St. Johann (Württemberg)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde St. Johann
St. Johann (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde St. Johann hervorgehoben
48.4872222222229.3247222222222760Koordinaten: 48° 29′ N, 9° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 760 m ü. NHN
Fläche: 58,96 km²
Einwohner: 5046 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 86 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72813
Vorwahl: 07122
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 093
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 1
72813 St. Johann
Webpräsenz: www.st-johann.de
Bürgermeister: Eberhard Wolf
Lage der Gemeinde St. Johann im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Landkreis Esslingen Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Sigmaringen Landkreis Tübingen Zollernalbkreis Bad Urach Dettingen an der Erms Engstingen Eningen unter Achalm Gomadingen Grabenstetten Grafenberg (Landkreis Reutlingen) Gutsbezirk Münsingen Hayingen Hohenstein (Landkreis Reutlingen) Hülben Lichtenstein (Württemberg) Mehrstetten Metzingen Münsingen (Württemberg) Pfronstetten Pfullingen Pfullingen Pliezhausen Reutlingen Riederich Römerstein (Gemeinde) Sonnenbühl St. Johann (Württemberg) Trochtelfingen Walddorfhäslach Wannweil ZwiefaltenKarte
Über dieses Bild

St. Johann ist eine Gemeinde auf der Schwäbischen Alb, etwa 8 km östlich von Reutlingen. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Würtingen. St. Johann ist mit einem Teil (44,2 %) seiner Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die sechs Ortsteile der Gemeinde (Bleichstetten, Gächingen, Lonsingen, Ohnastetten, Upfingen und Würtingen) liegen auf der Albhochfläche über ein weites Gebiet verstreut.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die nachfolgend genannten Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde St. Johann. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen:

Dettingen an der Erms, Bad Urach, Münsingen, Gomadingen, Engstingen, Lichtenstein, Pfullingen, Eningen unter Achalm und Metzingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Gemeindeteilen und früher selbstständigen Gemeinden Bleichstetten, Gächingen, Lonsingen, Ohnastetten, Upfingen und Würtingen. Zu den Gemeindeteilen Bleichstetten, Lonsingen, Ohnastetten und Upfingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Gemeindeteil Gächingen gehören das Dorf Gächingen, das Gehöft Birkenhof und das Haus Tiefental und zum Gemeindeteil Würtingen gehören das Dorf Würtingen und die Höfe Fohlenhof und St. Johann.

Im Gemeindeteil Bleichstetten liegt der abgegangene 1681 erbaute und 1828 abgebrochene Hof Rutschenhof. Im Gemeindeteil Gächingen liegt die Wüstung Zizelhausen. Der Name Zizelhausen besteht noch als Flurname im Süden der Gemarkung. Die älteste Erwähnung als Zozihuhus datiert auf das Jahr 760, weitere Nennungen sind Zusenhusen aus dem Jahr 1318 und Uzilishusin um 1100, die jedoch nicht mit Sicherheit dieses Dorf benennt. Im Norden des Gemeindeteils Upfingen liegt der abgegangene Ort Bickelhausen. Im Gemeindeteil Würtingen liegen die Wüstungen Burkhausen als Burkhusin um 1100 erwähnt. Heselbuch, das im 11. Jahrhundert als villa Hesilibuoch genannt wird, der 1290 als curia Horgenloch genannte Ort Horgenloch und das 1454 genannte Gehöft Taubenhof.[2]

Bleichstetten
Bleichstetten
Gächingen
Gächingen
Lonsingen
Lonsingen
Ohnastetten
Ohnastetten
Würtingen
Würtingen
Upfingen
Upfingen

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ortsteile Upfingen, Ohnastetten und Würtingen werden erstmal 1138 auf einer Urkunde des Klosters Zwiefalten genannt. Bleichstetten wurde 1102, Lonsingen 1268 und Gächingen 1275 schriftlich festgehalten. Am 1. Februar 1972 wurde Bleichstetten nach Würtingen eingemeindet. Am 1. Januar 1975 wurden die Gemeinden Gächingen, Lonsingen, Ohnastetten, Würtingen und Upfingen zur neuen Gemeinde Würtingen zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde wurde am 1. September 1976 nach dem Gestütshof St. Johann umbenannt.

Würtingen[Bearbeiten]

Der Ort war schon zu Zeiten der Alemannen besiedelt. Auf dem Hirnberg befand sich ein alter Fürstensitz. Der Hartberg birgt alte Mauerreste - der Sage nach Reste einer alten Burg. Weiterhin ist die Gemarkung reich an Grabfunden und an Römerspuren (Münzfunde von Mark Aurel, Ziegelfunde in der Lammstraße).
Der alte Heeresweg führte von Gächingen her durch das Degental zwischen Würtingen und Ohnastetten hinab nach Eningen. Auf „Holzwiesen“ am Laisenweg sind Gräben, die Schanzgräben genannt werden. Eine Stelle in Richtung Übersberg heißt „Haußemer Mäuerle". Dem Namen nach sind dies weitere Befestigungen oder Schanzen. Im Dreißigjährigen Krieg und in den nachfolgenden Erbfolgekriegen (1688-1714), wurden zur Verteidigung solche Erdwälle aufgeschüttet.

Würtingen gehörte von alters her zur Grafschaft Urach und fiel mit dieser an das Haus Württemberg. Zusammen mit u.a. Gächingen und Upfingen, organisierte sich Würtingen im sogenannten Kirchspiel, das Teil des Uracher Amtes war.

Im Bauernkrieg suchten der Würtinger Singerhans und der Bleichstetter Konrad Griesinger Anschluss an das Bauernheer des Bantelhans, einem ehemaligen Soldaten aus Dettingen/Erms. Am 17. Mai 1514 wurden sie auf dem Weg dorthin, samt ihrer Getreuen, vom Uracher Förster aufgegriffen. Griesinger entkam schwer verletzt. Der Singerhans wurde nach Urach abgeführt und am 21. Juni peinlich befragt, wobei er nichts verriet. Später wurde er mit dem Bantelhans auf Hohenneuffen inhaftiert.[3]

Im Dreißigjähriger Krieg wurde auch Würtingen hart mitgenommen; Im Kirschenkrieg 1631 zündeten die kaiserliche Truppen unter Egon VIII. von Fürstenberg den Ort an und brannten 24 Gebäude nieder. Nach der Nördlinger Schlacht, führte die Belagerung von Hohenurach tägliche Plünderung herbei. Hier tat sich besonders der Gächinger Bauernsohn, Elenhans, hervor, der die Männer des Kirchspiels organisierte und mehrere Streifzüge ins kaiserliche Lager unternahm. In einem Gefecht wurden 32 Soldaten getötet und in einem Massengrab verscharrt. 1636 wütete die Hungersnot und bald darauf die Pest. Von vormals 370 Einwohnern überleben 58 den großen Krieg.

Von 1640 bis 1648 gingen 30 Uracher Ortschaften - darunter auch Würtingen, Ohnastetten und Bleichstetten - an die Grafschaft Achalm und wurden Vorderösterreich eingegliedert. Mit dem Westfälischen Frieden fiel die Herrschaft Achalm wieder an Württemberg zurück.

Das Pfarrhaus wurde 1613 renoviert. Man ließ dafür durch Heinrich Schickhardt ein Kostenvoranschlag erstellen. Der heutige Bau stammt aus dem Jahre 1752. Die gotische Andreaskirche (1275 erstmals erwähnt) wurde im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt und musste 1754 dem Neubau weichen.[4][5]

Frühe Pfarrer der Andreaskirche seit der Reformation waren: 1557–1602 Gregor Hartmann, 1602–1607 Valentin Lettenbauer, 1607–1621 Johannes Hegel, 1621–1635 Abraham Schwägerlein (flieht nach Pfullingen und hält sich nach seiner Entlassung dort eine Zeit lang in Reutlingen auf), 1635–1637 unbesetzt (Johann Georg Hegel), 1637–1641 Nikolaus Müller II., 1641–1662 Würtingen wird nach Upfingen eingepfarrt, 1662–1673 Christoph Schlickenecker, 1673–1684 Christoph Ilg ,1684–1693 G. Michael Schlegel 1693–1704 Johannes Konrad Harter.[6]

Religionen[Bearbeiten]

Der Ortsteil Lonsingen ist Sitz der Deutschen Indianer Pionier Mission.

Politik[Bearbeiten]

St.Johann im Jahre 1892

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in St. Johann hat 20 Mitglieder. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Wahl am 25. Mai 2014 ergab folgendes Ergebnis:

Kommunalwahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 57,4 % (2009: 57,0 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,2 %
26,0 %
16,4 %
3,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-13,7 %p
+26,0 %p
+4,6 %p
+3,4 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Wir für St. Johann
c Offene Bürgerliste
d Unabhängige Liberale Bürger
11
5
1
3
11 

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Die derzeitige Amtszeit von Eberhard Wolf endet im April 2015.

  • 1972–1999: Raimund Speidel
  • seit 1999: Eberhard Wolf

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Blau ein steigendes silbernes Ross vor einer abgeschnittenen goldenen Ähre mit goldenen Grannen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

St. Johann unterhält seit dem 30. Oktober 1999 eine Partnerschaft mit den französischen Gemeinden der Kommune von Thénezay.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Die Gächinger Kantorei wurde 1954 von Helmuth Rilling gegründet; sie hat heute ihren Sitz in Stuttgart.

Bauwerke[Bearbeiten]

Historisches Rathaus Würtingen
Rossbrunnen in Lonsingen
Getreidemühle in Würtingen
  • Rathaus in Würtingen, Fachwerkbau von 1744
  • Evangelische Andreaskirche in Würtingen
  • Aussichtsturm auf der Hohen Warte
  • spätgotische Wehrkirche St. Georg in Gächingen
  • spätgotische Marienkirche in Upfingen
  • Evangelische Pankratiuskirche mit schwarzem Schiefer-Turm in Ohnastetten
  • Rossbrunnen in Lonsingen
  • Getreidemühle in Würtingen (wurde 2010 abgerissen)

Vereine[Bearbeiten]

Die evangelikale Deutsche Indianer Pionier Mission wurde 1962 gegründet und hat ihren Sitz in Lonsingen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kleinindustrie und intensive landwirtschaftliche Nutzung prägen die Ortsränder der Teilgemeinden. Hier eine Biogasanlage auf der Gemarkung Upfingens

Verkehr[Bearbeiten]

Die Landesstraße 380 verbindet Gächingen, Lonsingen und Würtingen im Norden mit Reutlingen. Die L 249 verbindet Lonsingen und Upfingen mit Bad Urach. Die Ortsteile sind untereinander über Kreisstraßen verbunden.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 221.

Staatliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Gebäudeschmuck an einem der Ställe

Der Gestütshof St. Johann ist eine Domäne des Haupt- und Landgestüts Marbach. Dort wurden schon im 17. Jahrhundert Pferde gehalten. Er hat der Gemeinde seinen Namen gegeben.

Bildung[Bearbeiten]

  • Musikschule St. Johann
  • Nachbarschaftsgrundschule Lonsingen
  • Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Würtingen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Stephan Haid (1874-1932), geboren in Würtingen, Oberlehrer und Organist, Ehrenbürger der Gemeinde Würtingen.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Hans-Jerg Brendlin, (1609–1677), geboren in Gächingen, Anführer einer Bauernmiliz im Dreißigjährigen Krieg, genannt der Elenhans.[8]
  • Johann Georg Hegel, (1615–1680), geboren in Würtingen, lutherischer Pfarrer, Stammvater der „ehrbaren“ Familie Hegel in Württemberg
  • Lothar Schall, (1924–1996), geboren in Stuttgart, Maler, unterhielt ab 1973 ein Atelier in Gächingen.
  • Friedrich Wilhelm „Fritz“ Schnitzler, (1928–2011) geboren in Ohnastetten, war ein deutscher Landwirt, Politiker der CDU, Wirtschaftsmanager und Bauernverbandsfunktionär. In Ohnastetten war er vor der Eingemeindung Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister, danach Ortsvorsteher und Ortschaftsrat.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 71–73
  3. Allgemeine Geschichte des grossen Bauernkrieges: nach ..., Teile 1-2 von Wilhelm Zimmermann. (S. 210 und folgende)
  4. St. Johann. Sechs Heimatdörfer auf der Schwäbischen Alb, Hrsg. Gemeinde St. Johann, August 1988
  5. Beschreibung des Oberamts U r a c h. Herausgegeben von Ober-Steuerrath v. Memminger, Stuttgart und Tübingen. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. 1831.
  6. Christian Sigel: Das Evangelische Württemberg. Seine Kirchenstellen und Geistlichen von der Reformation an bis auf die Gegenwart. 14 Bände, 1919–1932
  7. http://wahlen11.rz-kiru.de/08415093W/gw2014gr.html
  8. Stefan Walz: Der Elenhans, historischer Roman