St. Georg (Küsnacht)

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St. Georg in Küsnacht von Norden
Innenraum
Innenraum mit Blick auf die Orgel

Die römisch-katholische Kirche St. Georg in Küsnacht ist eine neuromanische Pfarrkirche im Kanton Zürich.

Geschichte und Patrozinum[Bearbeiten]

Bereits das 1188 von Papst Clemens III. erwähnte erste Kirchengebäude in Küsnacht, die heutige Reformierte Kirche Küsnacht, war vor der Reformation dem heiligen Georg geweiht. Zwischen dem als Drachentöter bekannten Heiligen und einer Volkssage über einen Lindwurm im Küsnachter Tobel besteht wohl ein Zusammenhang.

Dass die erste Erwähnung der Kirche in Küsnacht durch einen Papst geschah, lässt vermuten, dass es sich bereits im 12. Jahrhundert um einen grösseren Kirchenbau mit ansehnlichen Besitztümern gehandelt haben muss. Ab dem 13. Jahrhundert besassen der Marien- und Georgsaltar der Kirche eine überregionale Ausstrahlung, sodass die Stadt Zürich den Karfreitag als Prozessionsgtag zur Küsnachter Kirche festsetzte. Bis zum Verbot von Prozessionen im Jahr 1524 blieb die Küsnachter Kirche ein beliebter Wallfahrts- und Prozessionsort.[1] Nach der Reformation in Zürich 1525 war der katholische Kult in den zürcherischen Untertanengebieten verboten.

Das Toleranzedikt von 1807 und die Niederlassungsfreiheit der Helvetischen Republik und später des Schweizerischen Bundesstaates ermöglichten es, dass Katholiken aus der Ost- und Zentralschweiz sowie aus dem benachbarten Ausland im Kanton Zürich sesshaft wurden und katholische Gottesdienste stattfinden konnten. Die Katholiken von Küsnacht wurden ab 1894 von der Liebfrauenkirche betreut, der ältesten rechtsufrigen katholischen Stadtpfarrei. 1898 wurde Küsnacht jedoch der Pfarrei St. Stephan Männedorf zugeschlagen. Am ersten Advent des gleichen Jahres fand die erste katholische Messe auf Küsnachter Boden seit der Reformation statt, und zwar im Saal des Hotels Falken an der Dorfstrasse. Ebenfalls 1898 wurde das Baugrundstück am Heslibach für die heutige Kirche St. Georg gekauft. Am 25. August 1901 wurde im Rohbau des Pfarrhauses eine erste Messe gefeiert. Anschliessend wurde mit dem Bau der Kirche St. Georg nach Plänen von Erwin Brunner und Max Meckel begonnen. Am 4. Oktober 1903 wurde die Kirche eingesegnet, Küsnacht zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben und damit von der Mutterpfarrei St. Stephan Männedorf abgetrennt.[2] Erst 84 Jahre später, nach einer umfassenden Sanierung, wurde die Kirche St. Georg durch den Bischof von Chur, Johannes Vonderach, im Jahr 1987 eingeweiht.[3] Die öffentlich-rechtliche Anerkennung der katholischen Kirche im Kanton Zürich im Jahr 1963 erleichterte die finanzielle Absicherung der Kirchgemeinden. So wurde es der Pfarrei St. Georg im Jahr 1971 möglich, ein eigenes Pfarreizentrum zu eröffnen. Dieses wurde jedoch am Pfingstsamstag 1994 bei einem Grossbrand völlig zerstört. Später erfolgte ein Neubau.[4]

Äusseres[Bearbeiten]

Der wuchtig wirkende Kirchenbau befindet sich an der Ecke Kirchstrasse/Bahnweg unweit des Bahnhofs und erinnert mit seiner neuromanischen Formensprache an die rheinische Romanik. Die Fassaden der Basilika sind mit Rundbogenfenstern und Blendbogenfries versehen. Dominiert wird der Eindruck durch den Glockenturm mit Biforenfenstern und Zeltdach und durch den anschliessenden Vierungsturm. Zum Säulenportal an der Hauptfassade führt eine Freitreppe, darunter liegt der Zugang zur Krypta. Der Kirchturm erhielt eine erste Glocke im Jahr 1903. Es handelte sich um eine gemietete Ave-Glocke, welche bis zum Jahr 1922 ihren Dienst tat. Am 6. Oktober 1922 erklangen erstmals die neuen Glocken. Im Innenhof zwischen Kirche, Pfarrhaus und Pfarreizentrum befindet sich ein Gelöbniskreuz, das 1950 an der Aussenwand der Kirche angebracht und gesegnet wurde. Es handelte sich um das erste öffentlich stehende Kreuz seit der Reformation auf Küsnachter Boden.[5] Gegenüber vom Haupteingang der Kirche befindet sich an der Fassade des Pfarreizentrums ein Relief, das den Hl. Georg zeigt.

Innenraum[Bearbeiten]

Das Hauptschiff wird durch auf Säulen mit Würfelkapitellen ruhende Arkaden von den Seitenschiffen abgetrennt. Die Vierung wird durch den hohen Vierungsturm beleuchtet. Der halbrunde Chor wird durch eine doppelte neuromanische Säulenreihe abgeschlossen. Im unteren Bereich befinden sich halbrunde Lisenen, im oberen Bereich Rundbogenfenster. Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel war das Innere der Kirche nach der Einsegnung noch schlicht. Die eigentlichen Hochaltäre der Kirche wurden erst im Jahr 1928 eingebaut. Weitere Elemente der Innenausstattung folgten schrittweise. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren wurde das Innere der Kirche erneut verändert und an die Vorgaben der Liturgiekonstitution angepasst. Die prägenden Malereien an den Arkaden, Fensterrahmen, Kassettendecken und am Vierungs- und Chorbogen wurden erst im Rahmen der Restauration 1986 geschaffen, verstärken aber den romanisierenden Eindruck. In der Kirche stehen Heiligenstatuen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.

Orgel[Bearbeiten]

Graf-Orgel von 1977

Eine erste Orgel erhielt die Kirche am 6. Februar 1921.[6] Dieses Instrument wurde im Jahr 1977 durch die heutige Orgel der Firma Graf aus Sursee stammt von 1977. Das Instrument hat 35 Register auf drei Manualen und Pedal. [7]

I Rückpositiv C–g3
1. Gedackt 8’
2. Principal 4’
3. Koppelflöte 4’
4. Octave 2’
5. Quinte 11/3
6. Cimbel 2/3
7. Krummhorn 8’
Tremulant
II Hauptwerk C-g3
8. Bourdon 16’
9. Principal 8’
10. Rohrflöte 8’
11. Octave 4’
12. Spitzflöte 4’
13. Quinte 22/3
14. Superoctave 2’
15. Mixtur 11/3
16. Trompete 8’
III Schwellwerk C–g3
17. Geigenprincipal 8’
18. Holzgedackt 8’
19. Gamba 8’
20. Praestant 4’
21. Rohrflöte 4’
22. Nasat 22/3
23. Terz 13/5
24. Blockflöte 2’
25. Voix céleste 8’
26. Oboe 8’
27. Schalmey 4’
Tremulant
Pedal C–f1
28. Principal 16’
29. Subbass 16’
30. Octave 8’
31. Spielpfeife 8’
32. Octave 4’
33. Rauschpfeife IV 22/3
34. Posaune 16’
35. Zinke 8’

Krypta[Bearbeiten]

Krypta
Graf-Orgel in der Krypta von 1986

Unter der Kirche befindet sich eine Krypta aus dem Jahr 1986. Es handelt sich um einen niedrigen Raum, dessen Mittelteil um drei Stufen tiefer gelegt wurde, damit dennoch eine angemessene Raumhöhe erreicht werden konnte. Betonpfeiler halten die Last des Kirchengebäudes. Die Holzverkleidungen der Decke und der Klinkerboden verleihen der Krypta einen bergenden Charakter. Hinter dem Volksaltar befindet sich eine Orgel, welche wie die Orgel in der Oberkirche von der Firma Graf aus Sursee gefertigt wurde. Moderne Glasfenster runden die Gestaltung der Krypta ab.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. Chur 1980.
  • Pfarrei St. Georg Küsnacht (Hrsg.): St. Georg Küsnacht. Festschrift zur Einweihung der renovierten katholischen Pfarrkirche. Küsnacht 1986.
  • Peter Ziegler: Kirchen und Kapellen rund um den Zürichsee. Th. Gut Verlag, Stäfa 2000.
  • Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003. S. 14–15.
  2. Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 220
  3. Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003. S. 19.
  4. Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003. S. 5 und 21.
  5. Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003. S. 19–20.
  6. Albin Keller, Christoph Schweiss: 1000 Jahre Glauben. Zum 100. Geburtstag der katholischen Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Küsnacht 2003. S. 20.
  7. Nähere Informationen zur [Orgel]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katholische Kirche Küsnacht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.316968.58105Koordinaten: 47° 19′ 1″ N, 8° 34′ 52″ O; CH1903: 686373 / 241305