St. Gereon

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu gleichnamigen Kirchen siehe Gereonskirche.
Köln, St. Gereon

St. Gereon ist eine der zwölf großen romanischen Basiliken in der Kölner Altstadt-Nord. In ihrem Kern sind noch erhebliche Reste eines spätantiken Konchenovalbaus aus der Mitte des 4. Jahrhunderts erhalten, der zu den bedeutendsten Zeugnissen antiker Repräsentationsarchitektur nördlich der Alpen zählt. Sie ist damit neben dem noch etwas früheren Trierer Dom und der allerdings erst seit 1856 als Kirche genutzten Trierer Konstantinsbasilika eine der ältesten noch bestehenden Kirchen auf deutschem Boden. Ihre ersten Erwähnungen finden sich in einem Gedicht des Venantius Fortunatus (carm. III 14), das im Zeitraum von 565 bis 573 entstand, und wenig später bei Gregor von Tours um 590 (Libri miraculorum I 61). Der stauferzeitliche Bau ist der größte frei überwölbte Zentralbau des Mittelalters nördlich der Alpen.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Überformter spätantiker Zentralbau, noch bis zu 16,50 Meter hoch erhalten.
Eine der spätantiken südlichen Apsidien
Letzter sichtbar, in situ erhaltener Rest des zum spätantiken Zentralbau gehörenden Fußbodenmosaiks
Köln, St. Gereon, Grundriss mit Stift
St. Gereon um 1900
Chor um 1925

Antike[Bearbeiten]

Auf der Nordwest-Nekropole des römischen Köln entstand im 4. Jahrhundert über einem rechteckigen Grabbau (Memoria) der gewaltige spätantike Zentralbau von St. Gereon. Die unsichere Datierung beruht unter anderem auf dem Fund eines fragmentierten Isis-Weihesteins samt einer Münze aus der Zeit nach 345.[1] Die ursprüngliche Funktion des Baus lässt sich derzeit nicht eindeutig einordnen (Mausoleum/Memorialbau/Kirche).

Der zentrale überkuppelte Ovalbau war nördlich und südlich von je vier durchfensterten Konchen umgeben. Der Durchmesser der antiken Kuppel betrug 23,70 m zu 19,80 m.[2]

Zwischen den Konchen und möglicherweise auch in der darüberliegenden, doppelschaligen und durchfensterten Zone des Tambours befand sich eine reiche Säulengliederung. Im Osten befand sich eine halbrunde Apsis. Westlich war eine zweigeschossige Vorhalle vorgelagert, die nördlich und südlich von Apsiden flankiert war. Ein großes Atrium lag westlich der Vorhalle. Forschungen von Gretz und Koch hatten bereits in den 1930er Jahren den antiken Charakter des Bauwerks bewiesen, was durch Studien von Armin von Gerkan nach den Kriegszerstörungen und Otmar Schwab (1965–2002) sowie J. Deckers und Ute Verstegen vertieft wurde. Vergleichbar ist der Bau der sogenannten Minerva Medica in Rom (etwa gleichzeitiges Gartennymphäum).

Der spätantike Bau war reich ausgestattet mit Marmorinkrustation und einem goldenen Kuppelmosaik, das bereits in den frühmittelalterlichen Quellen erwähnt wird (Gregor von Tours). Im heutigen Bau des 13. Jahrhunderts ist das antike Bauwerk noch etwa 14 Meter hoch erhalten und wurde lediglich ummantelt.

Mittelalter[Bearbeiten]

Ab dem 5. oder 6. Jahrhundert ist mit einer kirchlichen Nutzung zu rechnen. Die Kirche trug den Namen „Zu den Goldenen Heiligen“ (ad sanctos aureos). In der Merowingerzeit war St. Gereon die bedeutendste fränkische Königskirche des östlichen Reichsteils. Möglicherweise diente die Kirche in fränkischer Zeit auch als Grablege fränkischer Könige. Auch Kölns erster Erzbischof Hildebold wurde nach seinem Tod im Jahre 818 hier bestattet.

Seit 839 ist die Kirche als Stiftskirche bezeugt. Für die Mitglieder des Stifts, adlige Kanoniker oder Stiftsherren wurde 1067/69 ein neuer längerer Chor gebaut und eine neue Krypta durch Erzbischof Anno errichtet. 1156 entstand unter Erzbischof Arnold II. von Wied die Chorapsis mit den beiden Flankentürmen. 1190 wurden Reliquien der thebäischen Märtyrer aus den Nischen des Ovalbaus in die Krypta überführt. Ein Jahr später wurde der Gereonsaltar geweiht. Das 1219–1227 über dem spätantiken Ovalbau errichtete Dekagon war zur Zeit seiner Entstehung der größte freitragend überwölbte Zentralbau nördlich der Alpen.

Mitte des 13. Jahrhunderts entstand an der Südseite des Dekagons die spätromanische Taufkapelle, und 1315 wurde die Sakristei im Stil der Kölner Dombauhütte angebaut. Im späten 14. Jahrhundert wurden die Gewölbe des Langchors erneuert.

Neuzeit[Bearbeiten]

Um 1550 wurde die Orgel im Dekagon eingebaut. Eine Barockisierung der Kirche erfolgte dann 1766/1767, die aber im 19.Jahrhundert wieder zurückgenommen wurde. Im Jahr 1876 musste nach einem Sturmschaden das Dach des Dekagon neu errichtet werden. August Carl Lange führte die Baumaßnahme aus, ohne wesentliche Veränderungen zum Vorgängerbau vorzunehmen.[3]

1920 wurde St. Gereon durch Papst Benedikt XV. zur Basilica minor erhoben.

Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges betrafen vor allem das Dekagon; bis 1952 war es akut einsturzgefährdet. Das Rettungswerk verdankt sich vor allem den Statikern Wilhelm Schorn (bis 1968) und Otmar Schwab sowie der "Bauhütte" (Firma Schorn). Der Wiederaufbau dauerte bis 1984. Langchor und Krypta dienten bis dahin als Gottesdiensträume, das Dekagon war abgetrennt. 1949 war der Hochaltar fertiggestellt, 1954 wurde eine kleine Orgel im Langchor eingebaut, 1956 folgte die Krypta, 1964 die Taufkapelle. Bis 1982 leitete der Aachener Dombaumeister Leo Hugot und nach seinem plötzlichen Tod Herbert Queck den architektonisch-gestalterischen Ausbau und die Ausstattung. Den Innenraum von Dekagon und östlicher Apsis prägen vor allem die Farbfensterzyklen von Georg Meistermann und Wilhelm Buschulte; die ikonologischen Vorgaben stammen von dem Theologen Wilhelm Nyssen.

Legenden[Bearbeiten]

Um den Ursprung der Basilika St. Gereon ranken sich unterschiedliche Legenden und Vermutungen.

Der Legende nach errichtete die Hl. Helena St. Gereon auf den Gräbern des Hl. Gereon und seiner Gefährten. Es soll sich um Angehörige der Thebäischen Legion handeln, die Kaiser Maximian die Verfolgung von Christen verweigerten und darauf selbst das Martyrium erlitten.

Diese Erzählung wird ab dem 5. Jahrhundert verbreitet und nachweislich in der Mitte des 5. Jahrhunderts von dem Lyoner Bischof Eucherius aufgeschrieben. Bei der Verbreitung der Legende kommt diese auch nach Köln und legitimiert offenbar nachträglich den Kirchenbau. Angeblich befand sich in der Kirche ein (archäologisch nicht nachweisbarer) Brunnen, in den die Mörder die Leichen der Märtyrer geworfen haben sollen. Durch Staub aus diesem Brunnen sei Bischof Everigisil nach einem Bericht des Gregor von Tours von Kopfschmerzen geheilt worden. Ähnlich wie bei der Basilika St. Ursula schienen die Funde in römischen Gräberfeldern die Legende zu bestätigen. Grabungen des 11. Jahrhunderts bringen denn auch 360 Skelette zu Tage. 1121 glaubt der Hl. Norbert, Gründer des Prämonstratenserordens, gar, das Skelett Gereons gefunden zu haben. Sogar die Kleidung sei noch erhalten gewesen. Seither war man überzeugt, über die Gräber und Reliquien der Heiligen zu verfügen.

Im 13. Jahrhundert schließlich scheint den Zeitgenossen die Kenntnis von 318 (Symbolzahl!) Gebeinen von Angehörigen der Thebäischen Legion, die, angeführt von St. Gereon den Märtyrertod erlitten, gesichert. Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts ergaben allerdings keine Hinweise, die diese Legende bestätigen könnten.

Bauwerk[Bearbeiten]

St. Gereon ist ein herausragendes Zeugnis spätantiker und hochmittelalterlicher Architektur. Bestimmendes Element des Baukörpers ist ein gewölbter spätantiker Ovalbau, der im frühen 13. Jahrhundert in die Form eines Dekagons (Zehneck) mit je vier antiken Konchen im Norden wie im Süden "überführt" wird; dieser so gewonnene spätromanische Zentralbau ist in seiner Art nördlich der Alpen einzigartig. Das zentralisierte Rippengewölbe, das den in vier Etagen gegliederten Raum schließt, kann als die größte Kuppel-Konstruktion ihrer Zeit (1227) angesprochen werden. Sie erreicht im Scheitelpunkt 34,55 Meter Höhe und misst im Durchmesser 21 Meter bzw. 16,90 Meter. Die maßwerkartig gruppierten Fenster der obersten Wandzone folgen frühgotischen Vorbildern Frankreichs.

Westlich ist dem Zentralraum die Vorhalle in gotischen Formen vorgelagert, in der der spätantike Narthex weiterlebt. Östlich des Dekagons folgt oberhalb der Krypta der zweijochige Langchor mit dem Chorquadrat, an das sich die beiden Osttürme und die Apsis anschließen. Der von außen reich gestaltete staufische Etagenchor besitzt sieben Blendarkaden mit drei Fenstern.

Die drei unteren Geschosse der Türme schließen mit dem Apsisscheitel ab, darauf folgen zwei weitere mit Scheinfenstern und ein fünftes Geschoss mit zwei großzügigen Doppelarkadenfenstern. Reich gefaltet sind die Turmdächer. Die Türme selbst stehen in einer engen optischen Beziehung zum Dekagon, was den singulären Charakter der Basilika auch im Fernblick betont.

Ausstattung[Bearbeiten]

Im Inneren des Chors findet sich eine Darstellung Christi beim Jüngsten Gericht sowie als ikonografischer Bestandteil Heilige der Thebäischen Legion (siehe „Legende“). Ebenfalls blieben in der Apsis eindrucksvolle Fresken sichtbar.

Das vom früheren „Sebastianusaltar “ erhaltene Altarbild im Hochchor stellt eindrucksvoll das irdische Köln dar, geschützt von den Heiligen, insbesondere St. Sebastian und der Heiligen Dreifaltigkeit (Johann Hulsmann und Johann Toussy, ca. 1635).

Weiterhin schmücken den Langchor noch Tapisserien von 1765 (Aubusson) mit Szenen aus der alttestamentlichen Geschichte des Joseph. Es handelt sich um die Hälfte des ursprünglichen Wandteppichbestandes. Der verloren gegangene Teil hing ursprünglich den Josephszenen gegenüber.

Neben dem Gereonsaltar führt aus dem Langchor eine Treppe in die Krypta mit Fenstern von Alfred Manessier (von 1964). Über den Doppelarkaden des Eingangs zur Grabkammer blieb ein Fresko mit Kreuzigungsdarstellung aus dem späten 13. Jahrhundert erhalten. Aus dem Chor stammt das hier neu verlegte staufische Bodenmosaik. Der in der Krypta befindliche Kreuzigungsaltar aus der Zeit um 1540 stellt unter anderem Heilige aus dem Umfeld des Hl. Gereon dar und ist ein Beispiel früher Kölner Renaissance.

Rechts vom Langchor befindet sich die Sakristei mit kostbaren Doppeltüren vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Sie ist als Schatzkammer mit liturgischen Geräten und Reliquiaren des Mittelalters sowie Grabungsfunden ausgestattet. Zum Schatzbestand gehören u. a. ein Heilig-Kreuz-Reliquiar (um 1250), zwei kostbare Armreliquiare (1220–1225) und mehrere Büstenreliquiare.

Im Zentralbau, dem Dekagon, befinden sich die bei der Wiedererrichtung der Basilika nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Verglasungen für die Spitzbogenfenster (Fensterkranz der Propheten und Apostel), der Palmettenfenster (vier Evangelisten und vier Apokalyptische Reiter), Rundbogenfenster (Kölner Heilige Männer und Frauen, sowie Hll. Josef und Maria) und die Konchenfenster (rein ornamental). Sie entstanden nach den zwischen 1979–1986 entstandenen Entwürfen von Georg Meistermann und Wilhelm Buschulte. Das ikonographische Gesamtprogramm des Dekagons mit Kuppel, Fenstern und Fußboden (Bronze-intarsien mit Zitaten der Geheimen Offenbarung des Johannes), das christliche Martyrium, entwarf Wilhelm Nyssen. In vier übereinanderliegenden Kreisen gestalteten Georg Meistermann und Wilhelm Buschulte den Sieg Christi in seinen Heiligen und die Einheit des himmlischen und irdischen Jerusalem (apokalyptische Wesen, apokalyptisches Lamm, vier Prophetengestalten, zwölf Apostel und Heilige). Überwältigend wirkt die neu gestaltete Kuppel mit ihrem Rot und den goldenen Zungen. Diese Gestaltung basiert auf der frühchristlichen Bezeichnung „sanctos aureos“, der Kirche „zu den goldenen Heiligen“, die Wilhelm Nyssen mit Architekt und Künstlern zusammen in ein ikonografisch neues Konzept stellte (vgl. W. Nyssen, Verborgenes Licht, Köln 1985, S. 129ff).

Der gleichfalls neu gestaltete Fußboden von Elmar Hillebrand ist reliefartig und stellt das Martyrium des heiligen Gereon dar. Die im Zentralbau befindliche Madonna auf Mondsichel ist ein Werk des „Schönen Stils“ des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Sie stammt ursprünglich aus der Kirche St. Maria ad Gradus. Die Neuaufstellung auf bemalter Konsole am südöstlichen Dekagonpfeiler geht auf Irene Rothweiler zurück.

Über dem Westeingang sind noch Fresken des 12. Jahrhunderts zu sehen. Das in einer Nische neben diesem Eingang stehende Säulenstück, die sogenannte Blutsäule von St. Gereon, diente der Legende nach zur Hinrichtung des heiligen Gereon.

Taufkapelle[Bearbeiten]

Freskomalerei in der Taufkapelle im Rheinischen Zackenstil um1250

Vom Zentralbau geht die Taufkapelle mit ihrem achtstrahligen Gewölbe ab. Auch finden sich noch gut erhaltene Fresken des 13. Jahrhunderts mit Heiligendarstellungen. Das achteckige Taufbecken wird in spätromanische Zeit datiert. Die Fenster wurden 1985 nach den Entwürfen von Irene Rothweiler ausgeführt. Der östliche Wandaltar wurde von Vincenz Statz 1864 gestaltet und im Zuge der neuen Fenstergestaltung mit historischem Altarbild und neuer Predella versehen.

Vorhalle[Bearbeiten]

In der westlichen Vorhalle, dem Eingangsbereich, verdeutlicht auf dem Boden ein moderner Grundriss die Basilika samt den untergegangenen Stiftsgebäuden. Der Eingang in den Zentralbau wird von zwei romanischen Löwen flankiert. Unter einem in kräftigen Farben gehaltenen Tympanon, dessen Inschrift an die Märtyrer der Thebaische Legion gemahnt, tritt man in das Dekagon ein.

Pietàkapelle[Bearbeiten]

Pietàkapelle mit rekonstruierter Ausmalung

Von der Vorhalle geht es südlich in eine Kapelle von 1897 ab, die eine wilhelminische Ausstattung besitzt. In ihr befindet sich eine sehenswerte Pietà, die, orientiert am Vorbilde Michelangelos, von Anton Josef Reiss, Düsseldorf, geschaffen wurde.

Nordkapelle[Bearbeiten]

Gegenüber in der Nordkapelle steht eine sehenswerte Kreuzigungsgruppe.

Außen, vor dem westlichen Eingang, stehen heute noch Pfeiler und Traufrinne aus römischer, d. h. spätantiker Zeit.

Krypta[Bearbeiten]

Kreuzigungsdarstellung (13. Jh.) an der Westwand der Krypta

In der Krypta, im Raum unter dem Hauptaltar, der Confessio, befindet sich der Sarkophag des heiligen Märtyrers Gereon und seiner Gefährten der Thebäischen Legion. Auf der Westseite vor der Grabkammer befindet sich über der Doppelarkade eine Kalkseccomalerei mit der Darstellung der Kreuzigung Christi, rechts und links sind die Assistenzfiguren des Hl. Gereon und die Hl. Helena, die legendäre Gründerin der Kirche, beigegeben. Die Wandmalerei wird in das Ende des 13. Jahrhunderts datiert. Auf drei der Kryptagewölbe befinden sich fragmentale Reste mit Rankenornamenten und Figuren aus gleicher Zeit. Auf der Nordwand hängen einige Reliquiare in ornamentaler Anordnung der Reliquien verschiedener Heiliger. Der Chorraum ist mit Fußbodenmosaiken mit alttestamentarischen Darstellungen geschmückt, zwölf große Felder erzählen Geschichten um David und Samson, als Vorläufer Christi. Kleinere Mosaikfelder zeigen die Tierkreiszeichen, sie wurden aber stark ergänzt. Der kostbare Mosaikboden war bis zum Jahr 1867 stark durcheinander geraten. Als erstem Künstler gelang Tony Avenarius 1869 das Zusammenfügen der 400 bis 450 Mosaikteile, Bestandteil des Fußbodens in der Krypta, und der Architekt Heinrich Wiethase brachte dieses Mosaik, abgestimmt auf den Raum, ein.[4] Ursprünglich stammt er aus der Annonischen Bauperiode (1067–1069). Ihm ist weiterhin die Entdeckung und Erhaltung der von ihm der Romanik zugeordneten Deckenmalerei zu verdanken.[5] Der Altar ist eine hochwertige Renaissance-Arbeit aus Kalkstein von 1530 bis 1540. Zwischen vier freistehenden Pfeilern mit Groteskenfüllungen ist in der Mitte die Kreuzigungsszene, darunter die Heiligen Maria und Johannes, links der Hl. Bischof Anno, rechts Mauritius, auf Konsolen an den Seiten ein Diakon und ein Kanonikus. An diesem Altar zelebrierte Petrus Canisius im Juni 1546 seine erste Heilige Messe.Sehenswert sind die Glasfenster der Krypta, sie wurden 1964 von dem französischen Glasmaler Alfred Manessier gestaltet.

Glocken[Bearbeiten]

Sechs Glocken hängen in den beiden Türmen. Von den ehemals fünf Glocken, die 1779 von Martin Legros aus Malmedy gegossen wurden, überdauerten den Brand im Zweiten Weltkrieg nur die drei kleineren Glocken zusammen mit dem alten Glockenstuhl. Die beiden großen Glocken wurden im Jahre 1961 von der Glockengießerei Mabilon aus Saarburg in den gleichen Tönen und mit denselben Namen ihrer Vorgängerinnen neugegossen.

Die alte Bronzeglocke von 1507 aus Alt St. Alban ist im September 2008 nach St. Gereon überführt worden. Sie fügt sich in das Geläut ein und dient als Angelusglocke.

Nr.
 
Name
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
Inschrift
 
1 Helena 1.713 2.950 b0 +6 + S. HELENA – 1779 DEDICATA – 1942 BELLO DESTRUCTA – 1951 RESTITUTA – MUNDO PACEM IMPLORO – JACOBUS HENDRICHS ET JOSEPHA AUER PER L ANNOS SPONSATI ST. GEREON KÖLN
(Hl. Helena, 1779 geweiht, 1942 im Krieg zerstört, 1951 wiedererstanden. Ich erflehe den Weltfrieden. Jakobus Hendrichs und Josepha Auer 50 Jahre verheiratet. St. Gereon, Köln)
2 Gereon 1.525 1.950 c1 +6 + S. GEREON – ET SOCII MART. – CIVITATEM SANGUINE SUO – CONSECRATAM CUSTODIANT – 1961 ST. GEREON KÖLN
(Der hl. Gereon und die gemeinsamen Märtyrer mögen die Stadt mit ihrem Blut geweiht halten.)
3 Gregor 1.320 1.400 d1 +6 + D.O.M. ET GREGORIO DVCI EIUSQUE MILITIBVS PASSIONE ET HONORE SOCIIS. FVNDI IVBERAT ILLVSTRE CAPITVLVM. M. LEGROS FECIT ANNO 1779
(Dem besten, größten Herrn und dem Anführer Gregor und seinen Soldaten, seinen Kameraden in Leiden und Ehre. Mich ließ das angesehene Kapitel gießen. M. Legros goss mich im Jahre 1779.)
4 Anno 1.251 1.200 es1 +6 + D.O.M. BEATOQVE ANNONI – SECVNDO, ARCHIPRAESVLI VBIORVM – FVNVI IVBERAT ILLVSTRE CAPITVLVM. M. LEGROS FECIT ANNO 1779
(Dem besten, größten Herrn und dem seligen Anno II., dem Erzbischof der Ubier. Mich ließ das angesehene Kapitel gießen. M. Legros goss mich im Jahr 1779.)
5 Joseph 1.111 800 f1 –2 + D.O.M. ET SANCTO JOSEPHO – PETRUS CASPARIUS JOSEPHUS DE ZIMMERMANN HILDESIENSIS, HUIUS ECCLESIAE CANONICUS SENIOR, TOPARCHA IN WILDSHAUSEN, SACERDOTII ET CAPITULARITATIS ANNO LI. RELIQ VIS QVATTUOR CAMPANIS HANC SVO AERE ADIVNGEBAT.
(Dem besten größten Herrn und dem Hl. Joseph fügte Peter Kaspar Joseph von Zimmermann aus Hildesheim, dieser Kirche ältester Geistlicher, Statthalter in Wildshausen im 51. Jahr des Priestertums und Zugehörigkeit zum Kapitel, diese den übrigen vier Glocken aus seinem Vermögen hinzu.)
6 Alban 1.034 600 g1 +3 ALBANVS HEISCHEN ICH – UND ERE SENT QVIRINS LVIDEN ICH – TZO GOTTDEINST GEBRVCHT MEN MICH – BLITZEN UND DONRE STVREN ICH ANO DNI MV°VII

Orgeln[Bearbeiten]

Orgel im Dekagon

Im Jahr 2001 erbaute die Firma Josef Weimbs Orgelbau eine neue Orgel auf der kleinen Empore im Dekagon. Das Instrument hat 31 Register und fünf Transmissionen, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Es hat eine mechanische Spieltraktur und elektrische Registertrakturen.

I Rückpositiv C–g3
1. Prinzipal 8′
2. Holzgedeckt 8′
3. Salicional 8′
4. Gemshorn 4′
5. Flöte 2′
6. Sedez 1′
7. Sesquialter II 2 2/3
8. Fourniture III 1 1/3
9. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
10. Prinzipal 16′
11. Prinzipal 8′
12. Rohrflöte 8′
13. Viola da Gamba 8′
14. Unda Maris (ab c0) 8′
15. Oktave 4′
16. Flöte 4′
17. Quinte 2 2/3
18. Superoctave 2′
19. Cornet V (ab f0)
20. Fourniture V 2′
21. Cymbale III 1′
22. Trompette 8′
23. Clairon 4′
III Echo C–g3
24. Gedeckt 8′
25. Flaut 4′
26. Doublette 2′
27. Sesquialter II 2 2/3
28. Basson Hautbois 8′
29. Voix humaine 8′
Tremulant
Pedal C–f1
30. Prinzipal (Nr.10) 16′
31. Subbaß 16′
32. Prinzipal (Nr.11) 8′
33. Rohrflöte (Nr.12) 8′
34. Bombarde 16′
35. Trompette (Nr.22) 8′
36. Clairon (Nr.23) 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P.

An der Nordwand des Chorraumes hängt in Form eines Schwalbennestes eine Chororgel, die im Jahre 1954 von Hans Klais (Bonn) gebaut wurde. Das Instrument hat Kegelladen, die Spiel- und die Registertrakturen sind elektrisch.

I Hauptwerk C–g3
1. Rohrflöte 8′
2. Salicional 8′
3. Principal 4′
4. Waldflöte 2′
5. Sequialtera II
6. Mixtur IV 1 1/3
II Oberwerk C–g3
7. Liebl. Gedack 8′
8. Blockflöte 4′
9. Principal 2′
10. Scharff III-IV 1′
11. Krummhorn 8′
Pedal C–f1
12. Subbaß 16′
13. Principal 8′
14. Gedacktbaß (aus Nr. 12.) 8'
15. Choralbaß (aus Nr. 13.) 4'
16. Nachthorn 2′
  • Koppeln: II/I, II 16′/I, I/P, II/P,
  • Spielhilfen: Handregister, zwei freie Kombinationen, Tutti, Auslöser, Einzelabsteller für Zunge,

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur bauhistorischen Einordnung und Datierung vgl. ausführlich Versteegen (s. unten Literatur) S. 358–495, bes. S. 494f.
  2. Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion. In: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139 (126)
  3. Aloysius Jakob Zorn: Der Architekt August Carl Lange (1834–1884). Dissertation, RWTH Aachen, 1980, Band 1, S. 379ff.
  4. Deutsche Bauzeitung vom 8. Juli 1869 S. 338 -Vermischtes- (PDF; 1,9 MB), abgerufen am 27. September 2013.
  5. Historischer Buch- und Zeitschriftenbestand der Weimarer Kunst- und Bauhochschulen, abgerufen am 27. September 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Nyssen: Verborgenes Licht. Themen Kölnischer Romanik, Köln 1985, ISBN 3-922727-19-8 (formal falsche ISBN).
  • Werner Schäfke: Kölns romanische Kirchen. Architektur, Ausstattung, Geschichte. Köln 1984, ISBN 3-7701-1360-8.
  • Gertie Gretz, Otto Koch: St.Gereon zu Köln. Bonn 1939.
  • Gereon Becht-Jördens: Venantius Fortunatus und die Renovierung der Kirche St. Gereon zu Köln durch Bischof Carentinus. In: Kölner Jahrbuch. 43, 2010, ISBN 978-3-7861-2628-7, S. 57–69.
  • Sabine Czymmek: Die Kölner romanischen Kirchen. Schatzkunst. (=Colonia Romanica, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V., Bd. XXII, 2007). Bd. 1, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0422-2, S. 161–227.
  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76388-4.
  • Ute Verstegen: St. Gereon in Köln in römischer und frühmittelalterlicher Zeit. (Kölner Forschungen, 9). Mainz 2006.
  • Otmar Schwab: St. Gereon zu Köln. Untersuchungen zum spätantiken Gründungsbau. (Diss. Aachen 2001), In: Kölner Jahrbücher. 35, 2002 (ersch. 2004), S. 7–206.
  • Martina Junghans: Die Armreliquiare in Deutschland vom 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. (Dissertation Bonn 2000). Bonn 2002, DNB 965027031.
  • Marion Niemeyer-Tewes: Das Dekagon von St. Gereon in Köln. (Veröffentlichungen der Abteilung Architekturgeschichte, 72). Köln 2000.
  • Hugo Rahtgens: Katholische Pfarrkirche zu St. Gereon (ehem. Stiftskirche). In: Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln. Abt. 3: St. Gereon – St. Johann Baptist – Die Marienkirchen – Gross St. Martin. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 7, 1). L. Schwann, Düsseldorf 1911, S. 1–102.
  • Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln. Hanstein, Bonn 1893 (Digitalisat)
  • Ulrich Krings, Otmar Schwab: Köln: Die Romanischen Kirchen. Zerstörung und Wiederherstellung. (Stadtspuren - Denkmäler in Köln, Bd. 2). J.P. Bachem, Köln 2007, ISBN 978-3-7616-1964-3.
  • Jürgen Kaiser (Text) und Florian Monheim (Fotos): Die großen romanischen Kirchen in Köln, Greven Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-7743-0615-8, S. 74–87.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Gereon (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.9432777777786.9458333333333Koordinaten: 50° 56′ 36″ N, 6° 56′ 45″ O