St. Bartholomä (Königssee)

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St. Bartholomä
St. Bartholomä am Königssee. Im Hintergrund die Watzmann-Ostwand.

St. Bartholomä am Königssee. Im Hintergrund die Watzmann-Ostwand.

Daten
Ort Westufer des Königssees auf der Halbinsel Hirschau, Gemeinde Schönau am Königssee
Baujahr Weihe am 25. Juli 1868
Koordinaten 47° 32′ 41″ N, 12° 58′ 21″ O47.54476388888912.972566666667Koordinaten: 47° 32′ 41″ N, 12° 58′ 21″ O
Besonderheiten
Ziel der Almer Wallfahrt
Die Kirche mit ehemaligem Jagdschloss

St. Bartholomä ist eine Wallfahrtskapelle am Westufer des Königssees auf der Halbinsel Hirschau. Die sehr kleine Siedlung auf der Halbinsel wurde 1978 als Ortsteil[1] in die Gemeinde Schönau am Königssee eingemeindet. Die Halbinsel ist nur per Schiff bequem erreichbar; zu Fuß kann sie nur über lange, teils hochalpine Wege erreicht werden. Die Kapelle stammt in einigen Teilen noch aus dem 12. Jahrhundert. Seit dem 17. Jahrhundert ist sie im Stil des Barock gestaltet. St. Bartholomäus galt als Schutzherr der Almbauern und Sennerinnen. Die Kapelle besitzt zwei unterschiedliche Zwiebeltürme und rote Kuppeldächer. Der Grundriss imitiert von der Form den Salzburger Dom. Die Kirche enthält Stuckaturen des Salzburger Künstlers Josef Schmidt und einen Dreikonchenchor, die Altäre in den einzelnen Konchen sind jeweils St. Bartholomäus, St. Katharina und St. Jacobus geweiht.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbau der heutigen Kirche von St. Bartholomä war laut einer Urkunde eine „bescheidene Kapelle“ mit „Spitzhelm“, die am 24. August 1134 als Basilica Chunigesee eingeweiht und 1522 mit dem päpstlich verbrieften Recht ausgestattet wurde, Ablasszahlungen entgegenzunehmen. 1697 und 1698 ist diese Kapelle abgerissen und als Kuppelbau neu errichtet worden. Weitere bauliche Veränderungen ließ im 18. Jahrhundert Fürstpropst Cajetan Anton Notthafft von Weißenstein vornehmen.[2]

Der bayerische König Ludwig II. ließ die baufällige Kapelle aus seiner Kabinettskasse restaurieren, nachdem die dafür zuständige Kirchenstiftung St. Andrä in Berchtesgaden leistungsunfähig geworden war. Geweiht wurde die Kapelle am 25. Juli 1868.[3]

Das zuvor im „ausmärkischen Forstbezirk St. Bartholomä“ liegende Jagdschloss wurde 1903 als Exklave in die Gemeinde Königssee eingegliedert, die ihrerseits 1978 in die Gemeinde Schönau am Königssee eingemeindet wurde. Nach Auflösung der gemeindefreien Gebiete Forstbezirk St. Bartholomä und Forstbezirk Königssee und ihre Eingliederung in die Gemeinde Schönau am Königssee am 1. Januar 1984 entfiel auch die Exklaveneigenschaft des St. Bartholomä-Gebäudeensembles.[4] Das kleine Gebiet wurde dabei auch von der Gemarkung Königssee in die Gemarkung St. Bartholomä verschoben.

Almer Wallfahrt[Bearbeiten]

Jedes Jahr ist St. Bartholomä am Samstag nach dem 24. August (Bartholomäustag) das Ziel der traditionellen Almer Wallfahrt. Es handelt sich um die älteste Gebirgswallfahrt Europas, ihre Anfänge gehen vermutlich auf die Zeit um 1635 zurück. Die Wallfahrer, im Jahr 2006 waren es über zweitausend, steigen in einem langen Fußmarsch, beginnend von Maria Alm im österreichischen Pinzgau, über die Ramseider Scharte mit dem Riemannhaus und den Funtensee durch das Steinerne Meer nach Sankt Bartholomä ab. Ursprüngliches Ziel der Pilger war die Kirche in Dürrnberg. Nachdem am 23. August 1688 mehr als 70 Wallfahrer beim Übersetzen des Königssees ertrunken waren, wurde St. Bartholomä Ziel der Pilger[5].

Blick von der Archenkanzel auf St. Bartholomä

Erreichbarkeit[Bearbeiten]

Kürzer als der Weg der Wallfahrer ist der Weg westlich des Sees vom Ort Königssee zunächst entlang der Bob- und Rodelbahn Königssee und dann über den Klingersteig hinauf zur Kührointalm (1420 m), hinüber zur Archenkanzel und wieder hinunter über den Rinnkendlsteig, mit einer Gehzeit von vier bis fünf Stunden (Schwindelfreiheit nötig).

Übrige Gebäude[Bearbeiten]

Mit St. Bartholomä ist im Sprachgebrauch nicht nur die Kapelle sondern der gesamte Gebäudekomplex auf der Halbinsel gemeint. Auch in der amtlichen Statistik ist mit St. Bartholomä die gesamte Siedlung (Gemeindeteil: Einöde) gemeint. Neben der Kapelle liegt das ehemalige Jagdschloss, das aus einem Fischerhaus aus dem 14. Jahrhundert in den Jahren 1506 bis 1522 erbaut und anschließend noch mehrmals umgebaut wurde.[6] Das Gebäude war bis 1803 eine Beherbergungsstation der Berchtesgadener Fürstpröpste. Nach 1810, als das Gebiet der Fürstpropstei Berchtesgaden dem Königreich Bayern angegliedert wurde, diente es den Wittelsbachern als Jagdschloss. Heute ist es eine Gaststätte. Dazu kommen noch ein Souvenirstand, eine Informationsstätte des Nationalparks Berchtesgaden (früher eine Holzknechtshütte), das Watzmannostwand-Lager, die Königssee-Fischerei und einige weitere Gebäude.

→ Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Schönau am Königssee#Sankt Bartholomä

Tourismus[Bearbeiten]

An Wochenenden mit schöner Witterung wird St. Bartholomä von Tausenden Touristen per Schiff aufgesucht. Sobald nachmittags das letzte Schiff zum Dorf Königssee zurückgefahren ist, kehrt in St. Bartholomä Stille ein; lediglich die Aspiranten für die Watzmann-Ostwand haben das Recht, auf Hirschau zu übernachten.

Am 29. Januar 2006 waren zirka 60.000 Menschen auf dem zugefrorenen Königssee unterwegs, wovon ein Großteil auch St. Bartholomä erreicht haben dürfte.

Panoramabild von St. Bartholomä

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Bartholomä (Königssee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.schoenau-koenigssee.com Gemeinde Schönau am Königssee > Die Gemeinde > Zahlen und Daten. Aufgerufen am 17. August 2013.
  2. A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 289 f.
  3. D. van Endert: Organ für christliche Kunst, Nr. 21 vom 1. November 1868, Köln 1868, S. 250, Digitalisat (Doppelseite 137)
  4. Historischer Atlas von Bayern Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden (Teil Altbayern, Heft 7, München 1954; Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698 I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Gemeindeverzeichnis von 1817)
  5. Das Steinerne Meer. Verschiedene Sektionen des OeAV und DAV, Naturfreunde München in Zusammenarbeit mit der Bundesgeschäftsstelle des DAV, April 2008, abgerufen am 28. März 2010 (PDF).
  6. geschichte.digitale-sammlungen.de Historischer Atlas von Bayern - Vergriffene Bände; Band: Altbayern Reihe I Heft 7: Fürstpropstei Berchtesgaden. S. 18
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