St. Blasien

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt St. Blasien im Schwarzwald. Für andere Bedeutungen siehe Blasiuskirche.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt St. Blasien
St. Blasien
Deutschlandkarte, Position der Stadt St. Blasien hervorgehoben
47.7619444444448.1283333333333770Koordinaten: 47° 46′ N, 8° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 770 m ü. NHN
Fläche: 54,36 km²
Einwohner: 3684 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 79837,
79875 (Luchle)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 07672,
07675 (Menzenschwand),
07755 (Teile von Albtal)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 097
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Kurgarten 11
79837 St. Blasien
Webpräsenz: www.st-blasien.de
Bürgermeister: Rainer Fritz
Lage der Stadt St. Blasien im Landkreis Waldshut
Aare Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Lörrach Landkreis Konstanz Landkreis Tuttlingen Schwarzwald-Baar-Kreis Albbruck Bad Säckingen Bernau im Schwarzwald Bonndorf im Schwarzwald Dachsberg (Südschwarzwald) Dettighofen Dogern Eggingen Görwihl Grafenhausen Häusern Herrischried Höchenschwand Hohentengen am Hochrhein Ibach (Schwarzwald) Jestetten Klettgau (Gemeinde) Küssaberg Lauchringen Laufenburg (Baden) Lottstetten Murg (Hochrhein) Rickenbach (Hotzenwald) St. Blasien Stühlingen Todtmoos Ühlingen-Birkendorf Waldshut-Tiengen Wehr (Baden) Weilheim (Baden) Wutach (Gemeinde) Wutöschingen Schweiz RheinKarte
Über dieses Bild

St. Blasien ist eine Stadt in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Waldshut. Der Ort entstand um das Kloster St. Blasien.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der heilklimatische und Kneipp-Kurort St. Blasien liegt im Südschwarzwald südlich des Schluchsees im Albtal. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 600 Meter über NN bis zum 1349 Meter hohen zum Feldbergmassiv gehörenden Spießhorn.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Etwa 77 Prozent der Gemeindefläche bestehen aus Wald, 16 % werden landwirtschaftlich genutzt, der Rest ist Siedlungs- und Verkehrsfläche.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

St. Blasien grenzt im Norden an die Gemeinden Feldberg und Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, im Osten an Häusern und Höchenschwand, im Süden an Dachsberg und im Westen an Ibach und Bernau im Schwarzwald.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Luftaufnahme der Klosteranlage St. Blasien
Dom St. Blasius, Meisterwerk des Frühklassizismus

Zur Stadt St. Blasien gehören die früher selbstständigen und in den 1970er Jahren eingemeindeten Gemeinden Immeneich, Menzenschwand und Schlageten. Zur ehemaligen Gemeinde Immeneich gehören die Dörfer Immeneich und Niedermühle. Zur ehemaligen Gemeinde Menzenschwand gehören die Dörfer Menzenschwand-Hinterdorf und Menzenschwand-Vorderdorf. Zur Stadt St. Blasien in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehören die Stadt St. Blasien, die Höfe Glashof, Windberghof und Wolfsboden und die Häuser In der Schmelze, Im Hüttlebuck und Glashofsäge. Zur ehemaligen Gemeinde Schlageten gehören das Dorf Schlageten, die Weiler Eckartschwand, Lehenwies, Luchle, Niedingen und Unterbildstein und die Zinken Ballenberg und Unterkutterau.[2]

Die ehemaligen Gemeinden Schlageten und Immeneich bilden heute den St. Blasier Ortsteil Albtal.[3]

Stadtteile von St. Blasien und deren Einwohnerzahl:[4]

Stadtteil Einwohnerzahl
St. Blasien 2.600
Menzenschwand 550
Albtal 410
Stadt St. Blasien 3.560

Geschichte[Bearbeiten]

St. Blasien an der Muchenländerstraße 1867
Kurhaus im Jahr 1884
St. Blasien 1906

Im Jahre 858 wurde erstmals ein Benediktinerkloster im heutigen St. Blasien erwähnt (Kloster St. Blasien). Die Geschichte der Stadt ist auf das Engste mit der des Klosters verknüpft. Das Kloster war ab dem späten Mittelalter eines der wichtigsten im Schwarzwald, bis es 1806 säkularisiert wurde. Die letzten Mönche übersiedelten (auf Umwegen) zum Stift St. Paul im Lavanttal in Kärnten. Danach wurde in den Klostergebäuden eine der ersten Maschinenfabriken Deutschlands (Spinnereimaschinen) aufgebaut. Von 1934 bis 1939 war und von 1946 an wieder ist das renommierte, von Jesuiten geleitete Kolleg St. Blasien mit Internat im Kloster untergebracht. Während des Krieges 1939 bis 1945 wurden die Gebäude als Lazarett genutzt.

1882 eröffnete der Lungenarzt Dr. Haufe das Sanatorium St. Blasien mit Behandlungsschwerpunkt Schwindsucht, heute überwiegend Tuberkulose genannt. Gegen alle Widerstände, auch der ortsansässigen Bevölkerung aus Angst vor der Schwindsucht und dem damit verbundenen Gewinnausfall durch Wegbleiben der Sommergäste, konnte die Klinik bis heute ihren weitreichenden Ruf als Spezialklinik erhalten und weiter ausbauen. Durch die ärztlichen Bemühungen und dem damit verbundenen Ruf der Klinik wurde St. Blasien zum Ganzjahres-Kurort.

Der Bereich um St. Blasien war 1929 der einzigen Teil Badens, der ein Gebiet mit einer Entfernung von über 15 Kilometer ohne Bahnanschluss aufwies.[5] Da die Dreiseenbahn nicht wie geplant bis nach St. Blasien fortgeführt wurde, besaß St. Blasien zwar bis vor ein paar Jahren einen Bahnhof, aber nie einen Schienenanschluss.[6]

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurde am 1. Juli 1974 die Gemeinde Menzenschwand eingemeindet. Am 1. Oktober 1974 wurde die Gemeinde Albtal eingemeindet, die am 1. Januar 1971 durch Vereinigung der Gemeinden Immeneich und Schlageten gebildet worden war.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,0 %
35,8 %
14,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,9 %p
+2,6 %p
+3,4 %p

Die Stadt ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands St. Blasien, dem außer der Stadt die Gemeinden Bernau, Dachsberg, Häusern, Höchenschwand, Ibach und Todtmoos angehören.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 53,0 % (–5,2 Prozentpunkte) zu folgendem Ergebnis:[7]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/–
CDU 50,0 % 6 –1
FWG 35,8 % 5 +1
SPD 14,3 % 1 ±0

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Blau ein linkshin springender goldener Hirsch.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

St. Blasien pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Innere des Doms
Torgebäude der alten Abtei
Prachtbau der alten Abtei
Hauptartikel: Dom St. Blasien

Nach einer Brandkatastrophe 1768 errichtete der Architekt Pierre Michel d’Ixnard (1768–1781) eine neue Abteikirche im frühklassizistischen Stil. Der Kuppelbau ist mit 36 Metern im Durchmesser und 62 Metern Höhe der drittgrößte seiner Art in Europa.[8]

Hauptartikel: Klinik St. Blasien

1892 wurde das Sanatorium St. Blasien errichtet, welches sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer der bekanntesten Lungenheilstättein Deutschlands entwickeln sollte. Unter den prominenten Patienten war Maxim Gorki, der hier vom Dezember 1921 bis zum April 1922 behandelt wurde.[9]. Noch heute ist die Lungenfachklinik St. Blasien über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Das Behandlungsspektrum umfasst alle Formen der Lungenerkrankungen wie chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, Lungentumore, Schlafmedizin und Beatmungsmedizin. Ebenso werden Tuberkulosekranke hier behandelt. Sehenswert sind hier neben dem historischen großen Speisesaal und dem historischen Krankenzimmer die einzelnen Kaminzimmer und der Wandelgarten.

Feldbergklinik Dr. Asdonk

Im Jahr 1930 errichteten Gebäude des „Fürstabt-Gerbert-Hauses“, einer ehemaligen Lungenfachklinik, ist seit 1983 die Feldbergklinik Dr. Asdonk beheimatet. Sie wurde bereits 1973 von Dr. Johannes Asdonk gegründet und ist die erste Fachklinik der Welt, die sich auf die Behandlung von Lymphabflussstörungen und Ödemkrankheiten spezialisiert hat. Das Gebäude der Feldbergklinik, in der bis heute Patienten mit Ödemen aller Art behandelt werden, ist mit seinen großen zusammenhängenden Balkonflächen charakteristisch für die Bauform der in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandenen Klinikeinrichtungen für die Durchführung der Klima- und Heliotherapie.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die internationalen Sommerkonzerte im Dom, jeweils von Ende Juni bis Anfang September, mit berühmten und bekannten Chören, Musikensembles und Organisten, die Klosterkonzerte im Festsaal des Kollegs und der Internationale Holzbildhauerwettbewerb. Im Abstand von mehreren Jahren finden aufwändig inszenierte Domfestspiele statt.[10]

Gericht und Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Amtsgericht St. Blasien gehört zum Landgerichtsbezirk Waldshut-Tiengen und Oberlandesgerichtsbezirk Karlsruhe und ist das kleinste und nach dem in Titisee-Neustadt höchstgelegene Amtsgericht in Deutschland.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Verbindung zur Stadt[Bearbeiten]

  • Reginbert von Seldenbüren († um 962 in St. Blasien), legendärer Gründer des Klosters St. Blasien
  • Martin Gerbert (1720–1793), Benediktinermönch und Fürstabt, entwickelte das Kloster St. Blasien zu einem Zentrum methodischer Geschichtsforschung und leitete den Wiederaufbau nach dem Brand von 1768
  • Adolf Bacmeister (1882–1945), Chefarzt der Lungenfachklinik St. Blasien und Flottenarzt der Reserve
  • Heinz Loßnitzer (1904–1964), Meteorologe, leitete von 1927 bis 1933 die Wetter- und Sonnenwarte St. Blasien
  • Johannes Asdonk (1910–2003), praktischer Arzt und Gründer der Feldbergklinik, die er von 1973 bis 1984 leitete. Pionier der modernen Lymphologie, erhielt 1986 aufgrund seiner Verdienste das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und wurde 1987 zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie ernannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 1008–1012
  3. http://stadt.stblasien.de/St.-Blasien/Zahlen-Daten-und-Fakten-der-Stadt-St.-Blasien
  4. http://stadt.stblasien.de/St.-Blasien/Zahlen-Daten-und-Fakten-der-Stadt-St.-Blasien
  5. Johann Hansing: Die Eisenbahnen in Baden. Ein Beitrag zur Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte, Fleischhauer & Spohn, Stuttgart 1929, S. 61
  6. vergessene-bahnen.de: Bahnhof St. Blasien, Zugriff am 5. November 2009
  7. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2009
  8. Schnell Kunstführer Nr. 555: St. Blasien/Schwarzwald. Regensburg 2001, Seite 7. ISBN 3-7954-4017-3.
  9. Klaus Hockenjos: "Maxim Gorki im Schwarzwald" Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins "Schau-ins-Land" Freiburg 2013, S.107-114. ISSN 1434-2766.
  10. http://www.domfestspiele-stblasien.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Blasien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien