St. Johann (Dillingen)

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Blick von Westen

Die 1845 erbaute denkmalgeschützte[1] Kirche St. Johann in Dillingen ist eine katholische Kirche und gehört zur Pfarreiengemeinschaft Dillingen, die sich in die fünf Gemeinden Hl. Sakrament, St. Josef, Maria Trost, St. Maximin und St. Johann untergliedert.[2]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten]

Ein Vorgängerbau für die im Jahr 1150 zum ersten Mal urkundlich erwähnte heutige Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde 1450 vom Seigneur Johann von Dillingen gebaut. Die im spätgotischen Stil erbaute Kirche hatte ein Kreuzgewölbe, ein Doppelfenster im Chor und lediglich vier Fenster im Schiff. Im Visitationsprotokoll von 1618 werden drei Altäre erwähnt.

Beim Abbruch der Kirche fand man 1729 einen Wappenstein der Familie von Hagen und Bruchstücke des Wappens derer von Siersberg-Dillingen, was auf Bestattungen von Mitgliedern der Familien hindeutet. Die in den Kriegszeiten des 17. Jahrhunderts, insbesondere im dreißigjährigen Krieg, entstandenen Schäden wurden 1676 behoben. Das Sakramentshäuschen wurde in den 1728 errichteten Nachfolgebau integriert. Ebenso wurden Teile des alten Turms für ein neues griechisches Portal verwendet.

Philipp Schmitt, Erbauer der heutigen Kirche [3]

Die Konsekration durch den Trierer Weihbischof Lothar Friedrich von Nalbach fand am 25. August 1732 statt. Der Hochaltar war die Schutzpatronin der Kirche der heiligen Lucia, die Nebenaltäre der Muttergottes und dem heiligen Sebastian geweiht. Kardinal Georgius de Lacaris schenkte der Gemeinde 1775 in einer silbernen Kapsel untergebrachten Reliquien der hl. Lucia. Diese wurde, in einer größeren Kapsel eingeschlossen, den Gläubigen zum Kuss gereicht. Die Kapsel verschwand in der Revolution, die Gebeine wurden noch im folgenden Jahrhundert verwendet. Der 1728-1732 in vierjähriger Bauzeit erstellte Bau wurde wiederum zu klein, da die Bevölkerung mit der Entwicklung der Hütte stark angewachsen war.

Friedhofskapelle und Körperhäuschen (Leichenhalle) des 1872 entstandenen neuen Friedhofs

Der Erbauer der heutigen Kirche Pfarrer Philipp Schmitt fand beim Bau noch u.a. den Hut eines Spitzbogens und drei Schlusssteine des Vorgängerbaus. Während des 1844 begonnenen und 1845 beendeten Bauvorgangs ereignete sich nur ein Unfall. Die geplanten Baukosten von 9000 Talern (1 Taler = 3 Franken und 75 Centimes) wuchsen auf 14000 Taler an. Der Pfarrer brachte sein Einkommen und Eigenarbeit entsprechend 1000 Talern ein. Der schlichte Saalbau wurde am 9. November 1845 von Bischof Arnoldi konsekriert. Namenspatron war Johannes der Täufer.

St. Johann von Südosten
Innenansicht

Der in sechs Achsen gegliederte rechteckige Saalbau im spätklassizistischen Rundbogenstil mit langgezogenem Chor und halbrunder Apsis weist eine Einturmfassade mit nur um Mauerstärke ausladendem Westturm auf. Die sparsame Reliefierung der hellockerfarbenen und rötlichen Außenwände aus Sandstein mit Bögen, die die Fensteröffnungen der Langhauswand rahmen, erzeugt eine monumentale Wirkung. Der Sockel verkröpft sich um die Wandvorlagen, die so Basen erhalten. Dieses Wandvorlagen-System erweckt den Eindruck der Arkadenzone einer mehrschiffigen Kirche. Der Außenaufbau der Wand wiederholt sich im Inneren. Durch ein kleines Ziergesims unter der Dachzone wird eine klassizistisch anmutende "Frieszone" gebildet. Um den Turm herum verkröpfen sich die Gesimse. Somit wird der Westturm optisch fest in die Fassade eingebunden.

Um 1913 erhielt die Hauptfassade im Zuge von Restaurierungsarbeiten zwei Nebeneingänge und das Turmfenster über dem Mittelportal wurde zugemauert. [4]

Ausgestattet war die Kirche mit drei Altären, einem Silberkelch und einem Ciborium mit silbernen Kuppen. 1847 wurden am Fest Mariae Himmelfahrt drei neue Glocken geweiht. Pfarrer Philipp Schmitt gestaltete ein Taufbecken aus Sandstein in Form eines stilisierten Blütenkelches, der von einer knieenden Engelsfigur getragen wird.

An der Wand links des eingezogenen Chorraumes ist eine Figur des Kirchenpatrones, des heiligen Johannes der Täufer, angebracht. Rechts davon befindet sich eine gekrönte Strahlenkranzmadonna mit Kind. Sie wurde um das Jahr 1720 von der Bildhauerfamilie Guldner aus Berus geschaffen.[5] Ursprünglich stand die Figur in der Pachtener Kirche St. Maximin, kam dann in Privatbesitz und wurde 1948 der Pfarrei St. Johann geschenkt.[6]

Der starke Wachstum der Bevölkerung der Gemeinde Dillingen am Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts war Anlass zum Bau des sogenannten Saardomes (eigentlich Kirche "(Hl. Sakrament)"). Im Jahr 1914 wurden die Pfarrrechte von St. Johann der neuen Kirche Hl. Sakrament übertragen. Danach wurde St. Johann nur noch als Friedhofskapelle benutzt. Doch schon 1935 war die Gemeinde so zahlreich, dass ein neuer Seelsorgebereich St. Johann wieder eingerichtet wurde und im Jahr 1942 die alte Pfarrei wieder errichtet wurde.[7]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche so stark beschädigt, dass der Gottesdienst bis 1948 in einer Notkirche gehalten wurde. Die neogotische Ausstattung des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde zerstört. Unter großen Anstrengungen wurde die frühere Form durch den Architekten Heinrich Latz[8] aus Saarbrücken in den Jahren 1947/48 wiederhergestellt. Dabei wurde die ursprüngliche Flachdecke nicht wieder eingebaut. Der Raum wird nun von einem flachbogigen, kassettierten Tonnengewölbe abgeschlossen, das von Halbtonnen begleitet wird. Am 5. September 1948 fand die Einsegnung der Kirche statt. Im Jahr 1959 wurde der baufällig gewordene Glockenstuhl erneuert.[9] Hohe Rundbogenfenster mit moderner Verglasung erhellen den Raum.

In den Jahren 1978/79 wurde die Kirche im Inneren nach den Plänen des Architekten Heinrich Gellenberg umfassend renoviert. Dabei wurde 1978 eine gotisierend anmutende, kleeblattförmige Fensternische in der Apsis über dem Hochaltar geöffnet und ein Rundfenster eingesetzt. Das runde Buntglasfenster stellt das apokalyptische Lamm dar und wurde vom Saarbrücker Künstler Ernst Alt gestaltet.[10] Ernst Alt hatte in der näheren Umgebung Dillingens in den Jahren 1980-1986 auch das Kirchenportal der Basilika St. Johann in Saarbrücken und in den Jahren 1980-2006 den Glasfenster-Zyklus in der Kirche St. Ludwig in Saarlouis gestaltet.

An der Ostseite der Kirche steht heute an Stelle der Kapelle des alten Friedhofs das Schwedenkreuz. Auf dem 1872 direkt hinter der Kirche angelegten neuen Friedhof befindet sich die denkmalgeschützte Defrance-Gruft, in der Charles-Nicolas Peaucellier bestattet war, sowie das Hillenkreuz.

Orgel[Bearbeiten]

Orgelempore

Die Orgel der Kirche wurde 1957 von der Orgelbaufirma Orgelbau Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) erbaut. Das Kegelladen-Instrument verfügt über 24 (25) Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Die Spieltraktur ist elektropneumatisch, die Registertraktur ist elektrisch. Die Stimmtonhöhe beträgt 440 Hz. Die Disposition lautet wie folgt:[11][12]

I Hauptwerk C–g3

1. Quintadena 16'
2. Principal 8'
3. Rohrflöte 8'
4. Oktave 4'
5. Blockflöte 4'
6. Nasat 22/3'
7. Nachthorn 2'
8. Terz 13/5'
9. Mixtur 4-6f 11/3'
10. Schalmei-Trompete 8'
II Positiv und Schwellwerk C–g3

11. Lieblich Gedackt 8'
12. Weidenpfeife 8' +
13. Sing. Principal 4'
14. Spitzflöte 4' +
15. Principal 2' +
16. Sifflöte 11/3'
17. Scharf 3f 1' +
18. Musette 8'
Tremolo
Pedal C–f1
19. Subbaß 16'
Zartbaß 16' (Windabschwächung)
20. Principalbaß 8'
21. Gedacktbaß 8'
22. Choralbaß 4'
23. Quintade 2'
24. Posaune 16'
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Zungeneinzelabsteller, Tutti, Walze
Anmerkungen

mit + bezeichnete Register stehen im Schwellkasten

Pfarrer der Pfarrei Dillingen (heute St. Johann)[Bearbeiten]

  • 1317: wird ein Pfarrer Gerardus erwähnt
  • bis 1389: Pfarrer Nikolaus
  • ab 1389: Arnold von Wallerfangen
  • + 1427: Wilhelem Peysgeys
  • + 1480: Nikolaus
  • ab 1480: Peter von Vianden
  • bis 1531: Wendalinus von St. Wendel
  • ab 1531: Thilmann von Dillingen
  • bis 1543: Jakob von Diedenhofen
  • ab 1543: Johann Hirzich von Arlon
  • 1569: Johann Syranus (erwähnt)
  • 1612, 1618, 1626: Cornelius Fusmann von Köln
  • 1647, 1632, 1660, 1662: Martin Hecker von Sachsen
  • etwa 1670 – 1713: Theodor Kestenbach von Euren
  • 1713 – 1732: Johann Leonhard Flock (Luxemburg)
  • 1732 – 1753: Johann Baptist Weber
  • 1754 – 1766: Johann Weisgerber von Fraulautern
  • 1766 – 1804: Johann Michael Theis (Saarlouis)
  • 1804 – 1807: Michael Dusable v. Bouzonville
  • 1807 – 1818: Anton Pontry von Saarlouis
  • 1818 – 1819: Philipp Christoph Grandeler
  • 1819 – 1826: Robert Billen
  • 1826 – 1832: Nikolaus Steinbacher
  • 1833 – 1848: Philipp Schmitt
  • 1848 – 1868: Johann Baptist Ehl
  • 1907 – 1913: Dr. Matias Prior
  • 1913 – 1935: Auflösung der Pfarrei St. Johann, Dr. Prior wurde Pfarrer von Heilig Sakrament in Dillingen. St. Johann war Nebenkirche
  • 1935 – 1946: Friedrich Busch (mit Neugründung der Pfarrei)
  • 1946 – 1959: Mathias Weiland
  • 1959 – 1967: Mathias Röder
  • 1967 – 1968: Religionslehrer Schommer als Verwalter
  • 1968 – 1981: Wilhelm Heckmann
  • 1981 – 1982: Vakanz; Pfarrverwaltung durch Dechant Thomas Kopp
  • 1982 – 1994: Heinz Barth
  • 1994 – 1995: Vakanz; Pfarrverwaltung durch Pater Paul Hoffmann
  • 1995 – 1998: Seelsorgeeinheit mit Hl. Sakrament, Pfarrer Dechant Warnfried Bartmann
  • 1998 – 2005: Seelsorgeeinheit mit Hl. Sakrament, Pfarrer Ottmar Dillenburg
  • 2005 – 2006: Vakanz; Pfarrverwaltung durch Pfarrer Patrik Schmidt, St. Maximin
  • 2006 – 2011: Seelsorgeeinheit mit Hl. Sakrament und St.Josef, Diefflen; Pfarrer Gerhard Jacob
  • 1. September 2011: Gründung des Seelsorgebezirkes „Pfarreiengemeinschaft Dillingen“ zusammen mit Maria Trost und St. Maximin. Leitende Priester: Patrik Schmidt und Gerhard Jacob. Alle Pfarreien besitzen noch Pfarrrechte.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Bellmann, Armin Jost; Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V. (Hrsg.): Die Alte Pfarrei – Geschichte der Pfarrei St. Johann Dillingen. Dillingen 2010.
  • Philipp de Lorenzi: Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier, Trier 1887, S. 329-332.
  • Handbuch des Bistums Trier, 20. Ausgabe, Trier 1952, S. 280.
  • Katholisches Bildungswerk Dillingen-Nalbach e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Saardom Hl. Sakrament Dillingen, 1000 Jahre Pfarrei Dillingen, Festschrift zum Jubiläum der Kirchenkonsekration am 25. April 2013, Dillingen 2012.
  •  Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen/Saar. Dillingen 1968.[14]
  • Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland, (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 216-217, Bilder S. 445.
  • Pfarrführer St. Johann Dillingen-Saar, hrsg. v. Katholischen Pfarramt St. Johann Dillingen/Saar, Stuttgart 1962.
  • L. Sudbrack u. A. Jakob (Hrsg.): Das katholische Saarland, Heimat und Kirche, Saarbrücken 1954-1956, II/III, 1954, S. 28f.
  • Willi Weyres/Albrecht Mann: Handbuch zur rheinischen Baukunst des 19. Jahrhunderts (1800-1880), Köln 1968, S. 158.
  • Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2. Auflage, Saarbrücken 1976, S. 176.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johann (Dillingen) – Weitere Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landkreis Saarlouis (PDF), abgerufen am 23. Mai 2014
  2. Pfarreiengemeinschaft Dillingen-Saar Auf: www.pfarreiengemeinschaft-dillingen-saar.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  3. Philipp Schmitt in saarland-biografien
  4. Kunstführer Dillingen/Saar, hrsg. vom Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Saarbrücken und Dillingen 1999, S. 14-16.
  5. Der Beruser Barock wird geprägt von der Bildhauerbrüdern Peter (* 1725), Adam (* 1731; † 1810), Christian († vor 1793) und Georg (* 1736; † 1808) Guldner, deren Werke auch in der Beruser St. Martin (Berus) zu sehen sind.
  6. Kunstführer Dillingen/Saar, hrsg. vom Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Saarbrücken und Dillingen 1999, S. 16.
  7. Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland, (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 216-217, Bilder S. 445.
  8. Vater des Landschaftsarchitekten Peter Latz
  9. Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland, (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 217, Bilder S. 445.
  10. Kunstführer Dillingen/Saar, hrsg. vom Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Saarbrücken und Dillingen 1999, S. 14-16.
  11. Die Orgel der Pfarrkirche St. Johann Dillingen Auf: www.organindex.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  12. Original-Datenblatt der Orgelweihe
  13. Günther Bellmann/Armin Jost; Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V. (Hrsg.): Die Alte Pfarrei – Geschichte der Pfarrei St. Johann Dillingen, Dillingen 2010.
  14. Lehnert-Aloys in saarland-biografien

49.3504716.727109Koordinaten: 49° 21′ 2″ N, 6° 43′ 38″ O