St. Nikolai-Kirche (Spandau)

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Blick von der Carl-Schurz-Straße

Die St.-Nikolai-Kirche im Berliner Bezirk Spandau ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Erbaut wurde sie im 14. Jahrhundert, aber schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden erste Grundmauern errichtet. Zusammen mit der Nikolaikirche in Berlin-Mitte ist sie eines der wenigen erhaltenen mittelalterliches Gotteshäuser aus den Ursprüngen der Stadt Berlin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage und Verkehrsanbindung

Die Nikolai-Kirche liegt am Reformationsplatz 12. Dieser kleine Platz bildet mit Rasenflächen, Büschen und Bänken einen Ort der Ruhe als Kirchenvorplatz. Erreichbar ist die Nikolaikirche vom nahegelegenen U-Bahnhof Altstadt Spandau.

[Bearbeiten] Geschichte

Inneres der Nikolaikirche

Die St.-Nikolai-Kirche ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Altstadt Spandau. Sie war die katholische Pfarrkirche Spandaus und ist dem heiligen Bischof Nikolaus von Myra geweiht, dem Schutzpatron der Seefahrer, reisenden Händler und Kinder. Nikolaus-Patrozinien finden sich im Mittelalter häufig bei Gotteshäusern in Hafenstädten und Kaufmannsvierteln.

Von dieser Kirche breitete sich die Reformation in Brandenburg und Berlin aus. Kurfürst Joachim II. vollzog dort 1539 seinen Übertritt zum evangelischen Bekenntnis. Seine Mutter Elisabeth gilt jedoch als die eigentliche Reformatorin Brandenburgs, sie hatte sich bereits 1527 für die evangelische Sache entschieden. Sie war deshalb 1528 außer Landes geflohen und zur Rückkehr erst wieder bereit, wenn sie hier frei nach lutherischer Lehre ihren Glauben leben könne. Als sie 1545 endlich alle Bedingungen erfüllt sah, wählte sie für die letzten zehn Jahre ihres Lebens den Palas der Zitadelle Spandau zum Wohnsitz.

Kanonenkugel in der Nord-Fassade

In der Zeit der napoleonischen Eroberungszüge in Europa gab es um die Kirche einige Kämpfe, wovon eine in der Außenmauer des Hauses steckengebliebene Kanonenkugel noch heute zeugt.[1] Der 75,5 Meter hohe Turm der Kirche[2] brannte im Zweiten Weltkrieg aus und erhielt danach ein pyramidenförmiges Notdach. Bei der Sanierung des Gotteshauses im Jahr 1989 erhielt der Turm wieder seine rekonstruierte barocke Haube mit Schinkelschem Schmuckwerk nach Plänen von 1839.

Die Orgel von St. Nikolai wurde 1996 von der Orgelbaufirma Hermann Eule (Bautzen) errichtet. Beim Bau der Orgel wollte man in dem modernen, zeitgemäßen Instrument die Orgelgeschichte von St. Nikolai „spürbar“ werden lassen. Wesentlich mitbestimmt wurde die Konzeption und die Dispositionen von Haupt- und Oberwerk durch ein ehemaliges Instrument des Orgelbauers Joachim Wagner, einem Gesellen Gottfried Silbermanns. Das Schwellwerk orientiert sich an Orgeln des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Das Äußere der Orgel hingegen ist hingegen nach funktionellen Aspekten gestaltet. Das Instrument hat 51 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch. Die Registertrakturen sind mechanisch und elektrisch.[3]

I Hauptwerk C–g3

1. Principal 08'
2. Bordun 16'
3. Viola di Gamba 08'
4. Hohlflöte 08'
5. Rohrflöte 08'
6. Traversflöte 04'
7. Spitzflöte 04'
8. Octave 04'
9. Quinte 022/3'
10. Octave 02'
11. Cornett V (ab g0) 08'
12. Mixtur V 011/3'
13. Cimbel III 01'
14. Fagott 16'
15. Trompete 08'
Tremulant
II Oberwerk C–g3
16. Principal 4'
17. Traversflöte 8'
18. Gedackt 8'
19. Quintadena 8'
20. Rohrflöte 4'
21. Quinte 22/3'
22. Oktave 2'
23. Waldflöte 2'
24. Terz 13/5'
25. Quinte 11/3'
26. Scharff IV 11/3'
27. Vox humana   8’
Tremulant
III Hinterwerk C–g3
28. Lieblich Gedackt 16'
29. Principal 08'
30. Unda maris 08'
31. Salicional 08'
32. Lieblich Gedackt 08'
33. Fugara 08'
34. Octave 04'
35. Nasat 022/3'
36. Flageolet 02'
37. Echocornett V (ab g0) 08'
38. Mixtur IV 02'
39. Trompete 08'
40. Oboe 08'
Tremulant
Pedal C–f1
41. Principal 16'
42. Subbass 16'
43. Violon 16'
44. Octavbass 08'
45. Gemshorn 08'
46. Quinte 051/3'
47. Octave 04'
48. Mixtur VI 022/3'
49. Posaune 16'
50. Trompete 08'
51. Clairon 04'

[Bearbeiten] In der Umgebung der Kirche

Vor dem Hauptportal der Kirche steht das Denkmal Kurfürst Joachim II., das anlässlich des 350-jährigen Jubiläums der Einführung der Reformation durch Joachim II., von Erdmann Encke entworfen und 1889 enthüllt wurde. Am Sockel des Denkmals zeigen Bildtafeln den Kurfürsten bei der Einnahme des Abendmahls und bei seinem Übertritt zum Protestantismus. Außerdem befindet sich nördlich der Kirche das Denkmal der Gefallenen der Befreiungskriege, von Karl Friedrich Schinkel entworfen und 1816 eingeweiht.

[Bearbeiten] Literatur

  • Winfried Augustat: St. Nikolai-Kirche Berlin-Spandau. (Kleine Kunstführer 591), Schnell & Steiner: 5., neubearb. Aufl. Regensburg 1999, ISBN 3-7954-6081-6.
  • Gemeindekirchenrat der St.-Nikolai-Gemeinde (Hg.): St. Nikolai zu Spandau – Wegweiser durch die Jahrhunderte. (Festschrift zur 450-Jahr-Feier der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg), Berlin 1989.
  • Friedrich Weichert: St. Nikolai zu Spandau. Ein Mittelpunkt brandenburgischer Kirchengeschichte. Edition St. Nikolai Kirchengemeinde Spandau, Berlin 1982.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: St. Nikolaikirche (Spandau) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Berlin. Sakrale Orte, Grebennikov-Verlag Berlin 2010; ISBN 978-3-941784-09-3 S. 11f
  2. Homepage des Bauingenieurs Ernst-Jürgen Bachus mit technischen Angaben zu Berliner Kirchtürmen; abgerufen am 2. April 2010
  3. Informationen zur Eule-Orgel

52.5383713.2053Koordinaten: 52° 32′ 18″ N, 13° 12′ 19″ O

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