St. Gangolf (Münchenlohra)

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Ansicht der Kirche von Nordosten
Ansicht der Kirche von Südwesten
Marienaltar
Romanische Krypta

Die Basilika St. Gangolf in Münchenlohra (Gemeinde Großlohra, Landkreis Nordhausen) ist eine romanische Klosterkirche im Norden Thüringens.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster Lohra wurde um 1170 von den Grafen von Lohra, deren Sitz sich auf der nahen Burg Lohra befand, gegründet und nach dem hl. Gangolf benannt. Es beherbergte Benediktinerinnen und Augustinerchorfrauen. Um 1170 entstand auch die romanische Klosterkirche. Nach der Reformation wurde das Kloster 1546 säkularisiert, weshalb die Anlagen und auch die Kirche langsam verfielen. 1590 kaufte die Familie von Gladebeck aus der Nähe von Northeim das ehemalige Kloster. In dieser Zeit ließ man die meisten Nebengebäude abreißen, einzig die Kirche wurde zunächst erhalten und 1666 durch Bodo von Gladebeck saniert. Nachdem die Familie von Gladebeck 1701 ausstarb, wurde das Klostergut Staatsdomäne und gehörte ab 1815 dem preußischen Staat. 1732 wurde ein Turm der Kirche abgerissen, wenig später der zweite sowie die Westapsis, die Seitenschiffe und die Nebenapsiden. Im verbliebenen Teil, dem Hauptschiff mit seinen Kreuzarmen, richtete man eine Dorfkirche für Münchenlohra ein. Auf der Außenseite wurden Schuppen und Scheunen angebaut.

1845 reiste der preußische Generalkonservator Ferdinand von Quast nach Münchenlohra und regte an, die Kirche wieder so aufzubauen, wie sie vor dem Abriss bestand. Dies führte Carl Schäfer von 1882 bis 1885 durch. Der Wiederaufbau fand dabei unter dem Gesichtspunkt statt, sich möglichst eng an das historische Original zu halten. Von 1951 bis 1957 wurde die Kirche nochmals umfassend saniert; ein besonderes Problem stellten hierbei die Fundamentsetzungen auf dem verkarsteten Untergrund dar. Gelöst wurde dies erst 1994 durch das Anbringen von Stahlankern und eine Neufundamentierung der Kirche.

Ausstattung[Bearbeiten]

St. Gangolf ist seit der Rekonstruktion wieder eine dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss mit einem doppeltürmigen Westwerk. Der Chor und die beiden Querhausarme schließen mit Apsiden. Unter dem Westwerk befindet sich eine weiträumige Säulenkrypta.

In der Hauptapsis der Kirche befindet sich der gotische Marienaltar. Er entstand zwischen 1510 und 1515 und stammt ursprünglich aus der nicht mehr vorhandenen Kirche von Karritz in der Altmark und kam 1957 nach Münchenlohra. Vorher war er im Stendaler Dom aufgestellt.

Der Taufstein stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Die beiden Glocken der Kirche befinden sich im Westwerk zwischen den Türmen. Die kleinere wurde 1894 von Peter Schilling in Apolda gegossen; die größere (700 kg) stammt aus der zerstörten Kirche der abgebaggerten Ortschaft Großkayna (Sachsen-Anhalt) und wurde schon 1316 gegossen.

Die Orgel wurde 1853 gebaut und stammt aus der Werkstatt des Orgelbauers Gottlieb Knauf aus Bleicherode.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Kirchgemeinde feiert an jedem Samstagabend die Vesper nach altkirchlichem Ritus. Konzerte in der warmen Jahreszeit und Festgottesdienste zu Osternacht, Himmelfahrt und Reformationstag finden regelmäßig statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Evangelisches Pfarramt Niedergebra: Basilika St. Gangolf Münchenlohra; Faltblatt der Kirchgemeinde zur Geschichte der Kirche
  • Schäfer: Kirche in Münchenlohra. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Jg. 6 (1886), Nr. 7, urn:nbn:de:kobv:109-opus-21556, S. 61–64. (Sechs Abbildungen)
  • Wolfram Siegel: Der heilige Gangolf in Münchenlohra an der Hainleite : Basilika, Kloster und karolingische Vorgeschichte. Lukas, Berlin 2005, ISBN 3-936872-50-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klosterkirche Münchenlohra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.42134722222210.661177777778Koordinaten: 51° 25′ 17″ N, 10° 39′ 40″ O