St. Aposteln

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Dieser Artikel behandelt die Kölner Kirche St. Aposteln. Für weitere Kirchen, die den Aposteln gewidmet sind siehe Apostelkirche.
Köln, St. Aposteln (Ostseite)
Blick ins Langschiff
Stahlstich nach William Tombleson
Parade der Deutzer Kürrassiere vor St. Aposteln, am 21. April 1900

St. Aposteln ist eine von zwölf großen romanischen Basiliken der Stadt Köln. Die dreischiffige Kirche liegt in der Innenstadt am Neumarkt.

Sie zeichnet sich durch eine aufwändig gestaltete Dreikonchenanlage aus, in die zwei flankierende Osttürme integriert sind. Ihnen gegenüber steht der Westturm, der mit seinen etwa 67 Metern der dritthöchste Turm der romanischen Kölner Kirchen ist. Anders als bei Groß St. Martin wird der kleeblattförmige Chorbau nur von einem kurzen achteckigen Vierungsturm überragt, der von einer Laterne gekrönt wird. Das Querschiff des Langhauses ist über ein kurzes, tonnengewölbtes Joch mit dem Westturm verbunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten]

Der heutige Kirchenbau ist nicht der erste Bau an dieser Stelle. Wie bei anderen romanischen Kirchen in Köln soll es auch bei St. Aposteln an der Stelle der heutigen Basilika einen ersten Kirchenbau schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts gegeben haben, was aber nicht verbürgt ist. Sicher ist, dass hier im 10. Jahrhundert ein Stift gegründet wurde. Dessen historisch gesicherte erste Apostelkirche war wohl ein relativ einfacher Bau.

Das änderte sich zu Anfang des 11. Jahrhunderts: Entweder unter Erzbischof Heribert, der von 999–1021 regierte, oder anschließend unter Erzbischof Pilgrim (Regierungszeit 1021–1036) – die Meinungen der Historiker gehen hier auseinander – wurde ein großer salischer Neubau errichtet, der ungeachtet der nicht ganz sicheren Zuschreibung einfach „Pilgrimbau“ genannt wird.

Mit Sicherheit war dieser Bau nach Westen gerichtet, er hatte also seinen Chor mit dem Hauptaltar im Westen, an der Stelle des heutigen Hauptturms. Das ist in christlichen Kirchen unüblich: Die meisten Kirchen sind geostet, haben also ihren Altarraum, den Chor, im Osten – dort wo die Sonne aufgeht. Die Kölner Apostelnkirche des 11. Jahrhunderts bezog sich mit dieser westlichen Ausrichtung wie auch andere Kölner Kirchen auf ein großes Vorbild, nämlich auf die Peterskirche in Rom, die auch bis heute gewestet ist.

Von diesem salischen Pilgrimbau, der auch die Grundmaße der heutigen Kirche bestimmt, sind noch erhalten: große Teile der Außenmauern des Langhauses, des westlichen Querschiffes und Teile der Mittelschiffwände. Allerdings wurde die dünne Außenhaut, die Sichtwand dieser Mauern, mehrfach erneuert, so dass nur der Kernbereich dieser Mauern noch aus dem 11. Jahrhundert stammt.

Das Grundprinzip dieser Epoche ist ein festes Maßsystem – ausgehend vom Vierungsquadrat –, dann eine einheitliche Durchgestaltung des ganzen Baukörpers und die polare Gegenüberstellung von östlichen und westlichen Bauteilen, also eines Westchores und eines Ostchores. „Die strenge Bindung an ein festes Maßsystem, die einheitliche Durchgestaltung eines ganzen Baukörpers und das Prinzip der Gruppierung liegender und vertikaler, vieltürmiger Bauteile […] bleibt bis zum 13. Jahrhundert, bis zum Aufgreifen der französischen Gotik für die deutsche romanische Architektur bezeichnend“.[1]

Salischer Neubau[Bearbeiten]

Im Vergleich zu dem Vorgängerbau ist das salische Lang- und Querhaus von Aposteln in seiner Größe gesteigert. Diese beiden Bauteile erhielten später um 1230 statt der flachen Holzdecken Steingewölbe

Im 11. Jahrhundert gehörte Aposteln noch nicht zum eigentlichen Stadtgebiet. Die damals noch intakte römische Stadtbefestigung ging haarscharf an St. Aposteln vorbei. Erst 1106 wurde eine neue Stadtmauer gebaut und schließlich ab 1180 bis weit ins 13. Jahrhundert hinein eine weitere, die ein wesentlich größeres Areal umfasste und von deren zwölf Stadttoren noch einige stehen. Gleichzeitig mit der neuen Stadtmauer wurde ab 1180 der Neumarkt, als zusätzlicher Handelsplatz zu den bereits bestehenden Plätzen in der Nähe des Hafens am Rhein, errichtet.

St. Aposteln änderte sich im ausgehenden 12. Jahrhundert sowohl in seiner Baugestalt als auch in seiner Ausrichtung: Es hatte sich ein Wechsel in der religiösen Liturgie ergeben, der einen Westchor nicht mehr erforderte, sondern sich nach Osten orientierte. Hinzu kam, dass mit dem neuerbauten Neumarkt direkt vor der Kirche eine große Freifläche entstanden war, die es geraten sein ließ, den Ostteil zur neuen Schaufläche, zum dominierenden Zentrum der Kirche zu machen.

Ob die Umbauarbeiten an St. Aposteln ab 1150 von vorneherein den West- und den Ostteil umfassen sollten, ist ungewiss. Jedenfalls harmonieren beide Partien, und zwar für eine Sicht von Osten, also vom Neumarkt aus. Man nimmt deshalb an, dass möglicherweise beide Umbauprojekte trotz der zeitlichen Distanz von 50 Jahren auf die Planung des gleichen Baumeisters zurückgehen.

In St. Aposteln wurde um 1150 herum zunächst ein neuer Westchor errichtet. Man schüttete die Krypta des alten salischen Westchores zu und errichtete auf ihr einen 67 m hohen Westturm. Diesem Umbau scheint ein Brand vorausgegangen zu sein. Es ist aber unsicher, ob dadurch die Umbauabsicht erst ausgelöst worden war. Denn ganz Köln wurde in dieser Zeit von Bauleidenschaft ergriffen und es erscheint unwahrscheinlich, dass man dabei Aposteln übergangen hätte, wenn es zu keinem Brand gekommen wäre.

Westbau[Bearbeiten]

Westturm

Der neue Westturm wird von zwei halbrunden Treppentürmen begleitet und es ist nicht zu übersehen, dass mit einer solchen Kombination das alte karolingische Motiv eines Westwerkes anklingt. Aposteln lässt aber in seinem ab 1150 gebauten neuen Westchor nur noch die Idee eines Westwerkes anklingen, ist aber keines mehr. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden bestehende älteren Westwerke häufig umgebaut und stärker mit dem Hauptraum verbunden.

Drei-Konchen-Chor[Bearbeiten]

Rund 50 Jahre später um das Jahr 1200 herum, wieder nach einem Brand (1192), wurde nun mit dem Bauteil begonnen, dem Aposteln seine Bedeutung verdankt, dem ausgereiftesten und imposantesten Drei-Konchen-Chor Kölns und damit der Kunstgeschichte überhaupt und zugleich einem der faszinierendsten Architektur-Schaubilder. Wegen der Nachkriegsbebauung lässt sich diese Feststellung heute nicht mehr ohne weiteres in einem Blick vom Neumarkt aus nachvollziehen.

Im Gegensatz zu einem Grundriss als lateinischem Kreuz, bei dem ein gerades Langhaus im Kopfbereich von einem ebenfalls geraden Querhaus rechtwinklig durchkreuzt wird, wie bei St. Aposteln im Westen, werden beim Drei-Konchen-Chor drei gleich große Apsiden an den Seiten eines (einbeschriebenen) Quadrates so zueinander gesetzt, dass sich im Grundriss die Form eines Kleeblattes ergibt, weshalb diese Lösung auch „Kleeblattchor“ genannt wird. Dadurch ergibt sich hier im Osten an der Stelle des Chores ein Zentralbau, also ein Bau mit einem eigenen Zentrum und gleichwertigen Seitenteilen.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

1802 wurde im Zuge der Säkularisation in der Franzosenzeit das Aposteln-Stift aufgehoben. Es lebt noch in der nahen Straße Apostelnkloster fort. Nach der Kirche ist auch das drittälteste Kölner Gymnasium, ursprünglich 1860 in dieser Straße gegründet, als Gymnasium an der Apostelkirche benannt. Die Kirche verfiel allmählich, musste 1822 wegen Baufälligkeit polizeilich geschlossen werden und wurde kurz darauf restauriert. Umfangreiche Renovierungen fanden in den Jahren 1871–1891 statt. Nach den Kriegszerstörungen von 1942 bis 1944 wurde eine erste notdürftige Restaurierung 1957 abgeschlossen, bevor man 1961 an die sorgfältige Wiederherstellung der Ostpartie ging, die 1975 beendet wurde. Die zugeschüttete West-Krypta war schon 1955–1957 wieder hergerichtet worden. Die Kirche erhielt im Zuge des Wiederaufbaus einige zeitgenössische Ausstattungsdetails, z. B. auf der Südseite eine Aula in der typischen Architektur der 1950er Jahre, Architekt Johann Werner Starck († 1978), mit einem durchlaufenden Fensterband von Ludwig Gies. Im Trikonchos entstanden 1988–1993 Gewölbemalereien von Hermann Gottfried. Seit 1965 trägt die Basilika den päpstlichen Ehrentitel einer Basilica minor. Seit 1981 wird der Erhalt der Kirche vom Förderverein Romanische Kirchen Köln unterstützt. Seit 1. Januar 2010 ist die Kirche Pfarrkirche der um die aufgelösten Pfarrgemeinden Dom St. Peter und St. Maria, St. Andreas, St. Kolumba, St. Maria in der Kupfergasse vergrößerten Kirchengemeinde St. Aposteln.[2]

Architektur[Bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten]

St. Aposteln um 1925

Am Außenbau staffeln sich die verschiedenen Türme in der Höhe und finden ihren Höhepunkt im Vierungsturm in der Mitte.

Für den Blick von weitem, vom anderen Ende des Neumarktes aus, erscheint der Westturm mit zur Turmgruppe hinzuzugehören, und zwar wegen seiner Höhe fast so, als sei er das Zentrum des ganzen Komplexes.

Dadurch entsteht eine besonders raffinierte Staffelung von Türmen, die nicht wie bei Groß St. Martin in einer geradlinigen Höhensteigerung in einem alles dominierenden Vierungsturm zusammenläuft, sondern in einer dreidimensionalen Hintereinanderstaffelung über die Seitentürme zum Vierungsturm und von da zum höchsten Punkt, zum Westturm[3] hinter dieser Gruppe.

Die spätromanische Zweischaligkeit[Bearbeiten]

Jedenfalls stellt der Chorinnenraum von St. Aposteln übereinstimmender fachlicher Meinung nach die ausgewogenste Version der spätromanischen Zweischaligkeit der Mauer dar. Das Grundproblem für die Baumeister in diesem Punkt war damals, eine Entsprechung herzustellen zwischen der Außen- und der Innengliederung der Wände, vor allem deshalb, weil der äußere Radius der Apsis natürlich größer ist als der innere und man die innere Bogenstellung nach den Fenstern richten musste, die die Mauer durchbrachen.

In St. Aposteln ist dieser Widerspruch harmonisch gelöst. Die beiden Geschosse sind gleichwertig und befinden sich im Vergleich zur Gesamthöhe der Konchen in einem ausgewogenen Verhältnis. Die Zahl der Nischen ist auf drei reduziert.

Die Säulen der inneren Wandschale sind in einer sehr geschickten Weise in einen Pfeiler eingebunden, die drei Apsiden sind durch sogenannte Zwischenjoche mit der Vierung verbunden, die in einer Zwillingsgalerie an allen Seiten die Zweischaligkeit variiert, so dass der ganze Zentralraum die souveräne Breitengliederung des Außenbaues wiederholt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Wand- und Deckengestaltung[Bearbeiten]

Von der ursprünglichen Wand- und Deckengestaltung ist nichts erhalten geblieben.

Im 19. Jahrhundert und zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde durch eine Kombination von Mosaiken und Fresken eine byzantinisch anmutende Wand- und Deckengestaltung geschaffen.

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde diese Gestaltung als nicht mehr zeitgemäß abgelehnt; sie wurde nicht restauriert, sondern radikal entfernt. Als geringer Rest ist daher heute nur noch im Nordarm des Westquerschiffs das zum goldenen Priesterjubiläum von Pfarrer August Savels im Jahre 1910 von der Pfarrgemeinde gespendete Mosaik Der gute Hirte erhalten.[4]

In den Jahren zwischen 1956 und 1975 waren die Wandflächen der Kirche völlig weiß belassen; nur die Rippen der Langhauswölbung erhielten einfache geometrische Streifenmuster. Die Werksteingliederungen blieben steinsichtig. 1975 wurden in der soeben rekonstruierten Vierungskuppel und in deren Tambour farbkräftige, geometrische Bemalungen angebracht; die Entwürfe stammten von Willy Weyres (Kuppelgewölbe) und Manfred Ott (Tambour samt vier Fenstern). Dazu passte der aufwändig gestaltete neue Vierungsalter samt hängender Leuchterkrone und Paviment nach Entwurf von Sepp Hürten.

In den Jahren 1988 bis 1993 wurden die Gewölbe der drei Konchen und das Innere des Vierungsturms von Hermann Gottfried mit Szenen aus der Offenbarung des Johannes ausgemalt. Diese auf wenige Farben reduzierte Ausmalung, die stilistisch ganz als Werk des 20. Jahrhunderts erkennbar ist, ist nicht unumstritten, da sie nach Ansicht vieler Kritiker im Widerspruch zum mittelalterlichen Kirchenraum steht.[5] Dem figürlichen Bildprogramm („Apokalypse“) in der abstrakten Formsprache einer expressiv-kubistischen Stilrichtung liegt ein theologisches, durch Wilhelm Nyssen und den Ortspfarrer Karl Günter Peusquens entworfenes Gesamtkonzept zugrunde.[6]

Kunstwerke im Kirchenraum[Bearbeiten]

In der nördlichen Konche ist das zu einem früheren barocken Seitenaltar gehörige Gemälde von Johann Wilhelm Pottgießer erhalten, das „Martyrium der Hl. Katharina“.

Aus der Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Nothelferkapelle[7] stammen – aus verschiedenen Stilepochen – die Skulpturen der so genannten Vierzehn Nothelfer. Restaurierungen erfolgten um 1898 (die Farbfassungen stammen hauptsächlich daher) sowie 1979 bis 1983. Eine Übersicht gibt die folgende Tabelle (in der Reihenfolge, in der sie von links nach rechts in St. Aposteln zu sehen sind):

Nothelfer Erstellung der Skulptur
St. Christophorus zweite Hälfte 16. Jahrhundert
St. Dionysius zweite Hälfte 16. Jahrhundert
St. Erasmus 18. Jahrhundert
St. Eustachius zweite Hälfte 16. Jahrhundert
St. Achatius zweite Hälfte 16. Jahrhundert
St. Vitus 17. Jahrhundert
St. Georgius Ende 16. Jahrhundert
St. Pantaleon Ende 17. Jahrhundert
St. Egidius 16. Jahrhundert
St. Blasius Ende 18. Jahrhundert
St. Barbara um 1500 (ursprünglich als Marienfigur)
St. Katharina Anfang 16. Jahrhundert
St. Margareta Anfang 16. Jahrhundert
St. Cyriakus zweite Hälfte 16. Jahrhundert

Eine Christusdarstellung als „Schmerzensmann“ in Holz wurde um 1450 von Meister Tilman geschaffen.

Bemerkenswert ist weiterhin der Marienaltar, dem man sich beim Eintritt in die Kirche durch den südwestlichen Eingang gegenüber sieht. In einem neugotischen Retabel (1910) aus der Werkstatt Langenberg in Goch ist zentral die Skulptur der Madonna mit dem Kind situiert (um 1500, Schwaben). Die zwölf daran stilistisch angelehnten Halbplastiken, die rechts und links der Madonna angeordnet sind, wurden 1994 von Henrike und Dieter Franz geschaffen.

Im Zentrum der westlichen Vierung (früherer Standort: südliches Querhaus) befindet sich das achteckige romanische Taufbecken (entstanden um 1200). Der heutige Deckel wurde im Jahre 1950 hinzugefügt.

Die Pietà von St. Aposteln stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.[5]

Die Eingänge zur Krypta im Westteil der Kirche werden von ca. 2,10 m hohen Skulpturen (Holz mit weißer Fassung) der Apostel Petrus und Paulus flankiert. Diese Skulpturen waren ursprünglich dem 1819 abgebrochenen barocken Hochaltar in der Ostkonche zugehörig und stammen aus dem Jahre 1761. Ihr Schöpfer ist Johann Josepf Imhoff (1739–1802).[8] Aus dem Jahr 2003 stammt das großformatige Gemälde im nördlichen Seitenschiff „Die Apostel“ des Kölner Malers Gerd Mosbach.

Kirchenschatz[Bearbeiten]

Die größte Kostbarkeit des Kirchenschatzes ist der Heribertkelch aus dem 13. Jahrhundert. Auf ihm sind die Figuren der zwölf Apostel eingraviert.

Zum Kirchenschatz gehören weiterhin das Stiftssiegel aus dem 12. Jahrhundert, eine gotische Monstranz aus dem Jahre 1409 und ein hölzernes (in neuerer Zeit mit Silber beschlagenes) Sterbekruzifix mit elfenbeinernem Corpus aus dem Jahre 1640.[5]

Orgeln[Bearbeiten]

St. Aposteln verfügt heute über drei Orgeln. Die kleinste dieser Orgeln (entstanden in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre unter Verwendung eines Gehäuses und eines Pedals aus der Zeit um 1660) ist ein Orgelpositiv aus der Orgelbauwerkstatt Kubak in Augsburg. Sie befindet sich in der Krypta. Im Kirchenraum selbst stehen eine kleine Chororgel aus dem Jahre 1989 (zwischen Mittelschiff und südlichem Seitenschiff), sowie die große Hauptorgel im Westchor aus dem Jahre 1996.

Die Apostelkirche beherbergte im 18. Jahrhundert eine große Orgel des renommierten Orgelbauers Balthasar König, die wohl um das Jahr 1738 erbaut worden war. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Instrument von dem Orgelbauer Engelbert Maass umfassend restauriert.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der der Schweizer Orgelbauer Friedrich Goll (Luzern) mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt. Das Instrument war 1892 fertiggestellt. Die Goll-Orgel hatte mechanische Trakturen und war mit Barkerhebeln ausgestattet. Sie hatte 62 Register auf drei Manualen und Pedal.[9]

Nach dem Wiederaufbau von St. Aposteln baute die Orgelbaufirma Romanus Seifert (Kevelaer) eine neue Orgel mit 63 Registern auf vier Manualen und Pedal. Ende der 1980er Jahre entschied sich die Gemeinde gegen eine Restaurierung der Seifert-Orgel, und beauftragte die Orgelbaufirma Fischer & Krämer (Endingen) mit dem Bau einer neuen Hauptorgel sowie einer Chororgel. 1995 wurde die Seifert-Orgel durch den Orgelbauer Siegfried Schulte (Kürten-Bechen) abgebaut, restauriert und in der Pfarrkirche St. Paul aufgestellt.

Chororgel[Bearbeiten]

Im Jahr 1989 war die Chororgel fertiggestellt. Sie dient dazu, den gregorianischen Choral bei Hochamt und Stundengebet zu begleiten, zur Begleitung von Chor und Solisten, als Soloinstrument bei Konzerten und auch zur Begleitung der singenden Gemeinde. Mit Blick auf diese vielfältigen Einsatzzwecke ist die Orgel horizontal drehbar gelagert. Das Schleifladen-Instrument hat 12 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. 7 Register des Hauptwerkes stehen auf Wechselschleifen, wodurch sie als Register des Brustwerkes spielbar gemacht werden.[10] Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[11]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Gedeckt 8′
3. Octave 4′
4. Blockflöte 4′
5. Nasard 22/3
6. Schwegel 2′
7. Tierce 13/5
8. Quinte 11/3
9. Mixtur III–IV 2′
10. Hautbois 8′
II Brustwerk C–g3
11. Gemshorn 8′
12. Octave (Nr. 3) 4′
13. Blockflöte (Nr. 4) 4′
14. Nasard (Nr. 5) 22/3
15. Schwegel (Nr. 6) 2′
16. Tierce (Nr. 7) 13/5
17. Quinte (Nr. 8) 11/3
18. Hautbois (Nr. 10) 8′
Pedal C–f1
19. Subbass 16′

Hauptorgel[Bearbeiten]

Hauptorgel

1996 war die neue Hauptorgel im Westchor fertiggestellt, mit Ausnahme der drei Chamadenregister der „Trompeteria“, die im Jahre 2006 eingebaut wurden. Das Schleifladen-Instrument hat 80 Register auf vier Manualwerken und Pedal und ist damit die zweitgrößte Orgel Kölns nach der Querhausorgel im Kölner Dom. Die drei Chamadenregister (Trompeteria) lassen sich an jedes Manualwerk und das Pedalwerk ankoppeln.[10] Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Koppeln sowie die Registertrakturen sind elektrisch. Neben dem Schwellwerk ist auch das Brustwerk schwellbar angelegt; eine Besonderheit ist, dass das Schwellwerk auch nach hinten, zum Turmraum hin, Schwelljalousien hat, um so den Effekt eines Fernwerkes zu erreichen.[12]

I Hauptwerk C–a3
1. Principal 16′
2. Bourdon 16′
3. Principal 8′
4. Flöte 8′
5. Gedeckt 8′
6. Gambe 8′
7. Quinte 51/3
8. Octave 4′
9. Rohrgedeckt 4′
10. Tierce 31/5
11. Quinte 22/3
12. Octave 2′
13. Nachthorn 2′
14. Großmixtur V 2′
15. Mixtur III–IV 1′
16. Cornet V 8′
17. Trompete 16′
18. Trompete 8′
19. Trompete 4′
Tremulant
II Brustwerk C–a3
20. Holzgedeckt 8′
21. Salizional 8′
22. Principal 4′
23. Spitzgedeckt 4′
24. Octave 2′
25. Terz 13/5
26. Larigot 11/3
27. Scharff II–III 2/3
28. Voix Humaine 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–a3
29. Bourdon 16′
30. Violon 16′
31. Geigenprincipal 8′
32. Viola da Gamba 8′
33. Voix Céleste 8′
34. Bourdon 8′
35. Flûte Harmonique 8′
36. Octave 4′
37. Flûte Traversière 4′
38. Viola 4′
39. Nazard 22/3
40. Flageolet 2′
41. Tierce 13/5
42. Septième 11/7
43. Sifflet 1′
44. Fourniture Progr. IV–VII 22/3
45. Basson 16′
46. Trompette Harmonique 8′
47. Clarinette 8′
48. Hautbois 8′
49. Clairon Harmonique 4′
Tremulant
IV Positiv C–a3
50. Praestant 8′
51. Rohrflöte 8′
52. Gemshorn 8′
53. Quintade 8′
54. Octave 4′
55. Spielflöte 4′
56. Schwegel 2′
57. Quinte 11/3
58. Mixtur IV 1/3
59. Sesquialter II 22/3
60. Fagott 16′
61. Trompete 8′
62. Krummhorn 8′
Tremulant

Trompeteria C–a3
63. Chamade 16′
64. Chamade 8′
65. Chamade 4′
Pedalwerk C–f1
66. Untersatz 32′
67. Principal 16′
68. Subbass 16′
69. Bourdon 16′
70. Violon 16′
(Fortsetzung)
71. Octave 8′
72. Spitzflöte 8′
73. Cello 8′
74. Choralbass 4′
75. Flöte 4′
(Fortsetzung)
76. Hintersatz IV 22/3
77. Bombarde 32′
78. Posaune 16′
79. Basson 16′
80. Trompete 8′

Glocken[Bearbeiten]

Große Glocke Johannes Paul II. von 2005
Vollgeläut der Basilika St. Aposteln

Der Glockenbestand umfasst sieben Glocken.

Im Jahre 1507 wurden vier Glocken durch Meister Johann von Andernach gegossen. Die drei großen Glocken Salvator, Ave Maria und Felix bildeten das Stiftsgeläut. Die kleine Adauctusglocke diente als separate Pfarrglocke und hingt im Dachreiter über der Vierung. Mit der Säkularisation und Aufhebung des Stifts im Jahre 1802 gingen alle Glocken in den Besitz der Pfarrgemeinde über. Nach dem Geschmack der damaligen Zeit harmonierte die Pfarrglocke nicht mit den Stiftsglocken, sodass man sie an die Pfarrei St. Amandus zu Rheinkassel verschenkte, wo sie seitdem in Gebrauch ist.[13]

Im Jahre 1927 kamen zwei Glocken von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher mit den Namen Görres und Franziskus hinzu. 1938 wurde die Marienglocke aus dem Material der alten Glocke neugegossen.[14] Im Zweiten Weltkrieg entgingen diese drei Glocken trotz ihres geringen Alters den Glockenenteignungen. Für den südlichen Chorflankenturm wurde 1983 in Gescher eine kleine Glocke, die Josephsglocke, gegossen. Sie dient der Pfarrei als Sterbeglocke.

Anlässlich des 20. Weltjugendtages im August 2005 goss die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock die bisher größte Glocke für St. Aposteln. Die im Volksmund Weltjugendtagsglocke genannte Glocke wurde von Papst Benedikt XVI. feierlich eingeweiht. Neben der St. Petersglocke und der Pretiosa des Domes, sowie der Engelglocke von St. Kunibert zählt sie zu den größten Glocken der Stadt. Das sechsstimmige Hauptgeläut im Westturm erhielt einen neuen Holzglockenstuhl, Holzjoche und eine elektrische Beieranlage. Diese gibt auch den Uhrschlag an.[15]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm, ca.)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
Inschrift
(aus dem lat.)
1 Johannes Paul II. 2005 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 2.180 6.700 g0 −7 (Dich Gott lobe ich, Dich Herr bekenne ich, im glorreichen Chor der Apostel. Papst Benedikt XVI. hat mich geweiht am 20. August 2005 anlässlich der 20. Weltjugendtage zu Köln. Johannes Paul II heiße ich in Erinnerung an den Diener Gottes der heimgegangen ist am 2. April desselben Jahres.)
2 Görres 1927 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1.800 3.800 b0 −2 Nur eine Weisheit kennt die Geschichte seit allen Zeiten: Gott ist das Fundament. In ihm ist Einheit, um ihn die bunte Mannigfaltigkeit. Lasst uns loben die ruhmvollen Männer, die Ahnen unseres Geschlechts. Dem Andenken an Joseph von Görres der Pfarrkirche von St. Aposteln gestiftet vom Kölner Görreshaus 1927.
3 Salvator 1509 Johann von Andernach 1.590 2.700 des1 +7 (Erlöser heiße ich – ich künde die festlichen Tage – mit klarem ehernen Ton singe ich das Gotteslob durch die Lüfte und rufe den Klerus zusammen, Christi Tod zu feiern.)
4 Ave Maria 1938 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1.300 1.300 es1 −4 (Ave Maria heiße ich – Ansagerin der Zeiten des Gotteslobes bin ich – wenn ich läute, flieht der Blitz.)
5 Felix 1507 Johann von Andernach 1.120 860 f1 −1 (Felix heiße ich – mit lieblichem Lied vertreibe ich die bösen Geister – durch meinen Gesang führe ich die zur Wache bereiten Herzen dem Chore zu.)
6 Franziskus 1927 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1.080 750 ges1 +4 Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Stifter: Nikolaus Grün.
7 Joseph 1983 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 450 55 b2 −1 (Ich heiße Joseph – ich helfe den Sterbenden – ich beklage die Toten – ich künde die Auferstehung.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Adam: Vorromanik und Romanik. Frankfurt 1968, S. 17.
  2. Homepage der Gemeinde
  3. gemeinden.erzbistum-koeln.de
  4. romanische-kirchen-koeln.de
  5. a b c gemeinden.erzbistum-koeln.de
  6. Bühren 2008, S. 615–616.
  7. gemeinden.erzbistum-koeln.de
  8. romanische-kirchen-koeln.de
  9. Informationen zur Goll-Orgel (PDF; 363 kB)
  10. a b Nachweis bei http://www.orgelsite.nl/
  11. Informationen zur Chororgel auf der Website der Gemeinde
  12. Informationen zur Orgel
  13. Die Glocke hat den Schlagton a1 +2.
  14. Gerhard Hoffs: Glockenmusik der Katholischen Kirchen in Köln, S. 92.
  15. Informationen zu den Glocken

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76388-4.
  • Annerose Berners: St. Aposteln in Köln. Untersuchungen zur Geschichte eines mittelalterlichen Kollegiatstifts bis ins 15. Jahrhundert. 2 Bde., Diss. Bonn 2004.
  • Sabine Czymmek: Die Kölner romanischen Kirchen, Schatzkunst. Bd. 1 (Colonia Romanica, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V., Bd. XXII, 2007). Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0421-5, S. 75–122.
  • Jörg Poettgen: Das spätgotische Geläute von St. Aposteln. Ein unbekanntes Werk des Kölner Meisters Johan van Andernach. In: Colonia Romanica II. 1987, S. 16–32.
  • Gottfried Stracke: Köln: St. Aposteln. (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Bd. 19). J.P. Bachem, Köln 1992, ISBN 3-7616-1035-1.
  • Norbert Nussbaum: St. Aposteln in Köln. Neuss 1985, ISBN 3-88094-491-1.
  • Ulrich Krings, Otmar Schwab: Köln: Die Romanischen Kirchen. Zerstörung und Wiederherstellung. (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Bd. 2). J.P. Bachem, Köln 2007, ISBN 978-3-7616-1964-3.
  • Jürgen Kaiser (Text) und Florian Monheim (Fotos): Die großen romanischen Kirchen in Köln, Greven Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-7743-0615-8, S. 38–49.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Aposteln (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die Baukunst, 11. Heft – Quellen und Volltexte

50.9366388888896.945Koordinaten: 50° 56′ 12″ N, 6° 56′ 42″ O