St.-Andreas-Kirche (Weißenburg)

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St.-Andreas-Kirche
Die St. Andreaskirche vom Vorplatz aus gesehen

Die St. Andreaskirche vom Vorplatz aus gesehen

Daten
Ort Weißenburg in Bayern
Baujahr 1294 bis 1327
Höhe 65 m
Koordinaten 49° 1′ 54″ N, 10° 58′ 13″ O49.03166666666710.970277777778Koordinaten: 49° 1′ 54″ N, 10° 58′ 13″ O
Besonderheiten
Evangelische Stadtkirche Weißenburgs sowie höchstes Gebäude der Stadt
Eine der gotischen Konsolfiguren mit Monsterfratze

Die St.-Andreas-Kirche ist die evangelische Stadtkirche von Weißenburg in Bayern im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Lage[Bearbeiten]

Als Stadtkirche [1] der Großen Kreisstadt Weißenburg in Bayern liegt die Basilika am Martin-Luther-Platz innerhalb der denkmalgeschützten Altstadt Weißenburgs, in direkter Nähe zur Stadtmauer, dem Ellinger Tor, dem gotischen Weißenburger Rathaus mit Schweppermannsbrunnen und dem Platz Am Hof. Gegenüber der Kirche liegen die Alte Lateinschule, das Römermuseum und das Reichsstadtmuseum mit dem Haus Kaden. An der Ostseite der Kirche beginnt die Rosenstraße. Der Kirchturm ist mit 65 m Höhe das höchste Bauwerk der Stadt und weithin sichtbar. Die Kirche steht auf einer Höhe von rund 422 m über NN.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten]

1182 wurde vermutlich auf den Grundmauern einer Kapelle eine erste Kirche gebaut, die 1290 abgerissen wurde. Der Vorgängerbau war geostet und besaß einen eingezogenen Chor mit vermutlich runder Apsis. Die Vorgängerkirche wurde etwa zwischen 1182 und 1189 vom Eichstätter Bischof Otto geweiht. Die Kirche gehörte zum Königshof.[3] Auf den Fundamenten des Vorgängerbaus stehen die Pfeiler des jetzigen Kirchenschiffes.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Statue Martin Luthers auf dem Kirchplatz

1327 wurde die 1294 begonnene Kirche geweiht und umfasste damals das dreischiffige Langhaus und den Nordturm. Bereits 1329 wurde die Andreaskirche als Stadtpfarrkirche bezeichnet, was beweist, dass die ältere Martinskirche als Hauptkirche der Stadt abgelöst wurde. 1400 wurde wieder an einem Neubau gearbeitet, der die St.-Sebald-Kirche in Nürnberg als Vorbild hatte. Allerdings begrenzte die Stadtmauer den Platz. Von 1425 bis 1465 baute man den Hallenchor mit der dazugehörigen Taufkapelle. Wegen Geldmangels verband man das Langhaus des Vorgängerbaues mit dem neu erbauten Chorraum. Dabei wurde die Längsachse der Kirche nach Süden verschoben. Von 1459 bis 1520 errichtete man den neuen Turm der Kirche, 1891 folgte eine Erhöhung des Mittelschiffes.

Am 15. November 1530 stimmten 454 Weißenburger Bürger in der St.-Andreas-Kirche ab, ob sie die Confessio Augustana annehmen und dadurch evangelisch werden wollten. 447 waren für den evangelischen Glauben, sieben dagegen. Die Kirche und die Reichsstadt Weißenburg wurden evangelisch. Die sieben katholischen Bürger verließen bald darauf die Stadt.

1850 verkaufte man ein Großteil der wertvollen Ausstattung der Kirche.[4] Bei der Renovierung von 1958 erhielt die Kirche ihre ursprüngliche gotische Gestalt zurück. 1994 wurde die alte Sakristei, eine ehemalige Läutestube im Turmuntergeschoss, zur Schatzkammer mit Glaswand umgebaut, wo ab 1995 noch erhaltene Kirchenschätze ausgestellt werden.

Bei der Restaurierung der Kirche 1999[4] wurden die Chorfenster mit einer Außenschutzverglasung zur Konservierung und Erhaltung der Glasmalereien versehen.[5]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Chorraum mit Kreuzrippengewölbe

Die ehemalige Staffelhalle wurde im 19. Jahrhundert zur Basilika ausgebaut. Der helle, lichtdurchflutete Hallenchor ist relativ hoch und gilt als herausragendes Werk der süddeutschen Spätgotik. Der Hallenchor ist um rund 12° gegenüber dem älteren Langhaus versetzt und erstreckt sich über die volle Breite des Langhauses, integriert im Norden den alten Kirchturm und schließt im Süden mit etwas geringerem Winkel an die Langhauswand an. Eine technische Besonderheit ist das original erhaltene Dach mit seiner aufgeständerten Kehlbalkenkonstruktion und doppelt stehendem Stuhl.

Der älteste Teil der Kirche ist das dreischiffige Langhaus, das durch einfach abgestufte Strebepfeiler gegliedert ist mit einem umlaufenden Kaffgesims auf Höhe der Abstufung.

Inventar[Bearbeiten]

Altäre[Bearbeiten]

Andreasaltar

Der Hochaltar, Andreasaltar genannt, stammt vermutlich von Michael Wohlgemut aus Nürnberg, die Entstehungszeit war um 1500. Im Mittelteil des etwa 6 m breiten Flügelaltars steht eine Skulptur des sitzenden Apostels Andreas. Die flankierenden Tafelbilder stellen Apostel dar, v.l.n.r. Judas Thaddäus, Johannes Evangelista und Petrus (links), Paulus, Jakobus der Ältere und Simon Zelotes (rechts). Die Predella - ursprünglich nicht zum Altar gehörig - zeigt Brustbilder des heiligen Andreas und Johannes Evangelista.[6] Vor dem Andreasaltar in der Mitte des Ostchors befindet sich seit 2000 der moderne Volksaltar[7] von Hermann Sturm.[8]

Im nördlichen Chorumgang steht der sogenannte Sebaldusaltar, ein spätgotischer Flügelaltar von 1496, der entweder Veit Stoß[9] oder einheimischen Weißenburger Künstlern zugeschrieben wird. Im Schrein steht in der Mitte die Figur der Maria mit Kind auf der Mondsichel, die links von einem Mönch ohne Attribut (St. Benedikt ?), rechts von St. Sebald flankiert wird. In Flachrelief sind auf den Flügeln links der heilige Antonius Abbas, rechts der heilige Sebastian dargestellt. Auf der Predella erscheinen als gemalte Halbfiguren die heiligen 14 Nothelfer.[10]

Marienaltar

Daneben gibt es noch den um 1500 geschaffenen Marienaltar in Form eines für den Nürnberger Raum charakteristischen Baldachinaltars. Die Figur der Madonna mit Kind auf der Mondsichel steht vor einem gemalten Strahlenkranz, der von musizierenden Engeln umgeben wird. Auf deinen Außenseiten (nicht sichtbar) ist eine Verkündigung an Maria dargestellt. Ein ähnlicher, 1477 geschaffener Baldachinaltar, der aus St. Andreas stammen soll, befindet sich heute im Bayrischen Nationalmuseum in München.

Konfessionsbild[Bearbeiten]

Das Konfessionsbild von Wolf Eisenmann wurde am 18. Januar 1606 von den drei Weißenburgern Christoph Koler, Hans Roth und Christoph Münderlein sowie dem österreichischen Exulanten Balthasar Cristalnig gestiftet. Die vier Weißenburger wurden zusammen mit ihren Gattinnen in das Bild mit aufgenommen. Es befindet sich an der nördlichen Seitenwand des Langhauses. Das 7,2 Meter lange[11] und 2 Meter hohe[11] Ölgemälde zeigt verschiedene geistliche Handlungen in der evangelischen Kirche, nämlich Abendmahl, Taufe, Beichte, Christenlehre, Predigt, Trauung und das Musizieren der Chorschule. In der Mitte des Bildes teilt ein Kreuz mit Jesus Christus das Bild. Das Konfessionsbild wurde zur Erinnerung an die Confessio Augustana gezeichnet. Im linken unteren Bildfeld folgt wahrscheinlich als Anspielung auf Kaiser Karl V., der vermutlich von Johann von Sachsen Bekenntnisbücher überreicht bekommt,[11] die Rettung des Volkes Israel vor dem Pharao am Roten Meer. Die beiden oberen Seitenbilder, das Passahmal vor dem Auszug aus Ägypten und das Abendmahl Jesu bilden einen interessanten Kontrast. Auch auf das Bild mit eingezeichnet sind Vertreter der Städte Weißenburg und Nürnberg.[11]

Schatzkammer[Bearbeiten]

Statuen am Brautportal

In der Schatzkammer[12] werden weitere bemerkenswerte Kunstschätze der Kirche aufbewahrt:

  • Das bronzene romanische Altar- und Prozessionskreuz wurde 1185-89 im schwäbischen Raum geschaffen und stammt von der Vorgängerkirche. Die Jesusstatue auf dem Kreuz trägt eine Königskrone und wird von Bergkristallen umgeben.
  • Die acht thronenden Apostel aus Ton (15. Jahrhundert) gehören zu einer Gruppe von Christus mit den 12 Aposteln und entstanden in Franken. Sie wurden 1930 in einer Bretterverschalung in der Mensa des Hauptaltars wiederentdeckt.
  • Ebenfalls wiederentdeckt wurden 1930 zwei textile Kopfreliquiare (ca.1504), bei denen Reliquien von jeweils männlichen und weiblichen Heiligen in Kopfform zusammengesetzt wurden.
  • Ein Silberaltärchen (um 1480) in Form eines Triptychon diente wohl ursprünglich als Reliquienaltärchen. Die Silberreliefs an der Vorderseite zeigen einen Gnadenstuhl, flankiert von einer Verkündigung.
  • Aus zwei Privataltärchen (ca.1500) wurde ein Doppelaltar zusammengesetzt. Im unteren Teil wird eine St.-Georgs-Gruppe aus Alabaster von Tafelbildern der Apostel Petrus und Andreas flankiert, im oberen ein Gnadenstuhl aus Alabaster von den Bildern der heiligen Apollonia und Ottilia.
  • Außerdem bemerkenswert sind zwei gefaßte Leuchterengel (16.Jhdt).

Sonstiges[Bearbeiten]

Die 1963 eingeweihte und 2007 durch die Orgelbaufirma Jann renovierte Steinmeyer-Orgel befindet sich auf der Empore an der Westseite der Kirche[4] und ist denkmalgeschützt.[13] Bei der letzten Renovierung wurde die Orgel um ein Auxiliare erweitert.[14] Für weitere Restaurierungen der Orgel sammelt der Verein ORGELPFEIFEN e.V. Spenden.[15]

Anbetung der Heiligen Drei Könige

Der Grundstein der Kirche ist an der Westwand des Chors eingelassen. Auf dem Stein wurde nachträglich die lateinische Inschrift 1327 dedicatum est hoc templum angebracht. Das Brautportal von 1425 befindet sich an der Südseite der Kirche. Es zeigt Statuen des heiligen Jakobus des Älteren und eines nicht identifizierten Apostels. Das Tympanon zeigt Marienkrönung und Marientod.

Die Glasmalereien der neugotischen Hallenchorfenster wurden 1890 nachträglich hinzugefügt und zeigen die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Jesus und die Kinder, die Kreuzigung Christi sowie Jesus und die Samariterin.

Vor der Westfront der Kirche steht eine Bronzestatue Martin Luthers vom Bildhauer Martin Mayer. Eine Kreuzigungsgruppe befindet sich im Untergeschoss des Nordturms und wurde von 1928 bis 1935 von Karl Hemmeter geschaffen.

Türme[Bearbeiten]

Andreasturm[Bearbeiten]

Die Spitze des Andreasturms

Der insgesamt 65 m hohe Andreasturm ist der Ostturm der Kirche und wurde nachträglich in mehreren Etappen zwischen 1459 und 1520 am Chor hinzugefügt. Der etwas kleinere Nordturm ist älter. Der Andreasturm beherbergt vier Glocken: die Gebetsglocke, die Messglocke, die 12-Uhr-Glocke und die Sturmglocke. Im obersten Stockwerk war bis 1925 auf 52 m Höhe die Wohnung des Türmers untergebracht.[16] Die Türmerstube ist über eine Wendeltreppe erreichbar.

Die beiden quadratischen Untergeschosse reichen bis zum Chordach, die zwei mittleren Geschosse weisen einen achteckigen Grundriss auf. Das 1520 fertiggestellte 5. Geschoss hat eine kleinere Grundfläche als die restlichen Geschosse. Der Turmhelm mit offener Kuppellaterne wurde in der Zeit des Barock ergänzt.

Nordturm[Bearbeiten]

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Der 7 x 8 m große Nordturm ist fünfgeschossig und wurde aus Haussteinen errichtet, mit Gesimsen zwischen den Geschossen. Bemerkenswert sind die spitzbogigen Mauerwerkfenster. 1390 wurde im Nordturm ein Glockenstuhl eingebaut, der ursprünglich ein Pendant auf der Südseite gewesen sein dürfte. Im unteren, zum Kirchenraum geöffneten Untergeschoss befindet sich die Kreuzigungsgruppe der Kirche.

Sonstiges[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. pointoo.de. Beschreibung der Kirche, abgerufen am 28. August 2011.
  2. Höhenangabe auf BayernViewer
  3. Geschichte der Andreaskirche
  4. a b c Die Kirche auf qype. Abgerufen am 29. August 2011.
  5. Bericht der Firma Rothkegel
  6. Kirchenführer "St. Andreas zu Weißenburg" von Ute Jäger, Weißenburg 2000
  7. Der Andreasaltar
  8. Bericht über Hermann Sturm
  9. Beschreibung der Kirche auf weissenburg.info
  10. Kirchenführer "St. Andreas zu Weißenburg" von Ute Jäger, Weißenburg 2000
  11. a b c d Das Konfessionsbild auf der Internetseite der Kirchengemeinde. Abgerufen am 29. August 2011.
  12. Kirchenführer "St. Andreas zu Weißenburg" von Ute Jäger, Weißenburg 2000
  13. Beschreibung der Kirche auf BayernViewer-denkmal
  14. Geschichte der Orgelfirma Jann
  15. Beschreibung der Orgel
  16. Beschreibung des Andreasturms mit Türmerstube
  17. Aus einer Sonderbeilage der WZ am 17. August 2011

Weblinks[Bearbeiten]