St. Maria und Clemens (Schwarzrheindorf)

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Schwarzrheindorf, St. Maria und Clemens

St. Maria und Clemens ist eine romanische Doppelkirche in Schwarzrheindorf. Sie liegt im Bonner Ortsteil Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf nördlich des Beueler Zentrums im Stadtbezirk Beuel. Sie ist insbesondere wegen ihrer reichhaltigen Deckenmalereien eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Deutschlands und steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1] Die Oberkirche ist der Gottesmutter, die Unterkirche dem Heiligen Clemens geweiht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde im Auftrag von Arnold II. von Wied (ab 1151 bis 1156 Erzbischof und Kurfürst von Köln) und dessen Schwester Hadwig von Wied Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet. Nach einem in der Apsis des unteren Kirchenraumes befindlichen Hinweis wurde sie am 25. April 1151 in Anwesenheit des Staufer-Königs Konrad III. geweiht.[2] Sie besitzt einen kreuzförmigen Grundriss und war ursprünglich ein Zentralbau. Das Gebäude entstand auf dem Hofgut des von Wied, der nach seiner Rolle als Kölner Dompropst Erzbischof wurde und ab 1138 Kanzler von König Konrad III. war.

Nicht lange nach der Einweihung der Kirche gründete Arnold von Wieds Schwester Hadwig nach dem Tod des Bruders (1156) hier ein Kloster der Benediktinerinnen. Hadwig stand als Äbtissin den Klöstern von Essen und Gerresheim vor. Aus dem Obergeschoss wurde nun die Klausurkirche der Nonnen. Später wurde das Kloster in ein adeliges Damenstift umgewandelt. Das Dorf und das Stift Schwarzrheindorf waren eine Unterherrschaft im kurkölnischen Amt Bonn. Die Äbtissin des Stift hatte die Niedere Gerichtsbarkeit.

Nach der Inbesitznahme verschiedener rechtsrheinischer Teile Kurkölns durch den Fürsten von Nassau-Usingen (1803) wurden das Stift und die Herrlichkeit Schwarzrheindorf 1804 aufgelöst.[3]

Die Kirche verlor weitgehend ihre Ausstattung. Um den Erhalt der Kirche selbst machte sich Helfrich Bernhard Hundeshagen verdient.[4] Die romanischen Deckenmalereien gerieten unter der im 17. und 18. Jahrhundert aufgebrachten Tünche in Vergessenheit. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie wiederentdeckt und freigelegt, ab 1863 restauriert. Seit 1868 wird die Kirche wieder als Pfarrkirche genutzt.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde im Rahmen von Arbeiten an der Fußbodenheizung das ursprüngliche Grab des Arnold von Wied gefunden. Seine Gebeine wurden in eine Stahlkassette gebettet und fanden Platz unter dem 1997 geschlossenen Grabstein.

Architektur[Bearbeiten]

Blick in den Chor

Das Kirchengebäude wird von einem mächtigen Vierungsturm dominiert. Es besteht aus einem unteren Kirchenraum, der sogenannten Unterkirche, und einem darüberliegenden Kirchenraum, der sog. Oberkirche. Eine achteckige Öffnung verbindet beide Kirchenräume, sodass vom Untergeschoss aus Blickbezug auf die Malereien der Oberkirchenapsis besteht, die der mittelalterlichen Vorstellung des himmlischen Jerusalems entspringen. Pate für den Kirchenbau stand offenbar die Pfalzkapelle in Aachen. Das Modell der „Doppelkirche“ wiederum war in vielen Burgkapellen bewährt. Die in der älteren Literatur mehrfach geäußerte These, die Unterkirche sei Volkskirche, die Oberkirche Raum der Grafenfamilie gewesen, lässt sich nach neueren Forschungen nicht mehr halten. Eine genaue Kenntnis der Raumnutzung fehlt.

Der Grundriss der Kirche ist durch einen rechteckigen Zentralbau bestimmt, in dessen Seitenwänden sich vier Konchen befinden. Die nach Osten weisende Konche ist zur Apsis vergrößert und mit einem Vorjoch zum Kirchenraum hin architektonisch abgegrenzt. Die Oberkirche folgt der Kreuzform des Kirchenbaus (ohne Konchen). Um das Obergeschoss ist eine Zwerggalerie mit reich geschmückten Säulen geführt. Als die Hofkirche des Grafen von Wied in eine Klosterkirche umgewandelt wurde, erweiterte man den westlichen Kreuzarm um zwei Joche nach Westen, um im Obergeschoss einen Nonnenchor einrichten zu können.

Heute noch vorhandene seitliche Abbruchreste weisen auf frühere Bauten (wahrscheinlich die Burg des von Wied) hin, von denen aus ein direkter Zugang in das Obergeschoss existierte. Die heutigen, an der Stelle der 1820 durch Bernhard Hundeshagen dokumentierten Reste der Burganlage errichteten Bauteile (Bogen und Sakristeianbau), wurden 1903 bis 1905 errichtet.

Beide Kirchenräume besitzen eine sehr gut erhaltene Ausmalung. Die in der Unterkirche stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die der Oberkirche datiert von 1173.

Die Themen der Wandmalereien beziehen sich auf die Theologie des Rupert von Deutz und Otto von Freising. In den Deckenmalereien der Oberkirche (nach 1166), sind der Stifter Arnold von Wied und seine Schwester Hedwig, Äbtissin des späteren Klosters am gleichen Ort, zu Füßen einer Darstellung des thronenden Christus (Majestas Domini) abgebildet.

Orgel[Bearbeiten]

Die im Jahre 1728 von Johann Michael Stumm (1683 - 1747), Rhaunen-Sulzbach erbaute Orgel kam nach mehreren Stationen im Jahre 1936 nach Schwarzrheindorf und ist dort in der Oberkirche aufgestellt. Ursprünglich wurde sie für die Franziskanerkirche in Koblenz erbaut. Da keine Pedalregister und kein Spieltisch vorhanden waren, baute die Firma Klais aus Bonn einen neuen Spieltisch und ein neues Pedalwerk ein. Das Instrument verfügt heute über 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. 1968/1976 wurde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt und kann nun sowohl vom elektrischen Spieltisch als auch vom rekonstruierten, mechanischen Spieltisch gespielt werden.

Oberwerk
Principal 8’
Gamba ab c' 8’
Hohlpfeif 8’
Octav 4’
Flöt 4’
Quint 3’
Superoktave 2’
Terz 13/5
Cornett IV 4’
Mixtur IV 1′
Trompete (B) 8’
Trompete (D) 8’
Echowerk
Hohlpfeif 8’
Rohrflöte 4’
Salicional 2’/4’
Octav 2’
Quint 11/3
Cimbel II 1′
Krummhorn 8’
Vox humana (B) 8’
Vox humana (D) 8’
Pedal
Subbass 16’
Prinzipalbaß 8’
Quintbaß 6’
Octavbaß 4’
Piffaro II
Posaune 16’

Glocken[Bearbeiten]

Im Vierungsturm hängt ein Geläut aus sieben Glocken. Die älteste von ihnen stammt aus dem Jahr 1636; sie wurde von französischen Revolutionstruppen nach Mirecourt verschleppt und gelangte 1964 wieder zurück nach Schwarzrheindorf. Im Gegenzug erhielt Mirecourt eine neue Glocke als Geschenk des Landes Nordrhein-Westfalen. Seitdem besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Mirecourt und Beuel.

Die alte Glocke wurde 1965 durch sechs Glocken der Glockengießerei Mabilon aus Saarburg ergänzt. Diese sieben Glocken bilden nach dem Geläut von St. Josef in Beuel und dem der Münsterbasilika den umfangreichsten Glockenbestand Bonns.[5]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Gabriel 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 1209 1100 f1 –7
2 Raphael 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 1074 750 g1 –7
3 Michael & Maria Magdalena 1636 Peter Dron & Claudius Poincaret 830 ≈330 a1 –7
4 Jesaja 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 780 300 c2 –6
5 Jeremia 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 692 220 d2 –6
6 Ezechiel 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 615 150 e2 –6
7 Daniel 1965 Glockengießerei Mabilon, Saarburg 565 130 f2 –6

Literatur[Bearbeiten]

  • Katholische Kirchengemeinde zum Heiligen Klemens (Hrsg.): 825 Jahre Doppelkirche Schwarzrheindorf 1151–1976, mit Beiträgen von Prof. Dr. Heinrich Neu, Dozent Dr. Franz Josef Helfmeyer, Pfarrer Karl Königs, Bonn 24. April 1976.
  • Dohmen, Christoph: Das Neue Jerusalem. Der Ezechiel-Zyklus von Schwarzrheindorf, Bouvier-Verlag, Bonn, 1994.
  • Heinrich Blumenthal: Baugeschichte der Doppelkirche von Schwarzrheindorf – Gedanken zur Erstellung des Bauwerks vor 850 Jahren, Rheinlandia-Verlag, Siegburg 2001. ISBN 978-3-935005-14-2.
  • Johannes Kunisch: Konrad III., Arnold von Wied und der Kapellenbau von Schwarzrheindorf, Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln Bd. 9 (Düsseldorf 1966) = Diss. phil. Uni München 1963.
  • Peter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Bouvier-Verlag, Bonn 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 15, Nummer A 488
  2. Wilhelm Bernhardi: Konrad III. Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Berlin 1975. (Neudruck der 1. Auflage von 1883 aus den Jahrbüchern der Deutschen Geschichte), S. 872.
  3. Schnorrenberg: Die letzten Tage des Stiftes Vilich in „Rheinische Geschichtsblätter“, 5. Jahrgang, Heft 4, Bonn, 1900, S. 150 (dilibri.de)
  4. Artikel im Bonner General-Anzeiger
  5. Gerhard Hoffs (Hg.): Glockenmusik Katholischer Kirchen Bonns. S. 168–175; PDF.

50.7506877.114967Koordinaten: 50° 45′ 2″ N, 7° 6′ 54″ O