St.-Trinitatis-Altar

Ausstattung[Bearbeiten]

St. Jacobi besitzt drei mittelalterliche Altäre: den St.-Trinitatis-Altar im Hauptchor (um 1518), den St.-Petri-Altar im ersten Südschiff (1508) und den aus dem Hamburger Mariendom stammenden St.-Lukas-Altar im 2. Südschiff von Hinrik Bornemann († 1499). Beachtung verdient auch der Herrensaal, der ursprünglich als Bibliothek diente. Seit 1543 war er Versammlungssaal der Kirchherren und erhielt 1710 eine neue Ausstattung. Die Deckengemälde mit Bürgertugenden weisen hin auf die Bedeutung der Kirchspielverwaltung für das Stadtregiment und stammen wie die Landschaftsgemälde an den Wänden von Johann Moritz Riesenberger d.J. (1673/7-7. Mai. 1740).[3] Wappentafeln an der Wand nennen Pastoren, Kirchspielherren und Geschworene seit dem 16. Jahrhundert. Die Glasmalerei an den Chorfenstern führte 1959-63 Charles Crodel aus, der auch die Farbglasfenster der Matthäuskirche in Winterhude und von St. Marien in Fuhlsbüttel schuf.

Im Turm befinden sich sieben Glocken in der Schlagtonfolge a0–c1–d1–f1–g1–b1–c2. Sie wurden im Jahre 1959 von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker gegossen.

Glocken-Ritzzeichnungen[Bearbeiten]

Die 1397 gegossene und im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene große Glocke hatte seltene, kunsthistorisch bedeutsame Glocken-Ritzzeichnungen, die in einem Werk der Kunsthistorikerin Ingrid Schulze in einem eigenen Kapitel gewürdigt werden[4].

Orgel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg)

Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel von 1693 auf der Westempore ist mit ihren 60 Registern und ca. 4.000 Pfeifen die größte erhaltene Barockorgel im nordeuropäischen Raum. Von 1989 bis 1993 wurde sie grundlegend restauriert.

Auf die Stelle für den Ersten Organisten der St.-Jacobi-Kirche soll sich Anfang des 18. Jahrhunderts auch Johann Sebastian Bach beworben haben, der aber aus finanziellen Gründen von der Kirchenleitung abgelehnt wurde. Bach ging daraufhin nach Leipzig.

Gemeindefriedhöfe[Bearbeiten]

Wurden die Toten im Mittelalter noch innerhalb und unmittelbar neben der Kirche bestattet, wanderten die Friedhöfe der Jacobi-Gemeinde im Laufe der Zeit immer weiter vor die Tore der Stadt. So wurde im 14. Jahrhundert ein erster Begräbnisplatz in der Spitaler Straße angelegt und später vor das Spitaler Tor verlegt. Nach dem Ausbau der Hamburger Wallanlagen wurde Ende des 18. Jahrhunderts ein neuer Friedhof vor dem Steintor angelegt, der bis 1848 genutzt wurde und später dem Bau des Hamburger Hauptbahnhofes weichen musste. Nachdem auch dieser Platz zu klein geworden war, wurde 1848 abermals ein neuer Friedhof „auf dem Peterskamp“ im heutigen Eilbek angelegt, der bis 1934 genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg in den heutigen Jacobipark umgewandelt wurde. Dabei wurden zahlreiche Gebeine auf den Ohlsdorfer Friedhof umgebettet und etliche historische Grabmale dort museal wieder errichtet. Nur wenige Grabmale und Grüfte sind im heutigen Jacobipark erhalten geblieben.[5]

Heute gibt es auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine Gemeinschaftsgrabstätte der Jacobi-Gemeinde, auf der Gemeindemitglieder bestattet werden können.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Kleineschulte: St. Jacobi in Hamburg – mehr als eine Kirche des Mittelalters. In: Mittelalter in Hamburg: Kunstförderer, Burgen, Kirchen, Künstler und Kunstwerke. Hrsg. von Volker Plagemann. Dölling und Galitz, Hamburg 2000.
  • Jesse u.a. 1926, Führer durch das Museum für Hamburgische Geschichte, S. 64
  • Melhop 1908, Alt-Hamburgische Bauweise, S. 300, 324
  • Voigt 1880, Die Lübschen Buden an der Steinstraße in Hamburg, S. 125 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Jacobi, Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dhw-feuerschutz.de/ueberuns/history1a.htm
  2. Karin Eckhardt: Christian Precht - Ein Hamburger Bildhauer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Band 32. Hamburg 1987, S. 168
  3. Rudolf Vierhaus, Deutsche biographische Enzyklopädie (DBE) Band 8 ISBN 3-598-25030-4 S. 412 books.google
  4. Ingrid Schulze (ab Seite 67 sowie 84) in ihrem Buch Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13.Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8
  5. Die prominenten Toten vom St.-Jacobi-Friedhof in Hamburg-Eilbek, aus: Ohlsdorf. Zeitschrift für Trauerkultur Nr. 107, IV, 2009. Abgerufen am 10. Februar 2014.
  6. Gemeinschaftsgrabstätte St. Jacobi, abgerufen am 10. Februar 2014.

53.55027777777810.000555555556Koordinaten: 53° 33′ 1″ N, 10° 0′ 2″ O