St. Blasii (Quedlinburg)

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Blasiikirche im Jahr 2012

St. Blasii ist ein Kirchengebäude in Quedlinburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung von St. Blasii in Quedlinburg lässt sich in einer Urkunde von 1222 nachweisen. Ein Vorgängerbau stammt wahrscheinlich aus dem 10. Jahrhundert, Reste davon befinden sich im heutigen Turm. Diese älteste Kirche wurde 1267 durch einen prächtigen Bau ersetzt, der bis 1711 stand. In diesem Jahr begann ein Umbau der Kirche – mit Ausnahme des Turms – im Stil des Barocks, der 1715 vollendet wurde. Das Innere ist schmucklos; bemerkenswert ist das alte Kirchengestühl. Die Kirche ist im Quedlinburger Denkmalverzeichnis eingetragen.

Im Jahr 1702 baute der Quedlinburger Zimmermeister Gabriel Rühle für den Nordturm den Glockenstuhl, in dessen Rähm die Inschrift GABRIEL RUHLE ZIMMERMAN 1702 geschnitzt ist.[1]

St. Blasii, Innenraum
St. Blasii, Altar

An dieser Kirche predigte ab 1762 Johann August Ephraim Goeze. Er war ein Bruder des Theologen Johann Melchior Goeze, eines Gegners Lessings. Das Mausoleum der Familie Goeze befindet sich auf dem Marktkirchhof, gegenüber der St.-Benedikti-Kirche.

1841 bis 1843 wurde als Ersatz für den aufgegebenen innerstädtischen Friedhof der Kirche vor den Stadttoren der Blasii-Friedhof angelegt. 1911 wurde westlich der Kirche ein neues Pfarrhaus errichtet.

Die Kirche wurde in den 1990er Jahren mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz umfassend restauriert, nachdem sie seit 1952 nicht mehr genutzt worden war und sich die Bausubstanz seitdem erheblich verschlechtert hatte. Nach der Instandsetzung wird die Kirche hauptsächlich als Kulturort für Buchlesungen und Konzerte genutzt.

Der Kircheneingang zur Blasiistraße besitzt eine historische Besonderheit: Rechts und links des Portals befindet sich ein umfangreiches Vorkommen von Wetzrillen und Näpfchen, da dem hier gewonnenen Steinstaub im Volksglauben des Mittelalters eine heilende bzw. segnende Wirkung nachgesagt wurde.

Orgel[Bearbeiten]

St. Blasii, Orgel

Die Orgel wurde 1905 von Ernst Röver (Quedlinburg) erbaut. Das romantisch disponierte Instrument ist bis auf den Prospekt vollständig erhalten. Es hat 30 Register (pneumatische Kastenladen) auf zwei Manualen und Pedal. Im Zuge der Renovierung von St. Blasii wurde das Instrument umfassend saniert, wobei auch die Prospektpfeifen nach den originalen Mensuren rekonstruiert wurden.[2]

I Hauptwerk C–

1. Principal 16′
2. Bordun 16′
3. Principal 8′
4. Gambe 8′
5. Hohlflöte 8′
6. Gemshorn 8′
7. Gedackt 8′
8. Octave 4′
9. Traversflöte 4′
10. Mixtur IV
11. Trompete 8′
II Brustwerk C–
12. Gedackt 16′
13. Geigenprincipal 8′
14. Salicional 8′
15. Offenflöte 8′
16. Zartgedackt 8′
17. Aeoline 8′
18. Voix celeste 8′
19. Viola 4′
20. Flöte 4′
21. Piccolo 2′
22. Clarinette 8′
Pedalwerk C–
23. Offenbaß 16′
24. Subbaß 16′
25. Violon 16′
26. Octavbaß 8′
27. Cello 8′
28. Flötebaß 8′
29. Octave 4′
30. Posaune 16′
  • Koppeln: Manual- und Manualoctavcoppel, I/P, II/P
  • Spielhilfen: Feste Kombinationen (p, mf, f, Tutti), Auslöser, Calcant

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried Korf: Quedlinburg. Pfarrkirche St. Blasii. Friedrich Jürgens Nachf., Quedlinburg 1996 (Quedlinburg 1).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Hartmut Schauer, Quedlinburg, Fachwerkstatt/Weltkulturerbe, Verlag Bauwesen Berlin 1999, ISBN 3-345-00676-6, Seite 76
  2. Nähere Informationen zu Ernst Röver und der Röverorgel, gesehen 8. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Blasii (Quedlinburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.78864694444411.140271111111Koordinaten: 51° 47′ 19″ N, 11° 8′ 25″ O