St. Andreas (Hildesheim)

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Blicke auf St. Andreas
St. Andreas von Südosten 2004
St. Andreas 2011
Turm von St. Andreas 2008
Stahlstich von Johannes Poppel: St. Andreas 1850
Gottesdienst in St. Andreas
Gottesdienst "Traumkirche zur Nacht" in St. Andreas 2014.
Innenraum von St. Andreas
Portal des romanischen Westwerks mit Blick zum Altar 2014.
Chorraum in St. Andreas 2008.
Barockausstattung von Daniel und Ernst Dietrich Bartels vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg.
Beckerath-Orgel von 1966
Orgel von Beckerath (Hamburg) 1965-1966
Blick nach Westen auf die Orgelempore 2012.
Blick nach Westen auf die Orgelempore 2009.

Die evangelisch-lutherische Bürgerkirche St. Andreas ist eine der großen Hauptkirchen von Hildesheim. Mit 114,5 Metern Höhe ist der Turm der St. Andreaskirche der höchste Kirchturm Niedersachsens. Er ist über 364 Stufen zugänglich und bietet einen weiten Rundblick über die Stadt und das Umland.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der früheste Kirchbau mit dem Patrozinium des Apostels Andreas war eine schlichte vorromanische Kapelle, deren Existenz schon für das Todesjahr Bischof Bernwards 1022 angenommen wird. Bischof Godehard wurde hier nach seinem Tod 1038 für die Trauerbekundung des Volkes aufgebahrt.

In romanischer Zeit verlagerte sich das Zentrum der Markt- und Handwerkersiedlung aus der feuchten Niederung zwischen Domburg und Michaeliskirche („Alter Markt“) hierher, und die Kapelle wurde durch eine romanische Kirche mit mächtigem Westwerk ersetzt.

Der Bau der gotischen Kirche wurde, unter Einbeziehung des romanischen Westwerks und Beibehaltung des basilikalen Querschnitts, Ende des 14. Jahrhunderts begonnen, der Chor 1389, das nördliche Seitenschiff 1404, der Turm 1503. 1504 wurde das Langhaus mit den Seitenschiffen bis an den Turm herangeführt. Der Turm erreichte jedoch erst 1883 seine endgültige Höhe, vorher ragte er kaum über den Rest des Gebäudes hinaus. Der Innenraum erinnert mit Chorumgang und Kapellenkranz im Osten an französische Kathedralen.

Wie die Marktkirchen in vielen anderen deutschen Bischofsstädten repräsentierte St. Andreas im Hochmittelalter das bürgerliche Selbstbewusstsein gegenüber der landesherrlichen Gewalt des Bischofs (Hochstift), die sich im Dom darstellte. In der Reformationszeit verband sich dieser alte Machtgegensatz mit der religiösen Frage. Folgerichtig war St. Andreas 1542 die erste Kirche Hildesheims, in der lutherisch gepredigt wurde und von wo aus Johannes Bugenhagen die neue evangelische Kirchenordnung einführte. Daran erinnert seit 1995 ein Brunnen-Denkmal von Ulrich Henn auf dem südlichen Vorplatz der Kirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Andreaskirche bei einem Luftangriff am 22. Februar 1945 an mehreren Fenstern beschädigt. Beim schwersten Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 brannte sie völlig aus, nur die schwer angeschlagenen Umfassungsmauern und der Turm blieben stehen. Abgesehen vom Dom wurde keine andere Kirche in Hildesheim so stark beschädigt wie St. Andreas. In den 1950er-Jahren wurde sie annähernd originalgetreu wieder aufgebaut.

Glocken[Bearbeiten]

Im Turm hängen vier Glocken, wobei drei von ihnen Leihglocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sind. Die klangvolle Osanna stammt aus der Danziger Marienkirche. Die große Glocke ist ein Geschenk der Stadt Hildesheim. Die Glocken sind auf die des Domes abgestimmt.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Nominal
 
Herkunftsort
der Leihglocke
1 St. Andreas 1963 Gebr. Rincker, Sinn 2150 6500 ges0
2 Osanna 1632 1750 3000 b0 Danzig, St. Marien
3 Maria 1738 1360 1500 des1 Rastenburg (Ostpreußen)
4 Petrus 1725 1220 1300 es1 Mühlhausen (Westpreußen)

Orgel[Bearbeiten]

In der Basilika befindet sich eine der größten Orgeln Norddeutschlands. Sie wurde 1965-1966 von der Orgelbaufirma Beckerath (Hamburg) erbaut und hat nunmehr 64 Registern (4734 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal (Tonkanzellenladen). Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1] Der mächtige Kirchenraum verleiht dem Instrument ein ungewöhnliches Klangvolumen. Regelmäßig finden Orgel- und Chorkonzerte statt.

I Rückpositiv C–g3

Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Quintadena 8'
Oktave 4'
Blockflöte 4'
Quintflöte 22/3'
Oktave 2'
Gemshorn 2'
Quinte 11/3'
Sesquialtera II 22/3'
Scharfmixtur V 11/3'
Dulzian 16'
Bärpfeife 8'
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Prinzipal 16'
Oktave 8'
Koppelgedackt 8'
Oktave 4'
Quinte 22/3'
Oktave 2'
Mixtur VI 2'
Scharf IV 2/3'
Trompete 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
III Oberwerk C–g3
Quintadena 16'
Violprinzipal 8'
Holzflöte 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Nasat 22/3'
Hohlflöte 2'
Terz 13/5'
Septime 11/7'
Sifflöte 1'
None 8/9'
Scharf IV-VI 1'
Klingend Zimbel III 1/6'
Englisch Horn 16'
Oboe 8'
Tremulant
IV Brustwerk
(schwellbar)
C–g3
Holzgedackt 8'
Holzprinzipal 4'
Waldflöte 2'
Gemsquinte 11/3'
Schwiegel 1'
Schlagtöne III 2/5'
Scharfzimbel IV 1/2'
Regal 8'
Schalmei 4'
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipal 32'
Oktave 16'
Subbaß 16'
Oktave 8'
Holzflöte 8'
Hornaliquot II
Oktave 4'
Nachthorn 2'
Rauschpfeife III 4'
Mixtur VI 22/3'
Posaune 32'
Posaune 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
Zink 2'

Maße[Bearbeiten]

Die Maße der Kirche zeugen vom Wohlstand und Selbstbewusstsein der Bürgerschaft von Hildesheim.

  • Länge: 80 m
  • Breite: 35 m
  • Höhe: 27 m
  • Turm (seit 1883): 114,5 m

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur von Beckerath-Orgel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Andreas (Hildesheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.1515333333339.9500527777778Koordinaten: 52° 9′ 6″ N, 9° 57′ 0″ O