St. Georgen im Attergau

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St. Georgen im Attergau
Wappen von St. Georgen im Attergau
St. Georgen im Attergau (Österreich)
St. Georgen im Attergau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Vöcklabruck
Kfz-Kennzeichen: VB
Fläche: 15,58 km²
Koordinaten: 47° 56′ N, 13° 30′ O47.93333333333313.492222222222540Koordinaten: 47° 56′ 0″ N, 13° 29′ 32″ O
Höhe: 540 m ü. A.
Einwohner: 4.255 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 4880
Vorwahl: 07667
Gemeindekennziffer: 4 17 34
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Attergaustraße 21
4880 St. Georgen im Attergau
Website: www.st-georgen-attergau.ooe.gv.at
Politik
Bürgermeister: Wilhelm Auzinger (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(25 Mitglieder)
12 ÖVP, 4 SPÖ, 8 FPÖ, 1 Grüne
Lage der Marktgemeinde St. Georgen im Attergau im Bezirk Vöcklabruck
Ampflwang im Hausruckwald Attersee am Attersee Attnang-Puchheim Atzbach Aurach am Hongar Berg im Attergau Desselbrunn Fornach Frankenburg am Hausruck Frankenmarkt Gampern Innerschwand am Mondsee Lenzing Manning Mondsee Neukirchen an der Vöckla Niederthalheim Nußdorf am Attersee Oberhofen am Irrsee Oberndorf bei Schwanenstadt Oberwang Ottnang am Hausruck Pfaffing Pilsbach Pitzenberg Pöndorf Puchkirchen am Trattberg Pühret Redleiten Redlham Regau Rüstorf Rutzenham Schlatt Schörfling am Attersee Schwanenstadt Seewalchen am Attersee St. Georgen im Attergau St. Lorenz Steinbach am Attersee Straß im Attergau Tiefgraben Timelkam Ungenach Unterach am Attersee Vöcklabruck Vöcklamarkt Weißenkirchen im Attergau Weyregg am Attersee Wolfsegg am Hausruck Zell am Moos Zell am Pettenfirst OberösterreichLage der Gemeinde St. Georgen im Attergau im Bezirk  Vöcklabruck (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das Ortszentrum vom Ballon gesehen
Das Ortszentrum vom Ballon gesehen
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

St. Georgen im Attergau ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Vöcklabruck im Hausruckviertel mit 4255 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Vöcklabruck.

Geografie[Bearbeiten]

St. Georgen im Attergau liegt auf 540 m ü. A. im Hausruckviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 4,3 km, von West nach Ost 7,2 km. Die Gesamtfläche beträgt 15,5 km², 18,1 % der Fläche sind bewaldet, 65,8 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Das Gemeindegebiet wird von Süd nach Nord von der Dürren Ager durchflossen. Die höchste Erhebung ist der Buchberg mit 808 m ü. A.

Ortsteile der Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften Aich, Alkersdorf, Bergham, Buch, Königswiesen, Kogl, Lohen, Lohened, St. Georgen im Attergau, Thalham und Thern.[1]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein silberner, grün gewellter Schildfuß, belegt mit einem roten Balken; darüber ein silberner, gezinnter, rot bedachter und golden bekreuzter Rundturm, auf dessen Mauer gemalen der heilige Georg auf einem naturfarbenen (braunen), linkshin aufspringenden, rot gezäumten und gesattelten Roß, in blauem Harnisch, die Pickelhaube mit einer weißen und einer roten Straußenfeder besteckt, einen grünen, rot bezungten und gewaffneten, am Boden liegenden, widersehenden Drachen den goldenen Speer in den Rachen stoßend.“

Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Blau.

Das Marktwappen wurde 1565 von Kaiser Maximilian II. verliehen. Es zeigt mit dem hl. Georg den Pfarrpatron und Namensgeber des Ortes. Der Turm steht für die Herrschaft Attersee, die im 15. Jahrhundert vom Ort Attersee nach St. Georgen (Burg Kogl) verlegt wurde.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

In der Bronzezeit war das Attergaugebiet von Kelten bewohnt. Davon zeugen die jüngsten Ausgrabungen am Buchberg und in Baum, Gemeinde Berg. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wird das Gebiet Bestandteil des keltischen Königreiches Noricum.

Mit der Eroberung des Keltenreiches 15 v. Chr. durch die Römer wird das Gebiet des Attergaus Teil des Imperium Romanum. Durch die römischen Soldaten, Geschäftsleute und Kolonisten kommt auch das Christentum in die Provinz Noricum. Eine wichtige Rolle bei der Glaubensverbreitung spielt dabei der Hl. Severin (482 n. Chr.). Das Gebiet blieb bis 488 n. Chr. Teil des römischen Reiches (Römische Kaiserzeit, Spätantike).

Mittelalter[Bearbeiten]

Um 550 besiedelten die Baiern das Land und machten die noch verbliebenen Kelto-Romanen tributpflichtig. Die Baiern rodeten das Land und gründeten viele Dörfer. Sie gründeten Einzelhöfe, Weiler und Dörfer mit den Namen, die aus Personenname plus -ing(en) oder -heim bestehen, wie Pabing, Rixing, Engljähring. Die Baiern prägten die zum Teil noch heute bestehende dörfliche Struktur des Landes. Um das Jahr 1000 kam eine zweite Besiedlungswelle aus Baiern. Die Orte bekamen ihre Namen, ihre Mundart und die heidnischen Bräuche haben noch heute ihre typischen regionalen Färbungen. Die Bildung der -ing Namen war bis ca. 1100 abgeschlossen.

Die bairischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger teilten das so besiedelte Gebiet in neue Verwaltungseinheiten, wie der Traungau (Wels), der Attergau (St. Georgen), der Mattiggau (Mattighofen) und der Rottgau (Passau). In dieser Zeit wurden die Ortschaften Roith, Reuth, Reith, Brandstatt, Lohen, Lichtenberg, Katterlohen, Innerlohen gegründet.

Der Name Attergau (Attagaoe) taucht zum ersten Mal im Jahr 790 auf. Etwa zur selben Zeit erfolgt auch die Gründung des Ortes mit dem Namen Attergaudorf. Erst später, nachdem der Ort eine dem Hl. Georg geweihte Kirche bekam, wurde der heutige Name St. Georgen im Attergau geprägt.

Große Teile des Attergaues waren, wie oben erwähnt, zunächst bayerisches Herzogsgut. Sie sind nach der Absetzung Tassilos III. aus dem Hause der Agilolfinger im Jahre 788 als Königsgut direkt an die Karolinger übergegangen. Als Karl der Große 778 den Herzog Tassilo enthebt, fällt alles Eigentum an die Franken. Die Domäne Aterhofen (heutiges Attersee) wird somit fränkisches Krongut.

Im Jahr 1007 gründete der Kaiser Heinrich II. das Bistum Bamberg und schenkte dem Bischof Eberhard zu Bamberg den Aterahof oder Atergovi (Burg Attersee), wie das Gebiet damals bezeichnet wurde. Der damalige Attergau umfasste die Herrschaften Attersee, Kammer und Frankenburg. Es entsprach im Wesentlichen dem heutigen Bezirk Vöcklabruck, ausgenommen war das Mondseerland. Auch in politischer Hinsicht gehörte der Attergau genauso wie das Kernland des heutigen Österreich bis 1156 zum Herzogtum Bayern. Das Zentrum des Attergaus war der Ort Attersee.

St. Georgen in der Topographia Provinciarum Austriacarum von Matthäus Merian (1656)

Bis 1120 war St. Georgen der Pfarre Altmünster unterstellt. Im Bereich dieser Stiftung durch das Bistum Bamberg entstand die Pfarre St. Georgen kurz vor 1200.

St. Georgen wurde 1264 als Gerichtssitz nominiert. Die 1000-jährige Linde erinnert heute noch daran. Mit der Verlegung der Hofmark von Attersee zur Georgskirche in St. Georgen im Jahre 1264 wird die Bedeutung dieses Ortes aufgewertet.

Im Jahr 1379 erwarben die Habsburger den Bamberger Besitz im Attergau von den Schaumbergern. Der Herrschaftsmittelpunkt wurde aber aus wehrtechnischen Gründen von Attersee nach St. Georgen auf den höher gelegenen Koglberg[3] verlegt.

Im Jahr 1463 wurde St. Georgen zum Markt erhoben. Als Gedenken wird heute noch der Simonimarkt und der Faschingsdienstagmarkt abgehalten.

Seit 1490 wird der Attergau dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1848 wurden die Grundherrschaften von Kogl und Kammer aufgehoben und die Bauern wurden zu freien Staatsbürgern. Die modernen politischen Gemeinden und Bezirke (Vöcklabruck) übernahmen die Verwaltung. Bezirksgerichte lösten die Patrimonialgerichtsbarkeit der alten Herrschaften ab. Damit war St. Georgen bis 2013 Teil des Bezirksgerichtes Frankenmarkt.

Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich.

In Thalham wurde in der NS-Zeit ein RAD-Lager (Reichsarbeitsdienst) errichtet. Es diente nach dem Krieg als Flüchtlingslager und seit 1947 als Lungenheilstätte. Seit den 1960er Jahren war es wieder Zufluchtstätte für Flüchtlinge aus Uganda und später aus dem Ostblock und dem Balkan. Heute ist Thalham ein Erstaufnahmezentrum für Asylwerber.

Seit 2002 gehört St. Georgen auch zur Tourismusregion Salzkammergut.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche
Schloss Kogl
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in St. Georgen im Attergau
  • Die Pfarrkirche
Bis 1200 unterstand St. Georgen der Pfarre Altmünster. Die große, dem heiligen Georg geweihte Kirche wurde zwischen 1389 und 1406 erbaut, wobei zuerst der Turm als Wehrturm gebaut wurde. Das Kirchenschiff wurde später dazu gebaut. Anfang des 18. Jahrhunderts bekam sie einen höheren Turm mit Zwiebelhelm. Die Qualität der Einrichtung kann vor allem durch die Kanzel und die überlebensgroße Kreuzgruppe in der Kreuzkapelle nachgewiesen werden, die aus der Guggenbichler-Werkstatt stammen. Das Hochaltargemälde ist von Bartolomeo Altomonte.
Auf dem Koglberg, dem St. Georgener Hausberg, sind noch Mauerreste der 1264 erbauten Burg Kogl zu sehen. Sie wurde anstelle der Burg Attersee erbaut.
Die Besitzer waren: Chunrad Kuchler, die Wallseer bis 1411, die Schaunberger, Ortolph Geymann, die Pollheimer, die Grafen Khevenhüller. Da die Burg seit 1524 nicht mehr bewohnt wurde, setzte der Verfall ein.
Das jetzige Schloss Kogl am Fuß des Koglbergs wurde zwischen 1435 und 1441 als Schloss Neuattersee erbaut. Das Schloss Kogl wurde nach den Plänen des Linzer Baumeisters Johann Michael Prunner 1710 umgebaut. Die hufeisenförmige Anlage erfuhr seither mehrere bauliche Umgestaltungen. Eine schattige Allee führt vom Schloss zum Markt.
Es war früher im Besitz der Grafen Khevenhüller und wurde 1810 an Dr. Pausinger verkauft. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Familie Mayr-Melnhof.
  • Keltenbaumweg am Koglberg
Ein Themenwanderweg auf einer Länge von 2,5 km (kurze Variante) oder 5 km (längere Variante), der durch Infotafeln und „Erlebnisstationen“ das Leben der Kelten näher bringen soll.

Museen[Bearbeiten]

  • Aignerhaus
In diesem alten Mittertenn-Einhaus sind die Küche, Stube, Schlafstube für die Bauersleut, Gerätschaften zur Wäschepflege und zur Leinenerzeugung, eine kleine Schneider- und Schusterwerkstätte und landwirtschaftliche Gerätschaften im Tennbereich zu sehen.
  • Haus der Kultur
In den Räumlichkeiten der umgebauten alten Volksschule im Ort, das offiziell 2002 als Museum wiedereröffnet wurde, finden verschiedene Ausstellungen statt. Unter anderem zu Johann Beer und Erich Wilhelm Ricek. Außerdem haben dort auch diverse Funde aus Ausgrabungen von eisenzeitlichen Gräbern ihren Platz gefunden. [4]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 2003 Mag. Wilhelm Auzinger von der ÖVP.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 3652 Einwohner, 2001 dann 4015 Einwohner.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johann Beer (1655–1700), Schriftsteller und Komponist

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sankt Georgen im Attergau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria: Wohnbevölkerung nach Ortschaften 2001 (PDF; 8 kB) vom 29. Juli 2009 (abgerufen am 12. Mai 2011)
  2. Land Oberösterreich: Wappen der Gemeinde St.Georgen i.A.
  3. In der Grundkarte Österreich steht nicht Koglberg, sondern Kogl. Weiters wurde vereinzelt in der Literatur auch Kogelberg geschrieben Geschichte, Geographie und Statistik im Erzherzogtum Österreich ob der Enns und des Herzogtums Salzburg, Band 3, Linz 1830
  4. [1] Webseite des Heimatverein Attergau. (Abgerufen am 13. Jänner 2012).